Dokumentation des gebauten Zustands

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Dokumentation des gebauten Zustands (As-Built-Dokumentation)

Definition: Was ist die Dokumentation des gebauten Zustands?

Die Dokumentation des gebauten Zustands ist der umfassende, maßgebliche Nachweis eines Bauprojekts, wie es tatsächlich nach Fertigstellung existiert. Im Gegensatz zu Planungsunterlagen, die zeigen, was geplant war, dokumentieren As-Builts, was tatsächlich gebaut wurde – und erfassen dabei alle Abweichungen, Modifikationen vor Ort, Materialänderungen und unerwartete Anpassungen.

Diese Dokumentation umfasst kommentierte 2D-Pläne („Red-Line“-Markierungen), digitale CAD-Dateien, 3D-BIM-Modelle, laserscannbasierte Punktwolken, Fotos und schriftliche Feldnotizen. Jede Änderung gegenüber dem ursprünglichen Entwurf – Materialtausch, Maßanpassungen, Umleitungen von Leitungen, Anpassungen auf der Baustelle – wird sorgfältig dokumentiert. Die As-Built-Dokumentation ist die maßgebliche Referenz für alle künftigen Wartungsarbeiten, die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und das Asset-Management.

In der Regel umfasst das As-Built-Paket Architektur, Tragwerk, TGA, Brandschutz und standortbezogene Systeme. In spezialisierten Bereichen wie Flughäfen dokumentieren As-Builts zudem Start- und Landebahnen, Rollwege, Navigationshilfen und Terminalinfrastruktur. Digital verwaltet, sind diese Unterlagen in Asset-Management-Plattformen, digitale Zwillinge und behördliche Datenbanken integriert und unterstützen prädiktive Wartung, Performance-Monitoring und Reaktionsfähigkeit bei Vorfällen.

Zusammengefasst: Die Dokumentation des gebauten Zustands ist die einzige verlässliche Quelle für den Bestand, bildet alle Veränderungen ab und schafft die entscheidende Grundlage für sicheren, effizienten Betrieb, Wartung und zukünftige Weiterentwicklung.

Zweck und Notwendigkeit der As-Built-Dokumentation

Kein Bauprojekt wird exakt wie geplant umgesetzt. Die Dokumentation des gebauten Zustands ist unerlässlich für:

  • Verlässliche Dokumentation: Erfasst alle Abweichungen vom Originalplan, bedingt durch örtliche Gegebenheiten, Optimierungen oder Koordinationsprobleme – besonders wichtig bei komplexen, verdeckten Systemen.
  • Wartung & Betrieb: Facility Manager nutzen As-Builts, um Gebäudesysteme effizient zu lokalisieren und zu warten und so teure Ausfälle zu vermeiden.
  • Rechtliche & behördliche Absicherung: Viele Behörden verlangen As-Builts für Nutzungsfreigaben, Sicherheitsprüfungen und Compliance. Sie dienen zudem als Nachweis bei Ansprüchen oder Streitigkeiten.
  • Renovierungen & Modernisierungen: Präzise As-Builts senken Risiken und Kosten bei Umbauten, da sie den tatsächlichen Bestand aufzeigen.
  • Asset-Management & Optimierung des Lebenszyklus: Moderne As-Builts sind in digitale Zwillinge und Facility-Management-Systeme eingebunden und ermöglichen prädiktive Wartung und Nachhaltigkeit auf Basis realer – nicht nur theoretischer – Daten.

Die As-Built-Dokumentation ist nicht nur eine Verwaltungsaufgabe, sondern ein strategisches Asset für Sicherheit, Effizienz, Compliance und Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie.

Wer erstellt und nutzt die As-Built-Dokumentation?

Die Erstellung und Nutzung von As-Builts ist ein kollaborativer, fachübergreifender Prozess mit Beteiligung von:

  • Bauunternehmen & Subunternehmern: Erfassen und dokumentieren Änderungen vor Ort während der Bauphase (Red-Lining, Feldnotizen, digitale Updates).
  • Architekten & Ingenieuren: Prüfen die Markierungen der Bauausführung, gleichen sie mit der Planung ab und erstellen die finale As-Built-Dokumentation.
  • Facility Manager & Eigentümer: Nutzen As-Builts für Wartung, Reparaturen, Asset-Tracking und zukünftige Planung.
  • Vermesser & Scan-Spezialisten: Erfassen den Ist-Zustand mit Laserscanning, Vermessungen oder Photogrammetrie für höchste Genauigkeit.
  • Behörden: Prüfen und auditieren As-Builts auf Einhaltung von Vorschriften, Sicherheit und Rechtsgültigkeit.

Die Genauigkeit und der Wert von As-Builts hängen von der sorgfältigen Zusammenarbeit und Kommunikation aller Beteiligten ab.

