Was ist Low Intensity Runway Lighting (LIRL)?
Low Intensity Runway Lighting (LIRL) und Flughafen-Befeuerungssysteme
Low Intensity Runway Lighting (LIRL) ist eine grundlegende Technologie für die Sicherheit auf Flughäfen, insbesondere an kleinen oder ländlichen Flugplätzen. Während sie weniger auffällig ist als die beeindruckenden Lichtanlagen großer internationaler Flughäfen, spielt LIRL eine entscheidende Rolle für sichere Nacht- und Schlechtwettereinsätze an Tausenden von Regional- und Allgemeinluftfahrt-Flughäfen weltweit.
Was ist LIRL?
LIRL ist ein System aus fest installierten, lichtschwachen Bahnbefeuerungen. Seine Hauptfunktion besteht darin, die Ränder einer Start- und Landebahn zu markieren und Piloten bei Anflug, Landung, Start und Rollen in der Nacht oder bei eingeschränkter Sicht visuelle Orientierung zu geben. LIRL zeichnet sich aus durch:
- Niedrige, nicht variable Lichtintensität (~25 Candela)
- Weiße Randbeleuchtung (mit standardisierter Farbcodierung für Schwelle und Bahnbereichsende)
- Einheitlicher Abstand (maximal 60 Meter/200 Fuß)
- Einfache, robuste Bauweise für geringen Wartungsaufwand
- Eignung für Flugplätze ohne präzise Instrumentenanflüge oder starken Verkehr
LIRL findet man typischerweise auf:
- Flugplätzen der Allgemeinen Luftfahrt (GA)
- Ländlichen und abgelegenen Flugpisten
- Temporären oder Ausweichpisten (z. B. Katastrophenschutz, Militär)
- Hubschrauberlandeplätzen (Randmarkierung)
Ihre Einfachheit, Kosteneffizienz und zunehmend autonome (oft solarbetriebene) Bauweise machen sie zum bevorzugten System für Flugfelder, an denen eine fortschrittliche Infrastruktur nicht praktikabel ist.
Photometrische und Farbstandards
LIRL-Intensität und -Farbe sind weltweit standardisiert, damit Piloten überall eindeutige und konsistente visuelle Signale erhalten.
Intensität:
- LIRL: ~25 Candela (cd) im Hauptstrahl
- MIRL: 200–500 cd
- HIRL: >1.000 cd
Farbe:
- Weiß: Standard für Bahnränder
- Gelb/Amber: Letzte 600 Meter (2.000 Fuß) oder die Hälfte der Bahn, Warnzone (optional, häufiger bei größeren Bahnen)
- Rot: Bahnende, signalisiert Stopp/kein nutzbarer Belag mehr
- Grün: Schwelle (Beginn der Bahn), markiert Start des Landebereichs
Alle LIRL-Leuchten werden umfangreichen photometrischen und farbmetrischen Prüfungen unterzogen, um die Einhaltung von ICAO Annex 14, FAA AC 150/5345-46 und gleichwertigen Standards sicherzustellen.
Komponenten eines LIRL-Systems
Eine typische LIRL-Installation umfasst:
1. Randbefeuerung der Start- und Landebahn
- Robuste, wetterfeste Leuchten (oft erhöht montiert)
- Leuchtmittel: Früher Glühlampen oder Halogen, heute meist hocheffiziente LEDs
- Linsen: Ausgelegt für die richtige Lichtverteilung, omni- oder bidirektional je nach Bedarf
2. Stromversorgung
- Netzbetrieben: Fest verkabelt, mit Stromreglern (CCR) für gleichbleibende Lichtleistung
- Solarbetrieben: Autonome Einheiten mit Photovoltaikmodulen, Lithium-Batterien (LiFePO4) und intelligenten Steuerungen. Besonders beliebt an abgelegenen oder netzunabhängigen Flugplätzen.
3. Steuerungssystem
- Manuell: Schaltung über Tower oder Betriebszentrale
- Automatisch: Timer, Dämmerungsschalter oder Wettersensor
- Pilotengesteuerte Beleuchtung (PCL): Piloten aktivieren die Beleuchtung per Funk (bestimmte Frequenz und Anzahl Mikrofonschaltungen)
- Fernbedienung: Drahtlos oder per GSM-App/SMS, speziell bei Solareinheiten
4. Montage und Schutz
- Erhöhte oder flache Sockel (je nach lokalen Anforderungen)
- Widerstandsfähig gegen: Witterung, Wildtiere, Schneeräumung, Triebwerksstrahl und kleinere Stöße
Farbcodierung und Anordnung: ICAO/FAA-Standards
| Farbe | Anordnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Weiß | Bahnränder | Sicher/nutzbare Bahnoberfläche |
| Gelb | Letzte 600 m oder 2.000 ft der Bahn | Vorsicht – Bahnende naht |
| Rot | Bahnende | Halt – kein nutzbarer Belag mehr |
| Grün | Schwelle (Beginn der Bahn) | Beginn des nutzbaren Landebereichs |
- Randfeuer: 0,6–3 Meter vom Bahnbereich entfernt, in ≤200 Fuß Abständen, symmetrisch beidseitig
- Schwellen-/Endfeuer: Senkrecht zur Bahnachse, grün zum Anflug, rot zum abrollenden Verkehr
Regulatorischer Rahmen und Zertifizierung
Alle LIRL-Systeme müssen strengen internationalen und nationalen Standards entsprechen:
- ICAO Annex 14, Volume I: Globale Anforderungen an Konstruktion, Lichtstärke, Farbgebung und Anordnung
- FAA AC 150/5345-46: US-amerikanische Spezifikation für Bahn- und Rollwegbeleuchtung
- EASA, CASA, Transport Canada, NATO STANAG: Regionale und militärische Äquivalente
Zertifizierung:
Hersteller müssen photometrische, farbmetrische, mechanische und Umweltprüfungen bestehen. Zertifizierte Produkte werden von Luftfahrtbehörden gelistet und als konform gekennzeichnet.
