Testverfahren

Quality Assurance Regulatory Compliance Test Documentation

Testverfahren – Dokumentierte Methode des Testens in der Qualitätssicherung

Ein Testverfahren ist eine streng definierte, dokumentierte Abfolge von Schritten, die genau vorgibt, wie Tests auszuführen sind, um die Konformität, Korrektheit und Leistung eines Systems zu überprüfen. Im Gegensatz zu einer einfachen Checkliste beschreibt ein Testverfahren ausführbare Skripte und legt erforderliche Konfigurationen, Testdaten, Umgebungsbedingungen und explizite Bestehen-/Nichtbestehen-Kriterien für jeden Schritt fest. So wird sichergestellt, dass Tests systematisch, wiederholbar und nachvollziehbar sind – Eigenschaften, die in sicherheitskritischen und stark regulierten Branchen wie Luftfahrt, Gesundheitswesen und Softwareentwicklung gefordert sind.

Branchenkontext und Definitionen

Testverfahren sind grundlegend in Branchen, die strengen Standards unterliegen, wie der Federal Aviation Administration (FAA), der International Civil Aviation Organization (ICAO) und nach ISO/IEC-Rahmenwerken. So definiert etwa das ICAO-Dokument 9501 ein Testverfahren als dokumentierten Prozess zur Unterstützung der Zertifizierung, der Aufbau, Durchführung, Datenerfassung und Ergebnisvalidierung umfasst. Auch FAA- und Best-Practice-Ansätze im Software-Engineering fordern, dass Testverfahren eng mit Anforderungen und Testplänen verknüpft sind und als operationale Brücke zwischen Spezifikation und Validierung dienen.

Ein gut vorbereitetes Testverfahren ermöglicht es jedem qualifizierten Prüfer, Tests sicher durchzuführen, unabhängig von vorherigen Systemerfahrungen, und unterstützt unabhängige Audits, regulatorische Überprüfungen und Wissenstransfer in der Organisation.

Zweck und entscheidende Bedeutung von Testverfahren

Testverfahren sind der betriebliche Bauplan zur Überprüfung, ob Systeme ihre vorgesehenen Anforderungen erfüllen und zuverlässig funktionieren:

  • Konsistenz: Sie erzwingen die identische Durchführung von Tests über Personal, Zeit und Standorte hinweg – entscheidend für Reproduzierbarkeit und Zertifizierung.
  • Rückverfolgbarkeit: Verfahren schaffen einen auditierbaren Nachweis, der Anforderungen, Durchführung und Ergebnisse verknüpft – unerlässlich für Fehlerbehebung, Konformität und Vorfalluntersuchungen.
  • Wissenstransfer: Einarbeitung und Übergaben werden reibungslos, da neue Teammitglieder dank klarer Dokumentation Tests durchführen können.
  • Risikominderung: Durch die explizite Angabe jedes Schrittes und erwarteten Ergebnisses werden menschliche Fehler und Versäumnisse reduziert und kritische Fehler vermieden.

Zusammengefasst sind Testverfahren das Fundament für Betriebssicherheit, Regelkonformität und Prozessverbesserung und damit ein Eckpfeiler der Qualitätssicherung.

Zentrale Bestandteile eines Testverfahrens

Ein robustes Testverfahren sollte enthalten:

  • Testverfahren-ID: Eindeutige Kennung zur Rückverfolgbarkeit.
  • Titel/Name: Beschreibend und spezifisch.
  • Zweck/Zielsetzung: Was das Verfahren validiert.
  • Voraussetzungen: Erforderlicher Systemzustand, Konfiguration und Abhängigkeiten.
  • Testschritte: Nummerierte, detaillierte, imperative Handlungen.
  • Testdaten: Exakte Eingaben für Wiederholbarkeit.
  • Erwartete Ergebnisse: Messbare Bestehen-/Nichtbestehen-Kriterien.
  • Nachbedingungen: Systemzustand nach dem Test, inkl. Aufräumarbeiten.
  • Referenzen: Verknüpfte Anforderungen oder Standards.
  • Umgebung: Hardware-, Software-, Netzwerk- und Werkzeugdetails.
  • Verantwortliche Rollen: Wer ausführt, prüft und freigibt.
  • Status/Historie: Ausführungsdaten, Revisionen, Ergebnisse und Anmerkungen.

Diese Bestandteile gewährleisten Klarheit, Wiederholbarkeit und Auditfähigkeit – besonders für Normen wie ISO 9001, DO-178C oder ICAO-Zertifizierungen.

