ATC (Flugsicherung)

Aviation Flight Operations Safety Controllers

ATC – Flugsicherung: Glossar und Leitfaden zu Diensten für die Flugzeugbewegung im Flugbetrieb

Einführung: Was ist Flugsicherung (ATC)?

Die Flugsicherung (ATC) bildet das Rückgrat von Sicherheit und Effizienz in der Luftfahrt. Es handelt sich um ein koordiniertes System aus bodengestütztem Personal, moderner Technologie und strengen Verfahren, das darauf ausgelegt ist, Flugzeuge sowohl im kontrollierten Luftraum als auch am Boden sicher zu führen. Die Hauptaufgabe der ATC besteht darin, Flugzeugkollisionen zu verhindern, den Verkehrsfluss zu optimieren und Piloten während aller Flugphasen essenzielle Unterstützung und Informationen zu bieten.

Die ATC arbeitet über ein Netzwerk spezialisierter Einrichtungen:

  • Flughafen-Tower (ATCT) steuern Start, Landung und Bodenbewegungen am Flughafen.
  • Terminal-Radar-Annäherungskontrolle (TRACON) überwacht Flugzeuge beim Anflug auf oder Abflug von einem Flughafen innerhalb eines festgelegten Radius.
  • Streckenkontrollzentren (ARTCC) sind für die Steuerung von Überlandflügen in großen Luftraumabschnitten verantwortlich.

Diese Einrichtungen unterliegen strengen Vorgaben internationaler (ICAO) und nationaler (z. B. FAA) Behörden. Die ATC-Dienste werden von hochqualifizierten Fluglotsen erbracht, die Radar, Überwachungssysteme, Flugdaten, Wetterinformationen und Funkkommunikation nutzen. Die Lotsen erteilen Freigaben, ordnen den Verkehr, unterstützen in Notfällen und koordinieren bereichsübergreifend, um höchstmögliche Sicherheit und Übersicht zu gewährleisten.

Die moderne Flugsicherung entwickelt sich stetig weiter – mit satellitengestützter Navigation (wie dem Next Generation Air Transportation System (NextGen)), digitalen Kommunikationswegen und Remote-Tower-Technologien, die alle auf höhere Effizienz, Kapazität und Widerstandsfähigkeit angesichts des wachsenden Flugverkehrs abzielen.

Wichtige Begriffe und Definitionen

Flugsicherung (ATC)

Ein Dienst, der von bodengestützten Lotsen bereitgestellt wird, um Flugzeuge am Boden und im kontrollierten Luftraum zu leiten, Kollisionen zu verhindern und den Verkehrsfluss zu beschleunigen.

Fluglotse

Ein zertifizierter Fachmann, der die sichere und geordnete Bewegung von Flugzeugen in einem Sektor (Tower, Anflug oder Strecke) mithilfe strenger Verfahren, Standardphraseologie und moderner Technik überwacht.

National Airspace System (NAS)

Das integrierte Netzwerk aus Luftraum, Flughäfen, Navigationshilfen, Überwachungssystemen und rechtlichen Rahmenbedingungen, das alle zivilen und militärischen Flugoperationen eines Landes unterstützt.

Separation

Der vorgeschriebene Mindestabstand zwischen Flugzeugen, der vertikal (Höhe), horizontal (seitlich/längs) oder bezüglich Wirbelschleppen eingehalten werden muss.

Terminal-Radar-Annäherungskontrolle (TRACON)

Eine Einrichtung, die mittels Radar und Funkverkehr die An- und Abflüge im Terminalbereich (typischerweise bis zu 50 NM und 17.000 Fuß um Flughäfen) steuert.

Streckenkontrollzentrum (ARTCC)

Eine Einrichtung (oft „Center“ genannt), die Überlandflüge in hohen Flughöhen über große Regionen steuert, Übergaben koordiniert und sichere Trennung gewährleistet.

Tower-Lotse

Steuert alle Start-, Lande- und Rollvorgänge vom Flughafentower aus und arbeitet eng mit Boden- und Anfluglotsen zusammen.

Sichtflugregeln (VFR)

Vorschriften für Flüge bei guter Sicht, die es Piloten erlauben, visuell zu navigieren und andere Flugzeuge oder Hindernisse zu „sehen und zu vermeiden“.

Instrumentenflugregeln (IFR)

Vorschriften für Flüge, bei denen keine Sichtnavigation möglich ist und Piloten nach Instrumenten sowie ATC-Freigaben fliegen müssen.

Standard-Instrumentenabflug (SID)

Eine veröffentlichte Prozedur für einen sicheren, effizienten Übergang vom Start in den Überlandflug, die die Funkbelastung minimiert und Hindernisfreiheit gewährleistet.

Standard-Anflugverfahren (STAR)

Eine veröffentlichte Anflugprozedur, die den Verkehr vom Überland- zum Anflugbereich großer Flughäfen bündelt und sequenziert.

Next Generation Air Transportation System (NextGen)

Eine von der FAA geführte Modernisierungsinitiative, die satellitengestützte Navigation, digitale Kommunikation und Automatisierung einsetzt, um die Luftraumkapazität und Sicherheit zu erhöhen.

