Strahlung

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Strahlung in der Luftfahrt

Strahlung ist die Abgabe oder Übertragung von Energie in Form elektromagnetischer Wellen oder energiereicher Teilchen. In der Luftfahrt ist das Verständnis von Strahlung entscheidend für die Flugsicherheit, die Flugzeugkonstruktion, die Zuverlässigkeit der Avionik, die Gesundheit von Besatzung und Passagieren sowie die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. Dieser Beitrag beleuchtet Arten, Quellen, Auswirkungen und das Management von Strahlung im modernen Luftfahrtumfeld.

Arten von Strahlung in der Luftfahrt

Fachleute der Luftfahrt unterscheiden zwei Hauptkategorien:

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung besitzt genügend Energie, um Elektronen aus Atomen zu entfernen und Ionen zu erzeugen. Wichtige Quellen in der Luftfahrt sind:

  • Galaktische kosmische Strahlen (GCR): Hochenergetische Teilchen aus dem interstellaren Raum, hauptsächlich Protonen, Alphateilchen und schwere Kerne. Ihre Wechselwirkung mit der Atmosphäre erzeugt Sekundärteilchen (Neutronen, Myonen, Gammastrahlen), die die Reiseflughöhe erreichen.
  • Solare Teilchenereignisse (SPE): Intensive, episodische Ausbrüche energiereicher Protonen und Ionen von der Sonne, insbesondere während Sonneneruptionen und koronalen Massenauswürfen. SPEs können kurzfristig Strahlungsspitzen in großen Höhen verursachen, besonders in Polnähe.
  • Künstliche Quellen: Röntgengeräte bei der Flughafenkontrolle senden ebenfalls ionisierende Strahlung aus, wobei die Exposition pro Scan minimal ist.

Nicht-ionisierende Strahlung

Nicht-ionisierende Strahlung hat nicht genug Energie, um Atome zu ionisieren, kann aber Erwärmung, photochemische Veränderungen oder elektromagnetische Störungen verursachen.

  • Hochfrequenz (RF) und Mikrowellen: Eingesetzt in Kommunikation, Navigation und Radar. Die Exposition liegt in der Regel weit unter den Grenzwerten.
  • Infrarot (IR) und sichtbares Licht: Verwendung in Cockpit-Displays, Beleuchtung und verbesserten Sichtsystemen.
  • Ultraviolett (UV): In großen Höhen verringert die dünnere Atmosphäre den UV-Schutz. Flugzeugfenster sind meist UV-geschützt.
  • Millimeterwellen: Kommen in manchen Sicherheits-Scannern am Flughafen zum Einsatz.

Strahlenexposition in Flughöhe

Die Strahlungsintensität steigt mit der Höhe und dem Breitengrad, da atmosphärische und geomagnetische Abschirmung abnehmen. In 35.000–40.000 Fuß liegt die effektive Dosisleistung zwischen 2–8 μSv/h, bei Sonnenstürmen oder Polarflügen auch höher (ICAO Doc 9760, ICRP 132).

Zum Vergleich:

  • Jährliche Dosis des fliegenden Personals: 2–5 mSv, bei häufigen Hochbreitenflügen auch mehr.
  • Natürliche Hintergrundstrahlung (Meereshöhe): ~2,4 mSv/Jahr.
  • ICRP-Beruflichkeitsgrenze: 20 mSv/Jahr im Mittel über 5 Jahre (maximal 50 mSv in einem Jahr).

Gesundheitliche und sicherheitsrelevante Auswirkungen

Sicherheit von Besatzung und Passagieren

  • Stochastische Effekte: Das erhöhte Krebsrisiko im Lebensverlauf ist bei niedrigen bis mittleren Dosen die Hauptsorge. Regulatorische Vorgaben (EASA, FAA, EU) verlangen die Bewertung und Begrenzung der jährlichen Exposition, die Information der Betroffenen und ggf. medizinische Überwachung.
  • Deterministische Effekte: Erst bei deutlich höheren Dosen als im Flugbetrieb relevant.
  • Schwangere Besatzung: Es gelten strengere Grenzwerte; empfohlen wird eine maximale Exposition von 1 mSv während der Schwangerschaft.

