Entscheidungshöhe (DA)

Aviation Instrument Flying Approach Minimums Pilot Training

Entscheidungshöhe (DA)

Umfassende Definition

Die Entscheidungshöhe (DA) ist ein grundlegendes Konzept moderner Instrumentenanflugverfahren mit vertikaler Führung – beispielsweise Instrumentenlandesystem (ILS), Ground-Based Augmentation System (GLS), satellitengestützte Localizer Performance with Vertical Guidance (LPV) und LNAV/VNAV-Anflüge. Die DA ist die exakt definierte Höhe, gemessen in Fuß über dem mittleren Meeresspiegel (MSL), bei der ein Pilot entscheiden muss, ob er den Anflug zur Landung fortsetzt oder ein Durchstartverfahren einleitet, falls die erforderlichen visuellen Referenzen für die vorgesehene Landebahnumgebung nicht sichtbar sind.

Die DA ist als entscheidender Schwellenwert für Hindernisfreiheit und Sicherheit ausgelegt: Sie ist der niedrigste Punkt eines vertikal geführten Anflugs, bis zu dem ein Pilot nach Instrumentenflugregeln (IFR) ohne visuelle Referenz zur Landebahnumgebung sinken darf. Die Höhe wird sorgfältig berechnet und basiert auf Gelände, Hindernissen, Zuverlässigkeit der Navigationshilfen sowie den Leistungsmerkmalen des Anflugs und der Flugzeugklasse. Die DA stellt sicher, dass das Luftfahrzeug beim Einleiten eines Durchstartmanövers sicher vom Anflug in den Steigflug übergehen und dabei im geschützten Luftraum verbleiben kann.

In Anflugkarten wird die DA häufig als “DA(H)” vermerkt, wobei das “H” die zugehörige Höhe über der Landebahnschwelle (Above Ground Level, AGL) kennzeichnet. Diese doppelte Darstellung hilft Piloten, das Minimum sowohl in Bezug auf MSL als auch AGL präzise zu interpretieren.

Erreicht ein Pilot die DA, ist eine sofortige und eindeutige Entscheidung erforderlich: Sind die notwendigen visuellen Referenzen (wie in den Vorschriften definiert, beispielsweise Anflugbefeuerung, Landebahnschwelle oder Markierungen) in Sicht und befindet sich das Luftfahrzeug in einer Position, die eine sichere Landung mit normalen Flugmanövern ermöglicht, darf der Anflug zur Landung fortgesetzt werden. Ist dies nicht der Fall, muss das veröffentlichte Durchstartverfahren unverzüglich eingeleitet werden. Im Gegensatz zu Nicht-Präzisionsanflügen (mit Mindestanflughöhe, MDA, bei denen ein „Ausholen“ und Weiterflug bis zu einem bestimmten Punkt erlaubt ist) ist die DA ein sofort wirksamer, vertikaler Entscheidungspunkt.

Die DA wird von Regulierungsbehörden wie der FAA und der ICAO vorgeschrieben und bildet eine rechtliche sowie verfahrenstechnische Schutzmaßnahme gegen kontrollierten Flug ins Gelände (CFIT) und gewährleistet standardisierte Entscheidungsfindung bei Instrumentenanflügen.

DA vs. MDA vs. DH: Die Unterschiede verstehen

Instrumentenanflugverfahren verwenden drei zentrale Minima:

  • DA (Decision Altitude): Wird bei Präzisions- und Anflugverfahren mit vertikaler Führung (APV) verwendet und in Fuß MSL gemessen. Das Luftfahrzeug darf die DA nur unterschreiten, wenn die erforderlichen Sichtmerkmale vorhanden sind. Die Entscheidung zu landen oder durchzustarten wird sofort an diesem Punkt getroffen.
  • DH (Decision Height): Wird bei ILS-Anflügen der Kategorie II und III verwendet, bezieht sich auf die Höhe in Fuß über Grund (AGL) und wird mit Funkhöhenmesser gemessen. Das Prinzip ist identisch mit der DA, jedoch ist die Referenz die Höhe über der Landebahn, nicht über dem Meeresspiegel.
  • MDA (Minimum Descent Altitude): Gilt für Nicht-Präzisionsanflüge (ohne vertikale Führung), gemessen in Fuß MSL. Der Pilot darf auf der MDA in den Horizontalflug übergehen und bis zum Missed Approach Point (MAP) weiterfliegen, bevor er sich für Landung oder Durchstart entscheidet.

