ICAO Anhang 14

ICAO Aerodrome Airport Design Aviation Safety

ICAO Anhang 14 Glossar – Umfassender Leitfaden zu Flugplatzplanung und -betrieb

Zweck und Geltungsbereich

Der ICAO Anhang 14 ist die weltweite Referenz für die Planung, Zertifizierung und den Betrieb ziviler Flugplätze und bildet die Grundlage für eine sichere, effiziente und nachhaltige Luftverkehrsinfrastruktur. Dieses Glossar erläutert die wichtigsten Begriffe und Konzepte aus Anhang 14 und unterstützt Fachleute in der Luftfahrt – von Regulierungsbehörden und Flughafenbetreibern bis zu Planern und Notfalldiensten. Jeder Eintrag basiert auf den ICAO SARPs (Standards and Recommended Practices), dem Chicagoer Abkommen und führenden internationalen Leitlinien und bietet autoritative, praxisnahe Definitionen für die Anwendung in der Realität.

1. Allgemeine Begriffe

Flugplatz

Ein definierter Bereich auf Land oder Wasser (mit Gebäuden, Anlagen und Ausrüstung), der für das Ankommen, Abfliegen und die Bodenbewegung von Luftfahrzeugen vorgesehen ist. Dazu zählen Flughäfen, Flugfelder, Hubschrauberlandeplätze und Wasserflugzeugbasen – unabhängig von Größe oder Eigentum. Die Infrastruktur eines Flugplatzes umfasst Start- und Landebahnen, Rollbahnen, Vorfelder, Navigationshilfen, Sicherheitszonen, Notfalleinrichtungen und Umweltschutzbereiche. Für die meisten Flugplätze sind Zertifizierung und Überwachung zur Einhaltung von ICAO- und nationalen Standards vorgeschrieben.

Flugplatzzertifikat

Ein offizielles Dokument, ausgestellt von einer Zivilluftfahrtbehörde (CAA), das den Betrieb eines Flugplatzes gemäß festgelegten Sicherheits- und Betriebsstandards genehmigt. Die Zertifizierung bewertet Infrastruktur, Verfahren, Sicherheitsmanagement und ICAO-Compliance. Zertifikate legen betriebliche Einschränkungen, zugelassene Flugzeugtypen und besondere Bedingungen fest. Die Zertifizierung ist für internationale Flughäfen unerlässlich und unterliegt einer ständigen Aufsicht.

Zertifizierter Flugplatz

Eine Einrichtung, der nach Erfüllung aller regulatorischen, sicherheits- und betrieblichen Anforderungen ein Flugplatzzertifikat erteilt wurde. Der zertifizierte Status gewährleistet Airlines, Nutzern und Behörden eine kontinuierliche Compliance. Die Aufrechterhaltung der Zertifizierung erfordert regelmäßige Inspektionen, das Beheben von Mängeln und die Anpassung an neue ICAO-Standards.

Abkommen über die Internationale Zivilluftfahrt (Chicagoer Abkommen)

Der 1944 geschlossene Vertrag, der den rechtlichen und regulatorischen Rahmen für die internationale Zivilluftfahrt festlegt, einschließlich der Gründung der ICAO und ihrer Anhänge (wie Anhang 14). Das Abkommen verpflichtet Vertragsstaaten zur Umsetzung der SARPs oder zur Mitteilung von Abweichungen an die ICAO und setzt globale Standards für Sicherheit, Schutz, Lufttüchtigkeit, Umwelt und mehr.

Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO)

Eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die globale SARPs, Richtlinien und technische Leitfäden für die Zivilluftfahrt entwickelt. Die ICAO fördert internationale Zusammenarbeit, überwacht die Umsetzung der SARPs und aktualisiert laufend die Vorschriften, um neuen Herausforderungen im Luftverkehr zu begegnen.

2. Flugplatzinfrastruktur

Start- und Landebahn

Eine rechteckige Fläche, die für das Landen und Starten von Luftfahrzeugen vorbereitet ist. Start- und Landebahnen bestehen aus Asphalt, Beton oder verdichtetem Kies und sind für die größten erwarteten Flugzeuge dimensioniert. Merkmale sind Markierungen, Befeuerung, Sicherheitsbereiche und Navigationshilfen. Die ICAO schreibt Vorgaben für Neigung, Oberflächenreibung, Hindernisfreiheit und Entwässerung vor.

Rollbahn

Ein definierter Weg für die Bewegung von Luftfahrzeugen zwischen Start- und Landebahnen, Vorfeldern und anderen Einrichtungen. Rollbahnen sind für die größten erwarteten Flugzeuge ausgelegt und haben festgelegte Breite, Kurvenradien und Tragfähigkeit. Sie sind gemäß Anhang 14 markiert und beleuchtet, um Bodensicherheit und Effizienz zu gewährleisten.

Vorfeld

Ein definierter Bereich zum Parken, Be- und Entladen, Betanken und Warten von Luftfahrzeugen. Vorfelder sind auf effiziente Flugzeuganordnung, sichere Abstände und optimierte Bodenabfertigung ausgelegt. Sie verfügen über Tankstellen, Beleuchtung, Entwässerung und Zugang zu den Terminals.

