Anflug – Flugweg von Flugzeugen bei der Landungsvorbereitung (Luftfahrtbetrieb)

Definition

Anflug in der Luftfahrt ist die Abfolge von Flugoperationen und der vorgeschriebene Flugweg, denen ein Flugzeug beim Übergang vom Reiseflug oder Terminalbereich in die unmittelbare Nähe einer Landebahn zur Landung folgt. Diese kritische Phase beginnt mit der Sinkflugplanung und setzt sich über den Endanflug bis zum Aufsetzen fort. Sie umfasst sowohl Instrumenten- als auch Sichtverfahren. Der Anflug wird durch internationale und nationale Standards geregelt (z. B. ICAO Doc 8168 (PANS-OPS) , FAA Instrument Procedures Handbook , EASA Air OPS Regulation (EU) No 965/2012 ). Ziel ist es, das Flugzeug sicher zu konfigurieren, auszurichten und aerodynamisch auf die Landung vorzubereiten – unter Berücksichtigung von Gelände, Luftraum, Umweltfaktoren und Verkehrssequenzierung.

Anflüge können unter Instrumentenwetterbedingungen (IMC) anhand veröffentlichter Instrumentenanflugverfahren (IAPs) oder unter Sichtflugbedingungen (VMC) als Sichtanflug durchgeführt werden, wobei jeweils unterschiedliche betriebliche, regulatorische und verfahrenstechnische Anforderungen gelten.

Wo wird es verwendet?
Die Anflugphase ist universell und findet an allen Flugplätzen Anwendung – von kleinen unkontrollierten Plätzen bis zu den größten internationalen Flughäfen. Instrumentenanflüge sind bei schlechter Sicht oder schwierigem Gelände besonders wichtig, während Sichtanflüge bei guten Bedingungen üblich sind.

Wie wird es verwendet?
Piloten und Fluglotsen arbeiten eng zusammen, befolgen veröffentlichte Karten und Verfahren, standardisierte Kommunikation, Konfigurationsänderungen sowie die Einhaltung von Anflugminima und Durchstartpunkten. Die Anflugphase ist entscheidend für die Flugsicherheit und erfordert strikte Einhaltung – Fehler können zu kontrolliertem Flug in Gelände (CFIT), Verlust von Staffelung, Landebahnüberschreitungen oder einem notwendigen Durchstart führen.

Maßgebliche Referenzen:

Schlüsselelemente und Phasen des Anflug-Flugweges

Die Anflugphase umfasst mehrere wesentliche Teilphasen. Jede hat spezifische Ziele und regulatorische Vorgaben, um einen sicheren und effizienten Übergang vom Reiseflug zur Landung zu gewährleisten.

1. Sinkflugplanung

Die Sinkflugplanung beinhaltet die Festlegung des optimalen Punktes für den Beginn des Sinkflugs vom Reiseflughöhe in die Anflugumgebung. Dies gewährleistet einen kontinuierlichen, energieeffizienten und sicheren Flugweg zur Landebahn.

Zentrale Konzepte:

  • Top of Descent (TOD): Berechnet anhand der zu verlierenden Höhe, Flugzeugleistung und Umweltfaktoren. Faustregel: Zu verlierende Höhe (in Tausend Fuß) × 3 = Sinkflugentfernung in nautischen Meilen.
  • Fortgeschrittene Sinkflugplanung: Moderne Flugzeuge nutzen Flight Management Systeme (FMS) für kontinuierliche Sinkflüge (CDA), was Kraftstoff spart und Lärm/Emissionen reduziert.
  • ATC-Beteiligung: Im kontrollierten Luftraum erteilt ATC Sinkfluggenehmigungen, Überflugbeschränkungen und Geschwindigkeitsvorgaben.
  • Regulatorische Kriterien: ICAO Doc 8168 gibt Sinkfluggradienten und Hindernisfreiheit vor.

Betriebliche Anwendung:
Eine gute Sinkflugplanung verhindert hohe Sinkraten, ermöglicht stabile Anflüge und reduziert die Notwendigkeit für kurzfristige Konfigurations- oder Geschwindigkeitsänderungen.

Referenzen:

2. Anflugvorbereitung und Briefing

Vor Einleitung des Anflugs führen Piloten eine systematische Überprüfung und Einrichtung durch, um Ausrichtung und Bereitschaft sicherzustellen.

