Hochgeschwindigkeitsrollweg (Rapid Exit Taxiway)

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Hochgeschwindigkeitsrollweg (Rapid Exit Taxiway): Glossar und Technischer Überblick

Definition und Funktion

Ein Hochgeschwindigkeitsrollweg – auch bekannt als Rapid Exit Taxiway (RET) – ist ein spezialisierter Rollweg, der es Flugzeugen ermöglicht, die Start- und Landebahn mit höheren Geschwindigkeiten als bei herkömmlichen 90-Grad-Abgängen zu verlassen. Durch das Kreuzen der Bahn in spitzem Winkel (typischerweise 25–45 Grad) und größere Kurvenradien können Flugzeuge (einschließlich Großraumjets wie Boeing 777, Airbus A350 oder A380) mit bis zu 50–60 Knoten abrollen, abhängig vom Flugzeugtyp und den Belagsbedingungen.

Dieses Design reduziert die Zeit, die Flugzeuge nach der Landung auf der Bahn verbleiben („Runway Occupancy Time“), und erhöht so Durchsatz und Effizienz. RETs werden strategisch entsprechend den Verzögerungsprofilen des Flugzeugmixes am Flughafen platziert, unter Einsatz von Tools wie dem FAA-REDIM und gemäß den Vorgaben der FAA (AC 150/5300-13B) und ICAO (Annex 14 Volume I). Hochgeschwindigkeitsrollwege sind an stark frequentierten Flughäfen, bei parallelen oder sich kreuzenden Bahnen und bei Abfertigung großer oder schneller Jets unerlässlich.

Geometrische und bauliche Designelemente

Hochgeschwindigkeitsrollwege unterscheiden sich in mehreren wesentlichen Punkten von Standardabgängen:

Abgangswinkel

  • Spitzwinkelige Anordnung, meist 25–45 Grad (Standard in den USA: 30 Grad).
  • Ermöglicht sanftere und schnellere Übergänge von der Bahn auf den Rollweg.
  • Die Wahl des Winkels hängt vom Flugzeugmix, den Landegeschwindigkeiten und der verfügbaren Bahnlänge ab.

Kurvenradius

  • Mindestkurvenradius von 1.500 ft (457 m); größer für Code E/F-Flugzeuge (Boeing 747, A380).
  • Gewährleistet Richtungsstabilität und Haftung der Reifen bei höheren Rollgeschwindigkeiten.

Rollwegbreite & Belagstragfähigkeit

  • Die Breite wird durch die Taxiway Design Group (TDG) bestimmt; bis zu 30 m (100 ft) oder mehr für Großraumflugzeuge.
  • Die Tragfähigkeit des Belags ist für die maximal zu erwartenden Radlasten bei hohen Geschwindigkeiten ausgelegt.

Ausrundung (Fillet) und Schnittstellen-Design

  • Fillet-Radien berücksichtigen den geschwenkten Weg des größten auf dem RET eingesetzten Flugzeugs.
  • Reverse Turn-Designs (Rückführung zum Terminal) benötigen größere Innen-Fillet-Radien.

Markierungen und Beleuchtung

  • Verbesserte Mittellinienmarkierungen, Pfeile und Beschilderungen (gemäß ICAO/FAA-Standards).
  • Grüne Mittellinienbeleuchtung (für CAT II/III verpflichtend), blaue Randlichter und beleuchtete Beschilderung für gute Sicht bei schlechten Lichtverhältnissen.

Platzierung und Integration im Vorfeldlayout

Strategische Positionierung

  • RETs werden so platziert, dass Flugzeuge nach dem Aufsetzen ohne übermäßiges Bremsen abrollen können.
  • Die Platzierung wird mithilfe von Simulationstools (z. B. FAA REDIM) auf Basis von Verzögerungsprofilen, Aufsetzpunkten und dem Flugzeugmix optimiert.

Konfigurationstypen

  • Standard-RETs führen parallel zum Landelauf.
  • Reverse Turn RETs (Rückführung zum Terminal) werden bei Platzmangel eingesetzt, erfordern aber mehr Verzögerung und sind weniger effizient.

Abstände und Sequenzierung

  • Mindestabstände zwischen Abgängen sind vorgeschrieben, um Verwechslungen zu vermeiden und Beschilderung/Beleuchtung zu erleichtern.
  • Keine gemeinsame Lage mit kreuzenden Rollwegen, um breite, unklare Flächen zu verhindern.

Integration mit Navigationshilfen

  • Spezielle Leitschilder, Mittellinienbeleuchtung und Oberflächenmarkierungen werden gemäß ICAO/FAA-Anforderungen integriert.

