FATO (Endanflug- und Startbereich)

Helicopter operations Heliport design Aviation safety Airport infrastructure

FATO — Endanflug- und Startbereich für Hubschrauber im Flughafenbetrieb

Definition

Final Approach and Takeoff Area (FATO) ist eine speziell ausgewiesene Zone auf einem Hubschrauberlandeplatz oder Flughafen, die für die Endphase des Anflugs eines Hubschraubers zum Schwebeflug oder zur Landung sowie für den Beginn des Starts vorgesehen ist. Wie in ICAO Annex 14, Volume II und FAA AC 150/5390-2D definiert, muss die FATO hindernisfrei sein und auf die Größe des größten Hubschraubers ausgelegt sein, der die Anlage nutzen soll. Sie kann ebenerdig, erhöht oder auf einem Dach angelegt sein und muss nur dann tragfähig sein, wenn sie auch als TLOF (Touchdown and Lift-Off Area) dient. Die Hauptfunktion der FATO besteht darin, einen sicheren, freien Raum für Hubschrauber zu bieten, um den Übergang zwischen Flug- und Bodenoperationen zu ermöglichen.

Die FATO unterscheidet sich von:

  • TLOF (Touchdown and Lift-Off Area): Der spezifischen tragfähigen Fläche, auf der der Hubschrauber landet oder abhebt.
  • Sicherheitsbereich: Der Bereich, der die FATO umgibt und bei Betriebsabweichungen zusätzliche Sicherheit bietet.

Zweck und Rolle im Hubschrauberbetrieb

Die FATO dient als das hubschrauberspezifische Äquivalent einer Start- und Landebahn, zugeschnitten auf vertikale oder nahezu vertikale Flugbahnen. Ihre Hauptfunktionen sind:

  • Bereitstellung eines klaren, hindernisfreien Bereichs für die letzte Anflugphase und den Start.
  • Trennung des Hubschrauberbetriebs von anderen Flughafen- oder Hubschrauberlandeplatz-Aktivitäten.
  • Unterstützung von VFR- und IFR-Operationen durch vorhersehbare Geometrie und regulierte Abmessungen.
  • Referenzpunkt für die Ausrichtung von Anflug- und Abflugrouten.

In komplexen Umgebungen—wie Krankenhäusern, Offshore-Plattformen oder städtischen Dächern—sind das Design und die Wartung der FATO entscheidend für die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, die Betriebssicherheit und einen effizienten Verkehrsfluss.

Design- und technische Anforderungen

Abmessungen

  • ICAO: Mindestausmaß der FATO ist 1,0D (D = größte Gesamtlänge des Hubschraubers mit drehenden Rotoren); für Hubschrauber ≤ 3.175 kg sind 0,83D zulässig.
  • FAA: Empfiehlt mindestens 1,5 × D für die meisten allgemeinen Hubschrauberlandeplätze.
  • Form: Kann kreisförmig, rechteckig oder eine andere Konfiguration haben, sofern sie sicheres Manövrieren und Hindernisfreiheit gewährleistet.
  • Mehrfachnutzer: Muss die größten und anspruchsvollsten Luftfahrzeuge aufnehmen; zusätzlicher Abstand kann für gleichzeitige Operationen erforderlich sein.
  • Umweltfaktoren: Anpassungen für Höhe, Temperatur und Wind können größere Ausmaße erforderlich machen.

Oberfläche und Tragfähigkeitskriterien

  • Tragfähigkeit: Nur erforderlich, wenn die FATO auch als TLOF genutzt wird.
  • Oberfläche: Muss stabil, eben und frei von Schmutz oder Gefahrenstoffen sein. Rutschhemmende Oberflächen werden für nasse oder vereiste Bedingungen empfohlen.
  • Downwash-Resistenz: Auch nicht tragfähige FATOs müssen dem Rotorabwind standhalten und verhindern, dass loses Material aufgewirbelt wird.
  • Entwässerung: Muss verhindern, dass sich Wasser, Öl oder Verunreinigungen ansammeln.

Neigung und Entwässerung

  • ICAO: Maximale Neigung ≤ 3 %; lokale Neigung ≤ 5–7 % je nach Leistungsklasse.
  • FAA: Maximale Neigung ≤ 2 %; Mindestneigung 0,5 % für die Entwässerung.
  • Entwässerung: Muss das Wasser vom Bereich ableiten; erhöhte FATOs benötigen robuste Entwässerungssysteme.