Avionik und Systeme

  • Single Event Effects (SEE): Hochenergetische Teilchen können mikroelektronische Schaltungen stören oder beschädigen (z. B. Speicherfehler, Latchup, Ausfall) und zu Soft Errors oder Hardwareausfällen führen. Avionik wird gemäß RTCA DO-254/DO-160 auf Widerstandsfähigkeit getestet.
  • Elektromagnetische Störungen (EMI): Nicht-ionisierende Strahlung kann Avionik stören; robuste Konstruktion und Abschirmung gemäß RTCA- und EUROCAE-Standards sind unerlässlich.

Strahlenschutz und -minderung

Flugzeugkonstruktion

  • Rumpf: Aluminium- und Verbundstrukturen dämpfen kosmische Strahlung um 10–20 %. Dichtere Materialien wie Blei sind wegen ihres Gewichts nicht praktikabel.
  • Fenster: Mit UV-blockierenden Materialien laminiert; einige reduzieren das Eindringen von Röntgen- und kosmischer Strahlung.
  • Avionik: Befindet sich in abgeschirmten Gehäusen mit EMI-Dichtungen und Filtern; kritische Systeme nutzen ggf. strahlungsgehärtete Komponenten und Redundanz.

Operative Maßnahmen

  • Flugplanung: Weltraumwetterprognosen werden bei der Routenwahl berücksichtigt, besonders für Polar- und Höhenflüge.
  • Höhenanpassung: Absinken auf geringere Flughöhen während Sonnenstürmen erhöht den atmosphärischen Schutz.
  • Echtzeitüberwachung: Airlines integrieren NOAA SWPC, ICAO-Weltraumwetterwarnungen und Prognosemodelle (CARI-7, EPCARD) in Einsatzplanung und Betrieb.

Dosimetrie in der Luftfahrt

  • Messung: Passive (TLD, OSL) und aktive (Geiger-Müller, gewebeäquivalente Zähler) Dosimeter werden in Forschung und seltener im Betrieb eingesetzt.
  • Modellierung: Die meisten Airlines verlassen sich auf Prognosesoftware, die mit Messdaten validiert wird, zur Dosisabschätzung und Einhaltung gesetzlicher Vorgaben.
  • Dokumentation: Airlines müssen Dosen des Personals erfassen, das Personal informieren und Nachweise gegenüber Behörden führen. Schwangere und Vielflieger erhalten besondere Aufmerksamkeit.

Regulatorische und industrielle Standards

  • ICAO: Empfiehlt die Bewertung kosmischer Strahlung im Rahmen des Safety Management Systems.
  • EASA & EU (Richtlinie 2013/59/Euratom): Verlangen Dosisbewertung und -management über 1 mSv/Jahr für fliegendes Personal.
  • FAA: Gibt Leitlinien für US-Operatoren.
  • RTCA/EUROCAE: Definieren Test- und Zulassungskriterien für Avionik in Bezug auf ionisierende und nicht-ionisierende Strahlung.

Strahlung bei der Flughafensicherheit

  • Röntgen- & CT-Scanner: Für Gepäck und Fracht genutzt; die Exposition pro Scan ist für Passagiere und Bediener vernachlässigbar.
  • Millimeterwellenscanner: Nicht-ionisierend, für alle Passagiere sicher.
  • Strahlenschutz: Anlagen sind reguliert, abgeschirmt und werden regelmäßig überwacht, um Vorgaben einzuhalten.

