Einschaltdauer

Electrical concepts PWM Motors Solenoids

Einschaltdauer (Elektrik): Verhältnis von Betriebszeit zu Gesamtzeit

Definition

Einschaltdauer ist eine wichtige Kenngröße in elektrischen und elektronischen Systemen und beschreibt den Anteil der Zeit, in der ein Gerät, Signal oder Prozess innerhalb eines wiederkehrenden Zeitraums „ein“ (aktiv) ist. Die Einschaltdauer wird als Prozentsatz angegeben und gibt an, wie viel Prozent eines Zyklus das System arbeitet und wie viel es im Leerlauf oder „aus“ ist. Ist ein Gerät beispielsweise 2 Sekunden an und 8 Sekunden aus in einem 10-Sekunden-Zyklus, beträgt die Einschaltdauer 20 %. Dieses Verhältnis ist entscheidend für die Systemleistung, die durchschnittliche Leistungsabgabe, das Wärmemanagement und die Lebensdauer von Geräten.

Wichtige Begriffe

  • Aktive (Ein-) Zeit: Die Zeitspanne eines Zyklus, in der das Gerät oder Signal eingeschaltet oder „an“ ist.
  • Inaktive (Aus-) Zeit: Der Zeitraum jedes Zyklus, in dem das Gerät abgeschaltet oder „aus“ ist.
  • Gesamtperiode (Zykluszeit): Die Summe aus aktiver und inaktiver Zeit – ein vollständiger Zyklus.
  • Impulsbreite: Die Länge des „ein“-Zustands in jedem Zyklus.
  • Frequenz: Wie oft der Ein-Aus-Zyklus pro Sekunde wiederholt wird (Hertz, Hz).
  • Ausgedrückter Prozentsatz: Die Einschaltdauer wird immer als Prozentsatz angegeben:
    Einschaltdauer (%) = (Einschaltzeit / Gesamtperiode) × 100

Formel für die Einschaltdauer

Die allgemeingültige Formel lautet:

Einschaltdauer (%) = (Einschaltzeit ÷ Gesamtperiode) × 100

Beispiel:
Gerät ist 2 s an, 8 s aus (Gesamt = 10 s):
Einschaltdauer = (2 / 10) × 100 = 20 %

Diese Berechnung ist grundlegend für die Auswahl, Auslegung und Wartung aller Arten elektrischer Geräte und wird in Industriestandards (IEC, ICAO, FAA usw.) verwendet.

Warum die Einschaltdauer wichtig ist

Grenzwerte der Einschaltdauer dienen der Begrenzung der durchschnittlichen Wärmeentwicklung, verhindern Geräteausfälle und garantieren einen sicheren Betrieb. Hohe Einschaltdauern bedeuten mehr Wärme und mögliche Belastung – niedrige Einschaltdauern ermöglichen eine Abkühlung kritischer Komponenten. Viele Geräte – Motoren, Magnete, Aktuatoren – sind nicht für Dauerbetrieb ausgelegt und überhitzen bei Überschreitung ihrer Nenn-Einschaltdauer.

In regulierten Bereichen (wie Luftfahrt oder Schwerindustrie) ist die Einhaltung der Einschaltdauer-Vorgaben eine Sicherheits- und Konformitätsanforderung. Hersteller und Normungsgremien definieren präzise Einschaltdauer-Klassen in Datenblättern und Vorschriften.

Anwendungsbeispiele im Detail

Pulsweitenmodulation (PWM)

PWM nutzt variierende Einschaltdauern zur Steuerung der mittleren Leistung. Beispielsweise kann die Helligkeit einer LED oder die Drehzahl eines Motors durch die Änderung des Verhältnisses von Ein- zu Aus-Zeit im PWM-Signal reguliert werden. Eine Einschaltdauer von 40 % bedeutet, dass das Gerät in jedem Zyklus zu 40 % mit Strom versorgt wird – mit entsprechend schwächerem Licht oder langsamerer Drehzahl im Vergleich zu 100 %.

Elektromotoren

  • Dauerbetrieb (100 %): Kann bei Nennlast unbegrenzt laufen.
  • Aussetzbetrieb (<100 %): Muss zur Vermeidung von Überhitzung ein- und ausgeschaltet werden.
  • Normierte Typen: Die IEC 60034-1 definiert Betriebsklassen (S1–S8) für Motoren, jeweils mit spezifischen Anforderungen an Betrieb und Kühlung.

Magnetventile

Magnete haben häufig strenge Einschaltdauerbegrenzungen (z. B. 25 %, 50 %), um ein Durchbrennen der Spule zu verhindern. Ein Magnet mit 25 % Einschaltdauer darf z. B. 15 s in einem 60-s-Zyklus angesteuert werden.

Aktuatoren

Aktuatoren (linear/rotativ) sind oft einschaltdauerbegrenzt. Wird die Einschaltdauer überschritten, kommt es zu Überhitzung, Lebensdauerminderung und potenziell schwerwiegenden Ausfällen – besonders in sicherheitskritischen Bereichen wie der Luftfahrt.

Schweißgeräte

Schweißstromquellen sind für eine bestimmte Einschaltdauer ausgelegt (z. B. 60 % bei Maximalstrom), was bedeutet, dass sie 6 Minuten innerhalb von 10 Minuten betrieben werden dürfen, bevor eine Abkühlung erforderlich ist.

