Farbtemperatur

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Glossar zur Farbtemperatur in Photometrie, Bildgebung und Beleuchtung

Die Farbtemperatur ist ein Grundpfeiler in Wissenschaft und Technik des Lichts. Sie beschreibt, quantifiziert und standardisiert das Farb-Erscheinungsbild von Lichtquellen basierend auf der Temperatur eines idealisierten Schwarzkörpers. Eingesetzt im Lichtdesign, der Bildgebung, Kalibrierung von Displays und der visuellen Ergonomie, stellt die Farbtemperatur sicher, dass die von uns als „weiß“, „warm“ oder „kühl“ wahrgenommenen Farbtöne branchen- und anwendungsübergreifend konsistent und zuverlässig sind.

Farbtemperatur

Farbtemperatur liefert ein quantitatives Maß für das Farb-Erscheinungsbild einer Lichtquelle. Ausgedrückt in Kelvin (K) bezieht sie sich auf die Temperatur, bei der ein theoretischer Schwarzkörper Strahlung emittieren würde, die dem Farbton des betrachteten Lichts entspricht. Mit steigender Temperatur eines Schwarzkörpers verschiebt sich sein Licht von Rot zu Orange, Gelb, Weiß und schließlich bei sehr hohen Temperaturen zu Bläulichweiß.

  • Warmweiß: 2.700–3.000 K (gemütliche, intime Umgebungen, Glühlampen)
  • Neutralweiß: 4.000–5.000 K (Büros, Arbeitsbeleuchtung)
  • Kaltweiß / Tageslicht: 6.500 K und mehr (Operationssäle, Tageslichtsimulation)

Die Farbtemperatur misst nicht die tatsächliche Wärme der Lampe, sondern bezieht sich auf das visuelle Erscheinungsbild ihres Lichts. Bei nicht-schwarzkörperartigen Quellen wie LEDs und Leuchtstofflampen wird das Konzept der korrelierten Farbtemperatur (CCT) verwendet.

Schwarzkörperstrahler

Ein Schwarzkörperstrahler ist ein theoretisches Objekt, das sämtliche elektromagnetische Strahlung perfekt absorbiert und emittiert, wobei sein Emissionsspektrum ausschließlich von seiner Temperatur bestimmt wird.

  • Das Plancksche Gesetz beschreibt mathematisch die Schwarzkörperstrahlung und bildet die Grundlage für die Farbtemperaturskala.
  • Mit steigender Temperatur verschiebt sich das Emissionsmaximum zu kürzeren (bläulicheren) Wellenlängen.
  • Beispiele: Glühlampen mit Wolframfaden kommen dem Verhalten eines Schwarzkörpers nahe, LEDs und Leuchtstofflampen hingegen nicht.

Die Schwarzkörpertheorie ist grundlegend in der Farbmetrik, Astrophysik und bei der Kalibrierung photometrischer Instrumente.

Plancksches Gesetz

Das Plancksche Gesetz definiert die Verteilung elektromagnetischer Strahlung eines Schwarzkörpers in Abhängigkeit von Wellenlänge und Temperatur:

$$ M(\lambda, T) = \frac{2hc^2}{\lambda^5} \cdot \frac{1}{\exp\left(\frac{hc}{\lambda kT}\right) - 1} $$

  • Mit steigender Temperatur nimmt die insgesamt abgestrahlte Energie zu und das Emissionsmaximum verschiebt sich (Wiensches Verschiebungsgesetz).
  • Das Plancksche Gesetz löst die „Ultraviolett-Katastrophe“ und liefert die wissenschaftliche Basis für Farbtemperatur und Spektrumsimulation.

Das Plancksche Gesetz ist grundlegend für die Spektroradiometrie, die Erzeugung von Standardlichtquellen und Simulationen in Bildgebung und Grafik.

Chromatizität

Chromatizität beschreibt die Qualität einer Farbe unabhängig von ihrer Leuchtdichte und umfasst nur Farbton und Sättigung. Chromatizität wird üblicherweise dargestellt in:

  • CIE 1931 (x, y)
  • CIE 1976 (u’, v’)

Chromatizitätskoordinaten werden aus Tristimuluswerten (X, Y, Z) abgeleitet und sind entscheidend für Beleuchtung, Bildgebung, Displaykalibrierung und Farbstandards.

CIE-Chromatizitätsdiagramme (CIE 1931 und CIE 1976)

Das CIE 1931-Chromatizitätsdiagramm ist eine zweidimensionale Karte der Farbwahrnehmung, wobei die Achsen (x, y) alle wahrnehmbaren Farben darstellen. Der Plancksche Kurvenzug verläuft durch das Diagramm und markiert die Chromatizitäten von Schwarzkörperstrahlern bei unterschiedlichen Temperaturen.

