Stop Bar

Airport lighting Runway safety SMGCS

Stop Bar – Linie roter Lichter am Startbahneingang (Flughafenbeleuchtung)

Einführung

Flugsicherheit am Rollfeld hat in der Luftfahrt oberste Priorität – insbesondere an den Schnittstellen von Rollwegen und Start- bzw. Landebahnen. Eines der effektivsten visuellen Sicherheitsmittel an diesen Knotenpunkten ist die Stop Bar: eine Linie heller, roter Lichter, die in den Boden eingelassen sind und Piloten und Bodenfahrzeugen ein deutliches, unmissverständliches „STOP“-Signal geben. Stop Bars sind ein zentrales Element des Surface Movement Guidance and Control System (SMGCS) und dienen dazu, Runway Incursions und Unfälle – besonders bei eingeschränkter Sicht – zu verhindern. Dieser umfassende Leitfaden beleuchtet Technik, Anwendung, Regularien und Best Practices rund um Flughafen-Stop Bars.

1. Was ist eine Stop Bar?

Eine Stop Bar ist eine Reihe unidirektionaler, stetig leuchtender, roter Lichter, die an der Rollbahn-Halteposition in die Fahrbahn eingelassen werden. Sie gibt allen sich nähernden Flugzeugen und Fahrzeugen ein zwingendes, optisches Haltesignal. Die Hauptfunktion der Stop Bar ist es, unbefugten Zugang zu einer aktiven Start- oder Landebahn zu verhindern – als visuelle Barriere, die nur überquert werden darf, wenn sie erloschen ist und eine ausdrückliche Freigabe der Flugsicherung (ATC) vorliegt.

  • Ort: Immer an der Rollbahn-Haltepositionsmarkierung, teils auch an anderen kritischen Knotenpunkten.
  • Betrieb: Bei EIN (rot) ist das Befahren verboten; bei AUS (dunkel) und mit ATC-Freigabe ist das Befahren erlaubt.
  • Vorschriften: Vorgeschrieben durch ICAO Annex 14 und FAA Advisory Circulars für Flughäfen mit Low-Visibility-Operationen.

2. Anwendung und Einsatz

2.1 Typische Installationen

Stop Bars finden sich vor allem:

  • An Rollbahn-/Startbahn-Kreuzungen (Haltepunkte)
  • An Rollwegkreuzungen mit hohem Incursion-Risiko
  • Gelegentlich an Vorfeld- oder anderen risikobehafteten Knotenpunkten

Sie werden meist vorgeschrieben:

  • Für Low-Visibility-Operationen (Runway Visual Range [RVR] < 350 m/1.200 ft)
  • Nachts oder gemäß lokaler SMGCS-Verfahren

2.2 Visuelle Führung

  • Stop Bar EIN: Absolutes Halten, auch wenn die ATC zum Weiterrollen auffordert. Die roten Lichter sind bindend.
  • Stop Bar AUS: Nur mit ATC-Freigabe weiterrollen, wenn die Stop Bar dunkel ist.

2.3 Integration mit Bodenführungssystemen

Stop Bars arbeiten mit Bodenkontrollradar, Taxiway-Centerline-Lichtern und Surface Status Lights zusammen und bilden ein umfassendes SMGCS, das Piloten und Fahrern in komplexen oder schlecht einsehbaren Umgebungen hilft.

3. Technische Details

3.1 Bodenbündige Stop Bar-Lichter

  • Ausführung: Rote, stetig leuchtende, unidirektionale Lichter, bündig im Boden installiert.
  • Abstand: Maximal 3 Meter (10 ft) auseinander, bilden eine durchgehende Linie.
  • Ausrichtung: Nur in Richtung des sich nähernden Verkehrs.
  • Haltbarkeit: Versiegelt und verstärkt für Flugzeug- und Schneepflugverkehr.

3.2 Erhöhte Stop Bar-Lichter

  • Ausführung: Rote, stetige Lichter auf kurzen Pfosten an jedem Rand der Stop Bar.
  • Einsatz: Ergänzend, insbesondere wenn Schnee oder Schmutz bodenbündige Lichter verdecken könnte.
  • Platzierung: Außerhalb der Flugzeugbewegungszonen, mit Strahlrichtung auf den anrollenden Verkehr.

3.3 Photometrische und Farbvorgaben

  • Farbe: Reines Rot gemäß ICAO/FAA-Standards, in allen Lichtverhältnissen auffällig.
  • Intensität: Mindestens aus 300 m (1.000 ft) sichtbar, auch bei Nebel oder Regen.

4. Verwandte Beleuchtungssysteme

4.1 Taxiway Centerline Lead-On Lights

  • Farbe: Grün, bodenbündig, unidirektional.
  • Zweck: Führen nach Freigabe vom Stop Bar auf die Startbahn.
  • Betrieb: Nur aktiv, wenn die Stop Bar erloschen und die Freigabe erfolgt ist.

4.2 Runway Guard Lights

  • Ausführung: Wechselblinkende gelbe Lichter, entweder erhöht beidseitig oder bodenbündig quer über den Rollweg.
  • Funktion: Warnen vor der Startbahn, jedoch kein zwingendes Haltesignal.
  • Betrieb: Immer aktiv, wenn die Startbahn genutzt wird.

