Funkhöhenmesser

Aviation Avionics Flight Safety Instruments

Funkhöhenmesser – Instrument zur Höhenmessung über Grund per Funk (Luftfahrt)

Was ist ein Funkhöhenmesser?

Ein Funkhöhenmesser ist ein spezialisiertes Avionik-Instrument, das den vertikalen Abstand zwischen einem Flugzeug und dem direkt darunterliegenden Gelände misst – bekannt als Above Ground Level (AGL). Im Gegensatz zum barometrischen Höhenmesser, der den atmosphärischen Druck bezogen auf den Meeresspiegel verwendet, liefert ein Funkhöhenmesser eine direkte, Echtzeit-Messung der Flughöhe über dem Boden oder einer Wasseroberfläche. Dies wird erreicht, indem Radiowellen nach unten ausgesendet, deren Reflexionen empfangen und die Zeitverzögerung oder Frequenzdifferenz präzise analysiert werden, um die Entfernung zu berechnen.

Funkhöhenmesser sind für sichere Flugbetriebe in niedrigen Höhen unverzichtbar, insbesondere während Anflug, Landung und Start. Sie sind ein zentrales Element moderner Avioniksysteme und liefern entscheidende Daten für Bodenannäherungswarnsysteme (GPWS), Geländewarnsysteme (TAWS) und Autoland-Funktionen. Ihre Messwerte verbessern das Situationsbewusstsein, unterstützen automatisierte Flugsteuerungen und sind für bestimmte Einsatzgebiete – wie Präzisionslandungen mit Instrumenten – gemäß internationalen Luftfahrtvorschriften vorgeschrieben.

Wichtige Fachbegriffe

  • Above Ground Level (AGL): Höhe bezogen auf das direkt unter dem Flugzeug liegende Gelände. AGL ist die Hauptreferenz für Funkhöhenmesser und entscheidend für Anflug, Landung und Tiefflug.
  • Frequency Modulated Continuous Wave (FMCW): Die vorherrschende Radartechnik moderner Funkhöhenmesser; sie durchläuft kontinuierlich einen Frequenzbereich und berechnet die Höhe anhand der Frequenzverschiebung zwischen ausgesendetem und empfangenem Signal.
  • Impulsradar: Eine ältere Methode, bei der einzelne Funkimpulse ausgesendet und die Laufzeit zur Höhenbestimmung gemessen werden.
  • Decision Height (DH): Eine voreingestellte Höhe am Funkhöhenmesser, bei deren Erreichen während eines Instrumentenanflugs die Entscheidung zur Landung oder zum Durchstarten getroffen werden muss.
  • Ground Proximity Warning System (GPWS): Ein Sicherheitssystem, das Funkhöhenmesser-Daten nutzt, um Piloten vor gefährlicher Bodennähe zu warnen.
  • Controlled Flight Into Terrain (CFIT): Ein Unfallszenario, bei dem ein funktionstüchtiges Flugzeug unbeabsichtigt ins Gelände oder ein Hindernis geflogen wird.
  • Autoland: Ein automatisches Landungssystem, das Funkhöhenmesser-Daten nutzt, um das Flugzeug während des Endanflugs und der Landung zu steuern.
  • NOTAM (Notice to Air Missions): Offizielle Hinweise, die unter anderem auf mögliche Funkhöhenmesser-Störungen durch Funkinterferenzen hinweisen können.

Funktionsprinzip

Ein Funkhöhenmesser arbeitet, indem er hochfrequente Energie – typischerweise im Bereich von 4,2–4,4 GHz – senkrecht vom Flugzeug nach unten abstrahlt. Das vom Gelände reflektierte Signal wird vom System an Bord empfangen. Die Zeitverzögerung (bei Impulssystemen) oder die Frequenzverschiebung (bei FMCW-Systemen) zwischen gesendetem und empfangenem Signal dient zur Berechnung der vertikalen Entfernung zum Boden.

  • Impulsmethode: Misst die Laufzeit eines Impulses zum Boden und zurück. Das System errechnet daraus mittels Lichtgeschwindigkeit die Entfernung.
  • FMCW-Methode: Sendet eine kontinuierlich variierende Frequenz aus; die Frequenzdifferenz (Schwebungsfrequenz) zwischen gesendetem und empfangenem Signal ist proportional zur Höhe.

Die berechnete Höhe wird den Piloten angezeigt und in mehrere Bordsysteme eingespeist. Die Leistung kann je nach Geländereflexion, Flugzeuglage und äußerer Funkstörung variieren.

