MASPS – Minimale Anforderungen an die Systemleistung in der Luftfahrt

Aviation Standards Certification Regulations Systems Engineering

MASPS – Minimale Anforderungen an die Systemleistung in der Luftfahrt

Minimale Anforderungen an die Systemleistung in der Luftfahrt (MASPS) sind grundlegende, systemübergreifende Spezifikationen, die entwickelt wurden, um den sicheren, zuverlässigen und interoperablen Betrieb moderner Luftfahrtsysteme zu gewährleisten. Sie bilden das Rückgrat der Luftfahrtsicherheit und der regulatorischen Rahmenwerke und leiten Hersteller, Betreiber und Behörden bei der Zulassung und Integration neuer Technologien in den globalen Luftraum an.

Vorwort

Die Luftfahrtindustrie hat sich zu einem Ökosystem komplexer, miteinander verbundener Systeme entwickelt, die ein hohes Maß an Sicherheit, Interoperabilität und Leistungsnachweis erfordern. MASPS wurden entwickelt, um diesen Anforderungen gerecht zu werden, indem sie einen technologieunabhängigen Referenzrahmen für systemübergreifende Funktionalität und Leistung bieten. Im Gegensatz zu detaillierten Ausrüstungsspezifikationen konzentrieren sich MASPS auf das, was ein System leisten muss, und ermöglichen so Innovation bei gleichzeitiger Wahrung eines harmonisierten globalen Sicherheitsniveaus.

MASPS werden in der Regel von internationalen Organisationen wie EUROCAE (Europa) und RTCA (USA) herausgegeben, unter aktiver Mitwirkung der Federal Aviation Administration (FAA), der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) und weiterer Behörden. Sie werden weithin als Referenz für Zulassungen, Zertifizierungsstandards und technische Anweisungen genutzt und bilden die Grundlage für die Entwicklung detaillierterer Minimaler Betriebsleistungsstandards (MOPS).

Zweck und Anwendungsbereich

Zweck:
MASPS definieren die Mindestleistungsanforderungen für Luftfahrtsysteme, die sich direkt auf die Sicherheit, Effizienz und Interoperabilität im Luftraum auswirken. Ihr Hauptziel ist es, die Erwartungen von Herstellern, Betreibern und Behörden zu harmonisieren, sodass ein zuverlässiger und sicherer Betrieb unter allen Bedingungen gewährleistet ist. MASPS sind insbesondere bei der Integration neuer Technologien – wie Performance-Based Navigation (PBN), Enhanced Vision Systems (EVS) und ferngesteuerte Luftfahrtsysteme (RPAS) – von großer Bedeutung, da sie klare, konsensorientierte Kriterien für die Betriebszulassung schaffen.

Anwendungsbereich:
MASPS gelten für ein breites Spektrum luftfahrtspezifischer Bereiche, darunter:

  • Navigation und Überwachung (z. B. RNP, ADS-B)
  • Kommunikation
  • Sicht- und Leitsysteme (z. B. EVS, SVS, EFVS)
  • Flugverkehrsmanagement
  • Integration unbemannter und ferngesteuerter Luftfahrzeuge

Sie behandeln:

  • Systemübergreifende Betriebsfunktionen und Metriken
  • Schnittstellen- und Interoperabilitätsanforderungen
  • Sicherheits-, Zuverlässigkeits- und Human-Factors-Kriterien
  • Verifizierungs-, Validierungs- und Zertifizierungsgrundlagen

MASPS werden von Behörden – in FAA Technical Standard Orders (TSO), EASA Certification Specifications (CS) und ICAO-Richtlinien – als Bindeglied zwischen übergeordneten Vorschriften und detaillierten Ausrüstungsstandards herangezogen.

Wichtige Definitionen und Abkürzungen

Definitionen

  • MASPS (Minimale Anforderungen an die Systemleistung in der Luftfahrt):
    Systemübergreifende Anforderungen, die die minimalen Betriebs-, Sicherheits- und Interoperabilitätskriterien für Luftfahrtsysteme definieren, von Normungsgremien entwickelt und für die Einhaltung von Vorschriften verwendet.
  • MOPS (Minimale Betriebsleistungsstandards):
    Detaillierte Standards und Prüfverfahren auf Ausrüstungsebene zur Sicherstellung der Einhaltung von MASPS.
  • RPAS (Remotely Piloted Aircraft System):
    Luftfahrzeuge und Steuerungssysteme ohne Pilot an Bord; unterliegen speziellen MASPS.
  • DAA (Detect and Avoid):
    Funktion, die es Luftfahrzeugen ermöglicht, Konflikte zu erkennen und zu vermeiden – entscheidend für die Integration von RPAS.
  • IFR (Instrument Flight Rules):
    Rechtsrahmen für Flugbetrieb nach Instrumentenflugregeln.
  • RNP (Required Navigation Performance):
    Navigationsleistungsanforderungen, wesentlich für das moderne Luftraummanagement.