Wann wird LIRL eingesetzt?
LIRL eignet sich am besten für:
- Flughäfen der Allgemeinen Luftfahrt: Privatpiloten, Fliegerclubs, Flugschulen
- Ländliche & abgelegene Flugpisten: Besonders bei begrenztem oder fehlendem Netzanschluss
- Temporäre/Ausweichpisten: Katastrophenschutz, Militär, Baustellen
- Hubschrauberlandeplätze: Randbefeuerung
- Not-/Ersatzbeleuchtung: Als sekundäres System
Einschränkungen:
Nicht zugelassen für präzise Instrumentenanflugbahnen. Aufgrund der geringen Helligkeit weniger wirksam bei Nebel, starkem Regen oder Schnee.
LIRL vs. MIRL vs. HIRL: Im Überblick
| Merkmal | LIRL | MIRL | HIRL |
|---|---|---|---|
| Typischer Einsatz | Kleine, ländliche GA-Flughäfen | Regionale, gewerbliche | Große, internationale |
| Intensität (cd) | ~25 (fest) | 200–500 (variabel) | >1.000 (variabel) |
| Farbcodierung | Weiß/Gelb/Rot an Enden | Weiß/Gelb (Warnung) | Weiß/Gelb/Rot (Zonen) |
| Steuerung | An/Aus, PCL, Fernbedienung | 3-stufig variabel | 5-stufig variabel |
| Regulatorik | ICAO, FAA, EASA etc. | ICAO, FAA, EASA etc. | ICAO, FAA, EASA etc. |
| Instrumentennutzung | Nein | Ja (nicht-präzise) | Ja (präzise Anflüge) |
| Kosten | Niedrigste | Mittel | Höchste |
| Wartung | Minimal | Mittel | Intensiv |
Integration von LIRL mit anderen Flughafen-Befeuerungen
LIRL ist oft Teil eines umfangreicheren Beleuchtungssystems, kann an kleinen Flughäfen aber auch das einzige System sein.
| Befeuerungssystem | Ort | Funktion | Typische Farbe |
|---|---|---|---|
| Bahnbefeuerung (LIRL) | Bahnränder | Begrenzung der seitlichen Bahn | Weiß |
| Schwellenfeuer | Bahnstart | Markiert Beginn des Landebereichs | Grün |
| Endfeuer | Bahnende | Markiert Ende des nutzbaren Belags | Rot |
| Rollwegbefeuerung | Rollweg | Unterscheidung zur Bahn | Blau |
An Flughäfen mit ausschließlich LIRL werden Mittellinien- und Aufsetzzonenlichter in der Regel weggelassen.
Stromversorgung für LIRL: Elektrisch und Solar
Klassische elektrische LIRL
- Nutzung von Erdkabeln, CCRs und Netzstrom
- Höhere Installations- und Wartungskosten
Solarbetriebene LIRL
- Integrierte Solarpanels, LED-Leuchten und Batterien
- Autonomie bis zu 30 Tage mit einer Ladung
- Fern- oder drahtlose Steuerungsmöglichkeiten
- Minimaler Wartungsaufwand (Batterie- und Panelprüfung)
- Ideal für netzunabhängige oder temporäre Flugfelder
LIRL-Steuerungsmethoden
- Manuell: Schaltung durch Flughafenpersonal
- Automatisch: Timer oder Lichtsensor
- Pilotengesteuerte Beleuchtung (PCL): Piloten aktivieren die Lichter durch Funkschaltungen auf einer bestimmten Frequenz (z. B. 5 Klicks in 5 Sekunden = Licht für 15 Minuten an)
- Fernbedienung: Drahtlose oder GSM-Steuerung per App oder SMS (häufig bei solarbetriebenen LIRL)
Diese Flexibilität ermöglicht LIRL den Einsatz bei unterschiedlichsten Betriebsanforderungen und Personalständen.
