Präzisionsanflug

Aviation Air Traffic Control Flight Operations Instrument Approach

Präzisionsanflug: Instrumentenanflug mit vertikaler und seitlicher Führung

Ein Präzisionsanflug (PA) ist das Fundament moderner Flugsicherheit und ermöglicht Flugzeugen sichere Landungen, selbst wenn die Wetterbedingungen Sichtlandungen unmöglich machen. Durch die Bereitstellung sowohl seitlicher (links/rechts) als auch vertikaler (hoch/runter) Führung leiten Präzisionsanflüge Piloten vom Endanflugsegment direkt zur Schwelle der Landebahn, sorgen für einen stabilisierten Sinkflug und minimieren Risiken wie Controlled Flight Into Terrain (CFIT). Präzisionsanflüge sind für die meisten kommerziellen Flüge unter Instrumentenflugregeln (IFR) vorgeschrieben und stehen für jahrzehntelange technologische Innovation und internationale Standardisierung.

Hauptkomponenten und Systeme von Präzisionsanflügen

Instrumentenlandesystem (ILS)

Das Instrumentenlandesystem (ILS) ist das weltweit am weitesten verbreitete Präzisionsanflugssystem und besteht aus zwei Hauptkomponenten:

  • Localizer (LOC): Bietet seitliche Führung und richtet das Flugzeug auf die Landebahnmittellinie aus.
  • Gleitweg (GS): Bietet vertikale Führung, typischerweise mit einem Sinkwinkel von 3 Grad bis zum Aufsetzpunkt.

ILS-Anlagen können auch Markierungssender oder Entfernungsmessgeräte (DME) für Entfernungsinformationen sowie hochintensive Anflugbefeuerungssysteme (ALS) zur Verbesserung der Sichtreferenzen im Endanflug umfassen. Das ILS ist in die Kategorien I, II und III unterteilt, die jeweils niedrigere Entscheidungshöhen und Runway Visual Ranges (RVR) unterstützen und so Landungen bei immer schlechteren Sichtverhältnissen ermöglichen.

ILS-Kategorien

  • CAT I: Mindestens 200 Fuß DA, 550 Meter RVR
  • CAT II: Mindestens 100 Fuß DA, 300 Meter RVR
  • CAT III (a/b/c): Bis zu 0 Fuß DA und mindestens 75 Meter RVR, unterstützt volles Autoland

Diese Kategorien erfordern spezielle Flughafeninfrastruktur, zertifizierte Bordausrüstung und entsprechende Ausbildung der Besatzung. Das ILS ist weiterhin der Goldstandard der Präzisionsanflugtechnik, jedoch führen Kosten, Wartungsaufwand und Anfälligkeit gegenüber Gelände und Hindernissen zu einer allmählichen Verlagerung hin zu satellitengestützten Lösungen.

GBAS-Landesystem (GLS)

Das GBAS-Landesystem (GLS), auch Ground-Based Augmentation System genannt, ist eine moderne Weiterentwicklung, die GNSS-Signale (hauptsächlich GPS), verstärkt durch bodengestützte Korrekturdaten, zur Präzisionsanflugführung nutzt. Im Gegensatz zum ILS kann eine einzelne GLS-Anlage Anflüge auf mehrere Landebahnen unterstützen und flexible, gekrümmte oder versetzte Anflugverfahren ermöglichen.

GLS bietet niedrigere Infrastrukturkosten, ist unempfindlich gegenüber Signalverzerrungen durch Gelände oder Gebäude (eine Schwäche des ILS) und kann komplexe Flughafenlayouts bedienen. Mit dem Fortschritt der GNSS-Technologie wird das GLS künftig eine immer wichtigere Rolle spielen, insbesondere an Flughäfen, an denen sich eine ILS-Installation nicht lohnt.

Präzisionsanflugradar (PAR)

Präzisionsanflugradar (PAR) wird hauptsächlich an Militärflugplätzen und als Backup auf einigen zivilen Flugplätzen genutzt. Anstatt dass das Flugzeug elektronische Signale verarbeitet, geben Fluglotsen dem Piloten in Echtzeit sprachliche Kurs- und Gleitweganweisungen auf Basis hochauflösender Radardaten. Obwohl dies personalintensiv ist, ist das PAR für Ausbildung, Testbetrieb und Standorte ohne andere Präzisionshilfen von unschätzbarem Wert.

Kritische Parameter beim Präzisionsanflug

Entscheidungshöhe (DA/DH)

Die Entscheidungshöhe (DA, über dem Meeresspiegel) bzw. Entscheidungshöhe (DH, über der Landebahnschwelle) ist die Höhe, bei der der Pilot entscheiden muss, ob er den Anflug fortsetzt und landet, sofern die Landebahn sichtbar ist, oder andernfalls das Fehlanflugverfahren einleitet. Die veröffentlichten Werte werden streng eingehalten und basieren auf Hindernisfreiheit, Systemleistung und Flughafeninfrastruktur.

