Zustandsüberwachung

Predictive Maintenance Industrial IoT Reliability Engineering Asset Management

Glossar der Zustandsüberwachung: Beobachtung des Anlagenzustands in der Instandhaltung

Zustandsüberwachung steht im Mittelpunkt der modernen Instandhaltung und Zuverlässigkeitstechnik. Dieses Glossar bietet ausführliche Definitionen und praxisnahe Erläuterungen zu wichtigen Begriffen und Technologien auf Basis von ISO 17359, ICAO-Standards und weltweiten Best Practices aus der Industrie.

Akustische Analyse / Akustiküberwachung

Definition:
Die akustische Analyse ist eine Methode der Zustandsüberwachung, die Schallwellen – hörbare wie auch Ultraschall – aufnimmt und interpretiert, um den Betriebszustand von Maschinen zu beurteilen. Sie nutzt Sensoren wie Mikrofone und piezoelektrische Wandler, um Anomalien in Geräuschmustern zu erkennen, die auf Probleme wie Lagerschäden, Leckagen oder elektrische Fehler hindeuten können.

Anwendungen:

  • Hörbare Überwachung: Erkennt ungewöhnliche Geräusche (Schleifen, Quietschen), die auf mechanischen Verschleiß hinweisen.
  • Ultraschallüberwachung: Identifiziert hochfrequente Emissionen durch Druckluftlecks, elektrische Überschläge oder Kavitation in Pumpen, oft bevor Probleme hörbar werden.

Branchenbeispiel:
In der Luftfahrt werden Ultraschalldetektoren eingesetzt, um Leckagen im Kraftstoffsystem oder frühzeitige Materialrisse präzise zu lokalisieren und so Sicherheit und Zuverlässigkeit zu erhöhen.

Asset-Kritikalität

Definition:
Asset-Kritikalität ist der Prozess der Bewertung, wie wesentlich eine Anlage für Betrieb, Sicherheit und geschäftliche Ziele ist. Diese Bewertung bestimmt den Umfang an Überwachungs- und Instandhaltungsressourcen, der für jede Anlage bereitgestellt wird.

Bestimmungsfaktoren:

  • Funktion im Prozess
  • Ausfallfolgen (Sicherheit, Umwelt, Produktion)
  • Redundanz und Reparaturzeit
  • Ersatzteilverfügbarkeit

Best Practice:
Anlagen mit hoher Kritikalität (z. B. Hauptverdichter, Flugzeugtriebwerke) erfordern eine kontinuierliche, fortschrittliche Überwachung. Anlagen mit niedriger Kritikalität werden meist periodisch überprüft.

Referenzwerte

Definition:
Referenzwerte sind Vergleichsmessungen, die unter idealen Betriebsbedingungen aufgezeichnet werden und als Standard zur Erkennung von Abweichungen dienen.

Festlegung:

  • Während der Inbetriebnahme oder nach einer Generalüberholung
  • Unter stabilen, kontrollierten Bedingungen
  • Erfassung von Parametern wie Schwingung, Temperatur, Druck und Ölqualität

Bedeutung:
Der Vergleich aktueller Daten mit Referenzwerten ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Verschleiß oder Fehlern und unterstützt Algorithmen für maschinelles Lernen in der vorausschauenden Instandhaltung.

Zustandsbasierte Instandhaltung (CbM)

Definition:
CbM ist eine Instandhaltungsstrategie, bei der Eingriffe auf Basis des tatsächlichen Anlagenzustands erfolgen, wie er durch Echtzeit- oder periodische Überwachung angezeigt wird, anstatt nach festen Zeitplänen.

Bestandteile:

  • Sensoren (Schwingung, Temperatur, Öl etc.)
  • Analyseplattformen
  • Schwellenwerte für Alarme

Vorteile:
Reduziert unnötige Instandhaltung, senkt Kosten und verhindert unerwartete Ausfälle – empfohlen von ICAO und ISO 17359 für kritische Anlagen.

Beispiel:
Flugzeugkomponenten werden ausgetauscht, wenn Daten Verschleiß anzeigen, nicht allein nach Flugstundenintervallen.

Zustandsüberwachung

Definition:
Zustandsüberwachung ist der fortlaufende Prozess der Erfassung und Analyse von Schlüsselindikatoren (Schwingung, Temperatur, Druck, Schmierung, Akustik) des Maschinenzustands, um Ausfälle zu verhindern und die Leistung zu optimieren.

Parameter & Technologien:

  • Schwingung, Temperatur, elektrischer Strom, Ölqualität, akustische Emissionen
  • Sensoren, Datenerfassungssysteme, Analyseplattformen

Richtlinien:
Ausgerichtet an internationalen Standards wie ISO 17359 und ICAO-Instandhaltungsprotokollen.