Testverfahren in der QA-Dokumentationshierarchie

Testverfahren sind eine Ebene innerhalb eines umfassenden QA-Dokumentationssystems:

  • Testpolitik: Unternehmensweite QA-Philosophie und Ziele.
  • Teststrategie: Projektspezifischer Ansatz, Methoden und Tools.
  • Testplan: Fahrplan für Zeitplan, Ressourcen und Umfang.
  • Testszenario: Benutzerabläufe oder funktionale Gruppierungen.
  • Testfall: Einzelne Prüfungen mit Eingaben und erwarteten Ergebnissen.
  • Testverfahren: Schrittweise Anweisungen, oft mit mehreren Testfällen.
  • Testskript: Automatisierter Code zur Ausführung von Verfahren oder Fällen.
  • Testprotokoll: Ausführungsaufzeichnung, Ergebnisse und Auffälligkeiten.
  • Fehler-/Bug-Report: Dokumentierte Probleme aus dem Test.
  • Testsummenbericht: Zusammengefasste Ergebnisse und Empfehlungen.
  • Rückverfolgbarkeitsmatrix: Zuordnung von Anforderungen zu Tests und Ergebnissen.

Diese Hierarchie gewährleistet Abdeckung, Vollständigkeit und Konformität.

Lebenszyklus von Testverfahren in der Qualitätssicherung

Testverfahren werden im gesamten QA-Lebenszyklus eingesetzt:

  1. Anforderungsanalyse: Verfahren werden Anforderungen zur Abdeckung zugeordnet.
  2. Testplanung: Verfahren werden gruppiert, terminiert und mit Ressourcen versehen.
  3. Testdesign: Erstellt, geprüft und versioniert.
  4. Testdurchführung: Manuelle oder automatisierte Tests werden ausgeführt und Ergebnisse dokumentiert.
  5. Berichtswesen/Review: Ergebnisse werden protokolliert, Fehler dokumentiert und das Management prüft Abdeckung und Risiken.
  6. Wartung/Verbesserung: Verfahren werden bei System- und Regeländerungen aktualisiert.

Stakeholder sind QA-Ingenieure, Entwickler, Manager, Auditoren und Aufsichtsbehörden – alle sind auf klare Verfahren für ihre Aufgaben angewiesen.

Beispiel: Schrittweises Testverfahren

Testverfahren-ID: TP-BANK-PR-01
Titel: Validierung des Passwort-Reset-Workflows

Zweck: Überprüfung der sicheren und korrekten Passwort-Zurücksetzungsfunktion.

Voraussetzungen:

  • Benutzerkonto existiert und ist aktiv.
  • E-Mail ist gültig und erreichbar.
  • Server sind betriebsbereit.
  • Isolierte Testumgebung.

Testschritte:

SchrittAktionErwartetes Ergebnis
1Zur Login-Seite navigierenSeite lädt
2Auf “Passwort vergessen?” klickenReset-Aufforderung erscheint
3E-Mail eingeben, absendenBestätigung wird angezeigt
4E-Mail-Postfach prüfenReset-E-Mail erhalten
5Reset-Link anklickenReset-Formular erscheint
6Neues Passwort eingebenErfolgsnachricht wird angezeigt
7Mit neuem Passwort einloggenLogin erfolgreich

Testdaten:

Erwartete Ergebnisse:

  • Einzigartiger, nur einmal nutzbarer Reset-Link versendet.
  • Kein Passwort-Reuse oder schneller erneuter Reset möglich.
  • Altes Passwort nach Reset ungültig.
  • Sicherheitsprotokolle werden aktualisiert.

Nachbedingungen:

  • Nur das neue Passwort ist gültig.
  • Keine aktiven Reset-Tokens.

Referenzen: SR-1042, USR-0057
Umgebung: Windows 11, Chrome v120
Rollen: QA-Ingenieur, Security Analyst
Status: Bestanden, Rev 1.2

Diese Klarheit gewährleistet, dass jeder Tester den Prozess mit konsistenten, auditierbaren Ergebnissen wiederholen kann.

Anwendungsfälle und Branchenbeispiele

Luftfahrt/Aerospace:
Zertifizierung von Flugzeugen und Avionik gemäß ICAO/FAA erfordert dokumentierte Verfahren für Emissionen, Sicherheit und Funktionalität.

Softwareentwicklung:
Funktionale, Integrations- und Abnahmetests in regulierten Umgebungen basieren auf abgebildeten, wiederholbaren Verfahren.

Medizinprodukte:
Von FDA/ISO geforderte Protokolle verlangen Testverfahren zum Nachweis von Sicherheit und Interoperabilität.

Automotive:
ISO-26262-Konformität für Automobilelektronik stützt sich auf Testverfahren für Steuergeräte und Sicherheitssysteme.

Banken/Finanzen:
Verfahren validieren Workflows, Sicherheit und Konformität mit PCI DSS, SOX und weiteren Vorschriften.

E-Commerce:
Regressionstestverfahren sichern die Integrität von Checkout und Zahlungsprozessen bei jedem Release.

