Was ist die Bewertung des Pistenzustands?
Definition
Die Bewertung des Pistenzustands ist das Verfahren, bei dem der Flugplatzbetreiber jedem Drittel einer Piste einen Code von 0 bis 6 zuweist. Das ist der Pistenzustandscode (RWYCC). Der Betreiber führt die Bewertung durch, wann immer Wasser, Schnee, Matsch, Eis oder Reif auf einer Piste im Betrieb liegt. Das Ergebnis geht in einen Pistenzustandsbericht (RCR) ein.
Der Code erlaubt der Flugbesatzung, die Flugleistung des Flugzeugs zu berechnen. Das Format ist das globale Meldeformat der ICAO, dessen Anwendungsdatum 4 November 2021 war. Die EASA-Regeln für Flugplätze (Part-ADR.OPS) enthalten dieselbe Meldung.
Die Bewertungsmatrix für den Pistenzustand
Der Betreiber verwendet die Bewertungsmatrix für den Pistenzustand (RCAM), um den Code zu finden. Eingaben sind die Art der Verunreinigung, ihre Tiefe, ihre Bedeckung und die Außenlufttemperatur. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Fälle. Die vollständige Matrix hat mehr Einträge, zum Beispiel für speziell vorbereitete Winterpisten.
| RWYCC | Pistenoberfläche | Bremswirkung für Piloten |
|---|---|---|
| 6 | Trocken | Nicht anwendbar |
| 5 | Reif. Nass (feucht oder mit Wasser bis 3 mm). Matsch, trockener Schnee oder Nassschnee bis 3 mm | Gut |
| 4 | Verdichteter Schnee bei -15 °C und darunter | Gut bis mittel |
| 3 | Rutschig nass. Trockener Schnee oder Nassschnee jeder Tiefe auf verdichtetem Schnee. Trockener Schnee oder Nassschnee von mehr als 3 mm. Verdichteter Schnee wärmer als -15 °C | Mittel |
| 2 | Stehendes Wasser oder Matsch von mehr als 3 mm | Mittel bis schlecht |
| 1 | Eis | Schlecht |
| 0 | Nasses Eis. Wasser auf verdichtetem Schnee. Trockener Schnee oder Nassschnee auf Eis | Geringer als schlecht |
Die Tiefengrenze von 3 mm hat einen Grund. Unter 3 mm kann ein flüssiger Belag die Kontaktfläche zwischen Reifen und Piste verlassen. Die Bremsleistung ist dann ähnlich wie auf einer nassen Piste. Liegt in einem Drittel eine Bedeckung von höchstens 25 Prozent vor, erhält dieses Drittel Code 6.
Der Bericht
Der Bericht hat zwei Abschnitte. Der Abschnitt Flugzeugleistung enthält den Flugplatz, den Zeitpunkt der Bewertung und die niedrigere Pistenbezeichnung. Er enthält außerdem je einen Code für jedes Drittel, die Bedeckung, die Tiefe der losen Verunreinigung und eine Beschreibung. Der Abschnitt Lagebewusstsein enthält weitere Informationen, zum Beispiel Schneewälle und Bemerkungen in Klartext.
Die Bedeckung wird mit 25, 50, 75 oder 100 Prozent angegeben. Nach einer erheblichen Änderung ist ein neuer Bericht nötig. Das hängt von der Verunreinigung ab:
- Stehendes Wasser oder Matsch: 3 mm.
- Nassschnee: 5 mm.
- Trockener Schnee: 20 mm.
Der Betreiber sendet den Bericht an die Flugverkehrsdienste und die Flugnavigationsinformationsdienste. Ein SNOWTAM ist höchstens 8 Stunden gültig.