Runway Visual Range (RVR)

Die Runway Visual Range (RVR) misst die Sichtweite entlang der Landebahn aus Sicht des Piloten auf der Mittellinie. Die Werte werden von Transmissometern entlang der Landebahn an wichtigen Punkten (Aufsetzpunkt, Mitte, Ausrollstrecke) gemessen. Die RVR ist ein entscheidender Faktor für die Anflug- und Landeminima, wobei niedrigere Werte für höhere ILS-Kategorien erforderlich sind.

Anflugbefeuerungssysteme (ALS)

Ein hochintensives Anflugbefeuerungssystem (ALS) ist entscheidend für den Übergang vom Instrumenten- zum Sichtflug im Endanflug. Die Konfigurationen ALSF-1 und ALSF-2 sind für CAT II/III-Operationen vorgeschrieben und bieten sequenzielle Blitzlichter und hochintensive Lampen, die in den Anflugbereich hineinreichen.

Anflugarten: Präzision vs. Nicht-Präzision

Präzisionsanflug (PA)

  • Bietet: Sowohl seitliche als auch vertikale Führung
  • Systeme: ILS, GLS, PAR
  • Minima: Entscheidungshöhe (DA/DH)
  • Einsatz: Große Verkehrs- und Militärflughäfen, schlechte Sicht

Nicht-Präzisionsanflug (NPA)

  • Bietet: Nur seitliche Führung (z. B. über VOR, NDB, LOC, RNAV LNAV)
  • Vertikale Führung: Keine; Sinkflug bis zur Mindesthöhe (MDA)
  • Minima: Höher als PA, erhöhtes Risiko bei schlechtem Wetter oder schwierigem Gelände

Anflug mit vertikaler Führung (APV)

  • Bietet: Sowohl seitliche als auch vertikale Führung, jedoch nicht nach vollen Präzisionsstandards (z. B. LPV, LNAV/VNAV via SBAS wie WAAS)
  • Status: Nicht als Präzisionsanflug nach ICAO/FAA klassifiziert, bietet aber deutliche Sicherheitsvorteile gegenüber NPA

Unterstützende Technologien und Infrastruktur

Markierungssender

Markierungssender sind historische bodengebundene Sender, die wichtige Punkte im Anflug markieren, etwa den Outer Marker (FAF), den Middle Marker (ungefähre DA bei CAT I) und den Inner Marker (Schwelle bei CAT II/III). Sie werden zunehmend durch DME oder GPS-Wegpunkte ersetzt.

Localizer (LOC) und Gleitweg (GS)

  • Localizer (LOC): VHF-Sender, ausgerichtet auf die Landebahnmittellinie für seitliche Führung.
  • Gleitweg (GS): UHF-Sender, bietet einen vertikalen Pfad (meist 3 Grad) bis zur Aufsetzzone.

Mindesthöhe (MDA)

Die MDA ist die niedrigste Höhe, auf die beim NPA oder im Sichtanflug abgesunken werden darf. Im Gegensatz zur Entscheidungshöhe (DA/DH) kann der Pilot auf der MDA verbleiben, bis der Fehlanflugpunkt erreicht ist und dann entscheiden, ob er landet oder durchstartet.

Autoland

Autoland-Systeme ermöglichen den komplett automatisierten Landeanflug, das Ausrollen und Anhalten des Flugzeugs, insbesondere bei CAT III-Bedingungen. Autoland erfordert ILS CAT III oder GLS-Anflüge, fortschrittlichen Autopiloten und redundante Systeme.

Betriebsverfahren und Regularien

Präzisionsanflüge werden nach Kriterien der ICAO Doc 8168 (PANS-OPS), FAA TERPS und regionalen Äquivalenten entworfen, kartiert und im Luftfahrthandbuch (AIP) veröffentlicht. Die Verfahren umfassen:

  • Initial Approach: Ausrichtung und Sinkflug zum Endanflugsegment
  • Intermediate/Final Approach: Erfassung und Verfolgung des seitlichen und vertikalen Pfads bis zur Entscheidungshöhe
  • Missed Approach: Veröffentlichtes Ausweichverfahren bei fehlenden Sichtreferenzen oder Systemausfall

Alle kommerziellen Besatzungen müssen für Präzisionsanflüge ausgebildet und autorisiert sein, insbesondere für den Betrieb bei schlechter Sicht (CAT II/III), der zusätzliche Flughafeninfrastruktur und Zertifizierung erfordert.

Sicherheit und technologische Entwicklung

Präzisionsanflüge haben die Zahl der Anflug- und Landeunfälle weltweit drastisch reduziert. Technologische Fortschritte – von bodengestützten zu satellitenbasierten Systemen, kontinuierliches Leistungsmonitoring und Integration mit modernen Avioniksystemen – erhöhen Sicherheit und Flughafenkapazität stetig weiter.

