Anflugkontrolle

Air Traffic Control Aviation Safety Flight Operations TRACON

Anflugkontrolle – Flugsicherungsdienst für ankommende und abfliegende Flugzeuge

Ausführliche Definition

Anflugkontrolle (manchmal APP genannt oder in den USA TRACON) ist eine spezialisierte Flugsicherungseinheit, die für einen sicheren, geordneten und zügigen Verkehrsfluss im Bereich eines oder mehrerer Flughäfen verantwortlich ist. Sie steuert Flugzeuge in den kritischen Phasen des Anflugs (Ankunft) und Abflugs und betreut Flüge typischerweise in einem Umkreis von 20–60 nautischen Meilen und bis zu 10.000–15.000 Fuß über Grund, oder wie es lokale Vorschriften vorsehen.

Anfluglotsen sind verantwortlich für die Sequenzierung der Ankünfte, die Trennung zwischen Flugzeugen, das Erteilen von Kursen, Höhen und Geschwindigkeiten sowie die Koordination der Übergaben an und von Strecken- (Gebietskontrolle) und Flugplatzkontrolle (Tower). Ihr Hauptinstrument ist die Radarüberwachung, sie können aber auch verfahrensmäßig in nicht radargestützten Umgebungen arbeiten und verlassen sich dann auf Pilotenmeldungen und veröffentlichte Verfahren.

Die Anflugkontrolle ist für die Sicherheit und Effizienz des Terminalluftraums unerlässlich, besonders an stark frequentierten oder komplexen Flughäfen. Sie bildet die entscheidende Brücke zwischen der schnellen, höhenorientierten Welt des Streckenflugs und der Präzision, die im nahen Flughafenbereich erforderlich ist.

Zweck und Ziele

Die Hauptziele der Anflugkontrolle sind:

  • Kollisionen verhindern: Einhaltung der vorgeschriebenen Trennung zwischen allen Flugzeugen im Terminalluftraum, egal ob ankommend, abfliegend oder durchfliegend.
  • Effizienter Verkehrsfluss: Sequenzierung von an- und abfliegenden Flügen zur Maximierung der Start-/Landebahnauslastung und Minimierung von Verzögerungen.
  • Zeitnahe Information und Warnungen: Bereitstellung von Wetterinformationen, NOTAMs, Verkehrshinweisen und Notfallkoordination.
  • Nahtlose Koordination: Sicherstellung reibungsloser Übergaben und Informationsübertragung zwischen Strecken- und Towerlotsen.

Mit der Erreichung dieser Ziele unterstützt die Anflugkontrolle den sicheren, vorhersehbaren und effizienten Betrieb von Flughäfen und des gesamten Flugsicherungssystems.

Operativer Ablauf

Ankünfte

  1. Übergabe von der Streckenkontrolle: Wenn sich ein Flugzeug dem Terminalbereich nähert, übergibt der Streckenkontrolleur es an die Anflugkontrolle.
  2. Sequenzierung und Vektorgabe: Der Anfluglotse sequenziert die Ankünfte, weist Kurse, Höhen und Geschwindigkeiten zu und integriert die Flugzeuge nach Bedarf auf veröffentlichte STARs oder gibt Vektoren.
  3. Anflugfreigabe: Sobald das Flugzeug auf dem Endanflug (z. B. ILS, RNAV oder Sichtanflug) etabliert ist, wird die Anflugfreigabe erteilt.
  4. Übergabe an den Tower: Im Endanflug weist die Anflugkontrolle den Piloten an, den Tower für die Landefreigabe zu kontaktieren.

Abflüge

  1. Übergabe vom Tower: Nach dem Start übergibt der Towerlotse das Flugzeug an die Abflugkontrolle (oft Teil der Anflugkontrolle).
  2. Steigen und Integration: Abfluglotsen weisen Kurse und Höhen zu und stellen sicher, dass abfliegende Flüge von Ankünften und anderen Abflügen getrennt bleiben.
  3. Übergang zur Streckenkontrolle: Nach Verlassen des Terminalbereichs wird das Flugzeug an die Streckenkontrolle übergeben.

Werkzeuge und Kommunikation

  • Radarüberwachung: Echtzeit-Verfolgung der Flugzeugpositionen.
  • Verfahrensmethoden: In nicht radargestützten Bereichen; basiert auf Pilotenmeldungen und veröffentlichten Verfahren.
  • Standardphraseologie: Sichert klare, einheitliche Kommunikation.
  • Elektronische Flugdaten: Unterstützt die Koordination und reduziert Fehler.

Aufgabenbereiche von Anflug- und Abfluglotsen

Anfluglotsen:

  • Sequenzieren und staffeln ankommende Flugzeuge.
  • Geben Vektoren, Höhen und Geschwindigkeiten aus.
  • Halten Mindesttrennungsstandards ein.
  • Erteilen Anflugfreigaben.
  • Bearbeiten Fehlanflüge und Notfälle.
  • Koordinieren mit Strecken- und Towerlotsen.

