Photometrie

Lighting Optics Colorimetry Measurement

Photometrie – Wissenschaft der Messung sichtbaren Lichts

Photometrie ist die quantitative Messung von sichtbarem Licht, wie es vom menschlichen Auge wahrgenommen wird. Sie ist zentral für Lichtplanung, analytische Chemie, Kolorimetrie, Display-Kalibrierung, Umweltüberwachung und mehr. Im Gegensatz zur Radiometrie, die alle elektromagnetische Strahlung misst, ist die Photometrie auf das sichtbare Spektrum (380–780 nm) beschränkt und berücksichtigt die unterschiedliche Empfindlichkeit des menschlichen Auges für verschiedene Wellenlängen.

Definition und Anwendungsbereich

Photometrie ist die Wissenschaft der Messung sichtbaren Lichts unter Verwendung einer „Gewichtungsfunktion“ (der photopischen Hellempfindlichkeitskurve, V(λ)), die die Empfindlichkeit des durchschnittlichen menschlichen Beobachters modelliert. So wird sichergestellt, dass photometrische Messungen widerspiegeln, wie hell eine Lichtquelle für Menschen erscheint – und nicht einfach ihre gesamte Strahlungsenergie. Das Feld umfasst Architekturbeleuchtung, Display-Kalibrierung, Farbanalyse, visuelle Ergonomie und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften zu Sicherheit und Energieeffizienz.

Photometrische Standards werden von Organisationen wie der Internationalen Beleuchtungskommission (CIE), der Internationalen Organisation für Normung (ISO) und dem Nationalen Institut für Standards und Technologie (NIST) festgelegt. SI-Einheiten – Lumen, Candela, Lux und Candela pro Quadratmeter – sorgen für globale Konsistenz und Interoperabilität.

Historischer Kontext

Die Photometrie wurzelt in der antiken Sternenkatalogisierung, bei der griechische Astronomen wie Hipparch Sterne nach ihrer sichtbaren Helligkeit klassifizierten. Die wissenschaftliche Revolution brachte objektive Werkzeuge: Pierre Bouguers Photometer aus dem 18. Jahrhundert, Lamberts „Photometria“ (1760) und die Formalisierung der logarithmischen Magnitudenskala durch Norman Pogson im 19. Jahrhundert. Im 20. Jahrhundert folgten die CIE-Standardisierung der V(λ)-Kurve und die Einführung elektronischer Photometer und Spektralphotometer, die präzise, reproduzierbare und automatisierte Messungen ermöglichen.

Grundprinzipien

Das sichtbare Lichtspektrum

Photometrie befasst sich mit elektromagnetischer Strahlung im sichtbaren Bereich – etwa 380 nm (Violett) bis 780 nm (Rot). Das menschliche Auge ist am empfindlichsten für gelb-grünes Licht (~555 nm bei Tageslichtbedingungen), wobei die Empfindlichkeit zu den violetten und roten Enden des Spektrums abnimmt. Diese nichtlineare Empfindlichkeit wird durch die CIE-Photopische Hellempfindlichkeitskurve V(λ) modelliert.

Electromagnetic spectrum highlighting the visible region

Eine Lampe, die hauptsächlich infrarote oder ultraviolette Energie abstrahlt, kann eine hohe Gesamtleistung (radiometrisch) haben, aber eine geringe photometrische (sichtbare) Leistung. Photometrische Messungen konzentrieren sich ausschließlich auf das, was für das menschliche Sehen relevant ist.

Menschliche visuelle Empfindlichkeit

Das menschliche Sehen variiert je nach Lichtbedingungen. Bei Helligkeit (photopisches Sehen) dominieren die Zapfenzellen mit einem Empfindlichkeitsmaximum bei 555 nm. Bei schwachem Licht (skotopisches Sehen) übernehmen die Stäbchenzellen mit einem Maximum bei 507 nm (Purkinje-Effekt). Die Photometrie verwendet die V(λ)-Kurve, basierend auf psychophysikalischen Studien und dem CIE-Standardbeobachter von 1931, um konsistente, am Menschen orientierte Messungen zu gewährleisten. Für mesopische und skotopische Bedingungen existieren spezielle Kurven.

