Satellitennavigation

GNSS Navigation Surveying Geospatial

Glossar wichtiger Begriffe der Satellitennavigation

GNSS (Globales Satellitennavigationssystem)

GNSS bezeichnet jedes globale System von Satelliten, das eigenständige georäumliche Positionierung mit weltweiter Abdeckung ermöglicht. Dazu zählen Konstellationen wie das US-amerikanische GPS, das russische GLONASS, das europäische Galileo und das chinesische BeiDou. GNSS ermöglicht es Empfängern, Signale mehrerer Systeme zu nutzen, was Zuverlässigkeit, Genauigkeit und Ausfallsicherheit steigert und Anwendungen von der persönlichen Navigation bis zur Katastrophenhilfe unterstützt.

Einsatzbereiche: Navigation zu Land, zu Wasser, in der Luft und im Weltraum, Kartierung, Flottenmanagement, Luftfahrt, Seeverfolgung, Vermessung, Katastrophenschutz, Finanznetzwerke und Synchronisierung von Stromnetzen.

Funktionsweise: Empfänger berechnen ihre Position, indem sie die Laufzeit der Signale von mindestens vier Satelliten messen, deren Positionen und Zeiten genau bekannt sind.

GPS (Global Positioning System)

GPS ist das GNSS der Vereinigten Staaten und das weltweit am häufigsten genutzte Satellitennavigationssystem. Es wird von der U.S. Space Force betrieben und besteht aus mindestens 24 Satelliten im mittleren Erdorbit auf etwa 20.200 km Höhe. GPS-Satelliten senden Signale auf mehreren Frequenzen (L1, L2, L5), die Daten über die Satellitenposition, Uhrzeit und den Systemstatus enthalten, zeitgestempelt durch Bord-Atomuhren.

Anwendungen: Zivile Navigation, Luftfahrt, Schifffahrt, Landvermessung, Rettungsdienste, wissenschaftliche Forschung und militärische Steuerung.

Genauigkeit: Ziviles GPS liefert typischerweise 3–10 Meter Genauigkeit; Techniken auf Vermessungsniveau ermöglichen Zentimeter- oder Millimetergenauigkeit.

GLONASS (Globalnaya Navigatsionnaya Sputnikovaya Sistema)

GLONASS ist das russische GNSS mit einer Konstellation von mindestens 24 Satelliten auf 19.140 km Höhe. Es verwendet eine andere Signalstruktur (hauptsächlich FDMA) und bietet eine besonders zuverlässige Abdeckung in hohen Breitengraden, was es für die Navigation in nördlichen Regionen wertvoll macht.

Besonderheiten: Starke Leistung in hohen Breitengraden, Interoperabilität mit anderen GNSS zur Steigerung der Genauigkeit, besonders in herausfordernden Umgebungen.

Galileo

Galileo ist das unabhängige GNSS der EU und bietet weltweit zivile, hochpräzise Navigation und Zeitbestimmung. Die Konstellation umfasst 24 operationelle Satelliten auf 23.222 km Höhe und sendet auf den Frequenzen E1, E5a, E5b und E6.

Eigenschaften: Genauigkeit im Meterbereich, High Accuracy Service (HAS) für Submeter-Positionierung und Signalauthentifizierung zum Schutz vor Spoofing.

BeiDou

BeiDou ist das GNSS Chinas und seit 2020 weltweit in Betrieb. Es besteht aus Satelliten in MEO-, GEO- und IGSO-Orbits, bietet einzigartige regionale Kurznachrichtendienste und maßgeschneiderte Ergänzungen für den asiatisch-pazifischen Raum.

Integration: Moderne Empfänger kombinieren BeiDou mit GPS, GLONASS und Galileo für robuste weltweite Navigation.

RNSS (Regional Navigation Satellite System)

RNSS bezeichnet Navigationssysteme, die bestimmte Regionen abdecken:

  • QZSS (Japan): Ergänzt GNSS in Ostasien und dem Pazifik, besonders im urbanen oder bergigen Japan.
  • IRNSS/NavIC (Indien): Bietet genaue Positionierung für Indien und angrenzende Regionen mit GEO- und GSO-Satelliten.

