Strahlung

Optical Engineering Radiometry Lighting Remote Sensing

Strahlung und verwandte radiometrische & photometrische Größen

Strahlung ist ein Eckpfeiler der Radiometrie und optischen Technik. Sie liefert eine vollständige Beschreibung darüber, wie viel elektromagnetische Energie (Licht) von einer Oberfläche in eine bestimmte Richtung, pro Flächeneinheit und Raumwinkeleinheit, emittiert, reflektiert, transmittiert oder empfangen wird. Dieser Abschnitt beleuchtet die Strahlung im Detail sowie die verwandten Größen, die grundlegend für das Design und die Analyse von optischen Systemen, Beleuchtung, Fernerkundung, Displays und mehr sind.

Strahlung: Definition und physikalische Bedeutung

Strahlung ((L)) ist mathematisch definiert als:

[ L = \frac{d^2\Phi}{dA\ d\Omega\ \cos\theta} ]

  • (d^2\Phi): Differentieller Strahlungsfluss (Leistung) in Watt
  • (dA): Differentiale Flächeneinheit (m²)
  • (d\Omega): Differentialer Raumwinkel (Steradiant, sr)
  • (\theta): Winkel zwischen der Flächennormalen und der Beobachtungsrichtung

Einheit: W·m⁻²·sr⁻¹

Strahlung beschreibt vollständig die gerichtete Verteilung von Lichtenergie einer Oberfläche und ist die einzige radiometrische Größe, die in verlustfreien (nicht-absorbierenden, nicht-streuenden) optischen Systemen erhalten bleibt. Diese Erhaltung ist entscheidend für die Festlegung der oberen Grenzen von Bildgebung, Beleuchtung und Detektionsleistung.

Wesentliche Eigenschaften

  • Gerichtet: Strahlung wird immer für eine bestimmte Richtung angegeben.
  • Erhalten: Sie kann durch kein passives optisches Bauteil (Linsen, Spiegel usw.) erhöht werden.
  • Unabhängig von der Entfernung: Im freien Raum bleibt die Strahlung entlang eines Strahls konstant.

Warum Strahlung wichtig ist

  • Optisches Systemdesign: Setzt die Obergrenze für das Einkoppeln von Licht in Fasern, Linsen oder Detektoren.
  • Fernerkundung: Charakterisiert die Helligkeit von Planeten, Sternen oder der Erdoberfläche von Satelliten aus.
  • Display-Technologie: Leuchtdichte (das photometrische Analogon) wird zur Messung der Display-Helligkeit verwendet.
  • Beleuchtung und Illumination: Bestimmt, wie hell eine Quelle in eine bestimmte Richtung erscheinen kann.

Strahlungsfluss (Φ): Gesamte optische Leistung

Strahlungsfluss (Φ) ist die gesamte elektromagnetische Energie, die pro Zeiteinheit emittiert, übertragen oder empfangen wird.

[ \Phi = \frac{dQ}{dt} ]

  • Einheit: Watt (W)
  • Verwendung: Gesamtabgabe von Lampen, Lasern oder der Sonne (Solarkonstante).

Strahlungsfluss wird mit Leistungsmessern oder Ulbricht-Kugeln gemessen und bildet die Grundlage aller weiteren radiometrischen Größen.

Strahlungsstärke (I): Gerichtete Leistung

Strahlungsstärke ((I)) ist der Strahlungsfluss pro Raumwinkeleinheit in eine bestimmte Richtung.

[ I = \frac{d\Phi}{d\Omega} ]

  • Einheit: W·sr⁻¹
  • Verwendung: Beschreibt die gerichtete Emission von punktförmigen Quellen (LEDs, Laser, Sterne).

Bestrahlungsstärke (E): Einfallende Leistung pro Fläche

Bestrahlungsstärke ((E)) quantifiziert die empfangene Leistung pro Flächeneinheit auf einer Oberfläche.

[ E = \frac{d\Phi}{dA} ]

  • Einheit: W·m⁻²
  • Verwendung: Solarpanel-Design, UV-Härtung, Fotolithographie und Lichtberechnungen.

Leuchtdichte: Wahrgenommene Helligkeit des Menschen

Leuchtdichte ((L_v)) ist das photometrische (an das menschliche Sehen gewichtete) Äquivalent zur Strahlung.

[ L_v = \frac{d^2\Phi_v}{dA,d\Omega,\cos\theta} ]

  • Einheit: cd·m⁻² (Candela pro Quadratmeter, „Nits“)
  • Verwendung: Gibt die wahrgenommene Helligkeit von Displays, Schildern und Oberflächen an.

