Peilung

Navigation Aviation Maritime Compass

Peilung – Horizontale Richtung als Winkelabstand vom Norden ausgedrückt

Definition und Grundkonzepte

Eine Peilung beschreibt in der Navigation die horizontale Richtung von einem Punkt der Erdoberfläche zu einem anderen, gemessen als Winkel im Uhrzeigersinn von einer festen Bezugsrichtung—typischerweise Norden. Der Winkel reicht von 000° (Norden) bis 359° und wird stets in der Horizontalen gemessen. Peilungen liefern universell verständliche, standardisierte Richtungsinformationen, die entscheidend sind für:

  • Kursbestimmung und Kursverfolgung
  • Positionsbestimmung und Positionsfeststellung
  • Gefahrenvermeidung
  • Präzise Richtungsangaben

Peilungen sind in allen Navigationsdisziplinen—Luftfahrt, Seefahrt und Landnavigation—grundlegend und bilden die Basis sowohl für traditionelle als auch moderne elektronische Navigationssysteme. Die Bezugsrichtung kann rechtweisender Norden (geographisch), magnetischer Norden (Kompass) oder der aktuelle Kurs (relativ) sein.

Peilungen werden immer in Grad angegeben und je nach Kontext als rechtweisend (T), magnetisch (M), Kompass (C) oder relativ (R) spezifiziert.

Arten von Peilungen und ihre Anwendungen

Peilungen werden nach ihrer Bezugsrichtung klassifiziert:

  • Rechtweisende Peilung (T): Im Uhrzeigersinn vom rechtweisenden Norden gemessen; bei Kartenarbeit und elektronischer Navigation üblich.
  • Magnetische Peilung (M): Vom magnetischen Norden gemessen; das, was ein Magnetkompass anzeigt.
  • Kompasspeilung (C): Direkt vom Kompass abgelesen, einschließlich Missweisung und Deviation.
  • Relative Peilung (R): Im Uhrzeigersinn vom aktuellen Kurs des Beobachters gemessen; dient der unmittelbaren Lageeinschätzung.

Anwendungen:

  • Rechtweisende Peilungen für Kursbestimmung und Kartenarbeit.
  • Magnetische Peilungen für die Steuerung nach Kompass, wobei die Missweisung zu berücksichtigen ist.
  • Relative Peilungen für Kollisionsvermeidung, taktische Manöver und Objektidentifizierung.

Das Verständnis und die Umrechnung zwischen diesen Peilungsarten sind für sichere und genaue Navigation unerlässlich.

Notationssysteme

Peilungen werden mit standardisierten Notationen übermittelt:

  • Dreistellige Notation: Immer drei Ziffern, z. B. 045°, 270°. International zur Klarstellung verwendet.
  • Quadranten-Notation: Winkel östlich/westlich von Nord/Süd (z. B. N30°E), traditionell in der Land- und Küstennavigation.
  • Relative Peilungen: Als Winkel vom Kurs angegeben (z. B. Ziel bei 090° relativ, direkt steuerbord).

Internationale Praxis (ICAO, IMO) verlangt die dreistellige Notation mit Zusatz: z. B. „270°T“ (rechtweisend), „090°M“ (magnetisch).

Praktische Anwendung in der Navigation

Kurs bestimmen:
Um von A nach B zu gelangen, ermitteln Sie die Peilung auf der Karte mit einem Winkelmesser oder Plotter. Der resultierende Winkel ist der Kurs, der gesteuert werden muss—ggf. korrigiert für Strömung und Wind.

Position bestimmen:
Nehmen Sie Peilungen zu zwei oder mehr bekannten Objekten. Tragen Sie von diesen Objekten aus Linien in den gemessenen Peilungen ein; Ihr Standort liegt am Schnittpunkt (dem „Standortfix“).