Beispiel:
Strahltriebwerke werden auf Schwingungsanomalien überwacht, um Klingenbrüche zu verhindern.

Zustandsüberwachungssoftware

Definition:
Eine spezialisierte digitale Plattform, die Sensordaten von Industrieanlagen sammelt, visualisiert und analysiert und so Echtzeit-Diagnosen, Alarme und Berichte ermöglicht.

Funktionen:

  • Datenintegration mehrerer Sensortypen
  • Dashboards für Echtzeit-Visualisierung
  • Automatisierte Alarme und Arbeitsaufträge
  • Erweiterte Analysen und KI
  • Integration mit EAM- und CMMS-Systemen

Anwendungsfall:
Zentralisierte Überwachung von Tausenden Anlagen mit Instandhaltung nur bei echtem Bedarf laut Daten.

Kontinuierliche Überwachung

Definition:
Eine Methode der Echtzeit-, unterbrechungsfreien Zustandsüberwachung mittels fest installierter Sensoren. Unverzichtbar bei risikoreichen oder kritischen Anlagen.

Vorteile:

  • Sofortige Fehlererkennung
  • Vermeidung übersehener kurzzeitiger Ereignisse
  • Vorgeschrieben in Branchen wie Luftfahrt, Kernkraft und Öl & Gas

Beispiel:
Getriebe von Windenergieanlagen werden kontinuierlich überwacht, um Lagerschäden vor Ausfall zu erkennen.

Datenerfassungssystem (DAQ)

Definition:
DAQ-Systeme sind Hard- und Softwarelösungen zur Erfassung, Digitalisierung und Übertragung von Sensordaten für die Zustandsüberwachung.

Bestandteile:

  • Sensor-Schnittstellen (analog/digital)
  • Signalaufbereitung, A/D-Wandlung
  • Kommunikation (Ethernet, Funk, seriell)

Skalierbarkeit:
Von einfachen Mehrkanal-Loggern bis zu Unternehmenssystemen mit Integration in SCADA, DCS und Cloud-Analysen.

Erkennung, Diagnose, Prognose und Programm (Die Vier Säulen)

Rahmen:

  1. Erkennung: Früherkennung von Abweichungen durch Sensoren/Analytik
  2. Diagnose: Bestimmung der Fehlerursache (manuell, algorithmisch, KI)
  3. Prognose: Vorhersage der Restlebensdauer und des Eingriffszeitraums
  4. Programm: Planung und Durchführung von Instandhaltungsmaßnahmen

Wert:
Optimiert die Instandhaltung, reduziert Ausfallzeiten und unterstützt kontinuierliche Verbesserung.

Elektrische Überwachung

Definition:
Überwachung elektrischer Parameter (Spannung, Strom, Widerstand, Leistungsfaktor) zur Beurteilung des Anlagenzustands und Vorbeugung von Ausfällen.

Wichtige Methoden:

  • Stromsignaturanalyse bei Motoren
  • Isolationsmessung für Wicklungen/Kabel
  • Netzqualitätsmessung für Spannung/Oberschwingungen

Beispiele:
Erkennung von Isolationsabbau in Generatorwicklungen, Vermeidung von Kurzschlüssen.

Elektromagnetische Messung

Definition:
Zerstörungsfreie Prüfverfahren mit Magnetfeldern (Wirbelstrom, Magnetflussleckage) zur Erkennung von Defekten in Metallbauteilen.

Verfahren:

  • Wirbelstrom erkennt Risse/Korrosion in leitfähigen Materialien
  • Magnetflussleckage zeigt Lochfraß und Risse in ferromagnetischen Strukturen

Branchenanwendung:
Kritisch bei Pipelines, Lagertanks, Flugzeugen und Eisenbahnen.

Ausfallmodus

Definition:
Eine spezifische Art, wie eine Anlage oder Komponente versagen kann. Die Klassifikation von Ausfallmodi beeinflusst Überwachungs- und Instandhaltungsstrategien.

Typen:

  • Mechanisch (Lagerschaden, Fehlausrichtung)
  • Elektrisch (Isolationsabbau)
  • Thermisch (Überhitzung)

Normen:
FMEA und ICAO MSG-3 dienen der systematischen Analyse von Ausfallmodi.

IIoT (Industrial Internet of Things)

Definition:
IIoT verbindet vernetzte Sensoren, Edge-Geräte und Cloud-Analysen zur Echtzeitüberwachung, Optimierung und Automatisierung industrieller Anlagen.

Bestandteile:

  • Intelligente Funksensoren
  • Edge-Computing-Geräte
  • Cloud-Analyseplattformen
  • APIs zur Integration in Unternehmenssysteme

Vorteile:
Ermöglicht skalierbare, dezentrale Überwachung und fortschrittliche prädiktive Instandhaltung.