4.3 Runway Entrance Lights (RELs)

  • Ausführung: Automatisierte, bodenbündige, rote Lichter entlang der Rollweg-Mittellinie.
  • Zweck: Leuchten automatisch bei erkannten Konflikten auf der Startbahn.
  • Steuerung: Unabhängig von ATC, nur warnend; dürfen niemals bei „EIN“ überquert werden.

4.4 Takeoff Hold Lights (THLs)

  • Ausführung: Rote, bodenbündige Lichter entlang der Startbahn-Mittellinie vor Kreuzungen.
  • Zweck: Zeigen Piloten in Startposition, dass ein Start wegen vorausgehendem Verkehr nicht sicher ist.
  • Steuerung: Automatisch durch Überwachungssysteme, nur warnend.

5. ATC-Freigabe und Stop Bars

5.1 Rechtlicher und Betriebskontext

Eine ATC-Freigabe ist immer erforderlich, um eine Startbahn auf einem kontrollierten Flughafen zu betreten, zu queren oder zu nutzen. Leuchtende Stop Bars haben jedoch Vorrang vor verbaler Freigabe: Ist die Stop Bar EIN, muss gestoppt und nachgefragt werden.

5.2 Best-Practice-Protokoll

Stop Bar StatusATC-Freigabe?Erforderliche Maßnahme
EIN (rot)Ja oder NeinSTOPP. Nicht überqueren.
AUSJaWie durch ATC freigegeben.
AUSNeinNicht weiterrollen. Warten.

Bei Unsicherheit stets anhalten und ATC befragen.

6. Surface Movement Guidance and Control System (SMGCS)

6.1 Definition

Ein SMGCS ist ein umfassendes System aus Beleuchtung, Beschilderung, Markierungen, Überwachung und Verfahren, das vor allem bei schlechter Sicht die sichere Bodenbewegung gewährleistet.

6.2 Komponenten

  • Stop Bars
  • Runway Guard Lights
  • Taxiway Centerline/Lead-on Lights
  • Beleuchtete Beschilderung
  • Bodenüberwachung/Radar
  • Verfahrensanweisungen und Checklisten

6.3 Umsetzung

Vorgeschrieben für Flughäfen mit Category II/III-Operationen. Bei schlechter Sicht gelten strikte Rollwege, Haltepunkte und Beleuchtungsprotokolle.

7. Runway Visual Range (RVR)

7.1 Definition

RVR ist die Entfernung, über die ein Pilot von der Startbahnmittellinie aus Markierungen oder Lichter erkennen kann.

7.2 Messung und Anwendung

Gemessen mit Transmissometern oder Vorwärtsstreusensoren; RVR-Werte sind entscheidend für den Einsatz von Low-Visibility-Verfahren und Stop Bars.

8. Stop Bar-Steuerung und Systemlogik

8.1 Manuelle und automatische Betriebsarten

  • Manuell: ATC löscht die Stop Bar und schaltet die grünen Lead-on Lights ein, wenn eine Freigabe erfolgt.
  • Automatisch: Moderne Systeme erkennen Bewegungen per Bodenüberwachung und setzen die Lichter automatisch zurück.

8.2 Ausfallsicherungen

  • Automatisches Wiedereinschalten, wenn keine Bewegung nach gewisser Zeit erkannt wird
  • Alarme für ATC, falls das System nicht wie erwartet reagiert

9. Low-Visibility-Operationen

9.1 Wann sie greifen

Low-Visibility-Operationen werden aktiviert, sobald der RVR unter 350 Meter (1.200 Fuß) fällt; alle SMGCS-Lichter und strikte ATC-Verfahren sind dann vorgeschrieben.

9.2 Betriebsrichtlinien

  • Nur ein Luftfahrzeug/Fahrzeug zwischen Stop Bars gleichzeitig erlaubt
  • Bewegungen werden engmaschig durch Bodenradar und ATC überwacht

10. Verhinderung von Runway Incursions

10.1 Definition

Eine Runway Incursion ist jede Anwesenheit von Flugzeug, Fahrzeug oder Person auf einer Startbahn ohne korrekte Freigabe.

10.2 Rolle der Stop Bar

Stop Bars stellen eine eindeutige, visuelle Barriere zum Rollbahneintritt dar und senken das Incursion-Risiko deutlich.

11. Übersichtstabelle: Beleuchtungssysteme an Rollbahn-Haltepunkten

MerkmalStop Bar LightsRunway Guard LightsRunway Entrance LightsTakeoff Hold Lights
LichtfarbeRotGelb (amber)RotRot
BetriebsartStetig leuchtendWechselblinkendStetig leuchtendStetig leuchtend
PlatzierungQuer über RollwegRollweg-/BahnrandRollweg-MittellinieStartbahn-Mittellinie
SteuerungATC/manuell/autoAutomatischAutomatischAutomatisch
FunktionZwingender HaltWarnungHinweis zum HaltHinweis zum Halt
Kann ATC-Freigabe überschreiben?JaNeinJaJa
Einsatz bei schlechter Sicht?ImmerImmerImmerImmer

12. Häufig gestellte Fragen

Was ist die Hauptfunktion von Stop Bar-Lichtern?
Stop Bar-Lichter geben am Rollbahneingang ein zwingendes Haltesignal und verhindern unbefugte oder versehentliche Runway Incursions, besonders bei schlechter Sicht.