Zentrale photometrische Größen und Einheiten

Lichtstrom (Lumen)

Der Lichtstrom misst die gesamte pro Sekunde emittierte sichtbare Lichtmenge, gewichtet nach der Empfindlichkeit des menschlichen Auges. Die SI-Einheit ist das Lumen (lm). Ein Lumen ist der Strom, der in einen Raumwinkel von einem Steradiant von einer Punktlichtquelle mit einer Lichtstärke von einer Candela ausgestrahlt wird.

LampentypLeistungsaufnahmeLichtstrom (lm)
Glühlampe (100W)100 W~1.500
LED-Lampe (15W)15 W~1.500
Leuchtstoffröhre (36W)36 W~3.200

Lichtstärke (Candela)

Die Lichtstärke ist der in eine bestimmte Richtung abgegebene Lichtstrom pro Raumwinkel. Die SI-Einheit, die Candela (cd), ist eine der Basiseinheiten des SI. Anwendungen sind unter anderem Fahrzeugscheinwerfer, Beschilderung und Navigationshilfen, wo die Richtung des Lichts genauso wichtig ist wie die Gesamtmenge.

Beleuchtungsstärke (Lux)

Die Beleuchtungsstärke ist der auf eine Fläche auftreffende Lichtstrom pro Flächeneinheit. Die SI-Einheit ist das Lux (lx) (1 lx = 1 lm/m²). Sie gibt an, wie viel sichtbares Licht eine Oberfläche erreicht – entscheidend für Arbeitssicherheit, Straßenbeleuchtung und öffentliche Räume.

Bereich/AufgabeEmpfohlene Beleuchtungsstärke (lx)
Büroschreibtisch300–500
Operationssaal Krankenhaus1.000–10.000
Wohnraum100–300
Fahrbahn bei Nacht5–30

Leuchtdichte (Candela/m²)

Die Leuchtdichte quantifiziert, wie hell eine Oberfläche in eine bestimmte Richtung erscheint. Die SI-Einheit ist Candela pro Quadratmeter (cd/m²). Sie ist die einzige photometrische Größe, die unmittelbar mit der visuellen Helligkeitswahrnehmung verbunden ist, und ist essenziell für die Bewertung von Bildschirmen, Beschilderung und Straßenbeleuchtung.

Weitere photometrische Begriffe

  • Foot-candle: Nicht-SI-Einheit (1 fc ≈ 10,764 Lux), noch in Nordamerika gebräuchlich.
  • Lichtausbeute (Luminous Efficacy): Verhältnis von Lichtstrom zu Leistung (lm/W), gibt die Effizienz einer Lichtquelle an.
  • Abblendwinkel (Cutoff Angle): Winkel, bei dem die Lichtstärke einer Leuchte unter einen Schwellenwert fällt, wichtig für Blendungsbegrenzung.
  • Blendungsindex (Glare Index): Quantifiziert den visuellen Unkomfort durch übermäßige Leuchtdichtekontraste.

Photometrische Messmethoden

Transmission und Absorption

Durchtritt Licht durch eine Probe:

  • Transmission (T): Prozentsatz des einfallenden Lichts, der hindurchtritt.
  • Absorption (A): Logarithmisches Maß für die Lichtabsorption.

[ T (%) = \frac{I}{I_0} \times 100 ]

[ A = -\log_{10} (T) ]

Die Absorption wird in der chemischen Analytik zur Konzentrationsbestimmung genutzt.

Transmission (%)Absorption (A)Relative Konzentration
10000
101,01
12,02

Konzentrationsbestimmung und Lambert-Beer-Gesetz

Das Lambert-Beer-Gesetz stellt einen Zusammenhang zwischen Absorption (A), Konzentration (c), Schichtdicke (d) und molarer Absorptivität (ε) her:

[ A = \epsilon_\lambda \cdot c \cdot d ]

Dieses Gesetz ist grundlegend für die kolorimetrische und spektralphotometrische Analyse und ermöglicht die genaue Quantifizierung von Stoffen in Lösung.

Geräte in der Photometrie

Photometer

Photometer messen Lichtintensität und existieren in verschiedenen Ausführungen:

  • Filterphotometer: Verwenden feste optische Filter oder LEDs für bestimmte Wellenlängen. Einfach, robust, ideal für Feldeinsätze und Routineanalytik.
  • Monochromatorbasierte Photometer: Verwenden Prismen oder Beugungsgitter für wählbare Wellenlängen, geeignet für Laboranwendungen mit hohen Anforderungen an Flexibilität und Genauigkeit.

