Lichtverteilungskurve

Lighting Photometry Aviation Architectural Lighting

Lichtverteilungskurve – Verteilungsmuster der Lichtintensität

Eine Lichtverteilungskurve ist das grundlegende Merkmal dafür, wie eine Lichtquelle ihre Intensität im Raum verteilt. In der Photometrie und Lichttechnik ist das Verständnis von Lichtverteilungskurven essenziell, um Beleuchtungssysteme sicher, effizient und normgerecht zu planen. Dieser Glossarbeitrag erklärt das Konzept der Lichtverteilungskurve, Typen von Lichtverteilungen, photometrische Messungen und praktische Anwendungen in Architektur, Industrie und Luftfahrt.

Was ist eine Lichtverteilungskurve?

Eine Lichtverteilungskurve beschreibt die räumliche Anordnung der Lichtintensität (gemessen in Candela, cd), die von einer Leuchte oder einem Beleuchtungsgerät abgegeben wird. Sie gibt mathematisch an, wie hell eine Lichtquelle in jede Richtung abstrahlt, nicht nur den sichtbaren Lichtfleck auf einer Fläche.

Die Lichtverteilungskurve wird typischerweise mit photometrischen Diagrammen – meist Polardiagrammen – visualisiert, bei denen die Länge einer Linie im jeweiligen Winkel vom Zentrum die Intensität in dieser Richtung repräsentiert. Das Ergebnis ist ein einzigartiger „Fingerabdruck“ für jeden Leuchtentyp und zeigt, ob das Licht schmal gebündelt, breit gestreut, symmetrisch oder asymmetrisch abgegeben wird.

Wichtige Merkmale sind:

  • Halbwertswinkel (Beam angle): Der Winkelbereich, in dem die Intensität mindestens 50 % des Maximalwerts beträgt.
  • Feldwinkel (Field angle): Der Winkelbereich, in dem die Intensität auf 10 % des Maximums absinkt.
  • Symmetrie: Ob das Licht gleichmäßig in alle Richtungen verteilt oder gezielt in eine Richtung gelenkt wird.

Bedeutung in der Lichtplanung

Die Lichtverteilungskurve bestimmt, wie gut eine Leuchte Anforderungen an Sehkomfort, Sicherheit, Energieeffizienz und Normenkonformität erfüllt – etwa nach Vorgaben der Illuminating Engineering Society (IES), der Internationalen Beleuchtungskommission (CIE) oder der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO). In der modernen Planung sind präzise Verteilungsdaten – häufig in standardisierten digitalen Formaten – unverzichtbar für Lichtsimulation, Design und Zertifizierung.

Lichtverteilungsmuster: IESNA- und NEMA-Typen

Lichtverteilungsmuster helfen Fachplanern, die passende Leuchte für die jeweilige Anwendung auszuwählen und optimale Leistung sowie Normenkonformität zu gewährleisten.

IESNA-Verteilungstypen (I–V)

Die Illuminating Engineering Society of North America (IESNA) klassifiziert Leuchten nach ihrer horizontalen Lichtverteilung in Bezug auf die Montagehöhe, insbesondere für Straßen- und Flächenbeleuchtung. Jeder Typ eignet sich am besten für bestimmte Aufgaben:

TypVerteilungAnwendungenBeschreibung
ILinear/BidirektionalGehwege, schmale Straßen, RadwegeLängliches, beidseitiges Muster entlang der Leuchtenachse
IIEtwas breiter linearNebenstraßen, Gassen, breite GehwegeBreiteres Oval, deckt ca. 1,75-fache Montagehöhe ab
IIIWeiter BogenStraßen, Fahrspuren, ParkplätzeBreiter, fächerförmig, deckt ca. 2,75-fache Montagehöhe ab
IVHalbkreisförmigGrundstücksgrenzen, RandbereicheWeiter Vorwärtswurf, bis zu 3,7-fache Montagehöhe
VKreisförmig/QuadratischPlätze, Kreuzungen, offene FlächenGleichmäßig, 360°-Abdeckung; runde oder quadratische Verteilung

Technischer Hinweis:
Typ III und IV minimieren dunkle Bereiche und maximieren die nutzbare Ausleuchtung, während Typ V eine gleichmäßige Beleuchtung in alle Richtungen bietet – ideal für zentrale Installationen auf offenen Flächen.

