Korrigierte Höhe

Aviation safety Instrument procedures Altimetry

Korrigierte Höhe (um Fehler bereinigte Höhe) – Luftfahrt-Glossar

Definition

Korrigierte Höhe ist der Wert, den Piloten nach der Anpassung der barometrischen Höhenmesseranzeige an Abweichungen von den Bedingungen der Internationalen Standardatmosphäre (ISA), insbesondere bei Temperatur- (und seltener Druck-)anomalien, verwenden. Sie stellt sicher, dass die tatsächliche Höhe des Flugzeugs über dem mittleren Meeresspiegel (MSL) nicht unter die veröffentlichten Mindestwerte fällt und somit Hindernis- und Geländefreiheit gewährleistet ist – besonders bei Instrumentenanflügen im Winter. Diese Anpassung ist entscheidend zur Verhinderung von CFIT-Ereignissen (Controlled Flight Into Terrain) und wird von internationalen Luftfahrtbehörden wie ICAO, FAA und EUROCONTROL vorgeschrieben.

Die korrigierte Höhe wird auch als temperaturkorrigierte Höhe oder Höhenmesser-Temperaturfehlerkorrektur bezeichnet und wird nicht durch Änderung der Höhenmessereinstellung erreicht, sondern indem eine Korrektur zu veröffentlichten Mindesthöhen addiert und auf oder über diesen angepassten Werten mit dem aktuellen QNH geflogen wird.

Grundlagen des Höhenmessers und Standardatmosphäre

Der barometrische Höhenmesser misst den statischen Luftdruck und wandelt diesen anhand der ISA in eine Höhe um, wobei folgende Annahmen gelten:

  • Luftdruck auf Meereshöhe: 1013,25 hPa (29,92 inHg)
  • Temperatur auf Meereshöhe: +15°C
  • Temperaturgradient: -2°C pro 1.000 Fuß

Wichtige Begriffe der Höhenmessung:

  • Angezeigte Höhe: Höhenmesseranzeige bei eingestelltem QNH
  • Wahre Höhe: Tatsächliche Höhe über MSL (nach Korrekturen)
  • Druckhöhe: Höhe über Standarddruckfläche (eingestellt auf 1013,25 hPa)
  • Dichtehöhe: Druckhöhe, angepasst an Temperatur/Luftfeuchtigkeit (beeinflusst Leistung)
  • QNH: Lokale Druckeinstellung auf MSL
  • QFE: Einstellung auf Platzhöhe (Höhenmesser zeigt am Boden Null)
  • QNE: Standarddruckeinstellung für Flugflächen

Instrumentenverfahren definieren Mindesthöhen (MSA, MVA, MDA, DA) zur Sicherstellung der Hindernis- und Geländefreiheit, jedoch gelten diese nur bei ISA-Bedingungen. Abweichungen – insbesondere bei Kälte – können die angezeigte Höhe unzuverlässig machen und Korrekturen erforderlich machen.

Warum Korrekturen notwendig sind

Höhenmesser gehen von ISA-Bedingungen aus. In Wirklichkeit variieren Temperatur und Druck. Die bedeutendste Fehlerquelle ist die Temperaturabweichung:

  • Kalte Witterung: Die Luft ist dichter, der Druck nimmt mit der Höhe schneller ab. Der Höhenmesser zeigt zu viel an – das Flugzeug ist niedriger als angezeigt. Dies ist in Geländenähe gefährlich.
  • Warme Witterung: Die Luft ist weniger dicht, der Druck nimmt langsamer ab. Der Höhenmesser zeigt zu wenig an – das Flugzeug ist höher als angezeigt. Dies birgt selten ein Geländerisiko, kann aber die Luftraumtrennung beeinflussen.

Faustregel: Für jedes Grad Celsius unter ISA ist die wahre Höhe etwa 0,4 % niedriger als angezeigt pro 1.000 Fuß. Praktisch:
4 Fuß pro °C pro 1.000 Fuß über der Meldestation.