Spektralphotometer

Spektralphotometer messen die Lichtintensität als Funktion der Wellenlänge und ermöglichen die Analyse von Absorptions- und Emissionsspektren.

  • Ein- und Zweistrahlgeräte: Zweistrahlgeräte kompensieren Lampen- und Detektordrift.
  • Anwendungen: Chemische Analytik, Farbmessung, Materialcharakterisierung.
  • Eigenschaften: Monochromatoren zur Wellenlängenauswahl, verschiedene Detektoren und Probenträger.
Spectrophotometer optical layout

Anwendungen der Photometrie

  • Lichtplanung: Sichert sichere, komfortable und energieeffiziente Umgebungen.
  • Analytische Chemie: Ermöglicht quantitative Analytik im Labor und vor Ort.
  • Display-Kalibrierung: Optimiert Helligkeit und Farbgenauigkeit von Bildschirmen.
  • Luftfahrt/Transport: Zertifiziert Beleuchtungssysteme für Landebahnen, Straßen und Fahrzeuge.
  • Arbeitsschutz: Bewertet Blendung, Leuchtdichte und visuelle Ergonomie.

Standards und regulatorischer Rahmen

Photometrische Messungen unterliegen internationalen Standards (CIE, ISO, NIST). Diese legen Einheiten, Messtechnik, Kalibrierung und Leistungsanforderungen für Lichttechnik und Analysegeräte fest. Die Einhaltung gewährleistet Interoperabilität, Zuverlässigkeit und Sicherheit im öffentlichen und professionellen Bereich.

Fazit

Die Photometrie ist eine grundlegende Wissenschaft, die moderne Technik, Ingenieurwesen, Gesundheit und Alltag durchdringt. Durch die Messung des Lichts entsprechend der menschlichen Wahrnehmung ermöglicht sie sichere Straßen, gesündere Arbeitsplätze, effizientere Beleuchtung und präzise wissenschaftliche Analysen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Photometrie und Radiometrie?

Photometrie misst sichtbares Licht, wie es vom menschlichen Auge wahrgenommen wird, und wendet eine Gewichtungsfunktion an, die die visuelle Empfindlichkeit des Menschen widerspiegelt. Radiometrie hingegen misst jegliche elektromagnetische Strahlung, unabhängig von Wellenlänge oder biologischer Wirkung. Photometrie verwendet Einheiten wie Lumen und Lux, während Radiometrie Watt verwendet.

Warum ist Photometrie in der Lichtplanung wichtig?

Photometrie erlaubt es Lichtplanern, die Beleuchtung in Räumen für Sicherheit, Komfort und Energieeffizienz zu quantifizieren und zu optimieren. Sie stellt sicher, dass Beleuchtungssysteme ausreichend hell sind, ohne zu blenden oder zu verschwenden, und den visuellen Bedürfnissen des Menschen sowie gesetzlichen Vorgaben entsprechen.

Wie wird photometrisch gemessen?

Photometrische Messungen werden mit Geräten wie Luxmetern, Photometern und Spektralphotometern durchgeführt, die auf die spektrale Empfindlichkeit des menschlichen Auges kalibriert sind. Je nach Anwendung kommen Integrationskugeln, Goniophotometer oder Direktmessungen an Oberflächen zum Einsatz.

Was ist das Lambert-Beer-Gesetz und wie wird es in der Photometrie verwendet?

Das Lambert-Beer-Gesetz beschreibt den Zusammenhang zwischen der Lichtabsorption und der Konzentration einer absorbierenden Substanz, dem Weglänge und der molaren Absorptivität. Es ist grundlegend für die quantitative Analytik in Chemie und Biologie und ermöglicht die Konzentrationsbestimmung aus Absorptionsmessungen.

Was sind die wichtigsten photometrischen Einheiten?

Die wichtigsten photometrischen Einheiten sind Lumen (Lichtstrom), Candela (Lichtstärke), Lux (Beleuchtungsstärke) und Candela pro Quadratmeter (Leuchtdichte). Jede misst einen anderen Aspekt des sichtbaren Lichts, der für die menschliche Wahrnehmung und praktische Anwendungen relevant ist.

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