LED-Dimmung

PWM-basierte LED-Dimmung nutzt die Einschaltdauer zur Helligkeitsregelung, minimiert die Wärmeentwicklung und maximiert die Effizienz.

Rechenbeispiele

PWM-Signalbeispiel:
Ein Mikrocontroller gibt ein PWM-Signal mit 10 ms Periode aus. Die LED ist 4 ms an, 6 ms aus.
Einschaltdauer = (4 / 10) × 100 = 40 %

Aktuator-Beispiel:
Ein 30-s-Ein-, 90-s-Aus-Zyklus.
Gesamtperiode = 120 s
Einschaltdauer = (30 / 120) × 100 = 25 %

Messung der Einschaltdauer

Mit einem Multimeter

  1. Auf Frequenz-/Einschaltdauermodus stellen.
  2. Messspitzen an das Signal anschließen.
  3. Angezeigten Prozentwert ablesen.

Mit einem Oszilloskop

  1. Tastkopf an das Signal anschließen.
  2. Mit den Cursorn Ein-Zeit und Gesamtperiode messen.
  3. Einschaltdauer berechnen.

Oszilloskope sind bei komplexen oder schnellen Signalen unerlässlich.

Faktoren, die die Einschaltdauer beeinflussen

  • Belastungsgrad: Höhere Lasten erzeugen mehr Wärme und erfordern geringere Einschaltdauern.
  • Umgebungsbedingungen: Hohe Umgebungstemperatur verringert die zulässige Einschaltdauer.
  • Gerätetyp: Elektrische Geräte (Motoren, Magnete) reagieren empfindlicher auf die Einschaltdauer als pneumatische.
  • Stromversorgung: Schwankungen oder Störungen können die sichere Einschaltdauer verringern.
  • Steuersignalfrequenz: Höhere Frequenzen erhöhen die Schaltverluste.

Immer die Herstellerdatenblätter für exakte Werte und Abminderungsfaktoren konsultieren.

Industriestandards und typische Werte

  • Dauerbetrieb (100 %): Pumpen, Industriemotoren, Flugzeugbeleuchtung.
  • Manuelle Schweißgeräte: Typisch 60 % Einschaltdauer.
  • Magnete/Ventile: 25 %, 50 % oder 100 %.
  • Aktuatoren: Typisch 10–50 %, bis zu 100 % bei Spezialmodellen.
  • PWM-Regler: 0–100 %, je nach Anwendung.

IEC-, ICAO- und FAA-Standards legen Einschaltdauerklassen für zugelassene Geräte fest.

Geräteauswahl & Best Practices

  • Die zulässige Einschaltdauer niemals überschreiten.
  • Für anspruchsvolle oder kritische Anwendungen Geräte mit höherer Einschaltdauer wählen.
  • Umgebung und Last berücksichtigen (Temperatur, Belüftung).
  • Gerätetemperatur während des Betriebs überwachen.
  • Kühlung ggf. verbessern, aber unbedingt mit dem Hersteller abklären.
  • Einschaltdauern in regulierten Bereichen zur Nachweisführung dokumentieren.

Weiterführende Literatur & Quellen

Das Verständnis und Management der Einschaltdauer ist entscheidend für den sicheren, zuverlässigen und effizienten Betrieb elektrischer und elektronischer Systeme – von der industriellen Automatisierung bis zur Flugsicherheit. Für gerätespezifische Empfehlungen zur Einschaltdauer immer auf maßgebende Normen und die Dokumentation des Herstellers zurückgreifen.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet eine Einschaltdauer von 100 %?

Eine Einschaltdauer von 100 % bedeutet, dass ein Gerät oder Signal während des gesamten Zyklus ohne Unterbrechung arbeitet. Geräte mit 100 % Einschaltdauer können bei Nennlast ununterbrochen betrieben werden, ohne zu überhitzen.

Was passiert, wenn ich die zulässige Einschaltdauer überschreite?

Die Überschreitung der zulässigen Einschaltdauer kann zu Überhitzung, Isolationsschäden, vorzeitigem Ausfall und in manchen Fällen zum Erlöschen von Garantien oder zur Verletzung von Sicherheitsvorschriften führen.

Wie beeinflusst die Einschaltdauer die Helligkeit von LEDs oder die Drehzahl von Motoren?

In Systemen mit Pulsweitenmodulation (PWM) erhöht eine größere Einschaltdauer die durchschnittlich zugeführte Leistung, wodurch LEDs heller leuchten oder Motoren schneller laufen. Innerhalb des Nennbereichs des Geräts ist der Zusammenhang meist linear.

Kann erzwungene Kühlung die zulässige Einschaltdauer erhöhen?

Ja, der Einbau von Kühlkörpern, Lüftern oder verbesserter Belüftung kann die sichere Einschaltdauer erhöhen. Es sollte jedoch immer beim Hersteller nachgefragt werden, um einen sicheren und normgerechten Betrieb zu gewährleisten.

Sind pneumatische Aktuatoren von Einschaltdauergrenzen betroffen?

Pneumatische Aktuatoren sind weniger durch die Einschaltdauer aufgrund von Wärme begrenzt, jedoch können mechanischer Verschleiß und die Anwendung selbst trotzdem Zyklusgrenzen vorgeben.

Warum ist die Einschaltdauer bei Magnetventilen wichtig?

Einschaltdauergrenzen verhindern eine Überhitzung der Magnetspule und erhalten die Lebensdauer sowie Zuverlässigkeit des Magneten – insbesondere in sicherheitskritischen Anwendungen.

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