Start- und Landebahnstreifen

Start- und Landebahnstreifen: Umfassendes Glossar für Flughafenplanung und Sicherheit

Definition und Zweck

Ein Start- und Landebahnstreifen ist ein präzise definierter, rechteckiger Bereich, der eine Start- und Landebahn sowie eine zugehörige Stoppfläche auf einem Flugplatz umgibt. Seine Hauptfunktion besteht darin, das Risiko von Schäden an Flugzeugen im Falle einer Bahnabweichung – wie Unter- oder Überschießen oder Abkommen von der Mittellinie – zu minimieren und Flugzeuge, die sich beim Start oder bei der Landung unmittelbar über dem Bereich befinden, zu schützen. Laut ICAO Annex 14, Band I muss ein Start- und Landebahnstreifen bis auf notwendige, zerbrechliche Navigations- und Manövrierhilfen frei von Hindernissen gehalten und planiert sein, um gefährliche Geländestrukturen zu vermeiden.

Diese Sicherheitszone ist ein zentrales Element der Flugplatzgestaltung und sorgt für einen kontrollierten Übergang von der befestigten Start- und Landebahn zur natürlichen Umgebung. Sollte ein Flugzeug die befestigte Fläche verlassen, verringert der planiert Streifen das Risiko schwerer struktureller Schäden oder Verletzungen der Insassen. Ebenso ist er entscheidend für die Unterstützung von Rettungs- und Feuerwehrmaßnahmen sowie für die Wirksamkeit von Navigationshilfen und Anflugbefeuerung, die sich im Streifen befinden.

Regulatorische Standards

ICAO-Standards

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) legt weltweite Standards für Start- und Landebahnstreifen im Anhang 14 fest:

  • Definition: Ein definierter Bereich einschließlich der Start- und Landebahn und der Stoppfläche, der dazu dient, das Risiko von Schäden an Flugzeugen beim Verlassen der Bahn zu verringern und Flugzeuge, die darüber fliegen, während Start und Landung zu schützen.
  • Hindernisse: Nur notwendige, zerbrechliche Objekte (z. B. Befeuerung, Schilder) sind erlaubt.
  • Oberflächenqualität: Planierte Fläche ohne abrupte Neigungswechsel, Spurrillen oder Vertiefungen. Muss ausreichend entwässert und verdichtet sein, um gelegentliche Befahrung durch Flugzeuge und Einsatzfahrzeuge zu ermöglichen.
  • Abmessungen: Bestimmt durch den ICAO-Flugplatz-Referenzcode, der die Referenzfeldlänge, Spannweite und das Hauptfahrwerksmaß des größten Flugzeugs berücksichtigt.

FAA-Standards

Die Federal Aviation Administration (FAA) gibt vergleichbare, aber auf die USA zugeschnittene Anforderungen in Advisory Circular AC 150/5300-13 vor:

  • Freigehalten und planiert: Der Streifen muss freigehalten und planiert werden, alle Objekte über 8 cm Höhe müssen zerbrechlich sein.
  • Oberfläche: Kann Gras, stabilisierter Boden oder Asphalt/Beton sein, je nach Bedarf.
  • Hindernisfreiheit: Strenge Vorgaben zu zulässigen Objekten, Entwässerung und laufender Instandhaltung.
  • Abmessungen: Basieren auf Aircraft Design Group (ADG)-Kategorien, die eng mit den ICAO-Referenzcodes korrespondieren.

Regionale/Nationale Varianten

Behörden wie EASA (Europa) und CARC (Jordanien) übernehmen das ICAO-Modell mit regionalen Anpassungen und fügen häufig spezifische Anforderungen zu Hindernisbegrenzung, Oberflächenqualität und klimatischen Bedingungen hinzu.

Physikalische Eigenschaften

Abmessungen

Die Abmessungen des Start- und Landebahnstreifens hängen vom Flugplatz-Referenzcode ab, der sich nach dem größten auf der Bahn eingesetzten Flugzeug richtet.

