Automatischer Funkpeiler (ADF)

Radio Navigation Avionics Aviation Instruments NDB

Definition und Überblick

Der automatische Funkpeiler (ADF) ist ein flugzeugbasiertes Funknavigationsinstrument, das die Peilung vom Flugzeug zu einem bodengebundenen ungerichteten Funkfeuer (NDB) bestimmt und anzeigt. Typischerweise im Frequenzbereich von 190–1750 kHz arbeitend, wandelt der ADF diese Signale in Richtungsinformationen um und liefert Echtzeit-Peilungsdaten für Streckennavigation, Positionsbestimmung und Nichtpräzisionsanflüge. Während moderne Systeme wie GNSS die Nutzung des ADF reduziert haben, bleibt er für Redundanz, Training und in Gebieten mit begrenzter Infrastruktur im Einsatz.

Wesentliche Merkmale:

  • Echtzeit-Nadelanzeige zur Bodenstation
  • Betrieb im Langwellen-/Mittelwellenband (190–1750 kHz)
  • Kompatibel mit NDBs und einigen kommerziellen AM-Radiosendern
  • Einsatz für Strecken-, Anflug- und Warteschleifenverfahren
  • Bietet Backup-Navigationsfähigkeit

Funktionsprinzip

Peilungsermittlung:
Der ADF bestimmt die Einfallsrichtung des omnidirektionalen Signals eines NDB und zeigt die relative Peilung (Winkel zwischen Flugzeugnase und Station) an. Mit einer Schleifenantenne (richtungsabhängig) und einer Sense-Antenne (omnidirektional) löst das System die 180°-Mehrdeutigkeit der Schleife auf und liefert eine eindeutige Peilung.

Antennensystem:

  • Schleifenantenne: Richtungsabhängig, erzeugt Signalmindestwerte (Nullstellen) im Abstand von 180°
  • Sense-Antenne: Omnidirektional, löst Richtungsmehrdeutigkeit auf
  • Elektronisch kombiniert, entsteht ein kardioider Empfangsbereich, der zum NDB zeigt

Signalverarbeitung:

  • Signale werden durch einen Goniometer (oder digitales Pendant) verstärkt und verarbeitet
  • Die verarbeitete Peilung wird auf Cockpitanzeigen (RBI oder RMI) dargestellt
  • Automatische Verstärkungsregelung und Filterung gleichen Signalstärkeschwankungen aus

Frequenzbereich:

  • ADF-Empfänger: 190–1750 kHz
  • NDBs: typischerweise 190–535 kHz
  • Einige ADFs können auch AM-Rundfunksender (530–1700 kHz) empfangen

Systemkomponenten

  • ADF-Empfänger: Stimmt und verarbeitet NDB-Signale ab
  • Schleifen- & Sense-Antennen: Liefern richtungsabhängige und omnidirektionale Eingangssignale
  • Goniometer/Elektronischer Resolver: Bestimmt Signalrichtung
  • Anzeigen:
    • Relative Bearing Indicator (RBI): Zeigt Winkel zur Station relativ zur Flugzeugnase
    • Radio Magnetic Indicator (RMI): Zeigt direkt die magnetische Peilung
  • Bedienfeld: Für Frequenzwahl und Modusumschaltung
  • Beat Frequency Oscillator (BFO): Ermöglicht Morsecode-Identifikation bei unmodulierten Signalen

Betrieb und Anwendung

Abstimmung und Identifikation:

  • Gewünschte NDB-Frequenz über das ADF-Bedienfeld einstellen
  • Morsecode-Kennung (mit ANT- oder BFO-Modus) abhören, um die korrekte Station zu bestätigen

Interpretation der Anzeigen:

  • Relative Peilung (RBI): Magnetischen Steuerkurs des Flugzeugs zur relativen Peilung addieren, um die magnetische Peilung zur Station zu erhalten
  • Magnetische Peilung (RMI): Peilung direkt auf der drehbaren Kompassrose ablesen

Navigationstechniken:

  • Homing: Flugzeug so steuern, dass die Nadel auf 0° bleibt (Windabdrift wird nicht korrigiert)
  • Tracking: Windkorrektur anlegen, um eine gerade Bodenspur zum/vom NDB zu halten
  • Stationsüberflug: Nadel schwenkt beim Überflug des NDBs rasch von vorne nach hinten

Anzeigen und Displays

Relative Bearing Indicator (RBI):

  • Feste Skala, Nadel zeigt relativen Winkel zur Station an
  • Berechnung zur Ermittlung der magnetischen Peilung erforderlich

Radio Magnetic Indicator (RMI):

  • Drehbare Kompassrose, Nadel zeigt direkt auf die magnetische Peilung
  • Verringert Arbeitsbelastung des Piloten und Fehleranfälligkeit

Typen ungerichteter Funkfeuer (NDBs)

TypSendeleistungReichweite (NM)Typischer Einsatz
Locator NDB0–25 W≤15Anflug, Markierungsbaken
Niedrig-/Mittel-NDB≤50–2.000 W≤25–50Streckenflug, Terminalbereich
Hochleistungs-NDB>2.000 W≤75Langstrecke, ozeanisch

Locator NDBs werden häufig an Flughäfen als Anflughilfen genutzt; Hochleistungs-NDBs bieten Abdeckung über Ozeanen und entlegenen Regionen.