Zentrale Unterschiede:

MerkmalDA (Decision Altitude)DH (Decision Height)MDA (Minimum Descent Altitude)
Verwendung beiPräzision/APV (ILS, LPV, GLS, LNAV/VNAV)CAT II/III ILSNicht-Präzision (VOR, LOC, NDB, LNAV)
ReferenzFuß MSL (barometrisch)Fuß AGL (Funkhöhenmesser)Fuß MSL (barometrisch)
Handlung am MinimumEntscheidung: Landen oder DurchstartEntscheidung: Landen oder DurchstartLevel auf MDA bis MAP, dann Entscheidung
Ausholen erlaubt?NeinNeinJa (bis MAP)
Missed Approach PointBei DABei DHBei MAP (Fix, Zeit, DME)

Betriebliche Besonderheit:
Bei Anflügen mit DA/DH ist der Missed Approach Point vertikal definiert (im Moment, in dem das Flugzeug die DA/DH auf dem Gleitpfad erreicht), während er bei MDA-Anflügen horizontal festgelegt ist (Erreichen eines Fixes, einer Distanz oder abgelaufener Zeit).

Rechtlicher und regulatorischer Kontext

Die Verwendung der Entscheidungshöhe ist streng geregelt:

  • Vereinigte Staaten: FAA-Regelung FAR 91.175 verbietet das Unterschreiten von DA/DH (oder MDA), es sei denn:
    1. Das Luftfahrzeug befindet sich in einer Position, die eine Landung mit normalen Flugmanövern ermöglicht.
    2. Die erforderliche Flugsicht entspricht mindestens den Anflugminima.
    3. Die erforderlichen visuellen Referenzen für die Landebahn sind klar erkennbar und identifizierbar.
  • International: ICAO Doc 8168 und PANS-OPS definieren die Anwendung, Gestaltung und betrieblichen Verfahren der DA, um weltweite Standardisierung und Sicherheit zu gewährleisten.

Durchstartverfahren werden so ausgelegt, dass sie auch bei einer leichten Unterschreitung der DA Hindernisfreiheit gewährleisten, unter Berücksichtigung typischer Reaktionszeiten von Pilot und Flugzeug. Das Unterschreiten der DA ohne Sichtreferenzen stellt einen Verstoß gegen Vorschriften und eine Sicherheitsgefährdung dar und kann rechtliche sowie betriebliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Einsatz der DA bei Präzisionsanflügen

Die DA steht im Mittelpunkt aller Anflüge mit vertikaler Führung:

  • Anflüge mit DA: ILS, GLS, LPV, LNAV/VNAV, bestimmte RNP AR-Anflüge.
  • Darstellung in Karten: DA wird im Minima-Bereich von Anflugkarten (als DA(H)) ausgewiesen und zeigt sowohl MSL- als auch AGL-Werte an.
  • Im Cockpit: Piloten stellen die DA mit Hilfe der Avionik ein (Höhenvorwahl, Minimums-Selector oder FMS), um akustische und visuelle Alarme beim Erreichen des Entscheidungspunktes zu erhalten.

Bei DA muss der Pilot von Instrumenten- auf Sichtflugreferenzen wechseln; sind die Sichtminima nicht erfüllt, wird das Durchstartverfahren unverzüglich eingeleitet. Diese betriebliche Disziplin wird durch Training, Checklisten und Cockpit-Automatisierung unterstützt.

Praktische Cockpit-Abläufe bei Erreichen der DA

Beim Anflug auf die DA erfolgt im Cockpit eine festgelegte Abfolge:

  1. Visuelle Suche: Ausschau nach Anflugbefeuerung, Landebahnschwelle, Markierungen, Aufsetzzone oder anderen relevanten Sichtmerkmalen halten.
  2. Höhenmesser-Überprüfung: Barometrischen (oder bei DH: Funk-) Höhenmesser mit der veröffentlichten DA abgleichen.
  3. „Minimums“-Callout: Standardisierter Ausruf, um die Aufmerksamkeit des Piloten zu fokussieren.
  4. Unverzügliche Entscheidung:
    • Sind Sichtreferenzen und eine sichere Landeposition gegeben, wird der Anflug fortgesetzt und gelandet.
    • Andernfalls wird das veröffentlichte Durchstartverfahren ohne Verzögerung eingeleitet.