Weitere Schlüsselbegriffe

Infrarot-Thermografie

Berührungslose Messung von Temperaturunterschieden mit Infrarotkameras zur Erkennung von Hotspots, Isolationsfehlern oder elektrischer Überlastung.

Schmierstoffanalyse (Ölanalyse)

Untersuchung von Schmierstoffeigenschaften (Viskosität, Verunreinigungen, Verschleißpartikel) zur Beurteilung von Maschinenverschleiß und Vorbeugung von Ausfällen.

Vorausschauende Instandhaltung

Instandhaltungsstrategie, die Zustandsüberwachungsdaten und Analysen nutzt, um Ausfälle vorherzusagen und zu verhindern, bevor sie auftreten.

Ursachenanalyse (RCA)

Strukturierter Prozess zur Untersuchung und Ermittlung der zugrundeliegenden Ursachen von Ausfällen, der Korrekturmaßnahmen lenkt.

Schwingungsanalyse

Messung und Auswertung von Schwingungspegeln und -frequenzen zur Erkennung von Unwucht, Fehlausrichtung oder Lagerschäden bei rotierenden Maschinen.

Praxisbeispiele

  • Luftfahrt: Echtzeitüberwachung von Triebwerksschwingungen und Ölrückständen zur Früherkennung von Ausfällen gemäß ICAO-Protokollen.
  • Fertigung: Kontinuierliche Überwachung von Pumpen und Motoren auf Temperatur und Schwingung zur Vermeidung teurer Stillstände.
  • Energie: IIoT-basierte Fernüberwachung von Windenergieanlagen für vorausschauende Instandhaltung und maximale Verfügbarkeit.

Referenzen

  • ISO 17359: Zustandsüberwachung und Diagnose von Maschinen – Allgemeine Leitlinien
  • ICAO Doc 9760: Instandhaltungsverfahren und Sicherheitsmanagement
  • Reliabilityweb, Mobius Institute, Fluke Corporation, AVEVA, National Instruments

Zustandsüberwachung ist eine sich entwickelnde Disziplin – von fortschrittlichen Sensoren, IIoT-Konnektivität und Analytik getragen – und sorgt branchenübergreifend für sichere, zuverlässige und wirtschaftliche Instandhaltungsergebnisse.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Zustandsüberwachung?

Zustandsüberwachung ist die kontinuierliche oder periodische Messung und Analyse von Parametern wie Schwingung, Temperatur, elektrischem Strom und Schmiermittelqualität, um den Zustand von Maschinen zu beurteilen. Sie ermöglicht die frühzeitige Erkennung von Fehlern und unterstützt proaktive Instandhaltungsmaßnahmen.

Worin unterscheidet sich zustandsbasierte Instandhaltung (CbM) von vorbeugender Instandhaltung?

Die zustandsbasierte Instandhaltung plant Eingriffe auf Basis des tatsächlichen Anlagenzustands, wie er durch Sensordaten und Analysen angezeigt wird, und greift nur ein, wenn es erforderlich ist. Die vorbeugende Instandhaltung hingegen basiert auf festen Intervallen oder Nutzungszeiten, unabhängig vom Anlagenzustand.

Was sind Referenzwerte in der Zustandsüberwachung?

Referenzwerte sind Vergleichsmessungen, die den normalen, gesunden Betriebszustand von Anlagen darstellen. Sie werden bei neuen Geräten oder nach größeren Wartungsarbeiten festgelegt und dienen als Maßstab zur Erkennung von Abweichungen und aufkommenden Fehlern.

Was ist Asset-Kritikalität und wie beeinflusst sie die Überwachung?

Asset-Kritikalität ist die Bewertung, wie wichtig eine Anlage für betriebliche, sicherheitsrelevante und wirtschaftliche Ziele ist. Anlagen mit hoher Kritikalität erhalten die fortschrittlichste und häufigste Überwachung, um sicherzustellen, dass Ausfälle mit großen Auswirkungen verhindert oder umgehend behoben werden.

Welche Technologien werden in der Zustandsüberwachung eingesetzt?

Wichtige Technologien sind Schwingungsanalyse, akustische (ultraschall- und hörbare) Überwachung, Infrarot-Thermografie, Ölanalyse, Überwachung elektrischer Parameter und elektromagnetische Prüfverfahren (Wirbelstrom- und Magnetflussprüfung). Moderne Systeme integrieren diese mit Datenerfassungsplattformen und Analysesoftware.

Welche Rolle spielt das Industrial Internet of Things (IIoT) in der Zustandsüberwachung?

IIoT ermöglicht die Echtzeit- und Fernüberwachung von Anlagen durch intelligente Sensoren, Edge-Geräte und cloudbasierte Analysen und unterstützt skalierbare Implementierungen sowie fortschrittliche prädiktive Instandhaltungsstrategien über mehrere Standorte hinweg.

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