Glossar der Flughöhen in der Luftfahrt

Aviation Air Navigation Flight Safety Pilot Training

Glossar der Flughöhen in der Luftfahrt

Ein ausführlicher Leitfaden zu Höhenarten, Messverfahren und Anwendung in der Luftnavigation

Was bedeutet Höhe in der Luftfahrt?

Höhe in der Luftfahrt ist der vertikale Abstand zwischen einem Flugzeug und einem bestimmten Referenzpunkt, meist dem mittleren Meeresspiegel (MSL). Sie ist eine grundlegende Größe für Navigation, Staffelung, Hindernisvermeidung und Einhaltung der Luftraumvorschriften.

Bezugsebenen für Höhe

  • Mittlerer Meeresspiegel (MSL): Standardreferenz für die meisten Flughöhen.
  • Über Grund (AGL): Abstand zum direkt unter dem Flugzeug liegenden Gelände.
  • Standard-Druckebene (SDP): Theoretische Ebene mit 1013,25 hPa (29,92 inHg) Luftdruck.

Funktionsweise des Höhenmessers

Cockpit-Höhenmesser messen den Umgebungsdruck und wandeln diesen in eine Höhenanzeige über der gewählten Bezugsebene um. Die Genauigkeit hängt von der verwendeten barometrischen Einstellung ab – entweder dem lokalen Flugplatzdruck (QNH) oder dem internationalen Standard (1013,25 hPa, 29,92 inHg).

Bedeutung einer genauen Höhenmessung

  • Kollisionsvermeidung: Gewährleistet sicheren vertikalen Abstand zwischen Luftfahrzeugen.
  • Geländefreiheit: Verhindert kontrollierten Flug ins Gelände (CFIT).
  • Luftraumstruktur: Sichert die Einhaltung kontrollierter Zonen und Verfahren.
  • Flugzeugleistung: Beeinflusst Motorleistung, Auftrieb und Kraftstoffverbrauch.

Gesetzliche Standards

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) legt weltweit Standards für Höhenbegriffe, Messung und Übergangsverfahren fest. Nationale Behörden können Verfahren an lokale Bedingungen anpassen.
Quellen:

Warum Höhe wichtig ist: Operative Bedeutung

Höhe ist entscheidend für:

  1. Vertikale Staffelung:
    Fluglotsen nutzen Höhenangaben, um sichere Abstände zwischen Luftfahrzeugen einzuhalten, gemäß ICAO- und nationalen Vorschriften. Im RVSM-Luftraum ist verringerte Staffelung auf großen Höhen möglich.
  2. Luftraumstruktur und Navigation:
    Der Zugang zu bestimmten Luftraumklassen und die Routenführung hängen von der Höhe ab. Halbkreisregeln (ungerade/gerade Flugflächen) sorgen für die Trennung von Ost-/Westverkehr.
  3. Flugzeugleistung:
    Die Luftdichte (abhängig von der Höhe) beeinflusst Auftrieb, Motorleistung und benötigte Startstrecke. Hohe Dichtehöhe verringert die Leistung.
  4. Gelände- und Hindernisfreiheit:
    Mindestsektorenhöhen, Hindernisfreiheitshöhen und Anflugminima werden meist relativ zum MSL veröffentlicht und sichern die Geländefreiheit.
  5. Regelkonformität und Kommunikation:
    Präzise Höhenangaben sind unerlässlich für die ATC-Staffelung und die Einhaltung internationaler Verfahren.

Höhenarten: Definitionen, Berechnung und Anwendung

In der Luftfahrt werden mehrere Höhenarten unterschieden, jeweils mit eigener Referenz, Berechnung und Anwendung.

Angezeigte Höhe

Definition:
Höhe, die direkt vom Höhenmesser bei Einstellung auf den aktuellen lokalen Luftdruck (QNH) abgelesen wird.

Verwendung:

  • Hauptreferenz für Piloten unterhalb der Übergangshöhe.
  • Für Geländefreiheit und Einhaltung veröffentlichter Verfahren.

Messung:

  • Höhenmesser auf QNH einstellen; angezeigte Höhe über MSL ablesen.

Genauigkeit:

  • Genau bei Standardatmosphäre; Fehler bei abweichender Temperatur/Druck.

Quelle:

Wahre Höhe

Definition:
Tatsächlicher vertikaler Abstand über dem mittleren Meeresspiegel (MSL).

