ATC-Freigabe

Aviation Air Traffic Control IFR Flight Operations

ATC-Freigabe: Ausführliche Übersicht

Definition und Zweck

ATC-Freigabe ist eine formelle Genehmigung, die von der Flugsicherung (ATC) erteilt wird, damit ein Luftfahrzeug unter bestimmten Bedingungen im kontrollierten Luftraum operieren darf. Sie ist ein Eckpfeiler des globalen Luftverkehrsmanagements und gewährleistet einen sicheren, geordneten und zügigen Flug, indem sie Kollisionen und Konflikte zwischen Luftfahrzeugen verhindert.

Laut ICAO Doc 4444 ist die ATC-Freigabe:
„Genehmigung für ein Luftfahrzeug, unter Bedingungen zu operieren, die von einer Flugsicherungsstelle festgelegt wurden.“

Diese Genehmigung gilt für alle Flugphasen – vom Vorabflug, Rollen und Start über Streckenflug, Anflug bis zur Landung. Sie ist für alle Flüge nach Instrumentenflugregeln (IFR) im kontrollierten Luftraum und für bestimmte Flüge nach Sichtflugregeln (VFR), wie z. B. beim Einflug in Luftraumklasse B, C oder D, verpflichtend.

Hinweis: Eine ATC-Freigabe entbindet den verantwortlichen Piloten nicht von der Einhaltung luftfahrtrechtlicher Vorschriften oder der Mindestflughöhen. Sie stellt keine Ausnahme oder Sondergenehmigung dar, sondern dient dazu, einen sicheren Ablauf zwischen Flugzeugen und ATC zu ermöglichen.

Rechtlicher und betrieblicher Rahmen

Gesetzliche Grundlage

  • Vereinigte Staaten:
    14 CFR 91.123 schreibt die strikte Einhaltung von ATC-Freigaben und -Anweisungen vor. Abweichungen sind nur mit einer geänderten Freigabe, im Notfall oder bei einer TCAS-Resolution zulässig.
  • International:
    ICAO Annex 2 und Doc 4444 legen die globalen Standards für ATC-Freigaben fest, die von nationalen Luftfahrtbehörden übernommen werden.

Operativer Ablauf

  • Flugplanung: Piloten reichen für IFR-Flüge einen Flugplan ein, der die Grundlage für die ATC-Freigabe bildet.
  • Vorflug-Freigabe: Die Freigabe wird in der Regel vor dem Triebwerksstart oder Rollen an kontrollierten Flughäfen eingeholt.
  • Einhaltung im Flug: Für Routenänderungen, Wetter oder Notfälle können separate oder geänderte Freigaben erteilt werden.

Die Nichteinhaltung einer ATC-Freigabe kann zu administrativen oder rechtlichen Konsequenzen führen und die Flugsicherheit gefährden.

Anwendbarkeit in der Luftraumstruktur

ATC-Freigaben sind im kontrollierten Luftraum, wie von ICAO und nationalen Behörden definiert, unerlässlich. Wichtige Luftraumklassen:

  • Klasse A: (z. B. 18.000 ft MSL bis FL600 in den USA) – Alle Flüge sind IFR und benötigen eine Freigabe.
  • Klasse B, C, D: Einflug und Betrieb erfordern eine Freigabe, insbesondere für VFR-Flüge.
  • Klasse E und G: Freigaben in der Regel nur für IFR; VFR-Flüge folgen anderen Verfahren.

Die Freigabe gilt für alle Phasen: Rollen, Start, Abflug, Streckenflug, Anflug und Landung. An nicht kontrollierten Flughäfen kann eine Freigabeverfallzeit erteilt werden.

ATC-Freigabe vs. Anweisung, Flugplan und Advisory

BegriffDefinitionWesentliche Unterschiede
ATC-FreigabeGenehmigung zum Operieren unter bestimmten Bedingungen im kontrollierten Luftraum.Verbindlich, rechtlich bindend, ermöglicht spezifische Vorgänge.
ATC-AnweisungAnweisung, die umgehend ausgeführt werden muss (z. B. „Rollen zur Piste 22“).Operativ, keine Genehmigung für Flugphasen.
FlugplanDokument mit geplanter Route und Flugdaten.Planungsinstrument, keine operative Genehmigung.
ATC-AdvisoryInformationsübermittlung (z. B. Verkehr, Wetterhinweise).Nicht bindend, nur zur Situationswahrnehmung.

Tipp: „Freigegeben“ zeigt eine Freigabe an. Tätigkeitsverben weisen auf Anweisungen hin.

Aufbau und Elemente einer ATC-Freigabe

ATC-Freigaben folgen standardisierten Formaten, um Fehler zu vermeiden, wie in ICAO Doc 4444 und AIM 4-4-1 beschrieben.