Beispiel: Bei -30°C (45°C unter ISA) und 4.000 Fuß über der Meldestation:
4 Fuß × 45 × 4 = 720 Fuß Fehler (Flugzeug ist 720 Fuß tiefer als angezeigt).

Barometrische Druckfehler werden durch Aktualisierung von QNH korrigiert; Temperaturfehler erfordern Höhenkorrekturen.

Verfahren zur Anwendung der korrigierten Höhe

Wann sind Korrekturen notwendig?

Korrekturen sind erforderlich, wenn die Temperatur am Boden unter festgelegte Schwellenwerte fällt (typisch 0°C oder wie auf Anflugkarten/NOTAMs angegeben). Flughäfen mit besonderen Kälteanforderungen sind als Cold Temperature Airports (CTAs) gekennzeichnet.

Korrekturen sind vorgeschrieben:

  • Für alle Instrumentenanflugsegmente bei Kälte
  • In Gebirgsregionen oder Abschnitten mit geringer Hindernis-/Geländefreiheit
  • Wenn auf Karten oder in NOTAMs ausgewiesen

In manchen Regionen kann die Flugsicherung temperaturkorrigierte Mindesthöhen liefern, die Verantwortung für Korrekturen verbleibt jedoch beim Piloten, sofern nicht ausdrücklich anders angegeben.

Wie werden Korrekturen angewendet?

  1. Bodentemperatur am Flughafen/Meldestation einholen.
  2. Höhe über der Meldestation für jeden relevanten Abschnitt bestimmen (veröffentlichte Höhe minus Platzhöhe).
  3. Offizielle Korrekturtabellen (ICAO, FAA, EUROCONTROL, Betriebsanweisung) oder die 4 Fuß/°C/1.000 Fuß-Regel verwenden.
  4. Korrektur zur veröffentlichten Mindesthöhe addieren für jeden Abschnitt.
  5. QNH am Höhenmesser unverändert lassen.
  6. Flugsicherung informieren, wenn Korrekturen kritische Anflugabschnitte betreffen.

Beispiel:

  • Temperatur: -20°C (35°C unter ISA auf Meereshöhe)
  • Abschnitt: 2.000 Fuß über Platz
  • Korrektur: 4 × 35 × 2 = 280 Fuß (zur Mindesthöhe addieren)

Automatisierung

Moderne FMS/VNAV-Systeme können diese Korrekturen übernehmen, wenn sie entsprechend zugelassen sind. Piloten müssen korrekte Daten eingeben, Korrekturen bestätigen und sicherstellen, dass Autopiloten die angepassten Werte verwenden.

Verantwortlichkeiten

Piloten sind stets selbst für die Korrekturen und die Hindernis-/Geländefreiheit verantwortlich. Die Flugsicherung kann in bestimmten Lufträumen korrigierte Höhen vektorisieren, die Letztverantwortung verbleibt jedoch beim Piloten.

Praktische Auswirkungen und Sicherheit

Hindernis- und Geländefreiheit

Unterlassene Korrekturen bei Kälte können die vorgesehenen Sicherheitsmargen aufheben – insbesondere im Gebirge oder bei geringen Abständen zwischen Mindesthöhe und Gelände.

Beispiel:
Anflugsegment bei 4.026 Fuß MSL, Gipfel bei 4.088 Fuß MSL, -30°C:
Ohne Korrektur könnte das Flugzeug bis zu 800 Fuß tiefer als angezeigt fliegen – unterhalb des Geländes.