Häufige Fehlerquellen

  • Kippfehler: Nadelabweichung während Kurvenflug
  • Quadrantenfehler: Signalverzerrung durch Flugzeugstrukturen bei 45°-Winkeln
  • Skywave-Störungen (Nachteffekt): Ionosphärische Reflexionen verursachen Nadelabweichungen nachts oder bei großer Entfernung
  • Küstenbrechung: Signalablenkung beim Übergang über Land-Wasser-Grenzen
  • Statische/Atmosphärische Störungen: Gewitter und elektrische Störungen beeinträchtigen Signalqualität
  • Senderstörungen: Überlappende NDB-Frequenzen können mehrdeutige Anzeigen verursachen

Bedienverfahren

Typische Schritte:

  1. ADF auf gewünschte NDB-Frequenz einstellen
  2. Station anhand Morsecode identifizieren
  3. In den Peilanzeigemodus umschalten
  4. Durch Homing oder Tracking navigieren, Windkorrektur nach Bedarf anwenden
  5. Auf Fehlerquellen achten; wenn möglich, mit anderen Navigationshilfen abgleichen

Bedienfeld-Funktionen:

  • Funktionsschalter: AUS, ANT (Audio), ADF (Peilung), LOOP (manuell)
  • Frequenzwahlschalter: Wählt die NDB-Frequenz
  • BFO: Für unmodulierte Signale aktivieren
  • Lautstärke/Audio: Für die Senderidentifikation anpassen

Anwendungen und Einsatzbereiche

  • Streckennavigation: Liefert Orientierung und Positionsbestimmung, insbesondere in Gebieten ohne VOR/DME oder GNSS
  • Instrumentenanflüge: Unterstützt Nichtpräzisionsanflüge und Locator-Baken für ILS
  • Warteschleifen: Hält Position in Warteschleifen anhand von NDBs
  • Notfall/Backup: Bleibt funktionsfähig, wenn moderne Navigationshilfen ausfallen

Vergleich mit verwandten Navigationshilfen

  • ADF/NDB: Einfach, große Reichweite, anfällig für Störungen, keine vertikale Führung
  • VOR/DME: Höhere Genauigkeit, zuverlässiger, benötigt Sichtverbindung, begrenzte Reichweite
  • GNSS (GPS): Globale Abdeckung, höchste Zuverlässigkeit und Genauigkeit

Rückgang der Nutzung und heutige Bedeutung

Durch GNSS und fortschrittliche Funknavigation werden ADF/NDB-Systeme in vielen Regionen ausgemustert. Sie bleiben jedoch dort wichtig, wo Infrastruktur begrenzt ist, zur Redundanz und in der Flugausbildung.

Weiterführende Literatur und Quellen

Der automatische Funkpeiler bleibt ein wichtiger Bestandteil der Luftfahrtnavigation, geschätzt für seine Einfachheit, Zuverlässigkeit und seine Rolle als Backup-Navigationshilfe.

Häufig gestellte Fragen

Welche Aufgabe hat ein automatischer Funkpeiler (ADF) in der Luftfahrt?

Ein ADF empfängt Funksignale von bodengebundenen NDBs und zeigt die Peilung zur Station an, sodass Piloten ihre Position bestimmen und präzise navigieren können, insbesondere während des Streckenflugs oder bei Nichtpräzisionsanflügen.

Wie interpretieren Piloten die Anzeigen des ADF?

Piloten lesen die Peilung vom ADF-Anzeiger ab, der die Richtung zum NDB relativ zur Flugzeugnase (RBI) oder als magnetische Peilung (RMI) anzeigt. Beim RBI addiert der Pilot den magnetischen Steuerkurs des Flugzeugs zur relativen Peilung, um die magnetische Peilung zur Station zu bestimmen.

Welche typischen Fehler beeinflussen die ADF-Navigation?

Die ADF-Navigation kann durch Kippfehler (bei Kurvenflug), Quadrantenfehler (Signalreflexionen an Flugzeugstrukturen), Skywave-Störungen (insbesondere bei Nacht), Küstenbrechung, statische und atmosphärische Störungen sowie Senderstörungen beeinflusst werden. Richtige Verfahren und Kenntnisse helfen, diese Fehler zu minimieren.

Warum wird der ADF noch genutzt, obwohl es GNSS und VOR/DME gibt?

Der ADF wird weiterhin als Backup-Navigationsmittel, für die Pilotenausbildung und in Regionen eingesetzt, in denen GNSS- oder VOR/DME-Abdeckung nicht verfügbar oder unzuverlässig ist. Er sorgt für Redundanz und trägt zur Flugsicherheit bei.

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