Übersichtstabelle: Wesentliche Merkmale des Präzisionsanflugs

System / ParameterFunktionFührungTypische MinimaHauptnutzer
ILS (Instrumentenlandung)Bodengestützter PräzisionsanflugSeitlich + vertikalDA/DH 200’ (CAT I)Kommerzielle, die meisten Flughäfen
GLS (GBAS)Satellitengestützter PräzisionsanflugSeitlich + vertikalCAT I, Entwicklung CAT II/IIIGroße, moderne Flughäfen
PARRadar- und lotsengeführtSeitlich + vertikalÄhnlich ILSMilitär, Backup, Training
NPANicht-Präzisionsanflug, nur seitlichSeitlichMDA (höher als PA)Kleine Flughäfen
APVSatellitenbasiert, vertikale FührungSeitlich + vertikalDA (nicht volle PA-Standards)Regional, zunehmend

Fazit

Ein Präzisionsanflug bildet das Rückgrat eines sicheren, zuverlässigen Lufttransports bei allen Wetterbedingungen. Durch die Bereitstellung sowohl seitlicher als auch vertikaler Führung mittels moderner boden- oder satellitengestützter Systeme ermöglicht er sichere Landungen, auch wenn Piloten die Landebahn erst im letzten Moment sehen können. Präzisionsanflüge unterliegen strengen internationalen Standards, erfordern zertifizierte Infrastruktur und Ausbildung und entwickeln sich mit den neuesten Navigations- und Automatisierungstechnologien stetig weiter. Ihre Einführung und fortlaufende Modernisierung sind entscheidend für die Sicherheit und Effizienz der globalen Luftfahrt.

Für weitere Informationen zur Implementierung oder Modernisierung von Präzisionsanflugfähigkeiten an Ihrem Flughafen oder in Ihrer Flotte kontaktieren Sie unsere Luftfahrtsystem-Experten oder fordern Sie eine Demonstration unserer zertifizierten Lösungen an.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Präzisionsanflug?

Ein Präzisionsanflug ist ein Instrumentenanflugverfahren, das sowohl seitliche als auch vertikale Führung für Flugzeuge beim Landeanflug bietet, typischerweise mit Systemen wie ILS, GLS oder PAR. Dadurch sind sichere Landungen auch bei schlechter Sicht möglich, gemäß strengen internationalen Vorgaben für Sicherheit und Leistung.

Worin unterscheidet sich ein Präzisionsanflug von einem Nicht-Präzisionsanflug?

Präzisionsanflüge bieten sowohl seitliche (Ausrichtung zur Piste) als auch vertikale (Gleitweg) Führung, während Nicht-Präzisionsanflüge nur seitliche Führung bieten. Dadurch sind Präzisionsanflüge sicherer und können bei geringerer Sicht verwendet werden als NPAs.

Welche Systeme werden für Präzisionsanflüge eingesetzt?

Die wichtigsten Systeme sind das Instrumentenlandesystem (ILS), das GBAS-Landesystem (GLS) und das Präzisionsanflugradar (PAR). Jedes bietet unterschiedliche Methoden zur Übermittlung der Führung, stellt aber immer sowohl seitliche als auch vertikale Informationen für den Piloten bereit.

Was ist die Entscheidungshöhe (DA/DH)?

DA/DH ist eine vorgegebene Höhe beim Präzisionsanflug, bei der der Pilot entscheiden muss, ob er die Landung fortsetzt, sofern Sichtreferenzen vorhanden sind, oder ein Fehlanflugverfahren einleitet, wenn nicht. Sie ist ein entscheidender Sicherheitsparameter und wird von den Behörden festgelegt.

Was ist die Runway Visual Range (RVR)?

Die Runway Visual Range (RVR) ist die Entfernung, über die ein Pilot Markierungen oder Lichter der Landebahn von der Mittellinie aus sehen kann. RVR dient zur Festlegung von Anflug- und Landeminima und ist insbesondere bei schlechter Sicht entscheidend.

Was sind die ILS-Kategorien I, II und III?

ILS-Kategorien legen die minimal zulässige Sichtweite und Entscheidungshöhen für Anflüge fest. CAT I unterstützt Anflüge bis 200 ft DA und 550 m RVR, CAT II bis 100 ft DA und 300 m RVR, und CAT III erlaubt Autoland-Operationen mit noch geringeren Minima, bis nahe Nullsicht.

Warum ist der Präzisionsanflug wichtig für die Flugsicherheit?

Präzisionsanflüge verringern das Risiko von Anflug- und Landeunfällen, insbesondere Controlled Flight Into Terrain (CFIT), indem sie einen stabilisierten Sinkflug sicherstellen und dem Piloten die nötige Führung für eine sichere Landung unter schwierigen Bedingungen geben.

Können satellitenbasierte Systeme das ILS für Präzisionsanflüge ersetzen?

Ja, Systeme wie GBAS/GLS und SBAS-basierte APV-Anflüge bieten präzise Führung bei geringeren Infrastrukturkosten und größerer Flexibilität und werden zunehmend eingesetzt, auch wenn das ILS an vielen großen Flughäfen weiterhin als Referenz gilt.

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