Eine verschobene Schwelle ist eine Markierung auf der Landebahn, die anzeigt, dass die Landeschwelle weiter in die Landebahn hinein versetzt wurde. Dies ermöglicht einen sicheren Überflug von Hindernissen, den Schutz des Belags, Lärmschutzmaßnahmen und die Einhaltung von Sicherheitsbereichen, während der verschobene Bereich weiterhin für Start, Rollen und Ausrollen in Gegenrichtung genutzt werden kann.
Definition
Eine verschobene Schwelle ist eine betriebstechnische Einrichtung einer Landebahn, bei der der Aufsetzpunkt für landende Flugzeuge um eine bestimmte Distanz vom physischen Ende der befestigten Oberfläche ins Innere verlegt wird. Diese Anpassung dient der Erhöhung der Sicherheit, der Berücksichtigung von Umwelt- oder Infrastrukturauflagen und der optimalen Nutzung der Landebahn. Der Bereich vor der verschobenen Schwelle ist deutlich markiert und wird in dieser Richtung nicht für das Aufsetzen genutzt, bleibt aber für Starts, Rollen und Ausrollen in Gegenrichtung verfügbar.
Zweck und Gründe für den Einsatz
Verschobene Schwellen erfüllen mehrere wichtige Zwecke:
Hindernisfreiheit: Stellt sicher, dass Flugzeuge Hindernisse (Bäume, Gebäude, Gelände) mit ausreichender Höhe überfliegen, wie von ICAO Anhang 14 und FAA-Vorschriften gefordert.
Belagsschutz: Verhindert Landungen auf Landebahnabschnitten, die nicht für Landestöße ausgelegt sind, etwa ältere oder vorübergehend reparierte Flächen.
Lärmschutz: Verlegt die Landung weiter weg von lärmempfindlichen Gebieten und reduziert so die Lärmbelastung für Anwohner.
Einhaltung von Sicherheitsbereichen: Sichert ausreichende Runway Safety Area (RSA) oder Runway End Safety Area (RESA) gemäß den behördlichen Vorgaben.
Bau- oder Wartungsarbeiten: Ermöglicht die Nutzung der Landebahn, während in Schwellenähe gearbeitet wird.
Nähe zu anderen Flugplatzbereichen: Vermeidet Beeinträchtigungen durch kreuzende Rollwege, Landebahnen oder geschützte Bereiche.
Der Einsatz wird jeweils unter Berücksichtigung von Sicherheit, Effizienz und Regelkonformität bewertet.
Betriebstechnische Details
Landung: Flugzeuge dürfen vor der verschobenen Schwelle nicht aufsetzen. Ein Verstoß kann unsicher sein oder gegen Vorschriften verstoßen.
Start: Die gesamte Landebahn, einschließlich des verschobenen Bereichs, steht in der Regel für Startläufe in beiden Richtungen zur Verfügung.
Ausrollen nach Landung (Gegenrichtung): Flugzeuge, die aus der Gegenrichtung landen, können den verschobenen Bereich zum Ausrollen nutzen und so die Bremsstrecke maximieren.
Rollen: Der verschobene Bereich kann je nach Flughafenanordnung und -verfahren zum Rollen genutzt werden.
Deklarierte Strecken
LDA (verfügbare Landestrecke): Beginnt an der verschobenen Schwelle, nicht am physischen Ende.
TORA (verfügbare Startstrecke): Umfasst in der Regel die gesamte befestigte Länge.
TODA (verfügbare Startlaufstrecke): Beinhaltet meist ebenfalls den verschobenen Bereich.
ASDA (verfügbare Beschleunigungs-Stopp-Strecke): Umfasst die gesamte befestigte Länge, sofern nicht anders angegeben.