Verwendung:

  • Bestimmung der Geländefreiheit/Hindernisfreiheit.
  • In Karten für Hindernishöhen, Flugplatzhöhe.

Messung:

  • Angezeigte Höhe korrigiert um Temperatur- und Druckabweichungen.

Formel (näherungsweise):

  • Wahre Höhe = Angezeigte Höhe + (4 % pro 10°C Abweichung von ISA)

Hinweis:

  • Bei Kälte ist die wahre Höhe geringer als die angezeigte – kritisch bei Anflügen.

Quelle:

Absolute Höhe

Definition:
Höhe über Grund (AGL).

Verwendung:

  • Präzisionsanflüge und Landung.
  • Hubschrauberflug/Geländefolgen.

Messung:

  • Wahre Höhe minus Geländehöhe.
  • Direktmessung durch Funkhöhenmesser bis ca. 2.500 ft.

Quelle:

Druckhöhe

Definition:
Höhe über der Standard-Druckebene (1013,25 hPa/29,92 inHg).

Verwendung:

  • Referenz für Flugflächen oberhalb der Übergangshöhe.
  • Leistungsberechnungen nach Flughandbuch.

Messung:

  • Höhenmesser auf 1013,25 hPa einstellen; Druckhöhe ablesen.

Quelle:

Dichtehöhe

Definition:
Druckhöhe, korrigiert um Abweichungen bei Temperatur und Feuchte; repräsentiert die „Leistungshöhe“.

Verwendung:

  • Flugleistungsberechnungen: Start, Steigflug, Landung.

Messung:

  • Berechnet aus Druckhöhe und Temperatur:
    Dichtehöhe = Druckhöhe + [120 × (OAT – ISA-Temp bei DH)]

Quelle:

Flugfläche

Definition:
Standardisierte nominelle Höhe in Hunderten Fuß (FL350 = 35.000 Fuß), auf Basis des Standarddrucks.

Verwendung:

  • Vertikale Staffelung im oberen Luftraum.

Messung:

  • Höhenmesser auf 1013,25 hPa (29,92 inHg) einstellen.

Quelle:

Übergangshöhe und Übergangsflugfläche

Definitionen:

  • Übergangshöhe (TA): Unterste Höhe, ab der beim Steigflug Standarddruck für Flugflächen verwendet wird.
  • Übergangsflugfläche (TL): Unterste verfügbare Flugfläche oberhalb der TA beim Sinkflug.

Verwendung:

  • Sichert, dass alle Luftfahrzeuge im oberen Luftraum eine gemeinsame Referenz nutzen.

Regionale Unterschiede:

  • TA variiert je nach Land – vor Grenzübertritt prüfen.

Quelle:

Vergleiche und häufige Verwechslungen

Wahre Höhe vs. angezeigte Höhe

FaktorWahre HöheAngezeigte Höhe
BedeutungTatsächliche Höhe über MSLAblesung des Höhenmessers (QNH)
Beeinflusst durchTemp-/DruckfehlerInstrumenten-/Einstellungsfehler
Wann gleichISA-NormtagNur bei Standardbedingungen

Wichtig: Die wahre Höhe ist entscheidend für Geländefreiheit; die angezeigte Höhe ist die primäre Cockpitreferenz.

Absolute Höhe vs. wahre Höhe

FaktorAbsolute Höhe (AGL)Wahre Höhe (MSL)
BezugUntergrundMittlerer Meeresspiegel
BerechnungWahre Höhe – GeländeKorrigierte Höhenmessung

Druckhöhe vs. Dichtehöhe

FaktorDruckhöheDichtehöhe
BerechnungBarometrisch, StandarddruckDruckhöhe + Temperatorkorrektur
VerwendungFlugflächen, LeistungstabellenFlugleistungsberechnung

Wichtigste Erkenntnisse

  • Höhe ist immer relativ zu einer Referenz (MSL, AGL, Standarddruck).
  • Angezeigte Höhe ist die tägliche Anzeige für Piloten; wahre Höhe ist für Geländefreiheit entscheidend.
  • Flugflächen (auf Basis des Standarddrucks) werden oberhalb der Übergangshöhe zur einheitlichen Staffelung genutzt.
  • Dichtehöhe ist besonders für die Flugleistung an heißen/hoch gelegenen Flughäfen kritisch.
  • Prüfen Sie immer Übergangshöhen/-flugflächen und passen Sie die Höhenmessereinstellung entsprechend an.