Wartung und Inspektion
LIRL-Systeme erfordern:
- Regelmäßige Überprüfung von Ausrichtung und Platzierung
- Funktionsprüfungen (Leuchtmittel/LED-Betrieb, Batteriestatus bei Solarsystemen)
- Reinigung (Linsen, Solarpanels, Entfernen von Schmutz)
- Inspektion nach Unwetter (Korrosion, Beschädigung, Einschläge)
- Austausch defekter Komponenten nach Herstellerangaben
Regelmäßige Wartung sichert die Einhaltung der Vorschriften und die Betriebssicherheit.
Nutzung und Interpretation durch Piloten
Piloten müssen die LIRL-Signale für einen sicheren Nachtbetrieb richtig deuten:
- Durchgehende weiße Randlichter: Sichere, nutzbare Bahn
- Gelb (falls vorhanden): Vorsicht, Bahnende naht
- Rot: Unbedingt Halt, Ende der Bahn
- Grün an der Schwelle: Beginn der Landefläche
Pilotengesteuerte Beleuchtung (PCL): Ermöglicht außerhalb der Betriebszeiten den Zugang zu nicht besetzten Flughäfen, z. B. für Rettungs-, Notfall- oder Charterflüge.
Merkhilfen
- Weiß am Rand, alles in Ordnung: Durchgehende weiße Randbeleuchtung bedeutet sichere Bahn voraus.
- Gelb heißt Achtung: Das Ende naht, auf Stopp oder Durchstarten vorbereiten.
- Rot heißt Halt: Nicht über das Bahnende hinaus rollen.
Glossar – Begriffe rund um LIRL und Flughafen-Befeuerung
| Begriff | Definition |
|---|---|
| Bahnbefeuerung | Leuchten zur Markierung der Bahngrenze – LIRL, MIRL oder HIRL |
| Schwellenfeuer | Grüne Lichter markieren den Beginn der nutzbaren Bahn |
| Endfeuer | Rote Lichter markieren das Ende der nutzbaren Bahn |
| Rollwegbefeuerung | Blaue Lichter markieren die Rollwegbegrenzung |
| Photometrische Intensität | Die Helligkeit eines Lichts, gemessen in Candela (cd) |
| Farbmetrik | Die Lichtfarbe, definiert durch präzise Koordinaten für Luftfahrtnormen |
| Stromregler (CCR) | Gerät für gleichmäßigen Strom und konstante Helligkeit in elektrischen Lichtkreisen |
| Pilotengesteuerte Beleuchtung | System, das Piloten die Fernaktivierung der Flugplatzbeleuchtung per Funk ermöglicht |
| ICAO Annex 14 | Standard der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation zur Flugplatzgestaltung und -betrieb |
| FAA AC 150/5345-46 | US-Spezifikation für Flughafen-Befeuerung |
Low Intensity Runway Lighting (LIRL) bleibt ein Eckpfeiler für sicheren und zugänglichen Luftverkehr an kleineren Flugplätzen weltweit. Ihre Zuverlässigkeit, Einfachheit und Anpassungsfähigkeit – insbesondere dank moderner, solarbetriebener Optionen – machen sie unverzichtbar für die Zukunft der Allgemeinen Luftfahrt und die Anbindung ländlicher Regionen.
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Häufig gestellte Fragen
- Wo wird LIRL typischerweise eingesetzt?
- LIRL wird an kleinen, allgemeinen, ländlichen und netzunabhängigen Flughäfen installiert, an denen der Verkehr gering und Nachtflugbetrieb selten ist. Es ist ideal für Flugfelder ohne fortgeschrittene elektrische Infrastruktur sowie für temporäre oder Ausweichpisten.
- Wie unterscheidet sich LIRL von MIRL und HIRL?
- LIRL bietet fest installierte, lichtschwache Beleuchtung, die für Sichtflugoperationen geeignet ist, während MIRL und HIRL eine höhere, verstellbare Intensität und fortgeschrittene Zoneneinteilungen für Flughäfen mit komplexeren Verkehr und Instrumentenanflügen bieten. LIRL ist am kostengünstigsten und am einfachsten zu warten.
- Welche regulatorischen Anforderungen gelten für LIRL?
- LIRL-Systeme müssen den Vorgaben von ICAO Annex 14, FAA AC 150/5345-46 und entsprechenden EASA- oder nationalen Standards entsprechen. Diese Regelungen definieren photometrische Intensität, Farbe, Abstand, Bauweise und Zertifizierungskriterien für einen sicheren und einheitlichen Betrieb.
- Können LIRL-Systeme solarbetrieben sein?
- Ja. Moderne LIRL-Systeme nutzen zunehmend Solarpanels, Batterien und LED-Technik, wodurch ein autonomer Betrieb an Flughäfen ohne zuverlässigen Netzstrom möglich ist. Diese Systeme bieten Fernaktivierung und benötigen nur minimale Wartung.
- Wie werden LIRL-Systeme gesteuert?
- LIRL kann manuell, durch automatische Timer oder Sensoren oder aus der Ferne eingeschaltet werden – oft über pilotengesteuerte Beleuchtung (PCL), bei der Piloten die Lichter per Funk auf einer bestimmten Frequenz aktivieren können.