Beispiel: Eine 10.000 ft lange Landebahn mit 2.000 ft verschobener Schwelle hat:
LDA: 8.000 ft (für Landung in Richtung der Verschiebung)
TORA, TODA, ASDA: 10.000 ft (volle Länge)
Arten verschobener Schwellen
Dauerhaft: Aufgrund dauerhafter Hindernisse, langfristigem Lärmschutz oder nicht behebbaren Belagsbegrenzungen. Auf allen offiziellen Karten verzeichnet.
Vorübergehend: Durch kurzfristige Bauarbeiten, Wartung oder temporäre Hindernisse bedingt. Über NOTAMs und aktualisierte Karten kommuniziert.
Beide Arten müssen für Flugbesatzungen klar markiert und dokumentiert sein.
Markierungen, Zeichen und Erkennung
Verschobene Schwellen zeichnen sich aus durch:
Weiße Pfeile entlang der Mittellinie, die zur Schwelle zeigen.
Einen breiten, durchgehenden weißen Schwellenbalken (zehn Fuß breit) quer zur Mittellinie.
Pfeilspitzen über die gesamte Breite direkt vor dem Schwellenbalken.
Landebahnnummern beginnen erst nach der Schwelle.
Grüne Schwellenlichter an der verschobenen Schwelle (Anflugseite).
Rote Landebahnendlichter am tatsächlichen Ende der befestigten Fläche (Abflugseite).
Weiße Landebahnrandlichter entlang sowohl des verschobenen als auch des Landebahnabschnitts.
Markierungen und Befeuerung entsprechen ICAO Anhang 14 und FAA AC 150/5340-1.
Befeuerung für verschobene Schwellen
Schwellenbefeuerung: Grüne Lichter an der verschobenen Schwelle für den Anflug.
Landebahnendbefeuerung: Rote Lichter am physischen Ende, sichtbar für startende oder entgegenkommende Flugzeuge.
Randbefeuerung: Weiß, ggf. gelb in der Nähe des Landebahnendes.
Anflugbefeuerungssysteme: Können über die verschobene Schwelle hinausreichen und zusätzliche Führung bieten.
Vorübergehende Verschiebungen können durch mobile Beleuchtung und zusätzliche Beschilderung ergänzt werden.
Deklarierte Strecken und Berechnung
Deklarierte Strecken ändern sich wie folgt:
LDA wird um die Verschiebung verkürzt und beginnt an der verschobenen Schwelle.
TORA, TODA, ASDA bleiben in der Regel die volle Landebahnlänge, sofern nicht anders angegeben.
Piloten müssen diese veröffentlichten Werte für Leistungsberechnungen und Compliance verwenden.
Betriebliche Auswirkungen und praktische Hinweise
Für Piloten
Flugvorbereitung: Immer aktuelle Flugplatzkarten, Kartenmaterial und NOTAMs prüfen.
Landung: Niemals vor dem Schwellenbalken aufsetzen.
Start: Die gesamte befestigte Landebahn nutzen, sofern keine lokalen Einschränkungen bestehen.
Situationsbewusstsein: Pfeilmarkierungen, Schwellenbalken und grüne Lichter erkennen.
Leistungsberechnung: Die korrekte LDA für den sicheren Stopp verwenden.
Für Flughafenbetreiber
Akkurate Daten veröffentlichen: LDA, TORA, TODA und ASDA müssen aktuell und präzise sein.
Schwellen markieren und beleuchten: Markierungen und Befeuerung strikt nach Vorgaben instandhalten.
Änderungen kommunizieren: NOTAMs herausgeben und Karten bei jeder Schwellenänderung aktualisieren.
Für Vermessungsingenieure und Planer
Präzise vermessen: Sichere Darstellung der physischen Enden und verschobenen Schwellen in allen Unterlagen gewährleisten.
Laufende Bewertung: Regelmäßige Überprüfung des Bedarfs an Schwellenverschiebung wegen Hindernissen, Sicherheitsbereichen oder Umweltveränderungen.