Markierungen, Beleuchtung und Führung

Markierungen

  • Rollweg-Mittellinie: Durchgehende gelbe Linie, ggf. verstärkt oder gestrichelt an Abgängen.
  • Bahnabgangsmarkierungen: Pfeile oder Winkelzeichen heben Richtung und Eignung hervor.
  • Wartebalken: Gelbe Linien für verpflichtendes Halten vor der Bahn.

Beleuchtung

  • Mittellinienbeleuchtung: Grün, eingelassen für Sichtbarkeit bei Dunkelheit oder schlechtem Wetter.
  • Randbeleuchtung: Blau, zur Kennzeichnung der Rollwegränder.
  • Runway Guard Lights: Blinkend gelb an Kreuzungen.
  • Zusätzliche Führung: Richtungspfeile oder beleuchtete Schilder bei Bedarf.

Oberflächenführungssysteme

  • Advanced Surface Movement Guidance and Control Systems (A-SMGCS) integrieren Beleuchtung, Beschilderung und Überwachung für die Echtzeitführung an komplexen Flughäfen.

Beschilderung

  • Bahnabgangsschilder: Gelb auf schwarz mit Rollwegkennung.
  • Richtungsschilder: Zeigen Wege zu Terminals, Vorfeldern oder anderen Rollwegen an.
  • Verpflichtende Anweisungsschilder: Rot auf weiß für kritische Haltepunkte.

Betriebliche Vorteile

Verkürzte Belegungszeit der Bahn

  • Flugzeuge können mit bis zu 50–60 Knoten abrollen und reduzieren die Belegungszeit um 20–40 %.
  • Beispiel: Der Flughafen Mumbai steigerte die Kapazität nach der Einführung neuer RETs von 32 auf 44 Bewegungen pro Stunde.

Erhöhte Sicherheit

  • Weniger Zeit auf aktiven Bahnen verringert das Risiko von Zwischenfällen/Kollisionen.
  • Verbesserter Zugang für Notfalldienste.

Erhöhte Flughafenkapazität

  • Mehr Flugbewegungen pro Stunde – besonders an slotbeschränkten Flughäfen entscheidend.

Umwelt- und wirtschaftliche Vorteile

  • Weniger Roll-/Leerlaufzeit senkt Kraftstoffverbrauch, Emissionen und Lärm.
  • Direkte Kosteneinsparungen für Airlines.

Optimierter Verkehrsfluss

Planung, Sicherheit und regulatorische Anforderungen

Planung

  • Flottenmix-Analyse: Das Design muss für die größten/schnellsten Flugzeuge (AAC/ADG/TDG) geeignet sein.
  • Abstände: ICAO/FAA-Standards geben Mindestabstände zwischen Bahn- und Rollwegmitten vor.
  • Optimale Lage: FAA REDIM und ähnliche Tools werden für die Platzierung genutzt.
  • Keine gemeinsame Lage: Verhindert Verwechslungen und Navigationsfehler.

Sicherheit

  • Nur für den Abgang: RETs sind nicht für den Bahneintritt geeignet, da Sicht und Anflugwinkel eingeschränkt sind.
  • Navigationseinrichtungen: Die Wartung ist besonders für Betrieb bei schlechter Sicht entscheidend.
  • Vermeidung von Konflikten: Die Geometrie verhindert direkten Zugang zu anderen Bahnen/Vorfeldern.
  • Reverse Turn Hinweise: Weniger effizient, erfordern mehr Verzögerung.

Regulatorische Standards

  • FAA AC 150/5300-13B: US-Designstandards.
  • ICAO Annex 14: Globale Standards für Winkel, Geometrie, Beleuchtung und Markierungen von Rollwegen.

Detaillierte Konstruktionsparameter

ParameterTypischer Wert
Abgangswinkel25–45° (Standard: 30° USA)
KurvenradiusMind. 1.500 ft (457 m); größer für Code F
Rollwegbreite23–30 m (75–100 ft) für TDG 5/6
Fillet-RadiusMind. 7,6 m (25 ft); größer für Reverse Turns
Tragfähigkeit des BelagsFür maßgebliche Flugzeuglasten ausgelegt
MittellinienbeleuchtungGrün, eingelassen (für CAT II/III vorgeschrieben)
RandbeleuchtungBlau
MarkierungenVerstärkte Mittellinie, Pfeile, Abgangsschilder

Technische Berechnungen

  • Kurvenradius basierend auf größtem Flugzeug bei gewünschter Abgangsgeschwindigkeit (Fahrwerksgeometrie, Reibung, Verzögerung).
  • Belagstragfähigkeit/-dicke nach Flugzeuggewicht, Pavement Classification Number (PCN), Baugrund.
  • Fillet-Gestaltung berücksichtigt die gesamte geschwenkte Flugbahn von Großraumflugzeugen.

Planungstools

  • FAA REDIM: Optimiert Lage/Geometrie für minimale Belegungszeit.
  • Acute Angle Exit Tool: Berechnet Design für Standard- und Reverse-RETs.