Schlüsselelemente:

  • Anflugkarten-Check: Frequenzen, Höhen, Kurse, Minima, Durchstartverfahren und Flughafenlayout.
  • Wetter- und NOTAM-Check: Aktuelle und vorhergesagte Bedingungen bestimmen die Anflugauswahl und -konfiguration.
  • Briefing-Inhalte: Anflugtyp, Landebahn, Minima, Durchstart, Konfigurationspunkte, besondere Gefahren, Aufgabenverteilung, Kommunikation.
  • Checklisten-Integration: Stellt sicher, dass Flugzeugsysteme und Navigation korrekt eingerichtet sind.

Regulatorische Anforderungen:
ICAO Annex 6 und EASA Air OPS fordern dokumentierte Anflugbriefings und definierte Multi-Crew-Kommunikationsprotokolle.

Referenzen:

3. Initialer Anflug und Einflug ins Verkehrsmuster

Diese Phase verbindet das Ankunftsverfahren oder STAR mit dem Endanflug, entweder über Instrumentenverfahren oder durch den Eintritt ins visuelle Verkehrsmuster.

Instrumentenanflugverfahren (IAPs):

  • Initial Approach Fix (IAF): Einstiegspunkt für das veröffentlichte Anflugverfahren.
  • Ankunftsführung: STARs und Vektoren führen das Flugzeug zum IAF.
  • Übergang zum FAF: Über Zwischenpunkte mit Höhen- und Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Visuelles Verkehrsmuster (VFR):

  • Muster-Einflug: Typisch auf der Gegenanflugseite in der veröffentlichten Platzrundenhöhe.
  • Abstand und Staffelung: Piloten erfassen Verkehr visuell und geben an unkontrollierten Plätzen Absichtsmeldungen ab.

Regulatorische Vorgaben:
ICAO Doc 8168 und Doc 4444 definieren Kriterien für das Initial Approach Segment. FAA und EASA regeln Muster-Einflug und Kommunikation.

Referenzen:

4. Konfiguration und Sinkflug zur Landung

Die Flugzeugkonfiguration umfasst das systematische Ausfahren von aerodynamischen Hilfsmitteln und Systemanpassungen zur sicheren Landungsvorbereitung.

Wichtige Konfigurationsänderungen:

  • Fahrwerk: Gemäß SOPs ausgefahren, meist im Gegenanflug oder an einem bestimmten Punkt.
  • Klappen: In Stufen ausgefahren, um Auftrieb und Widerstand zu erhöhen und geringere Anfluggeschwindigkeiten zu ermöglichen.
  • Anfluggeschwindigkeit: Berechnet nach Gewicht, Wind und Turbulenz, mit Sicherheitszuschlag.
  • Checklisten-Disziplin: Sinkflug-, Vorlandungs- und Landungs-Checklisten gewährleisten korrekte Systeme und Konfiguration.

Regulatorische Vorgaben:
ICAO Doc 8168 und FAA AC 91-79A empfehlen Best Practices für Konfiguration und Energiemanagement, einschließlich des „Stabilisierten Anflugfensters“.

Referenzen:

5. Kriterien für den stabilisierten Anflug

Ein stabilisierter Anflug liegt vor, wenn sich das Flugzeug auf korrektem Weg, mit passender Geschwindigkeit und Konfiguration befindet und nur minimale Abweichungen zulässt. Dies ist für sichere Landungen unerlässlich und wird von den wichtigsten Luftfahrtbehörden vorgeschrieben.

Stabilisierte Anflug-Gates:

Höhe (AGL)BedingungenKriterien
1.000 ftIMCAuf Kurs, im Gleitpfad, konfiguriert, Zielgeschwindigkeit, Checklisten abgeschlossen
500 ftVMCWie oben; unterhalb nur noch geringfügige Korrekturen erlaubt

Stabilisationsparameter:

  • Auf Mittellinie und Gleitpfad
  • Innerhalb –5/+15 Knoten der Zielgeschwindigkeit
  • Triebwerke über Leerlauf
  • Sinkrate max. 1.000 ft/min, falls nicht gebrieft
  • Vollständig konfiguriert und Checklisten abgeschlossen

Maßnahme bei Nichtstabilisierung:
Ein Durchstart ist verpflichtend, wenn die Kriterien zur Gate-Höhe nicht erfüllt sind.