Darf ich eine Stop Bar überqueren, wenn ATC das freigibt, die Lichter aber noch rot sind?
Nein. Überqueren Sie niemals eine leuchtende Stop Bar – auch nicht bei ATC-Freigabe. Halten Sie an und fragen Sie bei ATC nach.

Bedeutet das Erlöschen der Stop Bar automatisch eine Freigabe zum Betreten der Startbahn?
Nein. Eine erloschene Stop Bar allein ist keine Freigabe. Erst wenn die Stop Bar AUS ist und Sie eine ausdrückliche ATC-Freigabe haben, dürfen Sie rollen.

Was tun, wenn nach dem Überqueren die grünen Lead-on Lights unerwartet ausgehen?
Sofort anhalten und ATC kontaktieren.

Wodurch unterscheiden sich Stop Bars von Runway Guard Lights?
Stop Bars sind rote, zwingende Haltesignale, die von der ATC gesteuert werden. Runway Guard Lights sind gelb blinkende Warnlichter, die kein zwingendes Haltesignal darstellen, sondern auf Runway-Nähe hinweisen.

13. Wichtige Sicherheitshinweise

  • Rot heißt immer STOPP. Niemals eine leuchtende Stop Bar überqueren – unabhängig von verbaler ATC-Freigabe.
  • Das Erlöschen der Stop Bar ist keine Freigabe. Immer auf ATC-Anweisung warten.
  • Im Zweifel anhalten und nachfragen. Sicherheit geht vor.
  • Unerwarteter Ausfall der Lead-on-Lights? Anhalten und ATC rufen.
  • Strikte Protokollbefolgung verhindert Runway Incursions.

14. Glossar verwandter Begriffe

  • ATC-Freigabe: Ausdrückliche Erlaubnis der Flugsicherung, eine Startbahn zu benutzen, zu betreten oder zu queren. Immer zusätzlich zum visuellen Signal erforderlich.
  • SMGCS: Surface Movement Guidance and Control System – integrierte Beleuchtung, Beschilderung und Verfahren für sichere Bodenbewegungen.
  • Runway Guard Lights: Blinkende gelbe Lichter an Rollbahn-Haltepunkten als Warnung, kein zwingender Halt.
  • Runway Entrance Lights (RELs): Automatisierte rote bodenbündige Warnlichter vor unsicherem Einrollen; nur hinweisend.
  • Takeoff Hold Lights (THLs): Automatisierte rote Lichter auf der Startbahn-Mittellinie, die auf unsichere Startbedingungen hinweisen.
  • Runway Visual Range (RVR): Gemessene Sichtweite entlang der Startbahnmittellinie, entscheidend für die Aktivierung von Low-Visibility-Verfahren.

15. Quellen

  • ICAO Annex 14 – Aerodromes, Volume I: Aerodrome Design and Operations
  • FAA Advisory Circular 150/5340-30J – Design and Installation Details for Airport Visual Aids
  • FAA Order JO 7110.65 – Air Traffic Control
  • SKYbrary: Stop Bar
  • FAA Runway Safety: Runway Incursion Prevention

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Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptzweck einer Stop Bar an einem Flughafen?

Eine Stop Bar gibt am Rollwegeingang ein zwingendes, optisches Haltesignal und verhindert unbefugte oder versehentliche Rollbahn-Incursions – insbesondere bei schlechter Sicht oder komplexen Bodenoperationen.

Darf ich eine leuchtende Stop Bar überqueren, wenn die Flugsicherung das anweist?

Nein. Überqueren Sie niemals eine rot leuchtende Stop Bar, auch nicht bei entsprechender ATC-Freigabe. Immer anhalten und Rückfrage bei ATC halten, bevor Sie weiterfahren.

Wann werden Stop Bars eingesetzt?

Stop Bars werden typischerweise bei schlechter Sicht (RVR < 350 Meter), nachts oder wenn die Flughafenverfahren einen erhöhten Schutz vor Rollbahn-Incursions erfordern, verwendet.

Wie arbeiten Stop Bars mit den Taxiway Lead-on Lights zusammen?

Wenn eine Stop Bar erlischt und die ATC-Freigabe erteilt ist, leuchten die grünen Taxiway Lead-on Lights auf, um das Flugzeug oder Fahrzeug auf die Startbahn zu führen und so eine sichere und eindeutige Führung zu gewährleisten.

Werden Stop Bars immer von der Flugsicherung gesteuert?

Traditionelle Stop Bars werden durch die Flugsicherung gesteuert, aber moderne Systeme können automatisierte Logik beinhalten, die mit Bodenkontrollsystemen integriert ist, um Zuverlässigkeit und Sicherheit zu erhöhen.

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