Automatische Warnungen („Approaching Minimums“, „Minimums“) und CRM-Protokolle unterstützen eine rechtzeitige und korrekte Reaktion an der DA.

Durchstartverfahren bei DA

Durchstartverfahren sind speziell für die sofortige Einleitung an der DA ausgelegt:

  • Leistung: Steigleistung setzen.
  • Pitch: Steigfluglage einstellen.
  • Konfiguration: Klappen und Fahrwerk nach Bedarf einfahren.
  • Navigation: Der veröffentlichten Missed Approach-Route folgen.

Die Verfahrensauslegung berücksichtigt normale Reaktionszeiten von Pilot und Flugzeug, sodass ein geringfügiger Höhenverlust nach DA ohne Gefährdung der Hindernisfreiheit möglich ist.

Technische und betriebliche Besonderheiten

  • Höhenmessquelle: DA ist in der Regel barometrisch, DH (für CAT II/III) wird mit Funkhöhenmesser gemessen.
  • Flugzeugkategorie: DA-Werte sind auf Anflugkategorien (A-E) für Leistung und Hindernisfreiheit zugeschnitten.
  • Höhenverlust-Zulassung: Standards erlauben einen kleinen Höhenverlust bei Einleitung des Durchstartmanövers nach DA.
  • Avionik-Integration: Moderne Systeme ermöglichen die Eingabe der DA, Warnhinweise und Automatisierung – Disziplin des Piloten bleibt unerlässlich.
  • Umwelteinflüsse: Temperatur und Luftdruck beeinflussen barometrische Höhenmessungen; Piloten müssen korrekte lokale Einstellungen nutzen.
  • Spezielle Verfahren: Einige Sichtanflüge können zur Standardisierung und Sicherheit ebenfalls eine DA veröffentlichen.

Human Factors an der DA: Sicherheit und Fehlerquellen

Das menschliche Verhalten an der DA ist beeinflusst durch:

  • Erwartungsbias: Das Erwarten von Sichtreferenzen an der DA kann zu verzögertem Durchstart oder zum Überschreiten des Minimums führen.
  • Arbeitsbelastung und Stress: Hohe Arbeitsbelastung an der DA erhöht das Risiko von Verfahrensfehlern.
  • CRM und Kommunikation: Klare Briefings, Rollenverteilung und Callouts sind entscheidend für eine schnelle und korrekte Handlung.

Effektives Training und Cockpit-Disziplin sind unerlässlich, um Fehler zu vermeiden und die Einhaltung der DA sicherzustellen.

DA in der Pilotenausbildung und im Flugbetrieb

Das Verständnis und die korrekte Anwendung der DA sind essenziell für:

  • Pilotenausbildung: Im Instrumentenflug, bei Wiederholungstrainings und Musterberechtigungen ein zentrales Thema.
  • Standard Operating Procedures: Fluggesellschaften und Betreiber integrieren DA-Verfahren in SOPs und Checklisten.
  • Flugsimulation: Regelmäßig in Simulatoren unter verschiedenen Wetter- und Störungsszenarien geübt.

DA und technologische Entwicklungen

  • Cockpit-Automatisierung: Moderne Avionik und Flugmanagementsysteme unterstützen die Einhaltung der DA mit konfigurierbaren Minima, Warnungen und Durchstartmodi.
  • Performance-Based Navigation (PBN): Die DA spielt eine zentrale Rolle in fortschrittlichen Anflugverfahren und ermöglicht sichere, effiziente Abläufe an mehr Flughäfen und bei schlechteren Wetterbedingungen.
  • Zukunftstrends: Ein zunehmender Einsatz von satellitengestützter Navigation, Head-Up-Displays (HUD) und Enhanced Vision Systems (EVS) kann die Interaktion der Piloten mit der DA verändern, wird ihre sicherheitsrelevante Grundfunktion jedoch nicht ersetzen.