Abfluglotsen:

  • Steuern Flugzeuge unmittelbar nach dem Start.
  • Weisen Kurse und Höhen zur sicheren Trennung zu.
  • Integrieren Abflüge in die Struktur des Streckenverkehrs.
  • Koordinieren Übergaben an die Streckenkontrolle.

Beide Rollen erfordern ein hohes Maß an Situationsbewusstsein, technisches Können und die Fähigkeit, auch unter Druck schnelle Entscheidungen nach ICAO- und nationalen Standards zu treffen.

Luftraumstruktur und Kontrollabfolge

Der Terminalluftraum ist so strukturiert, dass Sicherheit und Effizienz gewährleistet sind:

  1. Von der Streckenkontrolle zur Anflugkontrolle: Übergabe an der Terminalbereichsgrenze oder einem festgelegten Wegpunkt.
  2. Von der Anflugkontrolle zum Tower: Übergabe bei etabliertem Endanflug.
  3. Vom Tower zur Abflugkontrolle: Nach dem Start Übergabe an die Abflugkontrolle.
  4. Von der Abflugkontrolle zur Streckenkontrolle: Übergang in die Reiseflugphase.

TRACONs in den USA betreuen mehrere Flughäfen und nutzen fortschrittliche Radar- und Automatisierungssysteme. Luftraumklassen (B, C, D) definieren das Dienstleistungsniveau und die Trennungsstandards.

Trennungsminima: ICAO-Standards und praktische Anwendung

  • Vertikale Trennung: 1.000 Fuß unter FL290 (2.000 Fuß darüber, außer 1.000 Fuß im RVSM-Luftraum bis FL410).
  • Horizontale Trennung (Radar): 3–5 nautische Meilen im Terminalbereich, abhängig von Radarabdeckung und Verfahren.
  • Nicht-Radar-/Verfahrens-Trennung: Basierend auf Zeit und Entfernung, mit konservativeren Intervallen.
  • Wirbelschleppen: Erhöhte Minima für Flugzeuge, die schweren oder Superflugzeugen folgen.

Lotsen überwachen und passen die Trennungen laufend an Verkehr, Wetter und betriebliche Bedingungen an.

Anflugkontroll-Phraseologie: ICAO-Standards

Standardisierte Phraseologie verringert Missverständnisse:

  • Dienststellenbezeichnung: „Boston Approach“, „Dallas Departure“
  • Freigaben: „Sinkflug und halten Sie 3.000 Fuß“, „Rechtskurs 270“
  • Anflugfreigaben: „ILS-Anflug auf Bahn 27 frei“
  • Übergaben: „Kontaktieren Sie Tower auf 118.7“
  • STARs/SIDs: „Steigen Sie gemäß SID auf Flugfläche 150“

Strikte Einhaltung der Phraseologie ist für die Sicherheit zwingend.

Nicht-Radar-(Verfahrens-)Anflugkontrolle

In Gebieten ohne Radar:

  • Wird Zeit und Entfernung zur Trennung verwendet.
  • Stützen sich Lotsen auf Pilotenpositionsmeldungen und veröffentlichte STARs/SIDs.
  • Sind häufige Kommunikation und sorgfältige Planung erforderlich.
  • Werden konservativere Trennungen angewandt, was die Kapazität reduziert.

Diese Fähigkeiten sind besonders in abgelegenen, bergigen oder ozeanischen Lufträumen wichtig.

Terminal Radar Approach Control (TRACON): Beispiel USA

TRACONs steuern An- und Abflüge für einen oder mehrere Flughäfen und nutzen:

  • Hochauflösendes Radar: Abdeckung bis zu 60 NM und 10.000–15.000 Fuß.
  • Automatisierte Tools: Konflikterkennung, Sequenzierung, Flugplandatenverarbeitung.
  • Mehrere Sektoren: Für komplexe, verkehrsreiche Lufträume.
  • 3 NM Radartrennung: Standard in US-Terminalbereichen.
  • Zusammenarbeit: Mit Strecken- und Tower-Einheiten.

TRACONs sind entscheidend für einen sicheren und effizienten Betrieb stark frequentierter Ballungsraumlufträume.

Beispielverfahren und -kommunikation

Beispiel Funkkommunikation

  • Ankunft:
    Pilot: „Boston Approach, Delta 456, descending via the ROBUC 3 arrival, passing 12,000 feet.“
    Controller: „Delta 456, Boston Approach, descend and maintain 6,000 feet, expect ILS runway 27 approach.“

  • Abflug:
    Pilot: „Atlanta Departure, United 789, climbing through 4,000 for 10,000.“
    Controller: „United 789, radar contact, climb and maintain 12,000, turn right heading 090.“

  • Übergabe:
    Controller: „American 2123, contact Tower on 119.1.“
    Pilot: „Switching to Tower, American 2123.“

  • Nicht-Radar:
    Controller: „Cessna 123AB, report passing waypoint GABRE.“
    Pilot: „Will report GABRE, Cessna 123AB.“

Häufige Szenarien

  • Fehlanflug: Lotse gibt Vektoren für einen weiteren Anflug oder sequenziert nach Bedarf neu.
  • Wetterabweichungen: Vektorgabe um Gewitter oder Turbulenzen, mit Koordination zwischen ATC-Stellen.
  • Notfälle: Sofortige Vektoren und Prioritätshandhabung für betroffene Flugzeuge.