Gefahren vermeiden:
Markieren Sie „Gefahrenpeilungen“ auf der Karte, um Grenzen relativ zu Gefahren zu definieren—so bleibt Schiff oder Flugzeug in sicherem Abstand.

Koppelnavigation:
Mit Peilungen, Geschwindigkeit und vergangener Zeit kann die aktuelle Position abgeschätzt werden, wenn keine Sicht- oder Elektronikfixe verfügbar sind.

Peilungen sind zentral für Echtzeitnavigation, Sicherheit und effektive Kommunikation.

Peilungen messen: Instrumente und Techniken

  • Magnetkompass: Klassisches Instrument für magnetische Peilungen; erfordert Korrektur für Missweisung und Deviation.
  • Kreiselkompass: Liefert rechtweisende Peilungen, ist unempfindlich gegen magnetische Einflüsse.
  • Peilkompass: Ermöglicht präzise optische Peilungen auf entfernte Objekte.
  • Elektronische Hilfsmittel: GPS, VOR, ADF, Radar und elektronische Kartensysteme berechnen und zeigen Peilungen automatisch an.

Genauigkeitstipps:
Instrumente waagerecht halten, fern von Störeinflüssen, und stets Missweisung und Deviation berücksichtigen.

Peilungen zwischen geographischen Koordinaten berechnen

Um die Anfangspeilung (Vorwärts-Azimut) zwischen zwei Punkten (lat₁, lon₁) und (lat₂, lon₂) zu bestimmen:

[ \theta = \arctan_2 \left( \sin \Delta \lambda \cdot \cos \phi_2,, \cos \phi_1 \cdot \sin \phi_2 - \sin \phi_1 \cdot \cos \phi_2 \cdot \cos \Delta \lambda \right) ]

  • Breiten/Längen in Bogenmaß umrechnen.
  • Δλ (Längendifferenz) berechnen.
  • Werte einsetzen und θ in Grad umwandeln.
  • Auf 0–360° normieren.

Diese Berechnung ist für Großkreisnavigation (kürzeste Strecke über den Globus) unerlässlich.

Peilungen in der Luft- und Seefahrtpraxis

Luftfahrt:

  • Radiale von VOR/NDB-Stationen aufnehmen.
  • Instrumentenanflüge und Warteschleifen fliegen.
  • Trennung und Routenpräzision mit Peilungen sicherstellen.

Seefahrt:

  • Standort durch Peilungen auf Landobjekte oder Tonnen bestimmen.
  • Kollisionen vermeiden durch Überwachen relativer Peilungen.
  • Radar für elektronische Peilungen bei schlechter Sicht einsetzen.

Peilungen dienen auch der Definition von „Gefahrenlinien“ und „Freihaltemarken“ auf Karten für sichere Passagen.

Bezugsrichtungen: Rechtweisender Norden, Magnetischer Norden und Kurs

  • Rechtweisender Norden: Geographischer Norden; Standard für Karten und die meisten elektronischen Systeme.
  • Magnetischer Norden: Richtung, in die der Kompass zeigt; ändert sich je nach Ort und Zeit.
  • Aktueller Kurs: Richtung, in die Bug/Nase zeigen; Basis für relative Peilungen.

Immer bestätigen, welche Bezugsrichtung gilt und gegebenenfalls umrechnen.

Magnetische Missweisung und Deviation

  • Magnetische Missweisung (Deklination): Unterschied zwischen rechtweisendem und magnetischem Norden; ortsabhängig.
  • Deviation: Kompassfehler durch nahe Magnetfelder (z. B. Elektronik, Metall).

Umrechnungsformeln:

  • Rechtweisend = Magnetisch + Missweisung (Ost positiv, West negativ)
  • Magnetisch = Kompass + Deviation

Korrekturen systematisch anwenden, um Navigationsfehler zu vermeiden.