Luftfahrt-Kontext

In der Luftfahrt sind vergleichbare Verteilungstypen für Bahn-, Rollweg- und Anflugbeleuchtung definiert. Die Lichtverteilungskurven sind streng geregelt, um Piloten Sichtbarkeit zu bieten und gleichzeitig Blendung und Lichtverschmutzung zu verhindern – gemäß ICAO Annex 14 und nationalen Normen.

NEMA-Abstrahlwinkeltypen (1–7)

Die National Electrical Manufacturers Association (NEMA) klassifiziert Lichtverteilungskurven anhand des Winkelbereichs (in Grad), bei dem die Lichtintensität auf 10 % des Maximums absinkt – nützlich für Spots, Fluter und gerichtete Lichtquellen.

NEMA-TypAbstrahlwinkel (°)BeschreibungTypische Anwendungen
110–18 × 10–18Sehr schmaler SpotFlaggen, hohe Objekte, große Entfernungen
218–29 × 18–29Schmaler SpotAkzent, Säulen, kleine Bäume
329–46 × 29–46Schmaler FluterFassaden, Beschilderung
446–70 × 46–70Mittlerer FluterSportplätze, allgemeine Außenbeleuchtung
570–100 × 70–100Breiter FluterParkplätze, große Innenräume
6100–130 × 100–130Sehr breiter FluterLagerhallen, niedrige Montage
7130+ × 130+Ultra-breiter FluterVordächer, niedrige Hallen, Brückenräume

Auswahlhilfe:
Wählen Sie NEMA-Typen für Anwendungen mit gezielten Lichtkegeln oder Akzentbeleuchtung (z. B. Sport, Architektur) und IESNA-Typen für allgemeine Flächenbeleuchtung.

Lichtstärke und photometrische Verteilung

Lichtstärke (Candela, cd) quantifiziert den Lichtstrom in eine bestimmte Richtung. Die photometrische Verteilung ist die vollständige Zuordnung der Intensität zum jeweiligen Winkel und bildet die Grundlage aller Lichtberechnungen.

Photometrische Datendateien

Hersteller liefern digitale photometrische Dateien – wie IES (.ies) oder EULUMDAT (.ldt) – mit gemessenen Intensitätswerten in definierten Winkeln. Diese Dateien sind unerlässlich für:

  • Lichtsimulationssoftware (z. B. DIALux, AGi32)
  • Nachweis der Normenkonformität (z. B. ICAO für Luftfahrt, lokale Vorschriften)
  • Berechnung von Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit, Blendung und Streulicht

Luftfahrtbeispiel:
ICAO Annex 14 legt Mindest- und Maximalwerte der Lichtstärke für Befeuerungen in bestimmten Winkelsektoren fest. Zertifizierte photometrische Daten gewährleisten Konformität und sichere Navigation.

Fortschrittliche Lichtlenkung

Optische Systeme wie Reflektoren, Linsenarrays und Diffusoren formen die photometrische Verteilung und ermöglichen individuell angepasste Lichtverteilungskurven für architektonische oder technische Anforderungen.

Symmetrische vs. asymmetrische Lichtverteilung

Symmetrische Verteilung

Eine symmetrische Lichtverteilungskurve strahlt Licht gleichmäßig in alle Richtungen um die Hauptachse ab.

  • Photometrische Kurven der Hauptachsen (z. B. C0–C180 und C90–C270) sind nahezu identisch.
  • Anwendungen: Offene Flächen, Hochregallager, Plätze, teilweise Vorfeldbeleuchtung.
  • Vorteile: Gleichmäßige Ausleuchtung, einfache Montage, kein Ausrichten nötig.
  • Nachteile: Mögliches Streulicht außerhalb des Zielbereichs.

Asymmetrische Verteilung

Eine asymmetrische Verteilung lenkt Licht gezielt in eine bevorzugte Richtung.

  • Photometrische Kurven der Hauptachsen unterscheiden sich deutlich, mit ausgeprägtem „Wurf“.
  • Anwendungen: Straßen (Licht auf Fahrbahnen lenken), Wandflutung, Randbeleuchtung, Anflug-/Bahnbeleuchtung in der Luftfahrt.
  • Vorteile: Höhere Effizienz, weniger Blendung und Streulicht, Konformität mit Dark-Sky-Anforderungen.
  • Nachteile: Erfordert genaue Ausrichtung und Planung.