Hindernisfreiheit

  • Vorschriften verlangen: FATO und der Luftraum darüber müssen hindernisfrei sein.
  • Obstacle Limitation Surfaces (OLS): Definierte Flächen, die sich von der FATO aus erstrecken, um An- und Abflugbereiche zu schützen.
  • Regelmäßige Inspektionen: Wichtig für Vegetationskontrolle und die Erhaltung freier Zonen.

Beleuchtung und visuelle Führung

  • Umrandungsbeleuchtung: Allseitig sichtbare weiße Lichter, Abstände ≤ 5 m (ICAO) oder ≤ 30 m (FAA für längere Seiten).
  • Höhe: Lichter ≤ 25 cm über der Oberfläche; eingelassene Lichter werden aus Sicherheitsgründen bevorzugt.
  • Markierungen: Aufgemalte Umrandungslinien, beleuchtete Schilder und Anflugweg-Anzeiger.
  • Notstromsysteme: Für kritische Anlagen wird eine Notstromversorgung empfohlen.

Regulatorische Standards

FAA-Leitlinien

  • AC 150/5390-2D: Primäre US-Vorschrift für Hubschrauberlandeplatz- und FATO-Design.
  • Anforderungen: Mindestgröße, Tragfähigkeit, Neigung, Hindernisfreiheit, Beleuchtung/Markierung.
  • Unterscheidet: Bodennahe vs. erhöhte FATOs.

ICAO-Standards

  • Annex 14, Volume II: Internationaler Standard für Hubschrauberlandeplatz-/FATO-Design.
  • Anforderungen: Größe, Tragkraft, Neigung, Hindernisfreiheit, Beleuchtung und visuelle Hilfen.
  • Weitere Leitlinien: ICAO Heliport Manual (Doc 9261).

Weitere Richtlinien

  • EASA: Standards für Vertiport- und eVTOL-Infrastruktur.
  • Nationale Behörden: Können ICAO-/FAA-Leitlinien für lokale Bedingungen anpassen.
  • Branchen-Best Practices: Herausgegeben von Organisationen wie HeliOffshore und Vertical Flight Society.

Betrieb und Abläufe

Anflug und Landung

  • Visuelle oder instrumentengestützte Führung: Wird zur Ausrichtung mit der FATO und für einen sicheren Anflug genutzt.
  • IFR-Betrieb: Die FATO ist mit veröffentlichten Instrumentenanflugverfahren verbunden.
  • Markierungen und Lichter: Helfen den Piloten, Position und Ausrichtung unter allen Bedingungen zu bestätigen.

Startverfahren

  • Vorstart-Checks: Sicherstellen, dass FATO und Sicherheitsbereich frei sind.
  • Übergang zum Flug: FATO bietet hindernisfreien Raum für einen sicheren Steigflug—besonders wichtig für Performance Class 1 Operationen.

Schwebe- und Standmanöver

  • Häufige Nutzung: Schwebeprüfungen, Patiententransfer (Rettungseinsätze), Such- und Rettungsflüge.
  • Sicherheit: FATO bietet eine vorhersehbare, hindernisfreie Umgebung.

Überlegungen zur Leistungsklasse

  • Klasse 1: FATO und Clearway müssen einen abgebrochenen Start oder OEI-Szenarien ermöglichen.
  • Klasse 2 & 3: FATO muss dennoch Mindestgröße und Hindernisfreiheit erfüllen.

FATO, TLOF und Sicherheitsbereich: Unterschiede

BereichDefinition / FunktionMarkierungen
FATOHindernisfreie Zone für Anflug-/Startphase, nicht immer tragfähigUmrandungsbeleuchtung
TLOFTragfähige Landungs-/Abhebefläche, immer innerhalb der FATO“H” und Gewichtsbox
SicherheitsbereichPufferzone um die FATO für Betriebsabweichungen/NotfälleKeine Hindernisse

Beispiele und Anwendungsfälle

Krankenhaus-Hubschrauberlandeplatz

  • Design: Dach-FATO, angepasst auf den größten Rettungshubschrauber, Umrandungsbeleuchtung alle 5 m.
  • TLOF: Betonplatte mit „H“ und Landekreis.
  • Sicherheitsbereich: Frei von Hindernissen für 24/7-Rettungseinsätze.

Offshore-Plattform

  • Design: Gitterrost-FATO aus Stahl, dimensioniert für den größten Hubschrauber der Flotte.
  • Markierungen: Hochsichtbare Lackierung, ICAO-konforme Beleuchtung.
  • Betrieb: Schwebeprüfungen innerhalb der FATO vor der Landung.

Urbaner Vertiport

  • Design: Kreisförmige FATO, fortschrittliche LED-Umrandungsbeleuchtung.
  • Integration: Automatisierte Steuerung für hochfrequente eVTOL-Operationen.
  • Sicherheit: Landschaftsgestaltung zur Reduzierung von Wind/Turbulenzen abgestimmt.

