Datenlogger

Data Acquisition Sensors Environmental Monitoring Aviation

Datenlogger: Umfassendes Glossar und ausführlicher Leitfaden

Definition und Hauptzweck

Ein Datenlogger ist ein autonomes elektronisches Gerät, das systematisch Messdaten von einem oder mehreren Sensoren über einen bestimmten Zeitraum aufzeichnet. Es speichert diese Informationen im internen oder externen Speicher zur späteren Abfrage und Analyse. Datenlogger sind ein integraler Bestandteil der automatisierten Erfassung physikalischer oder umweltbezogener Parameter – wie Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Spannung, Strom, Beschleunigung oder Lichtintensität – in benutzerdefinierten Intervallen. Dies liefert eine genaue, zeitgestempelte Aufzeichnung sich ändernder Bedingungen, reduziert menschliche Fehler und ermöglicht eine langfristige, unbeaufsichtigte Überwachung.

Datenlogger sind auch bekannt als Datalogger, Datenrekorder, Remote Terminal Units (RTUs) oder Messlogger. Ihre automatisierte Datenerfassung unterstützt Entscheidungsfindung und Compliance in einer Vielzahl von Branchen, darunter Umweltwissenschaften, industrielle Prozesssteuerung, Gesundheitswesen, Logistik, Forschung, Gebäudemanagement und Transport.

Typische Anwendungen:

  • Umweltüberwachung (Wetterstationen, Wasserqualität)
  • Industriesteuerung (Druck, Durchfluss, Spannung)
  • Gesundheitswesen (Impfstofflagerung, Pharmaherstellung)
  • Logistik (Kühlkette, Gütertransport)
  • Luftfahrt (Flugdaten, Umwelt- und Geräteüberwachung)
  • Wissenschaftliche Forschung
  • Gebäude- und Anlagenmanagement

Funktionsweise: Datenlogger werden mit Abtastraten, Sensortypen und Alarmschwellen konfiguriert und arbeiten dann eigenständig – sie erfassen, stempeln mit Zeitangaben und speichern Daten, bis diese per USB, drahtlos, mobil oder cloudbasiert abgerufen werden.

ICAO-Bedeutung: In der Luftfahrt schreibt die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) den Einsatz automatisierter Datenrekorder (wie Flugdaten- und Cockpit-Stimmenrekorder) für Sicherheit, Wartung und Compliance vor, wie in ICAO Anhang 6 und Anhang 13 beschrieben.

Architektur und Hauptkomponenten

Die Architektur eines modernen Datenloggers basiert typischerweise auf einem Mikroprozessor oder eingebettetem CPU, unterstützt durch folgende Hauptkomponenten:

KomponenteRolle
Mikroprozessor/CPUSteuert Geräte-Logik, Aufgabenplanung und Verarbeitung der Messdaten.
SensoreingängeNimmt Signale von analogen (Spannung, Strom) oder digitalen (Puls, I²C, SPI) Sensoren auf.
ADC (A/D-Wandler)Wandelt analoge Sensorsignale in digitale Daten um.
DatenspeicherSpeichert erfasste Daten im nichtflüchtigen Speicher (Flash, EEPROM, SD/microSD, USB).
KommunikationErlaubt Konfiguration und Datenabruf (USB, Ethernet, WLAN, Bluetooth, Mobilfunk, etc.).
StromversorgungVersorgt das Gerät per Batterie, externer DC/AC oder Solarpaneelen mit Energie.
Anzeige/Schnittstelle(Optional) Lokale Anzeige und Konfiguration per LCD, LEDs oder Tastatur.
GehäuseSchützt Elektronik vor Staub, Feuchtigkeit und Stößen (IP/NEMA-Schutzarten).

Betrieb:
Der Mikroprozessor durchläuft Sensoraktivierung, Signaldigitalisierung, optionale Filterung oder Verarbeitung und speichert die Daten mit Zeitstempel. Die Daten werden lokal abgerufen oder aus der Ferne für Analyse oder Cloud-Speicherung übertragen. Einige Modelle unterstützen auch Echtzeitsteuerung oder Alarmausgänge.

Luftfahrtstandards:
Datenlogger für die Luftfahrt entsprechen Standards wie RTCA DO-160 und EUROCAE ED-112A, die Datenintegrität unter extremen Bedingungen sicherstellen.

Arten von Datenloggern

Datenlogger unterscheiden sich nach Messschwerpunkt, Bauform, Kommunikationsschnittstelle und Anzahl der Eingangskanäle:

Nach Messart:

  • Temperaturlogger: Nutzen Thermoelemente, RTDs oder Thermistoren für HLK, Kühlkette und Forschung.
  • Feuchtelogger: Kombinieren Feuchte- und Temperatursensoren für Lagerung, Gewächshäuser und Gebäude.
  • Drucklogger: Überwachen atmosphärischen oder Prozessdruck in Rohrleitungen oder Meteorologie.
  • Vibrations-/Schocklogger: Verwenden Beschleunigungssensoren für Anlagenüberwachung und vorausschauende Wartung.
  • Spannungs-/Stromlogger: Messen elektrische Parameter für Netzqualität und Diagnose.