Herab- und Heraufstufung
Die Matrix liefert den ersten Code. Der Betreiber sollte ihn herabstufen, wenn andere Informationen eine geringere Bremswirkung zeigen. Beispiele sind das Verhalten von Fahrzeugen, örtliche Kenntnisse und Sonder-Flugmeldungen. Nach zwei aufeinanderfolgenden Meldungen über schlechte Bremswirkung bei einem Code von 2 oder besser sollte der Betreiber die Piste neu bewerten. Nach einer Meldung von weniger als schlecht sollte der Betreiber außerdem erwägen, den Betrieb auf dieser Piste auszusetzen.
Eine Heraufstufung ist begrenzt. Der Betreiber darf nur Code 0 oder 1 heraufstufen, und nicht über Code 3 hinaus. Dafür braucht er eine überwiegende Beleglage. Der Bericht vermerkt dann in den Bemerkungen in Klartext UPGRADED oder DOWNGRADED.
Reibung und Befestigung
Der Oberflächentyp bestimmt, wie viel Griff eine nasse oder dünn verunreinigte Piste bietet. Eine schlecht entwässerte, polierte oder mit Gummiabrieb verunreinigte Oberfläche kann weniger Reibung bieten als erwartet. Eine Piste oder ein Teil davon, der rutschig nass ist, wird in der EU gesondert per NOTAM bekanntgegeben. Die EASA lässt Reibungsmessungen im Bericht nicht zu. Anhang 14 merkt an, dass Reibungsmessungen auf losen Verunreinigungen wie Schnee und Matsch unzuverlässig sind.
Die Hinweise in Anhang 14 zur Ausbildung des Personals, das den Oberflächenzustand der Piste bewertet, nennen Verfahren und Techniken der Flugplatzinspektion als mögliches Thema.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist ein Pistenzustandscode (RWYCC)?
- Ein Pistenzustandscode ist eine Zahl von 0 bis 6. Er beschreibt, wie der Oberflächenzustand der Piste die Verzögerung und die seitliche Steuerbarkeit des Flugzeugs beeinflusst. Code 6 steht für eine trockene Piste, Code 0 für die geringste Bremswirkung. Die Flugbesatzung verwendet den Code, um die Flugleistung des Flugzeugs zu berechnen.
- Wie wird die Piste für den Bericht eingeteilt?
- Die Piste wird in drei Teile geteilt, und der Bericht gibt für jeden Teil einen Code an. Die Codes werden von der Seite der niedrigeren Pistenbezeichnung aus angegeben. Wenn die Flugverkehrsdienste mit einer Flugbesatzung sprechen, ist der erste Teil das erste Drittel in Landerichtung oder Startrichtung.
- Kann der Flugplatzbetreiber den Code aus der Matrix ändern?
- Ja. Der Betreiber sollte den Code herabstufen, wenn andere Informationen eine geringere Bremswirkung zeigen, zum Beispiel eine Sonder-Flugmeldung (special air-report). Er darf Code 0 oder 1 heraufstufen, aber niemals über Code 3 hinaus. Die Heraufstufung muss von allen verfügbaren Mitteln zur Beurteilung der Rutschigkeit gestützt werden. Die Codes 2 bis 5 werden nicht heraufgestuft.
- Gehören Reibungsmessungen zum Pistenzustandsbericht?
- Nein. In der EU dürfen Reibungsmessungen nicht im Pistenzustandsbericht gemeldet werden. Ein Betreiber kann sie als unterstützende Belege verwenden, wenn er einen Code herauf- oder herabstuft, der Code selbst kommt aber aus der Matrix.
Referenzen
- easa-ear-aerodromes
- Easy Access Rules for Aerodromes (Regulation (EU) No 139/2014), March 2026 version EASA
- icao-annex-14-vol-i-9ed
- Annex 14 to the Convention on International Civil Aviation, Aerodromes, Volume I, 9th edition (July 2022) ICAO
Dies ist ein Referenzeintrag. TarmacView bietet Drohneninspektionsdienste an und verkauft nicht die in diesem Glossar beschriebene Ausrüstung oder Materialien.