Tabelle: Typische Abmessungen von Start- und Landebahnstreifen

ReferenzcodeStreifenbreite (m)Länge über Bahnende hinaus (m)
1A/1B/1C6060
2A/2B/2C7575
3C/3D/3E150150
4D/4E/4F300300
  • Breite: Reicht von 60 m (kleinste) bis 300 m (größte Flugzeuge).
  • Länge: Erstreckt sich 60–300 m über jedes Bahnende hinaus.

Planierung, Oberfläche und Entwässerung

  • Oberflächenqualität: Muss frei von abrupten Neigungen, Spurrillen oder Vertiefungen sein. Kann Gras, verdichteter Boden, stabilisiertes Material oder Asphalt/Beton sein.
  • Entwässerung: Korrekte Planierung und Entwässerung verhindern Wasseransammlungen, Spurrillen und Erosion.
  • Verdichtung: Ausreichend, um Wartungsfahrzeuge und bei Bedarf Flugzeuge zu tragen.

Zulässige Objekte (Zerbrechlichkeit)

  • Nur notwendige, zerbrechliche Navigationshilfen und Befeuerung sind zugelassen.
  • Zerbrechlich bedeutet, dass das Objekt beim Aufprall eines Flugzeugs bricht oder sich verformt, um das Schadensrisiko zu minimieren.
  • Nicht-zerbrechliche Elemente müssen bündig und dürfen maximal 8 cm über Flur liegen.

Markierungen und visuelle Hinweise

  • Start- und Landebahnstreifen sind nicht markiert; Markierungen beschränken sich auf Start- und Landebahn sowie Stoppfläche.
  • Die Grenzen des Streifens sind in Flugplatzkarten und durch die Flächenprofilierung definiert.

Kompatibilität mit Flugzeugen

  • Der Streifen muss das größte erwartete Flugzeug aufnehmen, ausreichende Breite für große Spannweiten und Länge für Überrollen oder Unterschießen gewährleisten.
  • Muss Notmanöver von Großraumflugzeugen und Rettungsfahrzeugen ermöglichen.

Start- und Landebahnstreifen vs. andere Sicherheitsbereiche am Flughafen

Runway Safety Area (RSA)

  • Start- und Landebahnstreifen: Umfasst Start- und Landebahn, Stoppfläche und zusätzlichen Puffer; kann auch Naturboden beinhalten.
  • RSA: Teilbereich des Streifens, strengere Planierung, vollständig hindernisfrei bis auf notwendige zerbrechliche Navigationshilfen; für Flugzeuge und Rettungsfahrzeuge befahrbar.

Tabelle: Start- und Landebahnstreifen vs. RSA

MerkmalStart- und LandebahnstreifenRunway Safety Area (RSA)
AbdeckungBahn + Stoppfläche + PufferTeilbereich, zentriert auf Bahn
OberflächePlaniert, kann Natur seinPlaniert, verdichtet, hindernisfrei
ObjekteNur notwendige zerbrechlicheNur notwendige zerbrechliche NAVAIDs

Stoppfläche

  • Stoppfläche: Befestigte Fläche über das Bahnende hinaus zum Abbremsen bei Startabbruch; Teil des Streifens.
  • Start- und Landebahnstreifen: Umfasst sowohl Bahn als auch Stoppfläche.

RESA, Clearway und OFA

  • RESA (Runway End Safety Area): Bereich über das Streifenende hinaus zur Verringerung von Überroll- und Unterschießrisiken.
  • Clearway: Hindernisfreier Luftraum über das Bahnende hinaus für den Startsteigflug, nicht für das Anhalten vorgesehen.
  • OFA (Object Free Area): Bodenbereich, zentriert auf der Bahn, der hindernisfrei gehalten wird.

Planungsaspekte

Referenzcodes und Flugzeuge

  • Der Flugplatz-Referenzcode stellt sicher, dass Streifen passend für das größte eingesetzte Flugzeug dimensioniert sind.
  • Verhindert Unter- oder Überdimensionierung und sorgt für Sicherheit sowie Effizienz.