Standardkomponenten:

  1. Freigabe-Präfix: „ATC genehmigt“ oder „Freigegeben“.
  2. Flugzeugkennung: Rufzeichen oder Registrierung.
  3. Freigabegrenze: Ziel oder Wegpunkt.
  4. Abflugverfahren: SID oder spezifische Route.
  5. Streckenführung: Luftstraßen, Wegpunkte oder wie beantragt.
  6. Höhenanweisungen: Anfangs- und erwartete Flughöhen.
  7. Machzahl: Für bestimmte Flüge.
  8. Zusätzliche Anweisungen: Halte-, Geschwindigkeits- oder Routenvorgaben.
  9. Abflugfrequenz: Für Kontakt nach dem Start.
  10. Transpondercode: „Squawk“ für Radaridentifikation.
  11. Besondere Informationen: Z. B. Freigabeverfallzeit.

Beispiel:
„N123AB, freigegeben nach Dallas-Fort Worth über die BARTS THREE Departure, dann wie beantragt. Steigen Sie und halten Sie 5.000, erwarten Sie FL350 zehn Minuten nach Abflug. Abflugfrequenz 124,35, Squawk 4572.“

Alle wichtigen Parameter müssen vom Piloten zurückgelesen werden.

Verantwortlichkeiten: Piloten und Controller

Verantwortlicher Pilot (PIC)

  • Einhaltung: Gesetzlich vorgeschrieben, es sei denn, geändert, Notfall oder TCAS-Anweisung.
  • Klarstellung: Muss um Klarstellung oder Änderung bitten, wenn eine Freigabe unklar oder unsicher ist.
  • Zurücklesen: Für alle Rollbahn-, Höhen-, Kurs-, Geschwindigkeits- und Transponderzuweisungen erforderlich.
  • Notfallbefugnis: Darf im Notfall abweichen, muss ATC informieren und ggf. Bericht erstatten.
  • Freigabeanfragen: Verantwortlich für das Einholen aller erforderlichen Freigaben.

Fluglotse

  • Erteilung: Basierend auf Sicherheit, Verkehr und Verfahren.
  • Überprüfung: Muss Rücklesungen der Piloten prüfen und Fehler korrigieren.
  • Änderung: Kann Freigaben bei Bedarf anpassen oder erneuern.
  • Priorisierung: Behandelt Notfälle vorrangig.
  • Staffelung: Sichert Mindestabstände und koordiniert Sektorübergaben.

Verfahrensschritte: Beantragung und Einhaltung der ATC-Freigabe

  1. Flugplan einreichen (IFR):
    Über elektronische Wege oder telefonisch/funk, mit Angabe von Route, Luftfahrzeug und Ausweichflughäfen.

  2. Freigabe anfordern:
    Kontakt mit Clearance Delivery oder Boden mit Luftfahrzeugkennung und Ziel aufnehmen.

  3. Freigabe aufnehmen:
    Wichtige Elemente notieren, mit Kürzeln oder Formularen.

  4. Zurücklesen:
    Alle wichtigen Elemente mit ATC bestätigen.

  5. Systeme einstellen:
    Funkgeräte, Transponder und Navigation gemäß Freigabe konfigurieren.

  6. Freigabe einhalten:
    Vorgegebene Routen, Höhen und Anweisungen befolgen. ATC informieren, falls nicht möglich.

  7. Änderungen anfordern:
    Bei Wetter oder betrieblichen Einschränkungen ATC informieren und Änderungen erbitten.

  8. Notfälle/Abweichungen handhaben:
    Bei Bedarf abweichen, ATC so bald wie möglich informieren und ggf. Bericht abgeben.

  9. Freigabeverfallzeiten (nicht kontrolliert):
    Bis zur angegebenen Zeit starten oder ATC informieren, um Such- und Rettungsmaßnahmen zu vermeiden.

Diese Schritte sind essenziell für einen standardisierten, sicheren Flugbetrieb.

Praxisbeispiele und Anwendungsfälle

1. Standard-IFR-Freigabe

„Cessna 345AB, freigegeben zum San Francisco International Airport über die Oceanside Four Departure, dann wie beantragt. Halten Sie 5.000. Erwarten Sie 10.000 zehn Minuten nach Abflug. Abflugfrequenz 123,75. Squawk 4321.“

Auslegung:
Freigabe legt Abflugverfahren, Anfangs- und erwartete Höhe, Frequenz und Transpondercode fest.

2. Geänderte Freigabe wegen Wetter

„N456CD, freigegeben nach Dallas-Fort Worth ab aktueller Position direkt Bowie VOR, dann wie beantragt. Steigen und halten Sie 6.000, erwarten Sie FL320 zehn Minuten nach Abflug. Abflugfrequenz 124,85. Squawk 4567.“

Auslegung:
Direkte Route zur Wetterumgehung, mit geänderter Route und Höhe.