Strahlungs- und Lichtaustritt

  • Strahlungsaustritt (M): Strahlungsfluss pro Flächeneinheit, der von einer Oberfläche emittiert wird (W·m⁻²)
  • Lichtaustritt (M_v): Photometrisches Äquivalent (lm·m⁻²)

Der Austritt charakterisiert die gesamte Emission oder Reflexion von Oberflächen, was in der Licht- und Displaytechnik wichtig ist.

Raumwinkel (Steradiant, sr)

Ein Raumwinkel quantifiziert, wie groß ein Objekt von einem Punkt aus erscheint, gemessen in Steradiant (sr):

[ d\Omega = \frac{dA}{r^2} ]

  • Vollständige Kugel: 4π sr

Raumwinkel sind die Grundlage zur Definition von Strahlung und Strahlungsstärke.

Spektrale Größen: Wellenlängenaufgelöste Messungen

  • Spektralfluss ((Φ_λ)): W·nm⁻¹
  • Spektrale Bestrahlungsstärke ((E_λ)): W·m⁻²·nm⁻¹
  • Spektrale Strahlung ((L_λ)): W·m⁻²·sr⁻¹·nm⁻¹

Diese beschreiben, wie radiometrische Größen mit der Wellenlänge variieren und werden mit Spektralradiometern gemessen.

Étendue: Geometrischer Durchsatz

Étendue ((G)) beschreibt das Produkt aus Strahlquerschnittsfläche und Raumwinkel:

[ G = n^2 A \Omega ]

  • In optischen Systemen erhalten: Begrenzt die Möglichkeit, Licht zu bündeln oder zu sammeln (Satz von Liouville).
  • Wichtig für: Faseroptik, Projektoren, Teleskope.

Photometrische Größen: Nach menschlicher Sicht gewichtet

Photometrische Größen verwenden die Lichtempfindlichkeitsfunktion (V(λ)), um radiometrische Daten nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges zu gewichten.

[ \text{Lichtstrom (lm)} = 683 \int_0^\infty Φ_λ V(λ) dλ ]

  • Lichtstrom (Φ_v): Gesamt sichtbare Leistung (Lumen, lm)
  • Lichtstärke (I_v): Lumen pro Steradiant (Candela, cd)
  • Beleuchtungsstärke (E_v): Lumen pro Quadratmeter (Lux, lx)
  • Leuchtdichte (L_v): Candela pro Quadratmeter (cd/m²)

Schwarzkörperstrahlung & Plancksches Gesetz

Ein Schwarzer Körper ist ein ideales Strahlungselement mit einem Spektrum nach dem planckschen Gesetz:

[ L_λ(T) = \frac{2hc^2}{λ^5} \frac{1}{e^{hc/(λk_BT)}-1} ]

Schwarzkörper werden als Kalibrierquellen und zum Verständnis der Emission von Sternen, Lampen und erhitzten Objekten verwendet.

Quadratgesetz (Abstandsgesetz)

Für Punktquellen nimmt die Bestrahlungsstärke mit dem Quadrat der Entfernung ab:

[ E = \frac{I}{d^2} ]

Dieses Prinzip ist wesentlich für Beleuchtung, Sensorik und Belichtungsberechnungen.

Reflexion, Transmission, Absorption

  • Reflexion ((R)): Reflektierter Anteil
  • Transmission ((T)): Transmittierter Anteil
  • Absorption ((A)): Absorbierter Anteil

Diese Eigenschaften sind grundlegend für optische Beschichtungen, Filter und Materialien.

Lambert’sche Flächen: Ideale diffuse Strahler

Eine Lambert’sche Fläche emittiert oder reflektiert Licht so, dass ihre Strahlung in alle Richtungen konstant ist. Die Intensität variiert mit dem Kosinus des Winkels zur Flächennormalen, aber die Strahlung bleibt gleichmäßig.

Goniometer & Ulbricht-Kugel

  • Goniometer: Misst die Winkelverteilung von Intensität oder Strahlung.
  • Ulbricht-Kugel: Misst den gesamten Strahlungs- oder Lichtstrom einer Quelle.

Beide sind essenziell für Kalibrierung und Charakterisierung in Photometrie und Radiometrie.

Kosinusantwort & -korrektur

Detektoren für Bestrahlungs- oder Beleuchtungsstärke müssen eine Kosinusantwort aufweisen, um den einfallenden Fluss aus allen Richtungen korrekt zu messen. Die Kosinuskorrektur sorgt dafür, dass Sensoren wahre Werte unabhängig vom Einfallswinkel liefern.