Regulatorische Referenzen:

  • ICAO Doc 8168
  • FAA AC 120-71B
  • EASA CAT.OP.MPA.300

Referenzen:

6. Endanflugsegment

Der Endanflug reicht vom Final Approach Fix (FAF) oder Final Approach Point (FAP) bis zur Landeschwelle oder zum Missed Approach Point (MAP).

Arten des Endanflugs:

  • Präzisionsanflug: Seitliche und vertikale Führung (z. B. ILS).
  • Nichtpräzisionsanflug: Nur seitliche Führung (z. B. VOR, NDB, LOC).
  • Sichtanflug: Visuelle Orientierung an Landebahn und Befeuerung.

Wichtige Aspekte:

  • Gleitweg (visuell oder per Instrumentenleitung) halten
  • Geschwindigkeit und Leistung präzise steuern
  • Über-/Unterkorrekturen wegen Wind oder Konfiguration vermeiden

Regulatorische Vorgaben:
ICAO Doc 8168 schreibt Hindernisfreiheit und Missed Approach-Schutz vor.

Referenzen:

7. Landung – Ausschweben, Abfangen, Aufsetzen und Ausrollen

Diese letzte Sequenz überführt das Flugzeug vom Anflug zum Bodenkontakt und zur Verzögerung.

Phasen der Landung:

  • Ausschweben (Roundout): Bei 10–50 ft AGL, Nase anheben, Sinkrate verringern.
  • Abfangen (Flare): Bei 1–2 ft AGL, Pitch weiter erhöhen für sanftes Aufsetzen.
  • Aufsetzen: Haupträder setzen möglichst in der Aufsetzungszone auf.
  • Ausrollen: Kurs halten, Bremsen und Spoiler einsetzen, Seitenwind mit Querruder ausgleichen.

Spezielle Techniken:
Bei Seitenwind, weichen oder kurzen Bahnen sind besondere Anpassungen nötig.

Fehlervermeidung:
Übermäßiges Abfangen vermeiden, Windversatz korrigieren, Flugzeug nicht auf den Boden „zwingen“.

Referenzen:

Operative Nutzung und Beispiele

Linien- und Allgemeine Luftfahrt

Im Linienflug sind Anflüge standardisiert, mit Unternehmens-SOPs, behördlicher Überwachung und wiederkehrendem Training. Flugmanagementsysteme automatisieren vieles, doch die Piloten bleiben für Überwachung und manuelle Eingriffe verantwortlich.

In der Allgemeinen Luftfahrt gelten ähnliche Prinzipien, oft jedoch mit weniger Automatisierung und ATC-Unterstützung. Daher ist das Pilotenkönnen in Anflugverfahren und dem visuellen Verkehrsmuster besonders wichtig.

Beispiel Sicht- vs. Instrumentenanflug

  • Instrumentenanflug (z. B. ILS): Wird bei schlechtem Wetter oder nachts verwendet. Der Pilot folgt veröffentlichten Verfahren und Navigationshilfen für eine sichere Landung.
  • Sichtanflug: Wird bei guter Sicht genutzt. Der Pilot orientiert sich visuell an Landebahn und Umgebungsmerkmalen.

Durchstart/Missed Approach

Kann der Anflug nicht sicher abgeschlossen werden (instabil, Hindernisse, Verkehr oder Landebahn nicht bei Minima in Sicht), muss das Missed Approach- bzw. Durchstartverfahren wie veröffentlicht und gebrieft durchgeführt werden.

Sicherheit, Compliance und Training

  • Anflug- und Landeunfälle machen einen erheblichen Anteil der Luftfahrtvorfälle aus. Strikte Einhaltung der stabilisierten Anflugskriterien und sorgfältige Planung reduzieren diese Risiken maßgeblich (ICAO Doc 9859, Safety Management Manual ).
  • Regelmäßiges Training von Anflugverfahren – im Simulator und realen Flugbetrieb – ist für alle Piloten unerlässlich.

Zusammenfassung

Die Anflugphase ist ein Grundpfeiler sicherer Flugbetriebe und erfordert sorgfältige Planung, präzise Ausführung und Einhaltung internationaler Standards. Ob unter Instrumenten- oder Sichtbedingungen: Der Anflug umfasst Sinkflugplanung, Konfiguration, Navigation und Kommunikation und endet mit einer sicheren Landung – oder einem konsequent durchgeführten Durchstart, wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind.

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Häufig gestellte Fragen

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