  • CIE 1976 (u’, v’) verbessert die Wahrnehmungsgleichheit und eignet sich besser zum Vergleich von Farbunterschieden und zur Berechnung der CCT.
  • Chromatizitätsdiagramme werden zur Kalibrierung von Beleuchtung und Displays und zur Festlegung von Standardlichtquellen (A, D65 usw.) genutzt.

Planckscher Kurvenzug

Der Plancksche Kurvenzug ist der Pfad, den die Chromatizitäten von Schwarzkörperstrahlern bei steigender Temperatur im Chromatizitätsdiagramm beschreiben.

  • Bildet die Referenz für Farbtemperatur und CCT-Zuordnung.
  • Standardlichtquellen (z. B. Lichtart A, D65) sind entlang dieses Kurvenzugs definiert.
  • Wird in Beleuchtung, Displaykalibrierung und zur Einhaltung von Vorschriften verwendet.

Tristimuluswerte (X, Y, Z)

Tristimuluswerte quantifizieren, wie das menschliche Auge auf das Spektrum einer Lichtquelle reagiert. Sie werden durch Integration des Spektrums der Quelle mit den CIE-Farbwertfunktionen berechnet:

$$ X = k \int \phi_\lambda(\lambda) \cdot \bar{x}(\lambda) d\lambda \ Y = k \int \phi_\lambda(\lambda) \cdot \bar{y}(\lambda) d\lambda \ Z = k \int \phi_\lambda(\lambda) \cdot \bar{z}(\lambda) d\lambda $$

  • Dienen zur Berechnung von Chromatizitätskoordinaten.
  • Grundlage aller Farbräume und Messstandards.

Korrelierte Farbtemperatur (CCT)

Die korrelierte Farbtemperatur (CCT) weist nicht-schwarzkörperartigen Lichtquellen (wie LEDs) einen Kelvin-Wert zu, indem der nächste Punkt auf dem Planckschen Kurvenzug zur Chromatizität der Quelle gesucht wird.

  • Die CCT ist eine eindimensionale Vereinfachung; Quellen mit identischer CCT können unterschiedlich erscheinen und Farben unterschiedlich wiedergeben.
  • Verwendet in Beleuchtung, Bildgebung, Weißabgleich und Normen.

duv (Delta-uv)

duv quantifiziert Abstand und Richtung (oberhalb oder unterhalb) der Chromatizität einer Lichtquelle zum Planckschen Kurvenzug im CIE 1976 (u’, v’)-Raum.

  • duv = 0: Genau auf dem Planckschen Kurvenzug (ideales Schwarzkörper-Farbeindruck).
  • duv > 0: Grünlicher Farbstich.
  • duv < 0: Rötlicher oder violetter Farbstich.

duv ist entscheidend bei der Bewertung von LED- und Phosphorleuchten hinsichtlich Sehkomfort und Einhaltung von Normen.

Farbwiedergabeindex (CRI)

Der Farbwiedergabeindex (CRI) misst, wie genau eine Lichtquelle Objektfarben im Vergleich zu einer Referenz mit gleicher Farbtemperatur wiedergibt.

  • CRI von 100: Perfekte Farbwiedergabe (Schwarzkörperquellen, Tageslicht).
  • Moderne Lichtquellen (LEDs, Leuchtstofflampen) können hohe CCT, aber schlechte CRI-Werte haben.

Hoher CRI ist für Sehaufgaben, Sicherheit und Ästhetik in Luftfahrt, Architektur und Bildgebung unerlässlich.

Spektrale Leistungsverteilung (SPD)

Die spektrale Leistungsverteilung (SPD) zeigt, wie sich die Energieabgabe einer Lichtquelle über das sichtbare Spektrum verteilt.

  • Die SPD bestimmt Farbtemperatur, Chromatizität, Farbwiedergabe und biologische Effekte.
  • Gemessen mit einem Spektroradiometer.

Die SPD-Analyse ist essenziell für Lichtdesign, Gesundheitsforschung und die Einhaltung von Normen.

Anwendungen und Standards

Lichtdesign und Architektur

  • Die Farbtemperatur ist zentral für die Gestaltung gewünschter Atmosphären in Wohnräumen, Arbeitsplätzen und öffentlichen Bereichen.
  • Standards (CIE, ISO) sorgen für eine konsistente Spezifikation und Kommunikation der Lichtleistung.

Luftfahrt und Verkehr

  • Präzise Kontrolle von Farbtemperatur und Chromatizität in Rollbahn-, Cockpit- und Navigationsbeleuchtung gewährleistet Sicherheit und Sichtbarkeit.
  • Internationale Standards wie ICAO- und FAA-Vorschriften verweisen auf Farbtemperaturkennzahlen.

Bildgebung, Fotografie und Displays

  • Weißabgleich, Kamerakalibrierung und Displayherstellung sind auf präzise Farbtemperatur- und Chromatizitätsangaben angewiesen.
  • SPD, CRI und CCT werden für eine getreue Farbwiedergabe eingesetzt.