Bestandteile und Elemente der As-Built-Dokumentation

Ein vollständiges As-Built-Paket umfasst:

  • Pläne & Zeichnungen: Aktualisierte Grundrisse, Ansichten, Schnitte und Lagepläne in 2D (CAD/Handmarkierungen) oder 3D (BIM).
  • TGA-Schemata: Exakte Führung und Lage von Heizungs-, Elektro-, Sanitär- und Brandschutzsystemen.
  • Tragwerksdokumentation: Finale Lage/Spezifikation von Wänden, Stützen, Trägern, Fundamenten und statischen Anschlüssen.
  • Materialspezifikationen: Tatsächlich verwendete Materialien, inklusive Ersatzstoffe, Herstellerdaten und Einbaudetails.
  • Feldmodifikationen & Nachtragsaufträge: Dokumentation von Änderungen vor Ort, genehmigten Plananpassungen und Zusatzleistungen.
  • Anmerkungen & Feldnotizen: Fotos, Skizzen und Begründungen für Änderungen.
  • Listen & Legenden: Aktualisierte Listen von Türen, Fenstern, Einbauten und Geräten.
  • Sicherheits- & Compliance-Elemente: Position von Alarmen, Notbeleuchtung, Sprinklern und Sicherheitssystemen.
  • Reality-Capture-Daten: 3D-Laserscans und Photogrammetrie-Bilder für höchste räumliche Genauigkeit.

In der Luftfahrt und anderen kritischen Bereichen werden diese Elemente in zentralen, digitalen Repositorien zur einfachen Zugänglichkeit und Versionskontrolle zusammengeführt.

Traditionelle vs. moderne Methoden

Traditionelle (manuelle) Methoden

Historisch wurden As-Builts als handschriftlich markierte „Red-Line“-Zeichnungen, Skizzen und Notizen zu bestimmten Projektzeitpunkten oder beim Abschluss erstellt. Diese Methoden sind einfach, jedoch anfällig für Fehler, unvollständige Daten und erschwerte Archivierung – besonders bei komplexen Bauvorhaben.

Moderne (digitale) Methoden

Technologische Fortschritte ermöglichen heute:

  • CAD-/BIM-basierte As-Builts: Echtzeit-Updates digitaler 2D- und 3D-Zeichnungen/Modelle mit Integration in Asset- und Facility-Management-Systeme.
  • Laserscanning (LiDAR): Hochpräzise Punktwolken erfassen den tatsächlichen Bauzustand („Scan-to-BIM“).
  • Drohnen-Photogrammetrie: Schnelle, luftgestützte Vermessung großer oder schwer zugänglicher Areale.
  • Cloud-Kollaboration: Echtzeit-Sharing, Versionskontrolle und zentrale Ablage für alle Projektbeteiligten.

Moderne Methoden verbessern Genauigkeit, Effizienz und langfristigen Datenwert – und bilden die Basis für digitale Zwillinge und fortgeschrittene Analysen.

Schlüsseltechnologien der As-Built-Dokumentation

  • CAD (AutoCAD, MicroStation, Revit): Präzises Bearbeiten und Kommentieren von 2D-/3D-As-Builts.
  • BIM: Datenreiche 3D-Modelle mit Geometrie, Asset-Metadaten und Lebenszyklusinformationen.
  • Laserscanning (LiDAR): Erzeugt exakte Punktwolken für „Scan-to-BIM“-Workflows.
  • Punktwolkenverarbeitung: Software wie Autodesk ReCap oder Leica Cyclone registriert und wandelt Scans in nutzbare Formate um.
  • Drohnen-Bilder/Photogrammetrie: UAVs liefern georeferenzierte Luftbilder und 3D-Modelle.
  • Cloud-Kollaboration: Plattformen wie BIM 360, Procore oder Trimble Connect ermöglichen Echtzeit-Zugriff für mehrere Beteiligte.
  • Digitale Zwillinge: Kontinuierlich aktualisierte digitale Abbilder des Bauwerks auf Basis von As-Built-Daten.

Diese Technologien setzen neue Standards für Genauigkeit und Zugänglichkeit und transformieren sowohl Bauausführung als auch Facility Management.

Vorteile der As-Built-Dokumentation

  • Präzise Dokumentation: Maßgebliche Referenz für alle Beteiligten, minimiert Unklarheiten.
  • Nachweis der Einhaltung: Erleichtert Prüfungen und Audits, unterstützt behördliche Genehmigungen.
  • Wartung & Facility Management: Ermöglicht effiziente Reparaturen, Modernisierungen und vorbeugende Wartung.
  • Umbau & Erweiterung: Reduziert Risiken und Überraschungen bei späteren Bauvorhaben.
  • Streitbeilegung: Liefert belastbare Nachweise für Ansprüche und rechtliche Absicherung.
  • Finanzielle Transparenz: Verfolgt Leistungsänderungen, unterstützt exakte Abrechnung und Kostenkontrolle.
  • Qualitätsmanagement: Ermöglicht frühzeitige Fehlererkennung und -behebung.
  • Optimierung des Asset-Lebenszyklus: Unterstützt prädiktive Wartung und Nachhaltigkeit durch Integration mit digitalen Zwillingen.