FMCW (Frequency Modulated Continuous Wave) Methode

FMCW-Höhenmesser senden eine kontinuierliche Funkwelle aus, deren Frequenz linear über einen bestimmten Bereich (z. B. 100 MHz) variiert wird. Das reflektierte Signal erscheint durch die Zeitverzögerung bei einer anderen Frequenz als die aktuell ausgesendete Welle. Durch Mischung der beiden Signale misst das System eine „Schwebungsfrequenz“, die proportional zur Zeitverzögerung und damit zur Flughöhe ist. FMCW-Systeme bieten:

  • Hohe Genauigkeit (im Bereich von ±0,3 bis ±0,75 m bei niedrigen Höhen)
  • Kontinuierliche Echtzeitdaten
  • Geringen Energieverbrauch
  • Widerstandsfähigkeit gegen Mehrwegeffekte

FMCW ist Standard in der zivilen Luftfahrt aufgrund der hohen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit, erfordert jedoch ein sorgfältiges Spektrum-Management zur Vermeidung von Störungen, insbesondere durch angrenzende 5G-C-Band-Übertragungen.

Impulsmethode

Die Impulsmethode beruht darauf, kurze, hochenergetische Pulse nach unten zu senden und deren Rücklaufzeit zu messen. Die Laufzeit hin und zurück, geteilt durch zwei und multipliziert mit der Lichtgeschwindigkeit, ergibt die Höhe über Grund. Diese Methode ist robust und unterstützt größere Reichweiten, was sie für militärische und ältere Anwendungen attraktiv macht. Sie liefert jedoch weniger kontinuierliche Daten als FMCW und ist anfälliger für Funkstörungen.

Hauptkomponenten des Systems

Ein typisches Funkhöhenmesser-System umfasst:

  • Sender: Erzeugt und moduliert das ausgehende Funksignal.
  • Empfänger: Erkennt und analysiert das zurückkehrende Signal.
  • Antennen: Meist zwei (Sende- und Empfangsantenne), unter dem Rumpf montiert für einen freien Abstrahlweg nach unten.
  • Verarbeitungseinheit: Wandelt Rohsignale mittels digitaler Signalverarbeitung in Höhenwerte um.
  • Cockpit-Anzeige/Display: Zeigt die AGL-Werte an, oft in digitale Fluginstrumente integriert.
  • Eingabegerät für Entscheidungshöhe: Ermöglicht Piloten das Setzen kritischer Höhen für automatische Warnungen.
  • Selbsttest-Schaltung: Erlaubt Funktionsprüfungen vor und während des Fluges.

Typische Frequenzbereiche und Modulation

  • Frequenzbereich: 4,2–4,4 GHz (ITU-Zuteilung für Zivilluftfahrt)
  • Bandbreite: 200 MHz, unterstützt fortschrittliche Modulation für Genauigkeit und Störfestigkeit
  • Modulation: FMCW ist Standard bei zivilen Systemen; Impuls- und Spreizspektrumverfahren kommen in manchen militärischen Anwendungen zum Einsatz.

Eine strikte Frequenzzuweisung schützt die Luftfahrt vor Störungen, doch angrenzende Bänder (z. B. für 5G) erfordern fortlaufende regulatorische Aufmerksamkeit.

Anwendungen in der Luftfahrt

Funkhöhenmesser werden eingesetzt bei:

  • Anflug und Landung: Echtzeit-AGL für Präzisionsanflüge, Autoland und Sichtflug bei schlechten Bedingungen.
  • Start und Steigflug: Sicherstellung der Geländefreiheit beim kritischen Tiefflug.
  • GPWS/EGPWS & TAWS: Höhengeber für Bodenannäherungs- und Geländewarnsysteme.
  • Automatische Flugsteuerung & Autoland: Ermöglichen automatisches Abfangen, Aufsetzen und Sicherheitslogik.
  • Hubschrauberbetrieb: Unterstützung beim Schweben, Anflug und Windenmanövern über Wasser oder unebenem Gelände.
  • Militärischer Tiefflug: Präzises Terrain-Following in minimaler sicherer Höhe.
  • Unbemannte Luftfahrzeuge (UAV): Sicheres automatisiertes Landen und Tiefflugmissionen.

Typische Einsatzszenarien

  • Autoland bei schlechter Sicht: Ermöglicht sichere Landungen ohne Sichtkontakt.
  • Geländeausweichung: Verhindert CFIT durch Warnung vor gefährlicher Bodennähe.
  • Offshore-Helikopterrettung: Sicheres Schweben und Winden über bewegtem oder unebenem Wasser.
  • Militärisches Terrain-Following: Sicheres Tieffliegen in komplexem Gelände.
  • UAV-Vermessungsflüge: Präzise Höhenkontrolle für Kartierung und Inspektion.