Gesundheit und zirkadiane Wissenschaft

  • SPD und Farbtemperatur beeinflussen Wachsamkeit, Schlaf und Wohlbefinden.
  • Zirkadiane Beleuchtungssysteme nutzen einstellbare CCT, um natürliche Tageslichtverläufe zu simulieren.

Übersichtstabelle: Wichtige Kennzahlen der Farbtemperatur

KennzahlWas wird gemessenEinheitTypischer BereichAnwendungsbeispiele
FarbtemperaturFarbton eines schwarzkörperähnlichen LichtsKelvin1.000–10.000 KGlühlampen, Tageslicht, Fotografie
CCTNächste Schwarzkörper-Temperatur für Nicht-Schwarzkörper-QuellenKelvin2.000–10.000 KLED, Leuchtstoff, Luftfahrtbeleuchtung
Chromatizität (x, y)Farbton und Sättigung (nicht Helligkeit)0–1Beleuchtung, Display, Kalibrierung
duvAbweichung vom Planckschen Kurvenzug~-0,015 bis +0,015LED-Bewertung, Normenkonformität
CRIFarbtongenauigkeit im Vergleich zur Referenzquelle0–10060–100+Architektur, Fotografie, Luftfahrt
SPDLichtleistung bei jeder WellenlängeW/nm380–780 nm (sichtbar)Gesundheit, Bildgebung, Lichtdesign

Weitere Literatur & Standards

  • CIE S 017/E:2011: „International Lighting Vocabulary“
  • ISO/CIE 11664-Reihe: „Colorimetry“ (Teile 1–6)
  • CIE 13.3: „Method of Measuring and Specifying Colour Rendering Properties of Light Sources“
  • ISO 30061: „Notbeleuchtung“
  • FAA AC 150/5345-46: „Specifications for Runway and Taxiway Lighting Fixtures“
  • IES TM-30-15: „Method for Evaluating Light Source Color Rendition“

Fazit

Die Farbtemperatur ist eine universelle Sprache zur Beschreibung des Lichterscheinungsbildes. Ihr wissenschaftlicher Anspruch und die standardisierte Messung ermöglichen Gestaltung, Sicherheit und Kreativität in zahllosen Bereichen: vom warmen Schein des Wohnzimmers bis zur hochkritischen Klarheit einer Flughafen-Startbahn. Das Beherrschen dieses Konzepts – und verwandter Kennzahlen wie CCT, Chromatizität, duv, CRI und SPD – befähigt Fachleute, optimierte, normgerechte und visuell ansprechende Umgebungen zu schaffen.

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Häufig gestellte Fragen

Warum wird die Farbtemperatur in Kelvin gemessen?

Die Farbtemperatur verwendet die Kelvin-Skala, weil sie auf der Temperatur basiert, bei der ein idealer Schwarzkörperstrahler Licht einer bestimmten Farbe abstrahlt. Die Kelvin-Skala (K) ist eine absolute thermodynamische Temperaturskala, und ihre Verwendung gewährleistet wissenschaftliche Konsistenz beim Vergleich von Lichtquellen.

Was ist der Unterschied zwischen Farbtemperatur und korrelierter Farbtemperatur (CCT)?

Die Farbtemperatur gilt streng genommen nur für Lichtquellen, die der Schwarzkörperstrahlung nahekommen (wie Glühlampen). Die korrelierte Farbtemperatur (CCT) erweitert das Konzept, indem sie nicht-schwarzkörperartigen Quellen wie LEDs und Leuchtstofflampen einen 'am besten passenden' Kelvin-Wert zuweist, indem deren Chromatizität mit dem Planckschen Kurvenzug verglichen wird.

Wie beeinflusst die Farbtemperatur Stimmung und Sehkomfort?

Niedrigere Farbtemperaturen (Warmweiß) schaffen eine gemütliche, entspannende Atmosphäre, während höhere Temperaturen (Kaltweiß/bläulich) Wachsamkeit und Konzentration fördern. Dies liegt an physiologischen und psychologischen Reaktionen auf unterschiedliche Lichtspektren.

Können zwei Lichter mit gleicher Farbtemperatur unterschiedlich aussehen?

Ja. Lichter mit identischer Farbtemperatur können unterschiedliche spektrale Leistungsverteilungen haben, was die Farbwiedergabe (Farbwiedergabeindex, CRI) und die Chromatizität (duv-Parameter) beeinflusst. Daher können zwei '3000K'-Lichter unterschiedlich erscheinen, insbesondere in farbkritischen Umgebungen.

Warum ist Chromatizität wichtig für die Kalibrierung von Beleuchtung und Displays?

Die Chromatizität definiert den Farbton und die Sättigung einer Farbe, unabhängig von ihrer Helligkeit. Die Kalibrierung von Beleuchtung und Displays auf präzise Chromatizitätskoordinaten gewährleistet eine konsistente Farbwiedergabe, was für Branchen wie Luftfahrt, Fotografie und Displayherstellung entscheidend ist.

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