Relative Peilung

Navigation Maritime Aviation Safety

Relative Peilung: Glossar für Luftfahrt- und Schifffahrtsnavigation

Relative Peilung ist ein grundlegendes Konzept der maritimen und fliegerischen Navigation. Sie bezeichnet den waagerechten Winkel, der im Uhrzeigersinn vom Kurs (dem Bug eines Schiffs oder der Nase eines Flugzeugs) zu einem Referenzobjekt, Ziel oder Orientierungspunkt gemessen wird. Im Gegensatz zur rechtweisenden oder magnetischen Peilung, die sich auf Norden beziehen, nimmt die relative Peilung stets den aktuellen Kurs des Fahrzeugs als Nullpunkt – und ist damit direkt relevant für operationelle Aufgaben und sicherheitskritische Entscheidungen.

Zweck und Einsatz in der Navigation

Die relative Peilung ist unverzichtbar für schnelle, standardisierte Kommunikation innerhalb der Besatzung, insbesondere bei der Meldung der Position anderer Fahrzeuge, Flugzeuge, Navigationshilfen, Hindernisse oder Gefahren. Ihr Nutzen erstreckt sich auf mehrere zentrale Einsatzbereiche:

  • Kollisionsvermeidung: Wachoffiziere überwachen die relative Peilung zu umliegendem Verkehr. Bleibt diese konstant und die Entfernung verringert sich, besteht Kollisionsgefahr (CBDR: Constant Bearing, Decreasing Range).
  • Instrumenten-Navigation: Piloten nutzen relative Peilungen mit ADF/NDB- oder RMI-Instrumenten zur Bestimmung der Peilung zu Funkfeuern und addieren dann den Kurs, um magnetische oder rechtweisende Peilungen für die Navigation zu erhalten.
  • Situationsbewusstsein: In See- und Luftfahrt ermöglicht das Melden von Objekten mit relativer Peilung Teams, Aufmerksamkeit sofort auszurichten und sichere, rasche Entscheidungen zu treffen.
  • Such- und Rettungseinsätze: Rettungsteams melden Sichtungen anhand der relativen Peilung und ermöglichen so koordinierte, schnelle Reaktionen.

Die klare, standardisierte Nutzung der relativen Peilung ist fester Bestandteil internationaler Vorschriften und Ausbildungsvorgaben (ICAO, IMO) und damit eine universelle Sprache für Navigationsprofis.

Uhrbild vs. Kreiskompass: Bezugssysteme verstehen

Uhrbild

Das Uhrbild ist eine Schnellreferenz: Das Fahrzeug wird im Zentrum einer Uhr gedacht, Bug/Nase ist 12 Uhr (000°), Steuerbord/rechts ist 3 Uhr (090°), Heck/Leitwerk ist 6 Uhr (180°), Backbord/links ist 9 Uhr (270°). Jede Stunde steht für 30°.

  • Beispiel: „Objekt auf 2 Uhr“ ≈ 060° relativ; „Verkehr auf 9 Uhr“ ≈ 270° relativ.
  • Einschränkungen: Nur ungefähr (30°-Schritte), setzt identische Orientierung aller Beteiligten voraus.

Kreiskompass-Konventionen

Die professionelle Navigation verwendet den Kreiskompass: einen 360°-Kreis auf dem Fahrzeug, mit 000°/360° am Bug/Nase. Alle Peilungen werden im Uhrzeigersinn von dieser Achse gemessen – für präzise, eindeutige Kommunikation und einfache Umrechnung in rechtweisende oder magnetische Peilungen.

Messen und Übermitteln der relativen Peilung

Messinstrumente

  • Seefahrt: Peilkompass, Azimutkreis, Radarüberlagerungen, ECDIS.
  • Luftfahrt: ADF, RMI, elektronische Fluganzeigen.
  • Methode: Der Beobachter richtet das Instrument oder Visier auf das Ziel und liest den Winkel im Uhrzeigersinn vom Kurs ab.

Standardkommunikation

  • Immer die Bezugsgröße angeben (relativ, rechtweisend oder magnetisch).
  • Für Präzision Gradangaben verwenden: „Kontakt auf 045° relativ.“
  • Für Geschwindigkeit Uhrbilder: „Verkehr auf 3 Uhr.“
  • In maritimer Tradition: „Punkte vom Bug“ (1 Punkt = 11,25°).