Symmetrie erkennen

  • Vergleich der photometrischen Kurven (C0–C180 vs. C90–C270): identisch = symmetrisch; unterschiedlich = asymmetrisch.
  • Anwendungsfall beachten: Gezielte Beleuchtung benötigt Asymmetrie.

ICAO-Vorgabe:
Luftfahrtleuchten erfordern oft Asymmetrie (z. B. Vorwärtswurf für Anflugbefeuerung), wobei die Lichtverteilung in Normen präzise definiert ist.

Photometrische Kurven und Diagramme lesen

Photometrische Kurven zeigen grafisch, wie das Licht um eine Leuchte verteilt ist.

C-Ebenen und Bezugsachsen

  • C0–C180: Entlang der Hauptachse der Leuchte.
  • C90–C270: Quer zur Hauptachse.
  • Die Intensität wird in regelmäßigen Winkelintervallen in jeder Ebene gemessen.

Polardiagramme

Ein Polardiagramm stellt die Intensität als Radius für jeden Winkel vom Zentrum aus dar:

  • Rund/kreisförmig: Symmetrische, gleichmäßige Verteilung.
  • Elongierter Lappen: Fokussierter, schmaler Lichtkegel.
  • Seitlicher „Bauch“: Asymmetrischer, gerichteter Wurf.

Halbwerts- und Feldwinkel berechnen

  • Halbwertswinkel: Winkelbereich, in dem die Intensität > 50 % des Maximums beträgt.
  • Feldwinkel: Winkelbereich, in dem die Intensität > 10 % des Maximums beträgt.

Beispiel:

Liegt das Maximum bei 1200 cd, bestimmen Sie die Winkel, an denen die Intensität auf 600 cd (50 %) abfällt; der Winkel zwischen diesen Punkten ergibt den Halbwertswinkel.

Luftfahrtbeispiel

Anflugbefeuerungen benötigen streng definierte vertikale und horizontale Lichtverteilung gemäß ICAO Annex 14, um die Sicht für Piloten zu maximieren und Blendung am Boden zu minimieren.

Anwendungen und Beispiele

Außenbereiche

  • Typ I/II: Lineare Wege, schmale Straßen.
  • Typ III: Breitere Straßen, Parkplätze.
  • Typ IV: Grundstücksränder, Gebäudekanten.
  • Typ V: Offene Plätze, Kreuzungen.
  • Asymmetrisch: Straßen, Fassaden, Sportplätze, Dark-Sky-Konformität.

Luftfahrt

  • Bahn-/Rollwegrandleuchten: Lineare oder asymmetrische Verteilung zur Führung.
  • Anflug-/Schwellenfeuer: Asymmetrisch, Vorwärtswurf für maximale Sichtbarkeit.
  • Vorfeldbeleuchtung: Symmetrisch oder halbsymmetrisch für gleichmäßige Bodenausleuchtung.

Innenbereiche

  • Symmetrisch: Büros, Lager, Klassenzimmer, Industriehallen.
  • Asymmetrisch: Wandflutung, Ausstellungen, Akzentbeleuchtung, Galerien/Museen.

Vergleichende Übersichtstabelle

AspektIESNA-Typen (I–V)NEMA-Typen (1–7)
FokusFlächenabdeckung (horizontale Streuung)Spot/Flut (Abstrahlwinkel)
Messung50 % Maximum-Intensitätsbreite10 % Maximum-Intensitätswinkel
AnwendungenStraßen, Plätze, ParkflächenAkzent, Sport, Architektur
StandardIES LM-63, IES RP-8NEMA LE 5-2009
MerkmalSymmetrischAsymmetrisch
AbdeckungGleichmäßig, rundumGezielt, gerichtet
MontageEinfachErfordert Ausrichtung/Planung
EffizienzMittelHoch (weniger Streulicht)
EinsatzHallen, offene FlächenStraßen, Fassaden, Wandflutung, Luftfahrt