Nach Bauform:

  • Standalone: Batteriebetrieben, im Feld einsetzbar, Datenabruf manuell oder drahtlos.
  • PC-gebunden: Hochgeschwindigkeit, Laboranwendungen, benötigt Computeranschluss.
  • Cloud-verbunden: Echtzeitdatenübertragung über WLAN, Ethernet, Mobilfunk oder Satellit.

Nach Kanalanzahl:

  • Einkanal: Für spezifische Parameter (z.B. Impfstofflagerung).
  • Mehrkanal: Zeichnet mehrere Parameter gleichzeitig auf – ideal für Prozessüberwachung.

Nach Kommunikation:

  • USB/Ethernet: Für direkte, schnelle Datenübertragung.
  • WLAN/Bluetooth: Für drahtlose und entfernte Überwachung.
  • Mobilfunk/Satellit: Für netzunabhängige und weltweite Einsätze.

ICAO-Anwendung:
In der Luftfahrt werden häufig Mehrkanal-Logger für die gleichzeitige Aufzeichnung zahlreicher Flug- und Umweltparameter eingesetzt.

Hauptmerkmale und Auswahlkriterien

Bei der Auswahl eines Datenloggers sollten Sie Folgendes berücksichtigen:

  • Abtastrate: Passend zur Prozessgeschwindigkeit (Hz–MHz-Bereich).
  • Eingangskanäle: Anzahl und Typ (einzeln, mehrfach, analog, digital).
  • Sensor-Kompatibilität: Unterstützung der benötigten Sensortypen und -protokolle.
  • Speicherkapazität: Ausreichend für Einsatzdauer und Frequenz.
  • Datensicherheit: Nichtflüchtiger Speicher für Datensicherheit.
  • Betriebstemperatur: Eignung für das Umfeld (-40°C bis +70°C+).
  • Stromversorgung: Batterielaufzeit, AC/DC und Solarkompatibilität.
  • Kommunikation: USB, Ethernet, WLAN, Bluetooth, Mobilfunk, Satellit, Industrieprotokolle.
  • Alarmierung/Steuerung: Lokale oder entfernte Warnungen, Relaisausgänge.
  • Anzeige/Benutzeroberfläche: Für Vor-Ort-Konfiguration und Fehlerbehebung.
  • Gehäuseschutz: Umweltbeständigkeit für Feld- und Industrieeinsatz.
  • Erweiterbarkeit: Modulare Bauweise für zukünftige Anforderungen.
  • Software: Tools für Konfiguration, Visualisierung, Analyse und Berichte.
  • Compliance: Erfüllung branchenspezifischer Normen (z.B. FDA, ICAO, RTCA DO-160, 21 CFR Part 11).

Anwendungen und Branchenbeispiele

Umweltüberwachung:
Kontinuierliche Überwachung von Wetter, Wasserqualität und Bodenbedingungen für Klimaforschung und Compliance.

Gesundheitswesen und Life Sciences:
Stellt korrekte Lagerbedingungen für Impfstoffe und Pharmazeutika sicher und unterstützt behördliche Rückverfolgbarkeit.

Lebensmittelsicherheit und Lieferkette:
Kühlkettenüberwachung für verderbliche Waren, mit Daten für HACCP- und ISO 22000-Compliance.

Industrie und Fertigung:
Vorausschauende Wartung und Prozessoptimierung durch Überwachung von Vibration, Temperatur und Strom.

Energie und Versorgung:
Bewertung der HLK-Leistung, elektrischer Lasten und erneuerbarer Systeme für Effizienz und Netzstabilität.

Forschung und Entwicklung:
Hochgeschwindigkeits-, Mehrkanaldaten für Labor- und Feldversuche.

Transport und Objektschutz:
Fahrzeug- und Crashtests in Automobil- und Luftfahrttechnik; Schocküberwachung für empfindliche Sendungen.

Luftfahrt (ICAO-Kontext):
Pflichtmäßiger Einsatz von Flugdaten- und Umweltrekordern für Sicherheit, Wartung und Vorfalluntersuchung.

Produktbeispiele

ModellAbtastrateEingängeKommunikationTemp.-BereichStromversorgungBesonderheit
CR1000Xe1000 Hz16 SE / 8 DiffUSB, Ethernet, WLAN, Mobilfunk-40/+70°CBatterie, SolarErweiterte Steuerung, Multiprotokoll
DI-2108-P160 kHz4–8 DiffUSB, PC0/+50°CUSB-betriebenHochgeschwindigkeit, Labor/Forschung
GL240100 Hz10 AnalogUSB, SD, PC-20/+55°CBatterie/USBTragbar, Feldeinsatz
SpotBot Cellular1 HzMehrparametrischMobilfunk, Cloud-20/+60°CBatterieSchock-/Logistiküberwachung
NR-X Serie1 MHzBis zu 576Ethernet, USB, PC-10/+55°CNetzadapterIndustrie, synchronisierte DAQ

Hinweis: Logger für die Luftfahrt müssen ICAO-, ARINC- und MIL-STD-Standards für Datenintegrität und Haltbarkeit erfüllen.