Klarheit ist entscheidend; internationale Standards (z. B. ICAO Doc 4444, IMO Bridge Procedures Guide) schreiben eindeutige Phraseologie vor, um Fehldirektionen oder Unfälle zu vermeiden.

Relative Peilung vs. Kurs, Steuerkurs, Track und andere Peilungen

Die Unterscheidung der Navigationstermine beugt gefährlichen Missverständnissen vor:

BegriffBezugspunktDefinitionBeispiel
KursRechtweisend/MagnetischRichtung, in die Bug/Nase zeigt090° (Osten)
SteuerkursRechtweisend/MagnetischBeabsichtigte Fahrtrichtung085°
TrackRechtweisend/MagnetischTatsächlicher Weg über Grund/Wasser080°
Rechtweisende PeilungRechtweisender NordenWinkel von rechtweisendem Norden zum Objekt225°
Magnetische PeilungMagnetischer NordenWinkel von magnetischem Norden zum Objekt210°
Relative PeilungKursWinkel vom Kurs zum Objekt135°
  • Kurs: Richtung, in die gezeigt wird.
  • Steuerkurs: Beabsichtigte Fahrtrichtung.
  • Track: Tatsächlicher Weg.
  • Relative Peilung: Position eines Objekts relativ zur Nase oder zum Bug.

Peilungsberechnung: Formeln, Methoden und Beispiele

Standardformeln

  • Rechtweisende (oder magnetische) Peilung = Kurs + relative Peilung
    • Ist das Ergebnis >360°, ziehen Sie 360° ab.
  • Relative Peilung = Rechtweisende Peilung – Kurs
    • Ist das Ergebnis negativ, addieren Sie 360°.

Beispielaufgaben

  1. Berechnung der rechtweisenden Peilung

    • Kurs: 090°; relative Peilung: 135°
    • 090° + 135° = 225° (rechtweisende Peilung)
  2. Berechnung der relativen Peilung

    • Kurs: 045°; rechtweisende Peilung: 010°
    • 010° – 045° = –35°; –35° + 360° = 325° (relative Peilung)
  3. Luftfahrtbeispiel

    • Magnetischer Kurs: 270°; ADF zeigt 045°
    • 270° + 045° = 315° (magnetische Peilung)
  4. Ergebnis >360°

    • Kurs: 300°; relative Peilung: 100°
    • 300° + 100° = 400°; 400° – 360° = 40° (rechtweisende Peilung)

Diese Berechnungen sind Kernbestandteil der Ausbildung in See- und Luftfahrt.

Durchgerechnete Beispiele: Schritt für Schritt

Beispiel 1: Seefahrt

Kurs: 120° (rechtweisend); relative Peilung: 100°
Rechtweisende Peilung: 120° + 100° = 220°

Beispiel 2: Luftfahrt

Magnetischer Kurs: 185°; ADF-Ablenkung: 070°
Magnetische Peilung: 185° + 070° = 255°

Beispiel 3: Negatives Ergebnis

Rechtweisender Kurs: 045°; rechtweisende Peilung zum Leuchtturm: 010°
Relative Peilung: 010° – 045° = –35°; –35° + 360° = 325°

Beispiel 4: Kollisionsgefahr

Relative Peilung zum Ziel: 090°; Entfernung nimmt ab
CBDR: Constant Bearing, Decreasing Range = Kollisionskurs.

Praktische Kommunikation von Peilungen

Standardphraseologie

  • Grad: „Kontakt auf null-neun-null Grad relativ.“
  • Uhrbild: „Verkehr auf Ihrer drei Uhr.“
  • Punkte: „Drei Punkte steuerbord voraus.“

Best Practices

  • Immer die Bezugsgröße (relativ/rechtweisend/magnetisch) angeben.
  • Verständnis mit Teammitgliedern abgleichen.
  • Bei kritischen Vorgängen für Präzision mit Gradangaben arbeiten.

Falsche oder mehrdeutige Peilungsmeldungen haben zu Navigationsvorfällen geführt; Ausbildung und Checklisten stärken bewährte Praxis.

Anwendungsfälle in See- und Luftfahrt

Seefahrt

  • Kollisionsvermeidung
  • Positionsmeldungen
  • Person-über-Bord-Suche
  • Lotsenmanöver in engen Gewässern

Luftfahrt

  • ADF/NDB-Navigation
  • ATC-Verkehrsmeldungen
  • Formationsflug
  • Such- und Rettungseinsätze

Das Beherrschen der relativen Peilung ist zentral für Bridge und Cockpit Resource Management (BRM/CRM) und wird in der Ausbildung weltweit vermittelt.