Checkliste für die Auswahl der Lichtverteilungskurve

  1. Verteilung auf die Anwendung abstimmen: Wählen Sie den passenden Typ (IESNA/NEMA, Symmetrie) für Aufgabe und Umgebung.
  2. Photometrische Dateien prüfen: Analysieren Sie Polardiagramme und digitale Daten (IES/LDT) auf Eignung und Normenkonformität.
  3. Montage und Flächengröße einschätzen: Nutzen Sie Isolux-Diagramme zur Überprüfung der Abdeckung bei vorgesehener Montagehöhe.
  4. Blendung und Lichtverschmutzung vermeiden: Setzen Sie asymmetrische Verteilungen und/oder Abschirmungen für Straßen, Randbereiche und Luftfahrt ein.
  5. Energieeinsatz optimieren: Gezielt gerichtetes Licht verbessert Effizienz und reduziert Verluste.
  6. Simulation vor Installation: Überprüfen Sie Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendungswerte mit Lichtplanungssoftware.
  7. Normen beachten: Achten Sie auf die Einhaltung von IES, CIE, ICAO und lokalen Vorschriften.
  8. Symmetrie prüfen: Stimmen Sie die Verteilung auf die Anwendung ab (Herstellerdaten oder Laborberichte nutzen).

Weitere Ressourcen

  • IES Lighting Handbook
  • ICAO Annex 14, Vol. 1 – Aerodrome Design and Operations
  • CIE Technische Berichte zur Photometrie
  • Photometrische Datenblätter und Simulationsdateien der Hersteller (IES/LDT)
  • DIALux, AGi32 Lichtsimulationssoftware

Zusammengefasst:
Die Lichtverteilungskurve ist das bestimmende Merkmal der Leistung einer Leuchte – entscheidend dafür, dass das richtige Licht am richtigen Ort und in der richtigen Intensität ankommt. Ob in der Luftfahrt für sichere Flugfelder, bei der Straßen- oder Architekturbeleuchtung oder in industriellen und Innenräumen: Das Verständnis und die Anwendung von Verteilungsdaten sind der Schlüssel zum Erfolg jedes Lichtprojekts.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Lichtverteilungskurve in der Beleuchtung?

Eine Lichtverteilungskurve beschreibt die räumliche Verteilung der Lichtintensität einer Lichtquelle und zeigt, wie viel Licht in verschiedene Richtungen abgestrahlt wird. Sie wird mathematisch definiert und mit Polardiagrammen visualisiert. Die Kurve bestimmt, ob ein Lichtkegel schmal (Spot) oder breit (Flutlicht), symmetrisch oder asymmetrisch ist und wie gut er für einen bestimmten Zweck geeignet ist.

Wie werden Lichtverteilungskurven gemessen und dargestellt?

Lichtverteilungskurven werden im Labor mit Goniophotometern erfasst, die die Lichtstärke (in Candela) in verschiedenen Winkeln messen. Die Daten werden in Polar- oder Kartesischen Diagrammen dargestellt und digital in photometrischen Dateien wie IES (.ies) oder LDT (.ldt) für Lichtsimulationen und Normenprüfungen gespeichert.

Was ist der Unterschied zwischen symmetrischen und asymmetrischen Lichtverteilungskurven?

Eine symmetrische Lichtverteilungskurve strahlt Licht gleichmäßig in alle Richtungen um ihre Achse ab und sorgt für eine gleichmäßige Ausleuchtung. Eine asymmetrische Verteilung lenkt mehr Licht gezielt in eine Richtung, was z. B. für Straßen, Wände oder gezielte Beleuchtung effizient ist und Streulicht reduziert.

Warum sind Lichtverteilungskurven in der Luftfahrtbeleuchtung wichtig?

Die Luftfahrtbeleuchtung erfordert präzise Lichtverteilungskurven, damit Start- und Landebahnen, Rollwege und Anflugbereiche unter allen Bedingungen für Piloten gut sichtbar sind und gleichzeitig Blendung und Lichtverschmutzung vermieden werden. Internationale Normen (wie ICAO Annex 14) legen strenge Anforderungen an Intensität und Verteilung der Befeuerung fest.

Wie wähle ich die richtige Lichtverteilungskurve für meine Anwendung aus?

Analysieren Sie die Projektanforderungen, relevante Normen (IES, ICAO, CIE) und die photometrischen Daten der Hersteller. Nutzen Sie Simulationssoftware, um die Verteilung zu modellieren, prüfen Sie auf ausreichende Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendungsbegrenzung und stellen Sie sicher, dass die gewählte Lichtverteilung zur Aufgabe und Umgebung passt.

Optimieren Sie Ihre Lichtplanung

Nutzen Sie präzise Lichtverteilungskurven, um Leistung, Sicherheit und Energieeffizienz in jedem Projekt zu verbessern. Simulieren und spezifizieren Sie die passende Leuchte mit exakten photometrischen Daten.

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