Anwendungsfälle und Praxisbeispiele

  • Gebäudewartung: Lokalisierung von Absperrventilen für Notfallreparaturen an Flughäfen, um Serviceunterbrechungen zu vermeiden.
  • Renovierungsprojekte: Planer nutzen BIM-As-Builts, um versteckte Hindernisse zu umgehen und effiziente Layouts zu entwickeln.
  • Compliance-Audits: Einreichung von As-Builts bei Behörden für Nutzungsfreigaben und Sicherheitszertifizierungen.
  • Denkmalsanierung: 3D-Laserscans werden zu BIM-Modellen verarbeitet und sichern Authentizität und Genauigkeit bei der Restaurierung.
  • Rechtsstreitigkeiten: As-Builts liefern eindeutige Nachweise bei Streitfällen über Umfang und Qualität.
  • Airside-Modernisierungen: Präzise Unterlagen ermöglichen sichere Grabungen und Modernisierungen von Start- und Rollbahnen sowie Beleuchtungssystemen.

Fazit

Die Dokumentation des gebauten Zustands ist das Rückgrat eines effektiven Facility Managements, der Compliance und zukünftiger Entwicklungen. Egal ob Sie einen komplexen Flughafen, ein Krankenhaus oder einen Gewerbecampus verwalten – aktuelle, digitale As-Builts sichern die Sicherheit, Effizienz und den langfristigen Wert jedes Bauwerks.

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Häufig gestellte Fragen

Wer erstellt die As-Built-Dokumentation?

Die As-Built-Dokumentation ist eine gemeinschaftliche Aufgabe von Bauunternehmern, Subunternehmern, Architekten, Ingenieuren, Vermessern und Projektleitern. Bauunternehmer verfolgen und kennzeichnen in der Regel Änderungen während der Bauphase, während Architekten und Ingenieure die finalen Unterlagen zusammenstellen und prüfen. Facility Manager, Eigentümer und Behörden sind die Hauptnutzer nach Abschluss des Projekts.

Was sind die Hauptbestandteile der As-Built-Dokumentation?

Wesentliche Bestandteile sind aktualisierte Architektur-, Tragwerks-, TGA- (Technische Gebäudeausrüstung: Heizung, Elektro, Sanitär) Zeichnungen oder BIM-Modelle, Dokumentation von Anpassungen vor Ort, Materialänderungen, Nachtragsaufträge, Anmerkungen, Listen, Compliance-Merkmale und zunehmend auch Reality-Capture-Daten wie Laserscans oder Punktwolken.

Worin unterscheiden sich As-Built-Unterlagen von den ursprünglichen Planzeichnungen?

Ursprüngliche Pläne zeigen das beabsichtigte Bauwerk, während die As-Built-Dokumentation den tatsächlich gebauten Zustand festhält – einschließlich aller Abweichungen, Änderungen und unvorhergesehenen Anpassungen. As-Builts sind die maßgebliche Quelle für den tatsächlichen Bestand, da sie jede genehmigte sowie nicht genehmigte Änderung abbilden.

Welche Technologien werden in der modernen As-Built-Dokumentation eingesetzt?

Moderne As-Builts nutzen CAD- und BIM-Software für digitale Modelle, Laserscanning (LiDAR) für präzise 3D-Aufnahmen, Drohnen-Photogrammetrie für Geländevermessungen, Cloud-Kollaboration für Echtzeit-Sharing und Versionskontrolle sowie digitale Zwillinge für das fortlaufende Asset-Management.

Warum ist die As-Built-Dokumentation für Wartung und Renovierungen so wichtig?

Präzise As-Builts ermöglichen es Facility Managern, verdeckte Systeme zu lokalisieren, Reparaturen zu planen und Erweiterungen oder Modernisierungen sicher durchzuführen, da sie einen verlässlichen Plan des tatsächlichen Bauzustands bieten. Das reduziert Risiken, verhindert teure Fehler und gewährleistet die Einhaltung von Sicherheits- und Vorschriftenstandards.

Wie unterstützt die As-Built-Dokumentation die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften?

As-Built-Unterlagen liefern den Nachweis, dass das Bauwerk den Bauvorschriften, Sicherheits- und Umweltanforderungen entspricht. Sie werden für Prüfungen, Nutzungsfreigaben und Compliance-Audits benötigt und helfen Eigentümern und Betreibern, Bußgelder, Verzögerungen oder Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.

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