Häufige Fehler

  • Keine aktuellen Wetter-/Temperaturdaten einholen
  • Falsche Anwendung von Korrekturtabellen
  • Korrekturen nicht für alle erforderlichen Abschnitte anwenden
  • Höhenmessereinstellung statt Mindesthöhe anpassen
  • Flugsicherung nicht informieren, falls erforderlich

Regulatorische Vorgaben

  • FAA AIM 7-3-3: Verfahren und Listen eingeschränkter Flughäfen
  • ICAO PANS OPS Doc 8168: Weltstandard für Kälteoperationen
  • EUROCONTROL Guidance: Harmonisierte Verfahren für Europa

Beispiele und Anwendungsfälle

Manuelle Korrektur

Flugzeug im Anflug auf einen Flughafen mit veröffentlichter Mindesthöhe von 4.026 Fuß, Bodentemperatur -30°C, Segment 4.500 Fuß über Platz.
Korrektur: 4 × 45 × 4,5 = 810 Fuß (zur Mindesthöhe addieren).

FMS-Automatisierung

Moderne FMS (z. B. Garmin G3000) können Anflughöhen automatisch korrigieren, wenn die aktuelle Bodentemperatur eingegeben wird. Systemzulassung und Dateneingabe immer überprüfen.

Mindestsektorhöhe (MSA)

Betreiber können fordern, bei extremer Kälte einen Standardpuffer (z. B. 1.000 Fuß) zur MSA zu addieren, falls die Werte auf Karten nicht bereits korrigiert sind.

Beispiel: ICAO-Korrekturtabelle für Kälte (Auszug)

Abweichung unter ISA (°C)Höhe über Station (ft)Korrektur (ft)
101.00040
202.000160
303.000360
404.000640

Quelle: ICAO PANS OPS Doc 8168; für genaue Korrekturen vollständige Tabellen verwenden.

Checkliste zur Anwendung der korrigierten Höhe

  1. Abschnitte identifizieren, für die Korrekturen erforderlich sind (Anflugkarten, NOTAMs, AIP).
  2. Aktuelle Bodentemperatur einholen (ATIS, METAR).
  3. Höhe über der Meldestation für jeden Abschnitt berechnen.
  4. Offizielle Korrekturtabelle/-tool konsultieren.
  5. Korrektur zur Mindesthöhe addieren (QNH nicht verändern).
  6. Flugsicherung informieren, wenn Korrekturen kontrollierte Abschnitte betreffen.
  7. FMS-/Autopilot-Korrekturen überprüfen, falls Automatisierung genutzt wird.

Regulatorische Referenzen

  • FAA AIM 7-3-3
  • ICAO PANS OPS Doc 8168
  • EUROCONTROL Cold Temperature Correction Guidance
  • Transport Canada eCAPGEN
  • SKYbrary, AOPA, Airhead ATPL

Glossar verwandter Begriffe

Angezeigte Höhe: Höhenmesseranzeige mit QNH.
Wahre Höhe: Tatsächliche Höhe über MSL nach Korrektur.
Druckhöhe: Höhe bei Einstellung auf 1013,25 hPa.
Dichtehöhe: Druckhöhe, angepasst an Temperatur/Luftfeuchtigkeit (beeinflusst Leistung).
QNH: Höhenmessereinstellung für Platz-MSL.
QNE: 1013,25 hPa-Standard für Flugflächen.
QFE: Höhenmesser zeigt auf Platzhöhe Null.
Mindestanflughöhe/Entscheidungshöhe (MDA/DA): Niedrigste zulässige Anflughöhe.
Minimale Vektorenhöhe (MVA): Mindesthöhe für Vektorgaben durch ATC, evtl. nicht korrigiert.
Mindestsektorhöhe (MSA): Sektorweite Mindesthöhe für Hindernisfreiheit.
Cold Temperature Airports (CTA): Erfordern Korrekturen gemäß Karte/NOTAM.

Häufig gestellte Fragen: Korrigierte Höhe

F: Warum ist die korrigierte Höhe im Kältebetrieb unerlässlich?
A: Kalte Luft führt dazu, dass der Höhenmesser zu viel anzeigt und das Flugzeug tiefer fliegt als angezeigt. Die korrigierte Höhe gewährleistet die Hindernis- und Geländefreiheit und verhindert CFIT.