Anwendungen: Regionale Souveränität, erhöhte Zuverlässigkeit und maßgeschneiderte Dienste.

Satellitenkonstellation

Eine Satellitenkonstellation ist eine Gruppe von Satelliten, die so angeordnet sind, dass sie kontinuierliche, überlappende Abdeckung bieten. GNSS-Konstellationen sorgen dafür, dass von jedem Punkt der Erde stets mindestens vier Satelliten sichtbar sind, um unterbrechungsfreie Positionierung zu ermöglichen.

Orbittypen: Die meisten GNSS arbeiten im mittleren Erdorbit (MEO).

Trilateration

Trilateration ist die Methode, mit der Empfänger ihre Position berechnen, indem sie Entfernungen (aus der Signallaufzeit abgeleitet) zu mehreren Satelliten messen. Für die Lösung von Breite, Länge, Höhe und Uhrenfehler werden vier Satelliten benötigt.

Hinweis: Erfordert präzise Zeitmessung—Fehler von einer Mikrosekunde können Fehler von Hunderten Metern verursachen.

Nutzerempfänger

Ein Nutzerempfänger ist jedes Gerät, das GNSS-Signale verarbeitet, um Position, Geschwindigkeit und Zeit zu bestimmen. Die Palette reicht von Smartphone-Chips bis zu multifrequenten, mehrkonstellationsfähigen Vermessungsgeräten.

Komponenten: Antenne, HF-Frontend, Signalprozessor, Mikroprozessor.

Leistungsfähigkeit: Standardempfänger bieten 3–10 m Genauigkeit; professionelle Geräte erreichen Zentimeter- oder Millimeterpräzision.

Raumsegment

Das Raumsegment ist die Konstellation der GNSS-Satelliten im Orbit um die Erde, jeweils mit Atomuhren und Navigationsnutzlasten. Es ist so ausgelegt, dass von überall auf der Erde stets mindestens vier Satelliten sichtbar sind.

Wichtige Merkmale: Orbit-Höhen von ca. 19.000–23.000 km, Uhren mit Nanosekunden-Präzision und eine Satellitenlebensdauer von 10–15 Jahren.

Kontrollsegment

Das Kontrollsegment ist die Bodeninfrastruktur, die die Satelliten steuert, ihre Bahnen überwacht, die Uhren synchronisiert und Navigationsnachrichten aktualisiert.

Komponenten: Hauptkontrollstation, Bodenantennen, globale Überwachungsstationen.

Funktionen: Bahn- und Uhrenkorrektur, Überwachung des Systemzustands, Aktualisierung der Navigationsdaten.

Nutzersegment

Das Nutzersegment umfasst alle GNSS-Empfänger und -Anwender, von Verbraucher-Smartphones bis zu spezialisierten Vermessungsgeräten und militärischer Ausrüstung.

Vielfalt: Von kostengünstigen Chips bis zu fortschrittlichen, multifrequenten, mehrkonstellationsfähigen Empfängern.

Satellitensignalstruktur

Satellitensignale werden auf präzisen Frequenzen (L-Band) übertragen und beinhalten:

  • Trägerfrequenz: Hauptfunkfrequenz.
  • PRN-Codes: Eindeutige digitale Sequenzen zur Signaltrennung.
  • Navigationsdaten: Satellitenposition (Ephemeriden), Almanach, Zeit und Status.

Moderne Signale nutzen mehrere Frequenzen und fortschrittliche Modulation zur Fehlerreduzierung.

Frequenzbänder

GNSS-Signale liegen im L-Band (1–2 GHz):

SystemHauptfrequenzen (MHz)
GPSL1 (1575,42), L2 (1227,60), L5 (1176,45)
GLONASSL1 (1602), L2 (1246), L3 (1202,025)
GalileoE1 (1575,42), E5a (1176,45), E5b (1207,14), E6 (1278,75)
BeiDouB1 (1575,42), B2 (1207,14), B3 (1268,52)

Mehrere Frequenzen helfen, atmosphärische Fehler zu korrigieren und die Genauigkeit zu erhöhen.