Abkürzungen

AbkürzungDefinition
ACAdvisory Circular
AMCAcceptable Means of Compliance
CVSCombined Vision System
DAADetect and Avoid
EASAEuropäische Agentur für Flugsicherheit
EFISElectronic Flight Instrument System
EFVSEnhanced Flight Vision System
EFBElectronic Flight Bag
EUROCAEEuropäische Organisation für zivile Luftfahrtausrüstung
FAAFederal Aviation Administration
FGSFlight Guidance System
HUDHead-Up Display
IFRInstrument Flight Rules
MFDMulti-Function Display
MOPSMinimale Betriebsleistungsstandards
NASNational Airspace System
NDNavigation Display
PFDPrimary Flight Display
RNPRequired Navigation Performance
RPASRemotely Piloted Aircraft System
RVRRunway Visual Range
SAESociety of Automotive Engineers
SVSSynthetic Vision System
TAWSTerrain Awareness and Warning System

Systemüberblick und Betriebskontext

Rolle und Autorität von MASPS

MASPS sind zentral für die Gewährleistung der Luftfahrtsicherheit. Sie werden gemeinschaftlich von Normungsorganisationen, Behörden, Herstellern und Betreibern entwickelt und bieten einen konsensorientierten Rahmen für Risikomanagement und technologischen Fortschritt.

  • Sind nicht selbst gesetzlich bindend, werden aber von Behörden (FAA, EASA, ICAO) als maßgebliche Mittel zur Einhaltung von Vorschriften herangezogen.
  • Bieten eine harmonisierte Basis für Zertifizierung, Betriebszulassung und internationale Anerkennung.
  • Ihr Einfluss reicht von der Auslegung von Luftfahrzeugen und Ausrüstung bis zu Betriebszulassungen und der fortlaufenden Lufttüchtigkeit.

Regulatorische Integration

  • FAA (USA):
    MASPS werden in TSOs, ACs und Vorschriften (z. B. 14 CFR §91.175 für IFR-Betrieb) referenziert.
  • EASA (Europa):
    MASPS werden in Acceptable Means of Compliance (AMC) und Certification Specifications (CS) integriert.
  • ICAO:
    MASPS beeinflussen globale Standards und Leitlinien, insbesondere für neue Teilnehmer (UAS/RPAS) und die Modernisierung der Navigation.

Aufbau eines MASPS-Dokuments

Ein typisches MASPS-Dokument enthält:

  1. Vorwort und Einführung
  2. Zweck und Anwendungsbereich
  3. Definitionen und Abkürzungen
  4. Systemüberblick
  5. Minimale Systemleistungsanforderungen
  6. Anforderungen an Subsysteme und Komponenten
  7. Verifizierungs- und Nachweisverfahren
  8. Referenzdokumente
  9. Anhänge (technische Begründungen, Testpläne etc.)

Diese Struktur gewährleistet Nachvollziehbarkeit, Klarheit und eine solide Grundlage für die Zertifizierung.

MASPS in der Standardhierarchie

  • MASPS: Systemübergreifende, technologieunabhängige Anforderungen.
  • MOPS: Detaillierte Anforderungen und Prüfverfahren auf Ausrüstungsebene.
  • TSO/ETSO: Regulatorische Zulassungen für Konstruktion und Produktion mit Bezug auf MOPS/MASPS.
  • Betriebliche Vorschriften: Verweisen auf MASPS für Systemkonformität (z. B. Anflugminima, Navigation).
  • ICAO SARPs: MASPS fließen häufig in globale SARPs ein, insbesondere in dynamischen Bereichen.

Minimale Systemleistungsanforderungen

Grundprinzipien

MASPS-Anforderungen stellen sicher, dass Luftfahrtsysteme:

  • Sicher sind: Erreichen oder übertreffen die Sicherheitsziele und Risikotoleranzen.
  • Zuverlässig sind: Funktionieren unter allen vorhersehbaren Betriebsbedingungen konsistent.
  • Interoperabel sind: Kompatibilität mit bestehender und wachsender Luftfahrtinfrastruktur.
  • Menschzentriert sind: Unterstützen Bedieneraufgaben und minimieren Fehlerrisiken.
  • Umweltqualifiziert sind: Funktionieren innerhalb definierter Umweltbedingungen.