Best Practices für die Dokumentation von Testverfahren

  • Klarheit: Schritte müssen eindeutig und ausführbar sein.
  • Standardvorlagen: Konsistente Struktur erleichtert Review und Audit.
  • Zentralisierte Ablage: Versionierte, zugängliche Dokumentation.
  • Rückverfolgbarkeit: Verfahren mit Anforderungen oder User Stories verknüpfen.
  • Explizite Voraussetzungen/Daten: Gewährleisten kontrollierte Testbedingungen.
  • Visuelle Hilfen: Diagramme/Screenshots für komplexe Schritte nutzen.
  • Regelmäßige Wartung: Nach System- oder Regeländerungen aktualisieren.
  • Kollaborative Erstellung: Alle relevanten Stakeholder einbeziehen.
  • Automatisierungsbereites Design: Testautomatisierung unterstützen, wo möglich.
  • Kritische Abläufe priorisieren: Fokus auf Kern- und Hochrisikobereiche.

Häufige Herausforderungen und Lösungen

  • Veraltete Verfahren: Regelmäßige Überprüfung planen und Verantwortliche festlegen.
  • Inkonsistente Dokumentation: Vorlagen und zentrale Tools nutzen.
  • Informationsüberflutung: Auf das Wesentliche konzentrieren, Visualisierungen einsetzen.
  • Schlechte Rückverfolgbarkeit: Zuordnung von Anforderungen zu Tests pflegen.
  • Manuelle Fehler: Wo möglich automatisieren, Peer-Review durchführen.
  • Wissenssilos: Teamübergreifenden Zugang und Zusammenarbeit fördern.
  • Geringe Akzeptanz: Teams über den Wert von QA informieren und Dokumentation in Workflows integrieren.

Tools für das Management und die Durchführung von Testverfahren

  • Testmanagement-Plattformen (z.B. TestRail, PractiTest): Zentralisieren Dokumentation, Ausführung und Reporting.
  • Fehler-/Anforderungsmanagement (z.B. JIRA + Zephyr): Verknüpfen Verfahren mit Anforderungen und Fehlern, verfolgen Ausführungen.
  • Dokumenten-Repositorien (z.B. Confluence, SharePoint): Kollaborieren, Versionen verwalten und Artefakte speichern.
  • Testautomatisierungs-Frameworks (z.B. Selenium, Cypress): Wandeln manuelle Verfahren in automatisierte Skripte für Effizienz und Genauigkeit um.
Test procedure documentation example

Zusammenfassung

Ein Testverfahren ist weit mehr als eine Checkliste – es ist ein akribisch dokumentiertes, ausführbares Skript und das Rückgrat der Qualitätssicherung in regulierten, sicherheitskritischen Branchen. Seine Struktur, Klarheit und Rückverfolgbarkeit sind essenziell für Konformität, Risikomanagement und nachhaltige operative Exzellenz.

Für Organisationen, die Produktqualität sicherstellen, regulatorische Anforderungen erfüllen und Audits effizient gestalten möchten, sind robuste Testverfahren unverzichtbar.

Wenn Sie Expertenrat für den Aufbau oder die Optimierung Ihrer QA-Dokumentation und Testverfahren benötigen, kontaktieren Sie uns oder vereinbaren Sie eine Demo noch heute.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptzweck eines Testverfahrens in der Qualitätssicherung?

Ein Testverfahren bietet eine standardisierte, wiederholbare Abfolge von Schritten zur systematischen Überprüfung der Systemanforderungen und -leistung. Es gewährleistet Konsistenz, Rückverfolgbarkeit und Regelkonformität, reduziert Fehlerrisiken und unterstützt Audits oder Zertifizierungsprozesse.

Worin unterscheidet sich ein Testverfahren von einem Testfall oder Testplan?

Ein Testfall ist ein einzelnes Szenario mit bestimmten Eingaben und erwarteten Ergebnissen, während ein Testverfahren ein umfassendes, schrittweises Skript ist, das oft mehrere Testfälle zusammenfasst, um einen komplexen Prozess zu validieren. Ein Testplan ist ein übergeordnetes Dokument, das Teststrategie, Umfang und Ressourcen beschreibt – er verweist für die Ausführung auf Testverfahren und -fälle.

Warum sind Testverfahren für die Regelkonformität unerlässlich?

Regulierungsbehörden verlangen dokumentierte Nachweise für systematische, wiederholbare Tests. Testverfahren liefern dies, indem sie jede Aktion, Konfiguration und jedes erwartete Ergebnis detailliert beschreiben und so Audits, Zertifizierungen und Vorfalluntersuchungen in Branchen wie Luftfahrt, Gesundheitswesen und Finanzen unterstützen.

Was sollte ein gut dokumentiertes Testverfahren enthalten?

Ein robustes Testverfahren enthält eine Kennung, Titel, Zweck, Voraussetzungen, detaillierte Schritte, erforderliche Testdaten, erwartete Ergebnisse, Nachbedingungen, Referenzen, Umgebungsdetails, verantwortliche Rollen und eine Revisionshistorie zur Rückverfolgbarkeit und Auditierbarkeit.

Wie oft sollten Testverfahren aktualisiert werden?

Testverfahren sollten regelmäßig überprüft und aktualisiert werden – insbesondere nach Systemänderungen, regulatorischen Anpassungen oder Erkenntnissen aus vorherigen Testdurchführungen –, um fortlaufende Genauigkeit, Effektivität und Regelkonformität sicherzustellen.

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