Beispiele und Anwendungsfälle
Flughafen Farnborough (EGLF): Beide Bahnen haben eine 2.099 ft verschobene Schwelle aufgrund von Lärmschutz und Hindernisfreiheit, wodurch die LDA auf 5.906 ft reduziert wird.
San Jose International (KSJC), Landebahn 30L: 2.537 ft verschobene Schwelle, LDA reduziert auf 7.614 ft von insgesamt 11.000 ft.
Übersichtstabelle: Nutzung des Bereichs mit verschobener Schwelle
Betrieb
Bereich vor verschobener Schwelle
Bereich hinter verschobener Schwelle
Start (beide Richtungen)
Erlaubt
Erlaubt
Landung (in Richtung der Verschiebung)
Nicht erlaubt
Erlaubt
Ausrollen nach Landung (Gegenrichtung)
Erlaubt
Erlaubt
Rollen
Erlaubt (wie vorgesehen)
Erlaubt
Verwandte Begriffe
Landebahnschwelle: Der Anfang des für Landung verfügbaren Landebahnabschnitts.
Runway Safety Area (RSA): Freigehaltener Bereich zur Risikominderung bei Unter- oder Überrollen.
Runway Stopway: Bereich hinter der Landebahn für abgebrochene Startläufe.
Verschobene Schwellen sind entscheidend für einen sicheren, effizienten und regelkonformen Flughafenbetrieb. Das Verständnis ihrer Markierungen, betrieblichen Auswirkungen und regulatorischen Hintergründe ist für Piloten, Flughafenbetreiber, Planer und alle in der Luftfahrtsicherheit Tätigen unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen
Verschobene Schwellen werden eingesetzt, um einen sicheren Hindernisüberflug beim Anflug zu gewährleisten, den Landebahnbelag vor Landestößen zu schützen, den Lärm über empfindlichen Gebieten zu verringern und die Einhaltung von Sicherheitsbereichsvorgaben sicherzustellen. Weitere Gründe sind Bauarbeiten, Wartung oder die Nähe zu anderen Flugplatzbereichen. Der Bereich vor der verschobenen Schwelle ist nicht zum Landen geeignet, kann aber für Starts oder Rollen genutzt werden.
Nein, Flugzeuge dürfen in Richtung der Verschiebung nicht im Bereich vor einer verschobenen Schwelle landen. Dieser Abschnitt ist möglicherweise nicht für die Belastung durch Landungen ausgelegt oder freigegeben, und ein Aufsetzen dort kann gefährlich sein oder gegen Vorschriften verstoßen. Für Startläufe und Ausrollen nach der Landung aus der Gegenrichtung darf der Bereich jedoch genutzt werden.
Piloten erkennen eine verschobene Schwelle an charakteristischen Landebahnmarkierungen: Weiße Pfeile entlang der Mittellinie führen zu einem breiten, durchgehenden weißen Schwellenbalken mit Pfeilspitzen quer über die Bahn direkt davor. Nachts markieren grüne Schwellenlichter die Landeschwelle. Diese visuellen Hinweise sorgen dafür, dass Piloten den korrekten Landepunkt erkennen.
Die verfügbare Landestrecke (LDA) beginnt an der verschobenen Schwelle und ist kürzer als die gesamte Landebahnlänge. Die verfügbare Startstrecke (TORA) umfasst in der Regel die gesamte befestigte Bahn, einschließlich des verschobenen Bereichs, sofern keine lokalen Einschränkungen bestehen. Piloten müssen für Start- und Landeberechnungen die korrekten deklarierten Strecken verwenden.
Verschobene Schwellen können dauerhaft oder vorübergehend sein. Dauerhafte Verschiebungen dienen der Beseitigung dauerhafter Hindernisse, Lärmschutz oder Belagsbegrenzungen. Vorübergehende Verschiebungen entstehen durch Bauarbeiten, Wartung oder temporäre Hindernisse und werden üblicherweise per NOTAM und temporärer Beschilderung bekanntgegeben.
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