Weiterführende Literatur und offizielle Ressourcen

Glossar – Übersichtstabelle

ArtBezugEinstellungAnwendungsfallHinweis
AngezeigteMSLQNHPrimäre CockpitreferenzKann von wahrer Höhe abweichen
WahreMSLQNH + KorrekturGelände-/HindernisfreiheitTemp-/Druckkorrektur beachten
AbsoluteBoden (AGL)n/v (RA <2.500ft)Anflug, Landung, TAWSFunk-/Radarmessung
DruckhöheSDP (1013,25)1013,25 hPaLeistungstabellen, FlugflächenOberhalb TA verwendet
DichtehöheLeistungBerechnungStart-/SteigleistungsberechnungTemperatur-/Feuchteabhängig
FlugflächeSDP1013,25 hPaATC-Staffelung oberhalb TAAls FLxxx angegeben

Formeln – Schnellübersicht

  • Wahre Höhe ≈ Angezeigte Höhe + (4 % pro 10°C Abweichung von ISA)
  • Druckhöhe = Angezeigte Höhe + (Standarddruck – Lokalerdruck) × 30 ft/hPa
  • Dichtehöhe = Druckhöhe + [120 × (OAT – ISA-Temp bei DH)]
  • Flugfläche = Druckhöhe ÷ 100

Anwendungsbeispiele

  • Szenario 1 (Berganflug):
    Ein Flugzeug im Anflug auf einen hoch gelegenen Flughafen muss die wahre Höhe berechnen, um sichere Geländefreiheit zu gewährleisten – besonders wichtig bei Kälte.

  • Szenario 2 (Start bei Hitze und Höhe):
    Auf einem Flughafen mit 6.000 ft Höhe und 35°C kann die Dichtehöhe über 9.000 ft liegen – längere Startstrecke und sorgfältige Leistungsberechnung sind nötig.

  • Szenario 3 (Internationaler Flug):
    Nach dem Start in London (TA 6.000 ft) stellt die Besatzung beim Erreichen der TA auf Standarddruck (1013,25 hPa) und meldet sich in Flugflächen (z.B. FL110).

  • Szenario 4 (Hubschraubereinsatz):
    Ein Hubschrauber im Tiefflug nutzt die absolute Höhe (AGL) seines Funkhöhenmessers für sicheren Abstand über unebenem Gelände.

Für detaillierte Regelquellen konsultieren Sie immer die ICAO-Dokumente und Ihre nationale Luftfahrtbehörde.

Häufig gestellte Fragen

Warum gibt es in der Luftfahrt verschiedene Höhenarten?

Unterschiedliche Höhenarten existieren, weil sie sich auf verschiedene Bezugsebenen (Meeresspiegel, Boden, Standarddruck) beziehen und jeweils eigene betriebliche Zwecke erfüllen. Zum Beispiel sorgt die wahre Höhe für ausreichenden Abstand zum Gelände, während Flugflächen die Staffelung im oberen Luftraum standardisieren.

Woher weiß ich, welche Höhe ich verwenden muss?

Die richtige Höhenart hängt von Flugphase und Vorschriften ab. Unterhalb der Übergangshöhe wird die angezeigte Höhe mit lokalem QNH verwendet; darüber gelten Flugflächen auf Basis des Standarddrucks. Für Leistungs- und Sicherheitsberechnungen sind wahre, Druck- und Dichtehöhe entscheidend.

Welches Risiko besteht bei falscher Einstellung des Höhenmessers?

Falsche Höhenmessereinstellungen können zu Höhenabweichungen, Verlust der Staffelung, kontrolliertem Flug ins Gelände (CFIT) oder Regelverstößen führen. Überprüfen Sie die Einstellungen immer an wichtigen Übergangspunkten und halten Sie sich an die veröffentlichten Verfahren.

Was ist die Dichtehöhe und warum ist sie wichtig?

Die Dichtehöhe spiegelt die Luftdichte an einem bestimmten Ort wider und beeinflusst die Flugzeugleistung. Hohe Dichtehöhe (heiße, hohe, feuchte Bedingungen) verringert Motorleistung und Auftrieb, was zu längeren Startstrecken und geringerer Steigrate führt – ein entscheidender Sicherheitsfaktor bei der Flugvorbereitung.

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