Anforderungen sind präzise, objektiv, nachvollziehbar und überprüfbar formuliert.

Beispielbereiche und Anforderungen

Detect and Avoid (DAA) für RPAS

  • Anwendbarkeit im Luftraum:
    DAA-Systeme müssen RPAS-Betrieb nach IFR in allen Luftraumklassen unterstützen.
  • Risikobasierte Leistung:
    Wahrscheinlichkeiten für Verlust ausreichender Trennung (LoWC) müssen innerhalb der ICAO-Grenzwerte bleiben.
  • Warnungen und Führung:
    Piloten müssen rechtzeitig und eindeutig gewarnt werden, um sichere Trennung zu gewährleisten.
  • Interoperabilität:
    Integration kooperativer (ADS-B, Transponder) und nichtkooperativer (Radar, optisch) Datenquellen.

Area Navigation (RNP)-Systeme

  • Navigationsgenauigkeit/-integrität:
    Einhaltung definierter RNP-Werte mit Echtzeitüberwachung.
  • Kontinuität/Verfügbarkeit:
    Sicherstellung von Systemverfügbarkeit und festgelegten Wiederherstellungsmaßnahmen.
  • Warnungen:
    Meldung von eingeschränkter/verlorener Navigation an die Besatzung.

Sichtsysteme (EVS/SVS/CVS/EFVS)

  • Anzeigesystemintegration:
    Bildübertragung in HUDs oder Primärdisplays integriert.
  • Betriebliche Vorteile:
    Kriterien für Betrieb bei reduzierter Sicht definiert.
  • Sicherheit:
    Integrierte Tests (BIT), Fehleranzeigen und Ausfallmodi vorhanden.

Anforderungen an Subsysteme und Komponenten

Beispielstrukturen

DAA-Subsysteme (z. B. ED-271A)

  • Kooperativer Überwachungsempfänger:
    Erfasst und verarbeitet Signale (z. B. Mode S, ADS-B) zur Konflikterkennung.
  • Nichtkooperative Sensoren:
    Radar-, optische oder andere Sensoren für nichtkooperative Ziele.
  • Warnmodul:
    Prognostiziert Konflikte, priorisiert Bedrohungen, erzeugt Warnungen.
  • Pilotenschnittstelle:
    Intuitive, eindeutige Warn- und Führungsanzeige.

Komponenten von Sichtsystemen

  • Sensoren:
    Infrarot-, Millimeterwellen- oder andere Sensoren zur Umweltwahrnehmung.
  • Anzeigesystem:
    Integration in HUDs/Primärdisplays für gleichzeitige Bild- und Flugdatenanzeige.
  • Sicherheitsfunktionen:
    BIT, Fehleranzeigen, Umweltschutz (DO-160-Konformität).

Verifizierungs- und Nachweisverfahren

Vorgehensweise

Die Einhaltung wird nachgewiesen durch:

  • Inspektion:
    Physische Prüfung von Ausrüstung und Einbau.
  • Test:
    Funktionale, Zuverlässigkeits- und Umweltprüfungen (DO-160-Standards).
  • Analyse:
    Design- und Sicherheitsbewertungen, Simulationen und theoretische Berechnungen.
  • Demonstration:
    Flug- und Betriebstests unter repräsentativen Bedingungen.

Regulatorische Anerkennung

  • FAA:
    MASPS-Konformität ist ein akzeptiertes Mittel für TSO-, AC- und STC-Zulassungen.
  • EASA:
    MASPS werden in AMC und CS referenziert, ggf. mit zusätzlichen Nachweisen.

Beispielaktivitäten

  • End-to-End-Systemtests:
    Überprüfung der Systemleistung unter Betriebsbedingungen.
  • Sicherheitsbewertungen:
    Funktionale Gefahrenanalyse, Ausfallmodusanalyse.
  • Human-Factors-Bewertungen:
    Sicherstellung, dass Schnittstellen und Warnungen intuitiv und wirksam sind.

MASPS in der Praxis: Fallstudien

Detect and Avoid für RPAS (ED-271A)

  • Ziel: RPAS-Betrieb sicher im nicht-separierten Luftraum ermöglichen.
  • Rolle der MASPS: Definition systemübergreifender Anforderungen an DAA, als Referenz für Zulassung von RPAS durch Behörden.
  • Ergebnis: Grundlage für MOPS, Ausrüstungszulassung und Integrationsleitfäden.