Hindernisbegrenzung

  • Strenge Regeln (OLS) begrenzen Lage und Höhe von Objekten im Streifen.
  • Nur notwendige, zerbrechliche Strukturen sind erlaubt; regelmäßige Vermessungen gewährleisten die Einhaltung.

Planierung und Entwässerung

  • Planierte Flächen für sanften Übergang und wirksame Entwässerung.
  • Oberflächenbehandlung (Gras, stabilisierter Boden, Kies) je nach Wetter, Boden und Betriebsanforderungen.

Markierungen und Befeuerung

  • Der Streifen darf Markierungen oder Befeuerung der Start- und Landebahn nicht beeinträchtigen.
  • Kanten- und Anflugbefeuerung innerhalb des Streifens muss Zerbrechlichkeits- und Höhenvorgaben erfüllen.

Unterstützung für Instrumenten- und Sichtanflugbetrieb

  • Bei Präzisionsanflugbahnen bietet der Streifen Platz für Anflugbefeuerung, Navigationshilfen und Rettungsfahrzeuge, insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen.

Erklärte Distanzen

  • Die erklärten Start- und Landestrecken (TORA, TODA, ASDA, LDA) müssen innerhalb der nutzbaren Start- und Landebahn sowie Stoppfläche liegen, welche sich im Streifen befinden.

Instandhaltung und Inspektion

  • Regelmäßige Kontrollen der Oberflächenqualität, Entwässerung und Hindernisfreiheit.
  • Gras-/Turf-Streifen erfordern Mähen und Wildtierkontrolle zur Minimierung von FOD- und Vogelschlagrisiken.

Zugang für Notfall und Rettung

  • Der Streifen ermöglicht den Zugang für Rettungs- und Feuerwehrfahrzeuge.
  • Die Oberfläche muss auch bei schlechtem Wetter für schwere Fahrzeuge tragfähig sein.

Beispiele und Anwendungsfälle

Großer internationaler Flughafen (Code 4E)

Ein großer Flughafen, der Großraumflugzeuge wie Boeing 777 oder Airbus A350 abfertigt, verfügt über einen Start- und Landebahnstreifen mit 300 Meter Breite und einer Verlängerung von 300 Metern über jedes Bahnende hinaus. Das Areal ist sorgfältig planiert, mit zerbrechlichen Anflugbefeuerungen und Kantenbefeuerungen in den geforderten Abständen. Regelmäßige Wartung stellt sicher, dass die Fläche frei bleibt und sowohl Flugzeuge als auch Rettungsfahrzeuge tragen kann.

Regionalflughafen (Code 2B)

Ein Regionalflughafen mit einer Code-2B-Bahn hat einen Streifen von 75 Metern Breite und einer Verlängerung von 75 Metern über die Bahnenden hinaus. Die Oberfläche kann aus stabilisiertem Rasen bestehen, mit notwendiger Befeuerung und Beschilderung gemäß strengen Zerbrechlichkeitsstandards.

Zusammenfassung

Ein Start- und Landebahnstreifen ist ein Grundpfeiler der modernen Flughafensicherheit, indem er einen breiten, planierten und hindernisfreien Bereich bereitstellt, der das Risiko von Flugzeugschäden bei Bahnabweichungen reduziert und die Sicherheit bei Start- und Landebetrieb erhöht. Durch die Einhaltung strenger ICAO- und FAA-Vorschriften sind Start- und Landebahnstreifen unerlässlich für den Schutz von Flugzeugen und Passagieren, die Unterstützung von Rettungseinsätzen und den effizienten Flughafenbetrieb.

Für Flughafenplaner, Betreiber und Aufsichtsbehörden sind die Planung, Instandhaltung und Inspektion von Start- und Landebahnstreifen zentrale Aufgaben – unerlässlich für einen sicheren, effizienten und regelkonformen Flughafenbetrieb.

Häufig gestellte Fragen

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