Visualisierung von Peilungen

Diagramm 1: Kreiskompass-Überlagerung
Draufsicht eines Schiffs/Flugzeugs mit 360°-Kreiskompass, 000° am Bug/Nase, Objekte auf verschiedenen Peilungen eingezeichnet.

Diagramm 2: Uhrbild-Überlagerung
Fahrzeug im Zentrum eines Uhrbilds, Objektpositionen bei „Uhrzeiten“.

Diagramm 3: Peilungsberechnung
Skizze mit Kurs, relativem Peilungsbogen und Rechenergebnis.

Zusammenfassung

Die relative Peilung bietet eine einfache, effektive und international standardisierte Möglichkeit, die Position äußerer Objekte relativ zum Kurs eines Schiffs oder Flugzeugs zu kommunizieren und zu interpretieren. Die Beherrschung dieses Konzepts ist Grundlage für sichere Navigation, Kollisionsvermeidung, Such- und Rettungseinsätze sowie effektive Teamkommunikation in See- und Luftfahrt. Ihr praktischer Einsatz ist in weltweiten Vorschriften, Ausbildung und im täglichen Betrieb verankert.

Quellen:

  • International Maritime Organization (IMO) Bridge Procedures Guide
  • International Civil Aviation Organization (ICAO) Doc 4444, Doc 9432
  • US Coast Guard Navigation Rules
  • FAA Instrument Flying Handbook
  • UK MCA Bridge Team Management
  • Bowditch, American Practical Navigator

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Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheidet sich die relative Peilung von der rechtweisenden oder magnetischen Peilung?

Die relative Peilung wird im Uhrzeigersinn vom Kurs (Bug/Nase) eines Schiffs oder Flugzeugs zu einem äußeren Objekt gemessen, während sich die rechtweisende Peilung auf den geographischen Norden und die magnetische Peilung auf den magnetischen Norden bezieht. Die relative Peilung ist daher unmittelbar auf die aktuelle Orientierung der Besatzung bezogen und essenziell für Kollisionsvermeidung und schnelle Meldungen.

Warum ist die relative Peilung für die Kollisionsvermeidung wichtig?

Mit der relativen Peilung können Besatzungen die Position eines Objekts im Verhältnis zum eigenen Kurs überwachen. Bleibt die relative Peilung eines Objekts bei abnehmender Entfernung konstant, befinden sich beide auf Kollisionskurs – bekannt als Constant Bearing, Decreasing Range (CBDR). Schnelles Handeln auf Basis der relativen Peilung hilft, Unfälle zu vermeiden.

Wie berechnet man aus einer relativen Peilung die rechtweisende Peilung?

Addieren Sie den Kurs des Schiffs oder Flugzeugs zur relativen Peilung: Rechtweisende Peilung = Kurs + relative Peilung. Übersteigt die Summe 360°, ziehen Sie 360° ab. So kann die Richtung des Objekts von Norden aus auf einer Karte eingetragen werden.

Welche Geräte oder Instrumente werden zur Messung der relativen Peilung verwendet?

Gängige Hilfsmittel sind der Peilkompass und der Azimutkreis auf Schiffen, Radar- und elektronische Kartenüberlagerungen sowie in der Luftfahrt der ADF (Automatic Direction Finder) und der RMI (Radio Magnetic Indicator). Diese Instrumente ermöglichen es den Besatzungen, relative Peilungen zu äußeren Objekten visuell oder elektronisch zu bestimmen.

Wann wird das Uhrbild verwendet und welche Einschränkungen hat es?

Das Uhrbild (z. B. 'Ziel auf 3 Uhr') wird zur schnellen Kommunikation in dynamischen oder informellen Situationen verwendet und gibt Positionen in 30°-Schritten um das Fahrzeug an. Es ist jedoch weniger präzise als gradbasierte Peilungen und setzt voraus, dass alle Beteiligten dieselbe Vorwärtsausrichtung haben.

Wie unterstützt die relative Peilung Such- und Rettungsaktionen?

Meldungen von Sichtungen anhand der relativen Peilung ermöglichen es Teams, Suchmuster sofort auszurichten und Reaktionen zu koordinieren, sodass alle Schiffe oder Flugzeuge relativ zu ihrem aktuellen Kurs in die richtige Richtung blicken. Dies ist gängige Praxis bei SAR-Einsätzen.

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