Bahnstreifen

Ein Bereich, der die Start- und Landebahn sowie die Stoppbahn einschließt und seitlich sowie längs über die Bahn hinaus reicht, um als Sicherheitszone bei Ausweichmanövern und zur Unterstützung von Notfalleinsätzen zu dienen. Streifen müssen hindernisfrei sein, mit Ausnahme erforderlicher, bruchlastiger Navigationshilfen.

Runway End Safety Area (RESA)

Ein speziell vorbereiteter Bereich hinter dem Bahnstreifen, symmetrisch zur Mittellinie der Bahn, der das Risiko von Schäden bei Überrollen oder zu kurzem Aufsetzen eines Flugzeugs minimiert. Die ICAO fordert eine Mindestlänge der RESA (typischerweise 90 m oder mehr bei großen Bahnen) sowie eine hindernisfreie, tragfähige Oberfläche.

Clearway

Ein rechteckiger, unter Flugplatzkontrolle stehender Bereich ohne Hindernisse hinter der Bahn. Er dient dem Anfangssteigflug und wird bei der Berechnung der Startstrecke berücksichtigt. Keine Bodenbewegungen erlaubt; muss frei von Bebauung gehalten werden.

Stoppbahn

Ein rechteckiger Bereich am Ende der Startlaufstrecke, vorbereitet für abgebrochene Starts, nach Bahnstandards gebaut und bei der Berechnung der Beschleunigungs-/Stoppstrecke berücksichtigt. Deutlich markiert und regelmäßig auf Zustand geprüft.

Rollbahnstreifen

Der Bereich um die Rollbahn, der eine Sicherheitszone zum Schutz von Flugzeugen bei Abkommen bildet. Hindernisfrei mit Ausnahme bestimmter bruchlastiger Einrichtungen, zur Unterstützung von Notfalleinsätzen.

Wartebucht

Ein definierter Bereich, in dem Luftfahrzeuge zum effizienten Verkehrsfluss halten oder ausweichen können, insbesondere in der Nähe von Bahnköpfen oder Kreuzungen. Für die größten erwarteten Flugzeuge ausgelegt und für Nachtbetrieb ausgestattet.

Isolierte Abstellposition

Ein vorgesehener Bereich für Luftfahrzeuge, bei denen Verdacht auf unerlaubten Eingriff besteht oder die Gefahrgut transportieren, abseits von Terminals und kritischer Infrastruktur – für Sicherheit und Notfalleinsatz.

3. Flugplatzbetrieb

Flugzeugabstellposition

Ein genau definierter Bereich zum Abstellen eines einzelnen Luftfahrzeugs auf dem Vorfeld. Abstellpositionen sind auf bestimmte Flugzeugtypen ausgelegt und verfügen über Markierungen, Bodenstromversorgung, Betankung und Zugang für Ein- und Ausstieg.

Vorfeldkontrolldienst

Ein Dienst, der Luftfahrzeug- und Fahrzeugbewegungen auf dem Vorfeld regelt, Abstellpositionen zuweist, Pushback und Schleppen koordiniert und Sicherheit sowie Effizienz gewährleistet.

Bodenabfertigung von Luftfahrzeugen

Alle Tätigkeiten, die erforderlich sind, um ein Luftfahrzeug für Abflug oder Ankunft während des Abstellens am Flugplatz vorzubereiten. Umfasst Betankung, Catering, Reinigung, Gepäck-/Frachtabfertigung, Enteisung und Wartung – erfordert Koordination zwischen Flughafen- und Airline-Teams.

Flugplatzbezugspunkt (ARP)

Der festgelegte geografische Standort des Flugplatzes, meist nahe dem geometrischen Mittelpunkt. Wird im Aeronautical Information Publication (AIP) mit WGS-84-Koordinaten veröffentlicht; dient Navigation, Luftraumplanung und Kartierung.

Flugplatzreferenzcode

Ein alphanumerischer Code (Zahl und Buchstabe), der jeder Bahn/jedem Flugplatz basierend auf Bahnlänge und Flugzeugabmessungen zugeordnet wird. Definiert Anforderungen für Bahnbreite, Rollbahnabstände und Tragfähigkeit.

4. Hindernisbegrenzungsflächen (OLS) und Hindernisse

Hindernisbegrenzungsfläche (OLS)

Ein System imaginärer 3D-geometrischer Flächen um den Flugplatz, die die Höhe von Objekten begrenzen und so sicheren Anflug, Landung, Start und Platzrundenflug gewährleisten. Umfasst Anflug-, Start-, Übergangs-, innere Horizontale und Kegelflächen. Regelmäßige Vermessungen und Abstimmung mit Planungsbehörden verhindern gefährliche Durchdringungen.

Hindernisfreizone (OFZ)

Ein Luftraumvolumen über der inneren Anflug- und Übergangsfläche sowie dem Bahnstreifen, das frei von allen Objekten mit Ausnahme bruchlastiger Navigationshilfen gehalten wird. Kritisch für sichere Instrumentenanflüge und Starts.