Vorteile und Mehrwert

  • Genauigkeit & Zuverlässigkeit: Hochpräzise, kalibrierte Messungen mit digitaler Zeitstempelung und Audit-Trails.
  • Unbeaufsichtigter Betrieb: Langfristige, stromsparende Überwachung in abgelegenen oder gefährlichen Umgebungen.
  • Vielseitigkeit: Unterstützt eine Vielzahl von Sensoren und Anwendungen.
  • Datenbasierte Entscheidungen: Ermöglicht Trendanalysen, vorausschauende Wartung, Compliance und Optimierung.
  • Kosteneffizienz: Reduziert manuellen Aufwand, Ausfallzeiten und Ausfallrisiko.
  • Compliance: Unterstützt behördliche Audits und Rückverfolgbarkeit (FDA, CDC, ISO, ICAO etc.).
  • Skalierbarkeit: Von Einzelpunkten bis zu unternehmensweiten, cloudverbundenen Netzwerken.

Zusammenfassung

Ein Datenlogger ist ein unverzichtbares Werkzeug für jede Organisation oder jeden Forscher, der auf genaue, zuverlässige und automatisierte Datenerfassung angewiesen ist. Seine Bedeutung reicht von regulatorischer Compliance über operative Effizienz bis hin zu Forschung und Sicherheit in verschiedensten Branchen. Ob zur Überwachung von Umweltbedingungen, Industrieprozessen oder Luftfahrtsystemen – die richtige Auswahl des Datenloggers gewährleistet Datenintegrität, unterstützt Entscheidungsprozesse und macht Ihre Überwachungsstrategie zukunftssicher.

Häufig gestellte Fragen

Wofür wird ein Datenlogger verwendet?

Ein Datenlogger wird verwendet, um Daten von Sensoren in regelmäßigen Abständen automatisch aufzuzeichnen und so eine zuverlässige, zeitgestempelte Aufzeichnung für die Analyse zu erstellen. Häufige Einsatzbereiche sind Umweltüberwachung, Einhaltung von Vorschriften im Gesundheitswesen und in der Lebensmittelindustrie, industrielle Prozesssteuerung, Forschung und Flugsicherheit.

Welche Parameterarten können Datenlogger messen?

Datenlogger können eine Vielzahl von Parametern messen, darunter Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Spannung, Strom, Beschleunigung, Lichtintensität, Vibration und mehr – abhängig von den verwendeten Sensoren.

Wie speichern und übertragen Datenlogger Daten?

Datenlogger speichern gesammelte Daten im internen Speicher (wie Flash oder EEPROM) oder auf Wechselmedien (wie SD-Karten oder USB-Sticks). Viele Modelle bieten außerdem USB-, Ethernet-, WLAN-, Bluetooth-, Mobilfunk- oder Satellitenverbindungen für die Fernabfrage und Echtzeitüberwachung.

Welche Hauptmerkmale sind bei der Auswahl eines Datenloggers zu beachten?

Wichtige Merkmale sind Abtastrate, Anzahl der Eingänge, Sensor-Kompatibilität, Speicherkapazität, Datensicherheit, Stromversorgungsoptionen, Kommunikationsprotokolle, Alarmausgänge, Betriebstemperaturbereich, Gehäuseschutz, Erweiterbarkeit und Softwareunterstützung.

Sind Datenlogger in der Luftfahrt vorgeschrieben?

Ja, die Luftfahrtvorschriften (wie die der ICAO) verlangen den Einsatz von Datenloggern – insbesondere Flugdatenrekordern und Cockpit-Stimmenrekordern –, um Leistungs- und Umweltdaten von Flugzeugen zur Sicherheit, Wartung und Unfalluntersuchung zu überwachen, aufzuzeichnen und zu bewahren.

Verbessern Sie Ihre Datenerfassung und Compliance

Zeichnen Sie Sensordaten automatisch auf, speichern und analysieren Sie diese mit robusten Datenloggern – für höhere Genauigkeit, Effizienz und Einhaltung von Vorschriften in Ihren Abläufen.

Mehr erfahren

Datenerfassung (DAQ)

Datenerfassung (DAQ)

Datenerfassung (DAQ) bezeichnet den systematischen Prozess des Sammelns, Aufbereitens, Digitalisierens, Speicherns und Analysierens von Messdaten aus physikalis...

6 Min. Lesezeit
Engineering Industrial Automation +8
Detektor (Sensor)

Detektor (Sensor)

Ein Detektor, oder Sensor, ist ein Gerät, das physikalische Größen wie Temperatur, Druck oder Licht erkennt und misst und diese in Signale zur Überwachung, Anal...

6 Min. Lesezeit
Measurement Automation +3
Datenerfassung

Datenerfassung

Datenerfassung ist der systematische Prozess des Sammelns von Informationen aus definierten Quellen zur Analyse, Interpretation und Entscheidungsfindung. Sie is...

5 Min. Lesezeit
Data Management Aviation +3