Bidirektionale Reflexionsverteilungsfunktion (BRDF)

Die BRDF beschreibt, wie Licht von einer Oberfläche in Abhängigkeit von Einfalls- und Reflexionswinkel reflektiert wird. Sie ist entscheidend für realistische Darstellungen in Computergrafik, Fernerkundung und Materialanalyse.

Häufig gestellte Fragen

F: Warum bleibt die Strahlung mit der Entfernung konstant, die Bestrahlungsstärke aber nicht?

A: Strahlung ist eine gerichtete Größe, die Fläche und Raumwinkel so kombiniert, dass beim Entfernen die scheinbare Fläche der Quelle schrumpft, aber auch der überdeckte Raumwinkel kleiner wird, wodurch die Strahlung (in verlustfreien Medien) konstant bleibt. Die Bestrahlungsstärke, die empfangene Leistung pro Fläche, nimmt dagegen mit dem Quadrat der Entfernung ab.

F: Wie wird Strahlung gemessen?

A: Mit kalibrierten Detektoren und optischen Aufbauten mit genau definierten Sammelflächen und Raumwinkeln—häufig mit Blenden, Linsen oder Kollimatoren. Bildgebende Radiometer können Strahlung räumlich und winkelabhängig erfassen.

F: Was ist der Unterschied zwischen Strahlung und Leuchtdichte?

A: Strahlung ist eine physikalische, wellenlängenunabhängige Größe (W/m²·sr). Leuchtdichte ist das photometrische Analogon (cd/m²), gewichtet nach dem menschlichen Sehen (mittels Lichtempfindlichkeitsfunktion).

F: Warum kann man eine Lichtquelle mit Optik nicht heller erscheinen lassen?

A: Optische Elemente können Strahlung nur umverteilen, aber nicht erhöhen. Dies ist eine grundlegende Grenze, bekannt als Erhaltung der Étendue.

Strahlung und ihre verwandten Größen bilden die essentielle Sprache und die Werkzeuge für die quantitative Analyse und das Design in allen Bereichen, in denen Licht eine Rolle spielt—Optik, Sensorik, Bildgebung, Displays, Beleuchtung und mehr. Das Beherrschen dieser Konzepte führt zu besserem Engineering, genaueren Messungen und einem tieferen Verständnis optischer und visueller Phänomene.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Strahlung und warum ist sie in der Optik grundlegend?

Strahlung gibt die Menge an Lichtenergie pro Flächen- und Raumwinkeleinheit von einer Oberfläche in eine bestimmte Richtung an. Sie ist grundlegend, weil sie in verlustfreien optischen Systemen erhalten bleibt und die maximal mögliche Helligkeit und den optischen Durchsatz bestimmt. Kein passives optisches Element kann die Strahlung eines Strahls erhöhen, was obere Grenzen für Bildgebung, Beleuchtung und Detektionsleistung setzt.

Wie wird Strahlung in der Praxis gemessen?

Strahlung wird mit kalibrierten Detektoren und optischen Aufbauten gemessen, die sowohl Sammelfläche als auch Raumwinkel bestimmen—oft mit Blenden, kollimierenden Optiken oder goniometrischen Anordnungen. Spezielle Radiometer oder Bildgebungssysteme können Strahlungsverteilungen von Quellen oder Oberflächen kartieren.

Was ist der Unterschied zwischen Strahlung und Bestrahlungsstärke?

Strahlung misst die Energie pro Flächen- und Raumwinkeleinheit in eine bestimmte Richtung und charakterisiert die gerichtete Helligkeit einer Quelle oder Oberfläche. Bestrahlungsstärke hingegen misst die gesamte Energie pro Flächeneinheit, die aus allen Richtungen empfangen wird, ohne Winkelauflösung.

Was ist Leuchtdichte und wie steht sie zur Strahlung?

Leuchtdichte ist das photometrische (an das Sehen gewichtete) Äquivalent zur Strahlung. Während Strahlung in Watt pro Quadratmeter und Steradiant (W/m²·sr) gemessen wird, wird Leuchtdichte in Candela pro Quadratmeter (cd/m²) gemessen und nach der menschlichen visuellen Empfindlichkeit gewichtet.

Warum bleibt Strahlung im freien Raum mit zunehmender Entfernung konstant?

Strahlung bleibt entlang eines Strahls in verlustfreien, nicht-absorbierenden Medien erhalten. Wenn sich der Beobachter entfernt, verkleinert sich die scheinbare Fläche der Quelle, aber auch der überdeckte Raumwinkel wird kleiner, sodass die Strahlung konstant bleibt. Dies ist eine Folge der Erhaltung der Étendue (Satz von Liouville).

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