Kontrollturm

Das Flughafengebäude, in dem Lotsen die Boden- und Nahbereichsoperationen steuern – ausgestattet mit Panorama-Kabinen und modernster Technik.

Anfluglotse

Fachkraft im TRACON, die anfliegende Flugzeuge lotst, für Anflugvektoren sorgt und das sichere Einreihen in den Flughafenbetrieb koordiniert.

Abfluglotse

Leitet abfliegende Flugzeuge während des Anfangssteigs in den Überlandluftraum und stimmt sich mit Tower- und Streckenlotsen ab.

Bodenlotse

Position im Tower, die alle Flugzeuge und Fahrzeuge auf Rollwegen und Vorfeld (außer der aktiven Start- und Landebahn) dirigiert.

Clearance Delivery

Gibt Piloten anfängliche IFR-Freigaben, Abflugverfahren und Transpondercodes und entlastet so die Funkfrequenzen sowie die Kommunikation vor dem Start.

Wie ATC im Flugbetrieb eingesetzt wird

ATC in den Flugphasen

Die ATC ist von der Flugvorbereitung bis zum endgültigen Einrollen am Zielort unverzichtbar. So integriert sich die ATC in jede Phase:

1. Vorflug (Flugplanung)

Piloten reichen Flugpläne zur ATC-Prüfung ein. IFR-Freigaben werden von Clearance Delivery erteilt und beinhalten Routing, Abflugprozeduren und Squawk-Codes. Die ATC steuert den Verkehrsfluss, routet bei Wetterproblemen um und koordiniert die Kapazität.

2. Pushback/Rollen/Start

Der Bodenlotse erteilt Rollanweisungen vom Gate bis zur Startbahn und verhindert Konflikte und Bahnverletzungen. Der Tower-Lotse sequenziert die Abflüge und erteilt Startfreigaben.

3. Abflug

Nach dem Start weisen Abfluglotsen (TRACON) Kurse und Höhen zu, sorgen für sichere Abstände und koordinieren den Übergang in den Überlandluftraum.

4. Überlandflug

ARTCC- oder Center-Lotsen betreuen Flugzeuge in Reiseflughöhen, überwachen die Trennung, routen bei Wetter um und koordinieren Übergaben zwischen Sektoren und benachbarten Zentren.

5. Sinkflug/Anflug

Anfluglotsen (TRACON) reihen Anflüge ein, geben Anflugvektoren vor und stimmen sich mit Towern für einen sicheren Landeablauf ab.

6. Landung und Einrollen

Tower-Lotsen erteilen Landefreigaben, managen Durchstartmanöver und übergeben an den Bodenlotsen. Der Bodenlotse sorgt für die sichere Fahrt zum Gate und koordiniert mit dem Flughafenbetrieb.

Arten von ATC-Einrichtungen

EinrichtungstypHauptaufgabeAbdeckungsbereich
ATCTBoden- & NahbereichsluftraumBis zu 5 NM/3.000 ft
TRACONAn-/Abflüge20–50 NM/bis 17.000 ft
ARTCCÜberland/Reiseflug100.000+ sq mi/18.000–60.000 ft
ATCSCCNationale KoordinationGesamter NAS
Digital TowerRemote/lokaler BetriebVariabel (v. a. kleine Flughäfen)

Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Fluglotsen

Lotsen arbeiten in komplexen, hochverantwortlichen Umgebungen und übernehmen u. a. folgende Aufgaben:

  • Wahrung der Mindestabstände (vertikal, horizontal, Wirbelschleppen).
  • Sequenzierung und Staffelung zur optimalen Nutzung von Bahnen und Luftraum.
  • Erteilen von Freigaben und Anweisungen (Routen, Höhen, Rollwege).
  • Überwachung des Luftraums mittels Radar/ADS-B und Flugdaten.
  • Bereitstellung von Wetter- und Verkehrsinformationen an Piloten.
  • Notfallmanagement (Priorisierung, Koordination von Such- und Rettungseinsätzen).
  • Koordinierung von Übergaben zwischen Sektoren/Einrichtungen.
  • Management der Bewegungen am Flughafenboden (Vermeidung von Bahnverletzungen, Fahrzeugkontrolle).

Lotsen durchlaufen eine intensive Ausbildung, regelmäßige Nachschulungen und werden laufend auf Sicherheit und Leistungsfähigkeit geprüft.

ATC-Kommunikation: Verfahren und Beispiele

Standardphraseologie

Die ATC-Kommunikation verwendet weltweit standardisierte englische Phraseologie (ICAO/FAA) für Klarheit und Sicherheit. Wichtige Merkmale:

  • Nutzung des Rufzeichens bei allen Anweisungen.
  • Readbacks zur Bestätigung wichtiger Anweisungen.
  • Phonetisches Alphabet zur Buchstabierung von Kennungen.
  • Standard-Befehlsschema (Rufzeichen, Anweisung, Details, Frequenz).