F: Wie berechnen Piloten die korrigierte Höhe?
A: Durch Ermittlung der Differenz zwischen tatsächlicher und Standardtemperatur, Multiplikation mit der Höhe über der Meldestation und Nutzung offizieller Tabellen oder der 4 Fuß/°C/1.000 Fuß-Regel. Die Korrektur wird zur Mindesthöhe addiert.

F: Verändern Piloten die Höhenmessereinstellung bei Anwendung der korrigierten Höhe?
A: Nein. Das QNH bleibt unverändert; die Korrektur wird zur veröffentlichten Mindesthöhe addiert.

F: Wer ist für die Anwendung der korrigierten Höhe verantwortlich – der Pilot oder die Flugsicherung?
A: Der Pilot ist verantwortlich. Die Flugsicherung kann in einigen Fällen korrigierte Höhen angeben, der Pilot muss jedoch Korrekturen prüfen und anwenden.

F: Gibt es automatisierte Systeme für die korrigierte Höhe?
A: Ja, viele moderne FMS/Autopiloten können Korrekturen automatisieren. Piloten müssen die Zulassung prüfen, korrekte Daten eingeben und die Systemausgabe kontrollieren.

Verfahren zur korrigierten Höhe sind entscheidend für sicheres Fliegen bei nicht standardisierten Bedingungen – insbesondere bei Instrumentenanflügen im Winter, im Gebirge oder beidem. Die korrekte Anwendung der Korrekturen erhält die Sicherheitsmargen und erfüllt internationale luftfahrtrechtliche Anforderungen.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist die korrigierte Höhe im Kältebetrieb unerlässlich?

Bei Kälte ist die Luft dichter und der Druck nimmt mit der Höhe schneller ab als unter Standardbedingungen. Das führt dazu, dass der barometrische Höhenmesser die tatsächliche Flughöhe überschätzt und das Flugzeug in Wirklichkeit niedriger fliegt als angezeigt. Die korrigierte Höhe stellt sicher, dass das Flugzeug die vorgeschriebene Hindernis- und Geländefreiheit einhält und verhindert CFIT-Ereignisse (Controlled Flight Into Terrain) während Instrumentenanflügen.

Wie berechnen Piloten die korrigierte Höhe?

Piloten bestimmen die Differenz zwischen der tatsächlichen Bodentemperatur und der Standardtemperatur, messen die Höhe über der Meldestation für den betreffenden Abschnitt und verwenden offizielle Korrekturtabellen oder Formeln (z. B. 4 Fuß pro Grad Celsius pro 1.000 Fuß). Die Korrektur wird zur veröffentlichten Mindesthöhe addiert; die Höhenmessereinstellung bleibt auf QNH.

Verändern Piloten die Höhenmessereinstellung bei Anwendung der korrigierten Höhe?

Nein, die Höhenmessereinstellung (QNH) bleibt unverändert. Piloten addieren die berechnete Korrektur zur veröffentlichten Mindesthöhe und stellen sicher, dass sie diese angepasste Höhe nicht unterschreiten. Damit bleibt die Hindernis- und Geländefreiheit erhalten, ohne die Regeln zur Luftraumtrennung zu beeinträchtigen.

Wer ist für die Anwendung der korrigierten Höhe verantwortlich – der Pilot oder die Flugsicherung (ATC)?

Der verantwortliche Pilot ist immer für die Hindernis- und Geländefreiheit einschließlich der Temperaturkorrekturen zuständig. In einigen Ländern kann die Flugsicherung bereits korrigierte Vektorenhöhen vergeben, aber der Pilot muss dies überprüfen und für alle Abschnitte des Instrumentenanflugs ggf. Korrekturen anwenden.

Gibt es automatisierte Systeme für die korrigierte Höhe?

Ja, viele moderne Flight Management Systeme (FMS) und VNAV-fähige Autopiloten können Korrekturen für niedrige Temperaturen automatisieren. Die Piloten müssen sicherstellen, dass das System dafür zugelassen ist, die korrekte Bodentemperatur eingeben und kontrollieren, dass die Korrekturen auf alle erforderlichen Anflugsegmente angewendet werden.

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