Performance-Based Navigation (PBN)

  • Ziel: Modernisierung der Navigation durch RNP/RNAV-Standards.
  • Rolle der MASPS: Festlegung von Genauigkeits-, Integritäts- und Kontinuitätsmetriken für Navigationssysteme.
  • Ergebnis: Globale Umsetzung unterstützt, von ICAO getragen und in nationale Vorschriften übernommen.

Sichtsysteme (EVS/SVS/EFVS)

  • Ziel: Betrieb bei reduzierter Sicht durch fortschrittliche Sensorik und Displays ermöglichen.
  • Rolle der MASPS: Definition von Systemleistungs- und Sicherheitskriterien für sichtgestützte Betriebsvorteile.
  • Ergebnis: Ermöglichung niedrigerer Landeminima und erhöhter Sicherheit bei widrigen Bedingungen.

Herausforderungen und zukünftige Entwicklungen

  • Neue Technologien:
    MASPS werden laufend aktualisiert, um Drohnen, Urban Air Mobility, KI-basierte Systeme u. a. zu berücksichtigen.
  • Globale Harmonisierung:
    Kontinuierliche Zusammenarbeit zwischen RTCA, EUROCAE, FAA, EASA und ICAO ist unerlässlich.
  • Cybersicherheit und Datenintegrität:
    Neue MASPS-Bereiche adressieren digitale Bedrohungen und Datensicherheit.
  • Zusammenarbeit Mensch-Autonomie:
    Zukünftige MASPS werden die Schnittstelle zwischen Menschen und immer autonomeren Systemen behandeln.

Zusammenfassung

MASPS sind das Fundament der Luftfahrtindustrie für sichere, zuverlässige und harmonisierte Systemleistung. Sie schlagen die Brücke zwischen regulatorischer Zielsetzung und technischer Innovation und ermöglichen die Integration neuer Technologien und Betriebskonzepte, während sie weltweit Sicherheit und Interoperabilität gewährleisten. Ob für RPAS, fortschrittliche Sichtsysteme oder die Modernisierung der Navigation – MASPS bleiben Kernbestandteil der Zertifizierung und Betriebsgenehmigung in der Luftfahrt.

Quellen:

Häufig gestellte Fragen

Was sind MASPS in der Luftfahrt?

MASPS, oder Minimale Anforderungen an die Systemleistung in der Luftfahrt, sind systemübergreifende Spezifikationen, die die minimalen Betriebs-, Sicherheits- und Interoperabilitätsanforderungen für komplexe Luftfahrtsysteme definieren. Sie bilden die Grundlage für die Einhaltung von Vorschriften, die Zulassung von Ausrüstung und die sichere Integration neuer Technologien in die globale Luftfahrt.

Wer entwickelt MASPS?

MASPS werden von international anerkannten Normungsorganisationen wie EUROCAE (Europa) und RTCA (USA) entwickelt – unter Einbindung von Behörden wie FAA, EASA und ICAO sowie Industrievertretern, einschließlich Herstellern und Betreibern.

Worin unterscheiden sich MASPS von MOPS?

MASPS definieren systemweite Leistungs- und Interoperabilitätskriterien auf hohem Niveau, während MOPS (Minimale Betriebsleistungsstandards) detaillierte, ausrüstungsspezifische Anforderungen und Prüfverfahren bereitstellen, um die Einhaltung der MASPS auf Hardware- und Softwareebene sicherzustellen.

Warum sind MASPS für die Luftfahrtzulassung wichtig?

MASPS bieten einen harmonisierten Maßstab für Leistung, Sicherheit und Interoperabilität, auf den sich Behörden bei der Zulassung neuer Systeme und Ausrüstungen stützen. Die Einhaltung der MASPS ist häufig Voraussetzung für behördliche Genehmigungen und stellt sicher, dass Technologien sicher und mit vorhandener Infrastruktur kompatibel sind.

Können MASPS neue Technologien wie Drohnen oder Sichtsysteme unterstützen?

Ja, MASPS sind technologieunabhängig ausgelegt und werden regelmäßig aktualisiert, um neue Bereiche wie ferngesteuerte Luftfahrtsysteme (RPAS), Detect-and-Avoid-Systeme (DAA) und fortschrittliche Sichtsysteme abzudecken – für eine sichere und effiziente Integration in den Luftraum.

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