Pseudozufallsrausch-(PRN)-Codes

PRN-Codes sind eindeutige digitale Sequenzen, die zur Trennung der Signale verschiedener Satelliten dienen. Sie ermöglichen es Empfängern, einzelne Satelliten auch bei gleicher Frequenz zu identifizieren und zu verfolgen.

Typen:

  • C/A-Code: Zivile Nutzung, wiederholt sich jede Millisekunde.
  • P(Y)-Code: Verschlüsselt, für militärische Nutzung.
  • Moderne Codes: L2C, L5, M-Code, E5 usw.

Navigationsdaten umfassen:

  • Ephemeriden: Präzise Satellitenposition.
  • Almanach: Grobe Bahndaten aller Satelliten.
  • Uhrenkorrekturen: Updates der Borduhren.
  • Gesundheitsstatus: Nutzbarkeit der Satelliten.
  • Atmosphärenmodelle: Korrekturparameter.

Übertragung: Wird mit niedriger Bitrate gesendet; die erste Positionsbestimmung kann Sekunden bis Minuten dauern.

Positionierungsgenauigkeit

Die GNSS-Genauigkeit hängt von der Konstellation, der Empfängerqualität und der Fehlerkorrektur ab:

TechnikTypische horizontale Genauigkeit
Standard GPS/GNSS3–10 Meter
Mehrkonstellations-GNSS2–5 Meter
Differentielles GNSS (DGPS)<1 Meter
RTK/PPP (Vermessungsniveau)1–10 Zentimeter

Ergänzungssysteme können die Genauigkeit bis auf den Zentimeter- oder Millimeterbereich steigern.

Fehlerquellen im GNSS

Typische GNSS-Fehlerquellen sind:

  • Satellitenbahn-/Uhrenfehler
  • Ionosphären-/Troposphärenverzögerungen
  • Mehrwegeeffekte (Reflexionen)
  • Empfängerrauschen
  • GDOP (Geometrische Schwächung der Genauigkeit)
  • Physische Hindernisse
  • Jamming/Spoofing

Abhilfe: Mehrfrequenzsignale, fortschrittliche Algorithmen und Korrekturservices.

Jamming

Jamming ist Störung, die GNSS-Signale blockiert oder überlagert und zum Verlust der Positionierung führt. Quellen sind elektronische Kriegsführung, defekte Sender oder nicht zugelassene Geräte.

Gegenmaßnahmen: Adaptive Antennen, Signalverarbeitung und Regulierung.

Spoofing

Spoofing ist das Aussenden gefälschter GNSS-Signale, um Empfänger mit falschen Positions- oder Zeitdaten zu täuschen.

Risiken: Gefährdet Infrastruktur und Sicherheit. Moderne Systeme setzen Authentifizierung und Sicherheitsfunktionen ein.

Differentielles GNSS (DGPS)

DGPS nutzt stationäre Referenzstationen, die Korrekturen senden und so Genauigkeiten im Submeterbereich ermöglichen.

Anwendungsbereiche: Schifffahrt, Präzisionslandwirtschaft, Vermessung.

Real-Time Kinematic (RTK)

RTK verwendet Trägerphasenmessungen und eine lokale Referenz für Echtzeit-Positionierung mit Zentimetergenauigkeit.

Voraussetzungen: Datenverbindung mit geringer Latenz zur Referenzstation.

Satellitengestütztes Ergänzungssystem (SBAS)

SBAS (WAAS, EGNOS, MSAS, GAGAN) nutzt Referenzstationen und geostationäre Satelliten, um Korrekturen für großflächige Genauigkeit und Integrität zu senden.

Wichtig für: Luftfahrt und sicherheitskritische Anwendungen.

Precise Point Positioning (PPP)

PPP verwendet fortschrittliche Modellierung und präzise Satellitendaten für Zentimetergenauigkeit weltweit—auch ohne lokale Referenzstation.

Bevorzugt für: Geodäsie, Offshore-Einsätze, globale wissenschaftliche Messungen.