Fazit

Die Entscheidungshöhe (DA) ist ein zentrales Element instrumentengestützter Anflugverfahren mit vertikaler Führung und stellt einen nicht verhandelbaren Entscheidungspunkt für Landung oder Durchstart dar. Sie ist präzise berechnet, streng reguliert und fest in Pilotenausbildung, Cockpitverfahren und Luftfahrtsicherheitskultur verankert. Die Beherrschung der DA ist für einen sicheren, gesetzeskonformen und effizienten Instrumentenflugbetrieb unerlässlich.

Verwandte Begriffe

  • Mindestanflughöhe (MDA)
  • Entscheidungshöhe (DH)
  • Instrumentenlandesystem (ILS)
  • Localizer Performance with Vertical Guidance (LPV)
  • Missed Approach Point (MAP)
  • Instrumentenanflugverfahren (IAP)
  • Controlled Flight into Terrain (CFIT)
  • Crew Resource Management (CRM)

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Häufig gestellte Fragen

Was ist die Entscheidungshöhe (DA) in der Luftfahrt?

Die Entscheidungshöhe (DA) ist die festgelegte Höhe bei einem Präzisions- oder vertikal geführten Instrumentenanflug, bei der ein Pilot entscheiden muss, ob er den Anflug fortsetzt und landet, falls die erforderlichen Sichtreferenzen sichtbar sind, oder ob er das Durchstartverfahren sofort einleitet, falls dies nicht der Fall ist. Die DA gewährleistet Hindernisfreiheit und ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Minimum, das ohne entsprechende visuelle Anhaltspunkte nicht unterschritten werden darf.

Worin unterscheidet sich die DA von MDA und DH?

DA (Decision Altitude) wird bei Anflügen mit vertikaler Führung (z. B. ILS, LPV, LNAV/VNAV) verwendet und bezieht sich auf die Höhe über dem Meeresspiegel. Beim Erreichen der DA ist eine sofortige Entscheidung erforderlich. DH (Decision Height) ist ähnlich, bezieht sich aber auf die Höhe über Grund und wird typischerweise bei CAT II/III ILS-Anflügen mit Funkhöhenmesser verwendet. MDA (Minimum Descent Altitude) gilt für Nicht-Präzisionsanflüge (z. B. VOR, LOC) und erlaubt dem Piloten, auf dieser Höhe zu bleiben und bis zu einem festgelegten Punkt zu fliegen, bevor er landet oder durchstartet.

Welche Maßnahmen muss ein Pilot bei Erreichen der DA ergreifen?

Beim Erreichen der DA muss der Pilot sofort nach den erforderlichen visuellen Referenzen für die Landebahn Ausschau halten. Sind diese sichtbar und befindet sich das Flugzeug in einer sicheren Position zur Landung, kann der Anflug visuell fortgesetzt werden. Andernfalls muss das Durchstartverfahren ohne Zögern eingeleitet werden, um die Sicherheit und Hindernisfreiheit zu gewährleisten.

Warum ist die DA für die Flugsicherheit wichtig?

Die DA bildet eine entscheidende Sicherheitsschwelle, indem sie sicherstellt, dass Piloten eine klare, rechtzeitige Entscheidung über Landung oder Durchstart treffen. Dadurch wird das Risiko eines kontrollierten Fluges in das Gelände (CFIT) reduziert und die Einhaltung standardisierter Verfahren bei Instrumentenwetterbedingungen erzwungen. Die Einhaltung der DA ist gesetzlich vorgeschrieben, um Hindernisfreiheit und die Vermeidung rechtlicher sowie betrieblicher Konsequenzen sicherzustellen.

Wie wird die DA festgelegt und veröffentlicht?

Die DA wird auf Basis einer detaillierten Bewertung von Gelände, Hindernissen, Navigationshilfen und Flugzeugleistung berechnet. Sie wird in Instrumentenanflugkarten veröffentlicht, meist als 'DA(H)', wobei das 'H' die Höhe über der Schwelle der Landebahn angibt. Die DA-Werte sind auf die jeweiligen Anflugkategorien der Flugzeuge zugeschnitten, um ausreichende Hindernisfreiheit zu gewährleisten.

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