Bedeutung innerhalb der Flugsicherungsdienste (ATS)

Die Anflugkontrolle ist ein wesentlicher Bestandteil der ATS, verbindet Strecken- und Flugplatzbetrieb und gewährleistet sichere, effiziente Übergänge für jeden Flug. Die Existenz der Anflugkontrolle erhöht die Start-/Landebahnauslastung und Luftraumnutzung erheblich, minimiert Verzögerungen und bietet ein Sicherheitsnetz für Notfälle und besondere Situationen.

Fazit

Die Anflugkontrolle steht im Zentrum des modernen Flugverkehrsmanagements und orchestriert das komplexe Zusammenspiel von Ankünften und Abflügen mit Präzision und Professionalität. Die Kombination aus fortschrittlicher Technologie, standardisierten Verfahren und menschlicher Expertise sorgt dafür, dass selbst der verkehrsreichste Luftraum der Welt sicher, effizient und vorhersehbar bleibt.

Anfluglotsen – ob mit Radar oder verfahrensmäßig – sind unverzichtbare Wächter des Terminalluftraums und halten den globalen Luftverkehr reibungslos am Laufen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Hauptaufgabe der Anflugkontrolle?

Die Hauptaufgabe der Anflugkontrolle besteht darin, ankommende und abfliegende Flugzeuge im Terminalbereich eines oder mehrerer Flughäfen zu steuern. Anfluglotsen staffeln und trennen Flüge, geben Freigaben für Höhe, Kurs und Geschwindigkeit und koordinieren Übergaben zwischen Strecken- (Gebietskontrolle) und Towerlotsen, um einen sicheren, geordneten und effizienten Verkehrsfluss zu gewährleisten.

Worin unterscheidet sich die Anflugkontrolle von Tower- und Streckenkontrolle?

Die Anflugkontrolle steuert Flugzeuge im Terminalluftraum und konzentriert sich auf die Sequenzierung von Ankünften und Abflügen. Die Towerkontrolle übernimmt die Verantwortung für Flugzeuge am Boden und im unmittelbaren Bereich der Start- und Landebahn, während die Streckenkontrolle Flugzeuge während der Reiseflugphase in größeren Höhen betreut. Die Anflugkontrolle bildet die Brücke zwischen diesen beiden Bereichen und übernimmt die kritische Übergangsphase zwischen Strecken- und Flughafenbetrieb.

Welche Technologien werden von Anflugkontrollstellen eingesetzt?

Anflugkontrollstellen verwenden in erster Linie Radarüberwachung (Primär- und Sekundärradar), um Flugzeuge in Echtzeit zu verfolgen. In Gebieten ohne Radar wird die Verfahrenssteuerung auf Basis von Pilotenpositionsmeldungen und Zeit-/Entfernungsberechnungen eingesetzt. Moderne Anflugkontrollen nutzen zudem Automatisierungstools für Konflikterkennung, Flugplandatenverarbeitung und digitale Kommunikation.

Was sind STARs und SIDs in der Anflugkontrolle?

STARs (Standard Terminal Arrival Routes) und SIDs (Standard Instrument Departures) sind veröffentlichte Verfahren, die standardisierte, sichere und effiziente Routen für Flugzeuge beim Einflug oder Ausflug aus dem Terminalluftraum bieten. Anfluglotsen integrieren STARs und SIDs in ihre Sequenzierungs- und Freigabeanweisungen, um den Verkehrsfluss zu optimieren und Trennung zu gewährleisten.

Welche Trennungsminima gelten bei der Anflugkontrolle?

Trennungsminima werden von ICAO und nationalen Vorschriften festgelegt. Vertikal sind mindestens 1.000 Fuß unter FL290 (oder bis FL410 im RVSM-Luftraum) vorgeschrieben. Horizontal betragen die Radartrennungen im Terminalbereich typischerweise 3 bis 5 nautische Meilen, abhängig von lokalen Verfahren und Verkehrsdichte. Wirbelschleppen und besondere Operationen können größere Minima erfordern.

Wie gehen Anfluglotsen mit Notfällen um?

Anfluglotsen sind darin geschult, Notfälle wie Triebwerksausfall, medizinische Vorfälle oder Funkverlust zu bewältigen. Sie geben sofortige Vektoren für eine Prioritätslandung, koordinieren mit Rettungs- und Feuerwehrdiensten und sorgen für freien Luftraum für das betroffene Flugzeug.

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