Trainings-Hubschrauberlandeplatz

  • Design: Bodennahe FATO, markiert und auf Schmutz geprüft.
  • Nutzung: Anflug-, Schwebeflug- und Starttraining.

Praktische Überlegungen

Umweltfaktoren

  • Höhe & Temperatur: Größere FATO kann aufgrund geringerer Auftriebskraft erforderlich sein.
  • Wetter: Entwässerung, Oberfläche und Beleuchtung sind bei widrigen Bedingungen entscheidend.
  • Lärm, Wildtiere, Auswirkungen: Können FATO-Standort und -Design beeinflussen.

Wartung und Inspektionen

  • Regelmäßige Kontrollen: Oberfläche, Beleuchtung, Markierungen und Entwässerung.
  • Dokumentation: Wartungspläne und Sicherheitsmanagement.
  • Erhöhte FATOs: Erfordern Bauwerks- und Dichtheitsprüfungen.

Beleuchtungssysteme: Einkauf & Umsetzung

  • Standards: FAA- oder ICAO-konforme Lichter verwenden.
  • Robustheit: Wetter- und abwindbeständig.
  • Steuerung: Fernbedienung/automatischer Betrieb mit Notstromversorgung.
  • Anbieterauswahl: Zertifizierung und Support sicherstellen.

Verwandte Begriffe

TLOF (Touchdown and Lift-Off Area): Die tragfähige Fläche innerhalb der FATO, markiert für Landungen und Starts.

Sicherheitsbereich: Der zusätzliche Randbereich um die FATO, hindernisfrei, um das Risiko bei Betriebsabweichungen zu verringern.

Obstacle Limitation Surface (OLS): Eine dreidimensionale Fläche, die den geschützten Luftraum oberhalb und um die FATO definiert.

Vertiport: Eine Einrichtung, die für vertikale Start- und Landebetriebe von Hubschraubern und eVTOL-Flugzeugen ausgelegt ist.

Leistungsklasse: Gesetzliche Klassifikation von Hubschrauberoperationen basierend auf Redundanz und der Fähigkeit, einen sicheren Flug nach Triebwerksausfall fortzusetzen.

IFR (Instrumentenflugregeln): Betrieb nach Instrumentennavigation, oft mit speziellen FATO-Markierungen und Beleuchtung.

Weiterführende Literatur

  • ICAO Annex 14, Volume II: Heliports
  • FAA Advisory Circular 150/5390-2D: Heliport Design
  • EASA-Leitfaden zu Vertiports und Urban Air Mobility

Weitere Informationen zu Designstandards für Hubschrauberlandeplätze und FATO erhalten Sie bei Ihrer nationalen Luftfahrtbehörde oder anerkannten Branchenorganisationen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen FATO und TLOF?

FATO (Final Approach and Takeoff Area) ist die hindernisfreie Zone, die für die letzte Anflugphase und die erste Startphase vorgesehen ist. TLOF (Touchdown and Lift-Off Area) ist die tragfähige Fläche innerhalb der FATO, auf der der Hubschrauber tatsächlich landet oder abhebt.

Wie groß sollte eine FATO sein?

Die erforderliche Größe hängt vom größten Hubschrauber ab, der die Anlage nutzen soll. Die ICAO-Standards verlangen einen Mindestdurchmesser von 1,0D (wobei D die größte Gesamtlänge des Hubschraubers ist), während die FAA-Richtlinien für allgemeine Hubschrauberlandeplätze oft 1,5 × D verlangen.

Ist FATO immer tragfähig?

Nein. Die FATO muss frei und stabil sein, aber sie muss nur dann tragfähig sein, wenn sie auch als TLOF genutzt wird. Andernfalls muss nur die TLOF tragfähig sein.

Welche üblichen Markierungen und Beleuchtungen gibt es für FATO?

FATO-Umrandungen werden mit allseitig sichtbaren weißen Lichtern markiert, die in vorgeschriebenen Abständen angebracht werden, und können bemalte Begrenzungslinien enthalten. TLOF-Markierungen beinhalten ein weißes 'H' in einem kontrastierenden Kreis oder Kasten sowie Gewichtsbegrenzungsmarkierungen nach Bedarf.

Welche Vorschriften gelten für das FATO-Design?

Das FATO-Design wird international durch ICAO Annex 14, Volume II und in den USA durch die FAA AC 150/5390-2D geregelt. Weitere Leitlinien können von nationalen Behörden wie EASA, CASA oder Transport Canada herausgegeben werden.

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