Nutzung des elektromagnetischen Spektrums

Die Luftfahrt nutzt verschiedene Bereiche des elektromagnetischen Spektrums für sicheren, effizienten und zuverlässigen Betrieb:

BereichFrequenzbereichAnwendung
Radiowellen30 kHz – 300 MHzKommunikation, Navigation, Transponder
Mikrowellen300 MHz – 300 GHzRadar, Satellitenverbindungen
Infrarot300 GHz – 400 THzVerbesserte Sicht, Sensorsysteme
Sichtbares Licht400 THz – 800 THzAnzeigen, Beleuchtung
Ultraviolett800 THz – 30 PHzDesinfektion, Materialprüfung
Röntgenstrahlen30 PHz – 30 EHzSicherheitskontrollen

Strahlungseinfluss auf Materialien und Strukturen

Strahlung kann Polymere, Beschichtungen und bestimmte elektronische Materialien abbauen. Langfristige Exposition kann zu Verfärbungen, Versprödung oder verminderter Materialfestigkeit führen. Moderne Flugzeugmaterialien werden gezielt für Beständigkeit gegen die zu erwartende Strahlenumgebung ausgewählt und getestet.

Zusammenfassung

Strahlung in der Luftfahrt ist ein komplexes, facettenreiches Phänomen mit Auswirkungen auf Gesundheit, Sicherheit, Avionik und Betrieb. Effektives Management – durch Abschirmung, Überwachung, operative Planung und Einhaltung internationaler Standards – sorgt dafür, dass Risiken für Besatzung, Passagiere und Systeme selbst bei immer höheren und weiteren Flügen gering bleiben.

Aircraft cockpit at cruise altitude

Weiterführende Literatur

  • ICAO Doc 9859 – Safety Management Manual
  • ICAO Doc 9760 – Cosmic Radiation and Aircrew Exposure
  • ICRP Publication 132 – Radiological Protection from Cosmic Radiation in Aviation
  • FAA CARI-7 Dosimetry Tool
  • EASA/Europäische Kommission – Strahlenschutz für fliegendes Personal

Für individuelle Beratung zur Strahlungssicherheit im Luftfahrtbetrieb wenden Sie sich an unsere Experten.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Strahlung in der Luftfahrt ein Thema?

In Reiseflughöhe sind Flugzeuge und Insassen höheren Mengen an kosmischer und solarer Strahlung ausgesetzt, was die Gesundheit der Besatzung, die Sicherheit der Passagiere und die Zuverlässigkeit der Avionik beeinflussen kann. Behörden verlangen von Airlines, die berufliche Strahlenexposition zu überwachen und zu steuern, insbesondere für das fliegende Personal auf polaren oder Langstreckenflügen.

Welche Arten von Strahlung treten in der Luftfahrt auf?

In der Luftfahrt gibt es sowohl ionisierende Strahlung (kosmische Strahlen, solare Teilchen, Röntgenstrahlen von Sicherheits-Scannern) als auch nicht-ionisierende Strahlung (Hochfrequenz, Mikrowellen, Infrarot, Ultraviolett). Jede Art wirkt sich unterschiedlich auf Flugzeugsysteme und die menschliche Gesundheit aus und erfordert entsprechende Schutzmaßnahmen.

Wie wird die Strahlenexposition für das fliegende Personal gemessen?

Die Exposition wird mithilfe von Prognosesoftware (wie CARI-7 oder EPCARD) anhand von Flughöhe, Breitengrad, Flugdauer und Sonnenaktivität geschätzt. Teilweise setzen Airlines auch Dosimetrie an Bord ein. Vorschriften verlangen, dass Airlines die Exposition der Besatzung erfassen und verwalten, wenn sie 1 mSv/Jahr überschreitet.

Was sind Single Event Effects in der Avionik?

Single Event Effects (SEE) entstehen, wenn ein einzelnes hochenergetisches Teilchen ein mikroelektronisches Bauteil stört und so zu Datenfehlern oder Fehlfunktionen führt. Moderne Avionik wird so entwickelt und getestet, dass sie SEE widersteht, zum Beispiel nach Standards wie RTCA DO-254/DO-160.

Wie schützen Airlines während Sonnenstürmen vor Strahlung?

Airlines überwachen das Weltraumwetter und können Flüge umleiten, Reiseflughöhen senken oder Starts bei starken Sonnenstürmen verschieben. Diese Maßnahmen verringern die Strahlenexposition, insbesondere auf Polarstrecken.

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