Standlinien und Schnittpunkt („Fix“)

Eine Standlinie ist eine Linie, auf der der Navigator weiß, dass sich seine Position befindet, basierend auf einer Peilung zu einem bekannten Objekt. Der Schnittpunkt zweier oder mehrerer Standlinien ergibt einen Fix—den aktuellen Standort des Navigators.

  • Optimale Fix-Geometrie: 90° zwischen zwei Standlinien, 120° zwischen dreien.
  • Quellen: Optisch (Landmarken), elektronisch (VOR, NDB, GPS) oder Radar.

Peilungen und Großkreisnavigation

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten auf der Erde ist ein Großkreis. Peilungen auf Großkreisrouten ändern sich kontinuierlich entlang der Strecke, was häufige Umrechnung oder elektronische Unterstützung erfordert. Dies ist besonders bei Langstreckenflügen und -fahrten wichtig.

Zusammenfassung

Peilungen, definiert als der horizontale Winkel von einer Bezugsrichtung zu einem Ziel, sind das Fundament der Navigation zu Land, zu Wasser und in der Luft. Die Beherrschung der Peilungsarten, Notation, Messung, Korrektur und Anwendung ist unerlässlich für jeden Navigator—sie gewährleistet präzise Kursbestimmung, sicheres Reisen und klare Kommunikation in jeder Navigationssituation.

Quellen

  • International Civil Aviation Organization (ICAO) Annex 2, Doc 8168
  • International Maritime Organization (IMO) SOLAS, COLREGS
  • Bowditch, American Practical Navigator (NOAA)
  • FAA Aeronautical Information Manual (AIM)
  • Admiralty Manual of Navigation
  • IHO Hydrographic Dictionary

Für weiterführende Literatur oder um Ihre Navigationskenntnisse zu vertiefen, konsultieren Sie diese Werke oder wenden Sie sich an einen Navigationsexperten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Peilung in der Navigation?

Eine Peilung ist der im Uhrzeigersinn von einer Bezugsrichtung (wie rechtweisendem oder magnetischem Norden) zu einem Objekt, Ziel oder interessanten Punkt gemessene horizontale Winkel. Sie ist grundlegend für Kursbestimmung, Positionsfeststellung und die Übermittlung von Richtungen in der Navigation.

Welche Arten von Peilungen gibt es?

Die Hauptarten von Peilungen sind rechtweisende Peilung (vom rechtweisenden Norden gemessen), magnetische Peilung (vom magnetischen Norden), Kompasspeilung (direkte Kompassablesung, einschließlich Missweisung und Deviation) und relative Peilung (vom Kurs des Fahrzeugs oder Flugzeugs gemessen). Jede dient bestimmten betrieblichen Anforderungen.

Wie wandelt man zwischen magnetischer und rechtweisender Peilung um?

Um zwischen magnetischen und rechtweisenden Peilungen umzuwandeln, wird die magnetische Missweisung (Deklination) für den aktuellen Standort angewendet: Rechtweisende Peilung = Magnetische Peilung + Missweisung (Ost ist positiv, West ist negativ). Ziehen Sie immer die aktuelle See- oder Luftfahrtskarte für die lokale Missweisung heran.

Mit welchen Instrumenten werden Peilungen gemessen?

Peilungen werden mit Instrumenten wie dem Magnetkompass, dem Kreiselkompass (für rechtweisende Bezugsrichtung), Peilkompass und modernen elektronischen Hilfsmitteln wie GPS, VOR (Luftfahrt) oder Radar (Seefahrt) gemessen. Die Wahl hängt von der Umgebung und der benötigten Genauigkeit ab.

Warum sind Peilungen in der Navigation wichtig?

Peilungen sind unerlässlich für die Kursbestimmung und Kursverfolgung, die Standortbestimmung durch Anpeilen bekannter Objekte, das Vermeiden von Gefahren und für sicheres und effizientes Reisen. Sie bieten eine gemeinsame Sprache für Navigatoren in verschiedenen Umgebungen und Verkehrsarten.

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