Entwässerung & Umwelt

  • Entwässerung verhindert Aquaplaning und Schäden am Belag.
  • Umweltprüfung stellt Einhaltung von Lärm-, Emissions- und Naturschutzauflagen sicher.

Praxisbeispiele

Mumbai Chhatrapati Shivaji Maharaj International Airport

  • Bewältigt sich kreuzende Bahnen und Code F-Flugzeuge.
  • Neue RETs erhöhten die Bewegungskapazität von 32 auf 44 pro Stunde.
  • Geometrie und Lage wurden durch Modellierung der Flugzeugleistung und Landedaten bestimmt.

London Heathrow, Frankfurt Main, Atlanta Hartsfield-Jackson

  • Mehrere RETs je Bahn, um verschiedene Flugzeugtypen und maximalen Durchsatz zu ermöglichen.
  • Unerlässlich für gleichzeitige An- und Abflüge an großen Drehkreuzen.

Parallele & sich kreuzende Bahnbetriebe

  • Flughäfen wie LAX und Singapur Changi nutzen RETs für schnellen Abgang und unabhängige Parallelbetriebe.
  • Sich kreuzende Bahnen profitieren von RETs durch schnelleren Abgang und weniger Konflikte.

Auswirkungen auf den Flughafenbetrieb

Hochgeschwindigkeitsrollwege haben den Flughafenbetrieb weltweit verändert:

  • Erhöhter Durchsatz: Unterstützen direkt höhere Flugbewegungsraten – entscheidend an stark frequentierten und slotbeschränkten Flughäfen.
  • Verbesserte Sicherheit: Weniger Belegungszeit reduziert das Risiko von Zwischenfällen und Kollisionen.
  • Umweltvorteile: Geringere Roll-/Leerlaufzeiten senken Emissionen und Lärm.
  • Betriebliche Flexibilität: Erlauben effiziente Sequenzierung, besonders bei widrigen Bedingungen.

Durch die Integration von Hochgeschwindigkeitsrollwegen – geplant und platziert nach Best Practices und regulatorischen Vorgaben – können Flughäfen erhebliche Zugewinne bei Sicherheit, Effizienz und Kapazität erzielen und den Anforderungen der modernen Luftfahrt gerecht werden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptzweck eines Hochgeschwindigkeitsrollwegs?

Ein Hochgeschwindigkeitsrollweg, oder Rapid Exit Taxiway (RET), ermöglicht es landenden Flugzeugen, die Start- und Landebahn mit höherer Geschwindigkeit und in spitzem Winkel zu verlassen. Dadurch wird die Zeit, die das Flugzeug auf der Bahn verbringt, erheblich verkürzt. Diese Reduzierung der Belegungszeit erhöht die Kapazität und Sicherheit des Flughafens, da mehr Flugbewegungen pro Stunde möglich sind.

Wodurch unterscheidet sich ein Hochgeschwindigkeitsrollweg von einem Standard-Bahnabgang?

Im Gegensatz zu Standardrollwegen, die die Bahn im 90-Grad-Winkel kreuzen und ein Abbremsen auf 10–15 Knoten erfordern, schneiden Hochgeschwindigkeitsrollwege die Bahn im 25–45-Grad-Winkel (in den USA typischerweise 30 Grad) mit größerem Kurvenradius. Diese Geometrie ermöglicht es Flugzeugen, beim Verlassen der Bahn sicher höhere Geschwindigkeiten von bis zu 50–60 Knoten beizubehalten.

Welche Gestaltungsstandards gelten für Hochgeschwindigkeitsrollwege?

Die Planung muss den behördlichen Standards wie FAA AC 150/5300-13B und ICAO Annex 14 entsprechen, die den Abgangswinkel, Kurvenradius, die Breite, Tragfähigkeit, Beleuchtung und Markierung regeln, um einen sicheren und effizienten Betrieb für die maßgeblichen Flugzeuge am Flughafen zu gewährleisten.

Wo befinden sich Hochgeschwindigkeitsrollwege typischerweise?

Sie werden basierend auf detaillierten Analysen der Verzögerungsprofile von Flugzeugen, typischen Landestrecken und der Verkehrsstruktur des Flughafens positioniert. Tools wie das FAA-REDIM helfen, ihre Lage so zu optimieren, dass Flugzeuge die Bahn effizient verlassen können, ohne übermäßiges Bremsen.

Werden Hochgeschwindigkeitsrollwege für den Bahneintritt genutzt?

Nein. Hochgeschwindigkeitsrollwege sind ausschließlich für das schnelle Verlassen der Bahn ausgelegt. Ihre Nutzung für den Bahneintritt kann die Sicht, den Anflugwinkel und die Sicherheit beeinträchtigen und das Risiko von Zwischenfällen erhöhen.

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