3. Freigabeverfallzeit an nicht kontrolliertem Flughafen

„N789EF, freigegeben nach Houston Hobby Airport, direkt CENTEX, dann wie beantragt. Halten Sie 3.000. Freigabe verfällt, wenn nicht bis 1345Z abgehoben. Falls nicht bis 1345Z abgehoben, informieren Sie Austin Approach spätestens bis 1400Z.“

Auslegung:
Der Pilot muss bis zur angegebenen Zeit starten oder ATC kontaktieren, um unnötige Such- und Rettungsmaßnahmen zu vermeiden.

4. Abweichung aufgrund TCAS-Resolution Advisory

„Center, N123AB, weiche von zugewiesener Höhe wegen TCAS RA ab.“

Auslegung:
Pilot weicht zur Sicherheit ab, informiert ATC; die Befolgung der TCAS-Anweisung hat Vorrang.

Häufige Missverständnisse und Klarstellungen

  • Freigabe vs. Anweisung:
    Nicht jede ATC-Kommunikation ist eine Freigabe. Anweisungen sind sofort umzusetzen, Freigaben erlauben bestimmte Vorgänge.
  • Umfang der Freigabe:
    Eine Freigabe erlaubt niemals Verstöße gegen Vorschriften oder unsichere Höhen.
  • Kontrollierter vs. unkontrollierter Luftraum:
    Freigaben sind im kontrollierten Luftraum verpflichtend; VFR-Flüge im unkontrollierten Luftraum folgen anderen Regeln.

Best Practice: Klären Sie jede unklare Freigabe oder Anweisung mit der ATC, bevor Sie handeln.

Fazit

Die ATC-Freigabe ist ein grundlegendes Element für sichere und effiziente Flugbetriebe im kontrollierten Luftraum. Sie ist eine rechtlich bindende Genehmigung, die sowohl von Piloten als auch von Lotsen strikt einzuhalten ist und durch standardisierte Phraseologie und Verfahren geregelt wird. Das Verständnis von Aufbau, betrieblichen Kontexten und Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit ATC-Freigaben ist für alle Luftfahrtprofis essenziell.

Weiterführende Literatur:

  • ICAO Doc 4444 (PANS-ATM)
  • ICAO Doc 9432 (Manual of Radiotelephony)
  • FAA Order JO 7110.65
  • Aeronautical Information Manual (AIM)

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine ATC-Freigabe?

Eine ATC-Freigabe ist eine offizielle Genehmigung, die von der Flugsicherung (ATC) erteilt wird, damit ein Luftfahrzeug unter bestimmten Bedingungen im kontrollierten Luftraum operieren darf. Sie ist für IFR-Flüge und einige VFR-Flüge unerlässlich und legt Route, Höhe, Abflugverfahren und andere wichtige Flugdaten fest, um Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.

Wann ist eine ATC-Freigabe erforderlich?

Eine ATC-Freigabe ist für alle IFR-Flüge im kontrollierten Luftraum und für bestimmte VFR-Flüge erforderlich, zum Beispiel beim Einflug in Luftraumklasse B, C oder D. Sie wird auch für den Betrieb an kontrollierten Flughäfen benötigt, einschließlich Roll-, Start-, Strecken-, Anflug- und Landephasen.

Was passiert, wenn ein Pilot eine ATC-Freigabe nicht einhalten kann?

Kann ein Pilot eine ATC-Freigabe aus Sicherheits-, Wetter- oder betrieblichen Gründen nicht einhalten, muss er die ATC sofort informieren und eine geänderte Freigabe anfordern. In Notfällen dürfen Piloten von der Freigabe abweichen, müssen die ATC aber so bald wie möglich informieren und gegebenenfalls einen Bericht einreichen.

Was ist der Unterschied zwischen einer ATC-Freigabe und einer ATC-Anweisung?

Eine ATC-Freigabe ist eine formelle Genehmigung für eine bestimmte Handlung (z. B. 'Freigabe zum Start'), während eine ATC-Anweisung eine Anweisung ist, die umgehend ausgeführt werden muss (z. B. 'Rollen zur Piste 22'). Freigaben erlauben bestimmte Vorgänge; Anweisungen erfordern sofortige Umsetzung.

Sind ATC-Freigaben rechtlich bindend?

Ja. Piloten sind gesetzlich verpflichtet, ATC-Freigaben zu befolgen, es sei denn, sie erhalten eine geänderte Freigabe, befinden sich in einem Notfall oder folgen einer TCAS-Anweisung. Nichteinhaltung kann zu disziplinarischen Maßnahmen führen und die Flugsicherheit gefährden.

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