Integration von Inertialnavigationssystem (INS)

INS kombiniert Beschleunigungssensoren und Kreisel, um Bewegungen unabhängig vom GNSS zu verfolgen. Integrierte Systeme nutzen GNSS zur Korrektur von Drift und liefern so kontinuierliche, zuverlässige Navigation auch bei unterbrochener Satellitensicht (z. B. Tunnel, Straßenschluchten).

Anwendungen: Flugzeuge, Schiffe, autonome Fahrzeuge und Präzisionslandwirtschaft.

Weitere Begriffe

Geometrische Schwächung der Genauigkeit (GDOP)

Ein Maß für die Satellitengeometrie; schlechte Geometrie (Satelliten dicht beieinander am Himmel) erhöht den Positionsfehler.

Mehrwegeeffekt (Multipath)

Signalreflexionen an Oberflächen (Gebäude, Gelände) können Fehler verursachen, indem sie das Signal verzögern.

Almanach

Grobe Bahndaten aller Satelliten; erleichtert die erste Satellitensuche und -erfassung.

Ephemeride

Präzise aktuelle Bahndaten eines bestimmten Satelliten; entscheidend für genaue Positionierung.

Kalt-/Warmstart

Erstbestimmung nach dem Einschalten (Kaltstart) versus schnelle Bestimmung bei gespeicherten Satellitendaten (Warmstart).

Zusammenfassung

Satellitennavigation umfasst eine Vielzahl von Technologien, Methoden und Begriffen. Das Verständnis der Kernkonzepte—von GNSS-Konstellationen und Signalstrukturen bis zu fortschrittlicher Fehlerkorrektur und Ergänzung—ist unerlässlich für Fachleute aus Navigation, Vermessung, Geoinformation und darüber hinaus.

Für weiterführende Informationen empfiehlt sich die Lektüre von Herstellerdokumentationen, GNSS-Normungsgremien oder anerkannten Branchenquellen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist GNSS und wie unterscheidet es sich von GPS?

GNSS steht für Global Navigation Satellite System und umfasst alle globalen Satellitennavigationssysteme, einschließlich GPS (USA), GLONASS (Russland), Galileo (EU) und BeiDou (China). GPS ist ein spezielles GNSS, während GNSS die Gesamtheit aller Systeme bezeichnet und Mehrsystem- sowie Mehrsignal-Positionierung für höhere Genauigkeit und Zuverlässigkeit ermöglicht.

Wie genau kann Satellitennavigation sein?

Standard-GNSS-Positionierung erreicht eine Genauigkeit von 3–10 Metern; Mehrkonstellations- und Dualfrequenz-Empfänger verbessern dies auf 2–5 Meter. Mit Ergänzungstechniken wie DGPS, RTK oder PPP sind Genauigkeiten im Submeter-, Zentimeter- oder sogar Millimeterbereich für professionelle und wissenschaftliche Anwendungen möglich.

Was sind die Hauptfehlerquellen in der Satellitennavigation?

Typische Fehlerquellen sind Bahn- und Uhrenungenauigkeiten der Satelliten, atmosphärische Verzögerungen (Ionosphäre und Troposphäre), Signal-Mehrwegeeffekte durch Reflexionen, schlechte Satellitengeometrie (GDOP), Empfängeraussetzer sowie absichtliche oder versehentliche Störungen wie Jamming oder Spoofing.

Wie verbessern Ergänzungssysteme die Satellitennavigation?

Ergänzungssysteme wie SBAS, DGPS und RTK liefern Echtzeitkorrekturen für Satelliten- und atmosphärische Fehler und erhöhen so Genauigkeit und Integrität erheblich. Diese Korrekturen werden von Referenzstationen oder geostationären Satelliten ausgestrahlt und erreichen Nutzer in weiten Gebieten.

Was sind die Unterschiede zwischen GPS, GLONASS, Galileo und BeiDou?

GPS (USA), GLONASS (Russland), Galileo (EU) und BeiDou (China) sind unabhängige GNSS-Konstellationen. Jede verwendet eigene Satelliten, Frequenzen und hat besondere Eigenschaften, doch kombinieren moderne Empfänger die Signale aller Systeme für höchste Genauigkeit, Redundanz und Ausfallsicherheit.

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