Leistung, Genauigkeit und Einschränkungen

  • Messbereich: Typisch 0–2.500 ft AGL (zivil), bis zu 50.000 ft (militärische Spezialanwendungen)
  • Genauigkeit: ±0,3 bis ±0,75 m (1–2,5 ft) bei niedriger Höhe
  • Aktualisierungsrate: Kontinuierlich (FMCW), mehrmals pro Sekunde
  • Einschränkungen: Leistung kann über Wasser, Schnee oder rauem Gelände nachlassen; beeinflusst durch Flugzeuglage; anfällig für Funkstörungen; Offset durch Antennenposition möglich (Resthöhe).

Sicherheits- und regulatorische Aspekte

  • Pflichtanwendung: Für bestimmte Instrumentenanflüge vorgeschrieben (ICAO, FAA)
  • Störungsrisiken: Besonders durch 5G C-Band; gemindert durch Filterung, Spektrumregulierung und NOTAMs
  • Wartung: Integrierte Selbsttestfunktionen für Betriebsbereitschaft
  • Integration: Unverzichtbar für GPWS, TAWS, Autoland und mehr

Zukunftstrends

  • Störungsabwehr: Laufende Verbesserungen gegen 5G und andere Quellen
  • Miniaturisierung: Kleinere, leichtere Geräte für UAVs und moderne Flugzeuge
  • Integration: Engere Verknüpfung mit GPS, Trägheitsnavigation und Warnsystemen
  • Cybersicherheit: Wachsende Bedeutung bei digitalen Avioniksystemen

Zusammenfassung

Ein Funkhöhenmesser ist ein unverzichtbares Flugzeuginstrument, das die Höhe über Grund in Echtzeit direkt mittels Funkwellen misst. Seine Daten bilden die Grundlage für sicherheitskritische Systeme, unterstützen Automatisierung und ermöglichen einen sicheren Betrieb bei jedem Wetter und unter allen Sichtbedingungen. Mit dem technischen Fortschritt und der zunehmenden Belegung des Funkspektrums sind Innovation und strenge Regulierung entscheidend, um die Zuverlässigkeit und Sicherheit dieses wichtigen Werkzeugs zu gewährleisten.

Quellen:

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Häufig gestellte Fragen

Wie funktioniert ein Funkhöhenmesser?

Ein Funkhöhenmesser sendet hochfrequente Energie vom Flugzeug nach unten. Das Signal wird vom Boden reflektiert und vom Bordgerät empfangen. Durch Messung der Zeitverzögerung (Impulsmethode) oder der Frequenzverschiebung (FMCW-Methode) zwischen gesendetem und empfangenem Signal berechnet das System die exakte Höhe über Grund (AGL).

Was ist der Unterschied zwischen einem Funkhöhenmesser und einem barometrischen Höhenmesser?

Ein barometrischer Höhenmesser misst die Höhe über dem Meeresspiegel anhand des Luftdrucks, während ein Funkhöhenmesser die Höhe direkt über Grund (AGL) mittels Radiowellen bestimmt. Funkhöhenmesser liefern eine direkte, geländebezogene Höhe in Echtzeit, was besonders bei Landungen und Tiefstflügen wichtig ist.

Warum ist der Funkhöhenmesser für die Flugsicherheit so wichtig?

Funkhöhenmesser sind entscheidend, um präzise AGL-Daten zu liefern, insbesondere beim Anflug, bei der Landung und im Tiefflug. Sie liefern wichtige Informationen für Bodenannäherungswarnsysteme (GPWS), Geländewarnsysteme (TAWS) und Autoland-Systeme und verringern so das Risiko von CFIT-Unfällen (Controlled Flight Into Terrain) erheblich.

In welchem Frequenzbereich arbeiten Funkhöhenmesser in der Luftfahrt?

Funkhöhenmesser im zivilen Luftverkehr arbeiten im Frequenzbereich von 4,2–4,4 GHz, wie von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) zugewiesen. Diese exklusive Zuteilung minimiert Störungen und gewährleistet einen zuverlässigen Betrieb.

Wie genau sind moderne Funkhöhenmesser?

Moderne Funkhöhenmesser mit frequenzmodulierter Dauerstrichwelle (FMCW) erreichen Genauigkeiten von ±0,3 bis ±0,75 Metern (1–2,5 Fuß) in niedrigen Höhen und liefern kontinuierliche, Echtzeitdaten, die für automatische Landungen und Sicherheitssysteme unerlässlich sind.

Können Funkhöhenmesser durch Störungen beeinträchtigt werden?

Ja. Störungen durch andere Funkfrequenzquellen, insbesondere solche in benachbarten Bändern wie 5G C-Band-Mobilfunknetzen, können die Genauigkeit beeinträchtigen oder zu unzuverlässigen Anzeigen führen. Regulatorische Schutzmaßnahmen und fortschrittliche Filtertechnik werden eingesetzt, um diese Risiken zu minimieren.

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