Typische ATC-Phrasen:

  • “Cleared for takeoff”
  • “Hold short of runway”
  • “Line up and wait”
  • “Climb and maintain [altitude]”
  • “Descend and maintain [altitude]”
  • “Contact [facility] on [frequency]”
  • “Squawk [code]”
  • “Expedite”

Spezielle Squawk-Codes:

CodeBedeutung
7500Flugzeugentführung
7600Funkstörung
7700Notfall (allgemein)

Beispielhafte ATC-Kommunikationsdialoge

Clearance Delivery Beispiel:

Pilot: "Dallas Clearance, N789XY, IFR to Denver, ready to copy."
ATC: "N789XY, cleared to Denver via the DALLAS4 departure, then as filed. Climb and maintain 5,000, expect flight level 330 ten minutes after departure. Departure frequency 124.15, squawk 2314."
Pilot: "Cleared to Denver via DALLAS4, climb 5,000, expect 330 in ten, departure 124.15, squawk 2314, N789XY."

Ground Control Beispiel:

Pilot: "Phoenix Ground, N789XY at Gate 22, request taxi for departure."
ATC: "N789XY, taxi to runway 8 via Alpha, Charlie, hold short of runway 8."
Pilot: "Taxi to runway 8 via Alpha, Charlie, hold short runway 8, N789XY."

Enroute Handoff Beispiel:

ATC: "N789XY, contact Albuquerque Center on 128.45."
Pilot: "128.45, N789XY, good day."

ATC-Modernisierung und Zukunftstrends

NextGen und digitale ATC

Die Zukunft der Flugsicherung ist digital, datengetrieben und satellitengestützt. Die NextGen-Initiative in den USA führt die ATC von bodengestütztem Radar zur GPS-Navigation und ermöglicht:

  • Performance-Based Navigation (PBN)
  • Zeitbasierte Verkehrssteuerung
  • Automatisierte Konflikterkennung
  • Digitale und Remote-Tower-Betriebsführung
  • Stärkere Integration von Drohnen und neuen Luftraumnutzern

Remote-/Digitale Tower nutzen hochauflösende Kameras, Sensoren und Augmented Reality, um Towerdienste von zentralen Standorten aus zu ermöglichen und die ATC-Abdeckung für kleinere oder abgelegene Flughäfen kostengünstig zu erweitern.

Herausforderungen und Chancen

  • Verkehrswachstum und neue Fluggerätetypen (eVTOLs, Drohnen) erfordern flexible, skalierbare ATC-Systeme.
  • Cybersicherheit und Datenintegrität werden kritisch, da immer mehr Systeme vernetzt sind.
  • Human Factors bleiben zentral: Lotsenausbildung, Arbeitsbelastungsmanagement und Entscheidungshilfen sind entscheidend für die Sicherheit.

Fazit

Die Flugsicherung ist die unsichtbare Kraft, die die globale Luftfahrt sicher und effizient hält. Durch präzise Verfahren, moderne Technologie und das Können professioneller Lotsen unterstützt die ATC jede Phase des Flugs – vom ersten Flugplan bis zum Abstellen am Gate. Mit wachsendem Luftverkehr und technologischen Fortschritten bleiben die Prinzipien der ATC – Sicherheit, Ordnung und Kommunikation – unverzichtbar.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist das Hauptziel der Flugsicherung (ATC)?

Das Hauptziel der ATC ist die sichere, geordnete und effiziente Bewegung von Flugzeugen in der Luft und am Boden sicherzustellen, Kollisionen zu verhindern und Piloten während aller Flugphasen wichtige Informationen bereitzustellen.

Wie wird der Luftraum von der ATC verwaltet?

Die ATC unterteilt den Luftraum in kontrollierte und unkontrollierte Bereiche, mit einer weiteren Aufteilung in Sektoren, die von Towern (ATCT), Terminal-Radar-Annäherungskontrollen (TRACON) und Streckenkontrollzentren (ARTCC) verwaltet werden, wobei jeder für bestimmte Flugphasen und Betriebsbereiche zuständig ist.

Welche Haupttypen von Fluglotsen gibt es?

Lotsen sind spezialisiert als Tower-Lotsen (Flughafenbetrieb), An-/Abfluglotsen (TRACON, für Terminalbetrieb) und Streckenlotsen (ARTCC), die jeweils unterschiedliche Aspekte und Segmente des Luftraums überwachen.

Welche Kommunikationsstandards werden in der ATC verwendet?

Die ATC verwendet standardisierte englische Phraseologie (wie von ICAO und FAA definiert), um eine klare und eindeutige Kommunikation zu gewährleisten. Dazu gehören spezifische Anweisungen, Rückmeldungen (Readbacks) sowie der Einsatz des phonetischen Alphabets und Squawk-Codes für Notfälle.

Wie unterstützt Technologie die Abläufe in der ATC?

Die ATC nutzt Radar, ADS-B, Satellitennavigation, digitale Kommunikationssysteme und fortschrittliche Datenverarbeitungstools, um die Lageübersicht zu erhalten, den Verkehrsfluss zu steuern und die Sicherheit zu erhöhen – insbesondere im Zuge von Modernisierungsinitiativen wie dem NextGen-Programm der FAA.

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