Hindernisbewertungsfläche (OES)

Eine spezielle analytische Fläche zur Beurteilung der Auswirkungen von Hindernissen auf Instrumentenflugverfahren. Wird bei der Verfahrensgestaltung/-validierung eingesetzt, um Hindernisfreiheit gemäß ICAO PANS-OPS zu gewährleisten.

Bruchlastiges Objekt

Leichtgewichtige Gegenstände, die bei Aufprall brechen oder nachgeben, um das Risiko für Luftfahrzeuge zu minimieren. Eingesetzt für Navigationshilfen, Beschilderung, Befeuerungsträger und meteorologische Geräte in sicherheitskritischen Flugplatzbereichen.

Hindernis

Jedes feste oder bewegliche Objekt auf einem Flugplatz oder das eine OLS durchragt, z.B. Gebäude, Kräne, Fahrzeuge, Vegetation oder Gelände. Wird durch regelmäßige Vermessungen identifiziert und durch Maßnahmen wie Beseitigung, Markierung oder Befeuerung gemanagt.

5. Weitere wichtige Begriffe

Sicherheitsmanagementsystem (SMS)

Ein systematischer Ansatz für das Management der Sicherheit, einschließlich Richtlinien, Verfahren, Risikobewertung und kontinuierlicher Verbesserung. Für die Flugplatzzertifizierung gemäß ICAO Anhang 19 vorgeschrieben.

Deklarierte Strecken

Veröffentlichte Streckenlängen für Bahnbetrieb: verfügbare Startlaufstrecke (TORA), verfügbare Startstrecke (TODA), verfügbare Beschleunigungs-/Stoppstrecke (ASDA) und verfügbare Landestrecke (LDA). Grundlage für Leistungsberechnungen und Flugplanung.

Tragfähigkeitskennzahl (PCN)

Ein weltweiter Standard zur Angabe der Tragfähigkeit von Flugplatzbefestigungen. Flugzeuge dürfen nur dann auf der Bahn betrieben werden, wenn ihre Aircraft Classification Number (ACN) gleich oder kleiner als die veröffentlichte PCN ist.

Rettungs- und Feuerwehrdienst (RFFS)

Spezialisierte Notfallkräfte am Flugplatz, ausgerüstet und geschult für Flugzeugbrand, Rettung und medizinische Versorgung. Die ICAO legt Mindestkategorien je nach Flugzeuggröße und Verkehrsaufkommen fest.

6. Regulatorischer Kontext und Best Practices

Der ICAO Anhang 14 und seine unterstützenden Dokumente (wie ICAO Doc 9157, Aerodrome Design Manual) werden regelmäßig aktualisiert, um Fortschritte bei Sicherheit, Technik und Umweltmanagement zu berücksichtigen. Vertragsstaaten sind für die Umsetzung der SARPs in nationales Recht, die Zertifizierung von Flugplätzen und die laufende Aufsicht verantwortlich. Betreiber müssen ein robustes Sicherheitsmanagement implementieren, regelmäßige Schulungen durchführen und die Einhaltung aller internationalen und lokalen Vorgaben sicherstellen.

7. Ressourcen und weiterführende Literatur

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Zweck des ICAO Anhang 14?

Der ICAO Anhang 14 bietet den internationalen Rahmen für die Planung, Auslegung, Zertifizierung und den Betrieb ziviler Flugplätze und legt Mindeststandards für Sicherheit, Effizienz und Umweltverträglichkeit fest. Er dient Staaten und Flughafenbetreibern als Leitfaden für die Umsetzung weltweit harmonisierter Best Practices.

Wer muss Anhang 14 einhalten?

Alle ICAO-Vertragsstaaten und ihre Flugplatzbetreiber müssen die Standards des Anhangs 14 für internationale Flughäfen einhalten. Viele Staaten wenden diese Standards auch auf Inlandsflughäfen an, um Konsistenz, Sicherheitsaufsicht und regulatorische Angleichung zu gewährleisten.

Was sind Hindernisbegrenzungsflächen (OLS)?

OLS sind imaginäre 3D-Flächen rund um einen Flugplatz, die die Höhe von Objekten begrenzen, um Flugzeuge beim Anflug, Start und im Platzrundenflug zu schützen. Sie sind ein zentrales Mittel, um gefährliche Hindernisse zu verhindern und einen sicheren Flughafenbetrieb zu unterstützen.

Wie wird ein Flugplatz zertifiziert?

Die Flugplatzzertifizierung erfordert eine umfassende Überprüfung durch die Zivilluftfahrtbehörde, einschließlich Infrastruktur, Betriebsverfahren, Sicherheitsmanagement und Einhaltung der ICAO SARPs. Zertifizierte Flugplätze werden regelmäßig inspiziert und müssen die laufende Compliance sicherstellen.

Was ist eine Runway End Safety Area (RESA)?

Eine RESA ist ein Sicherheitsbereich hinter dem Ende einer Start- und Landebahn, der das Risiko für Flugzeuge bei einem Überrollen oder zu kurzen Aufsetzen minimieren soll. Sie ist eben, hindernisfrei und unterstützt Notfallmaßnahmen – ein zentrales Element des Bahnsicherheitsmanagements.

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