Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF)

Airport Safety Firefighting Emergency Response ARFF

Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF) in der Flughafensicherheit

Überblick

Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF), auch Aircraft Rescue and Fire Fighting (ARFF) genannt, ist das Rückgrat der Notfallvorsorge an Flughäfen. RFF-Teams sind verantwortlich für sofortige Maßnahmen bei Flugzeugvorfällen – Notlandungen, Brände an Bord, Gefahrstoffaustritte und medizinische Notfälle – auf oder in der Nähe des Flughafengeländes. Ihre Mission: Maximierung der Überlebenschancen von Passagieren und Besatzung, Schutz des Flughafenpersonals und der kritischen Infrastruktur.

Die RFF-Dienste sind strategisch am Flughafen positioniert, um schnellen Zugang zu allen Betriebsbereichen (Start- und Landebahnen, Rollwege, Terminals, Tankanlagen) zu gewährleisten. Zu ihren Aufgaben gehören:

  • Brandbekämpfung (mit speziellen Schäumen, Löschpulvern und Wasser)
  • Technische Rettung und Befreiung von Passagieren
  • Eindämmung von Gefahrstoffen
  • Medizinische Erstversorgung als Ersthelfer
  • Unterstützung bei der Evakuierung von Flugzeugen
  • Einsatzleitung und Koordination mit externen Stellen

Die RFF-Einsätze sind streng durch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) geregelt und werden von nationalen Behörden überwacht. Die Einhaltung dieser Vorgaben ist Voraussetzung für die Flughafen-Zertifizierung und Betriebserlaubnis.

Internationaler Rechtsrahmen

ICAO-Standards

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) legt weltweit die Regeln für den Rettungs- und Feuerlöschdienst an Flughäfen fest durch:

  • Anhang 14, Band 1 – Flugplatzplanung und -betrieb: Schreibt RFF-Dienste für alle zertifizierten Flughäfen vor, einschließlich Reaktionszeiten, Mengen an Löschmitteln, Ausrüstung und Ausbildung.
  • ICAO Doc 9137-AN/898, Airport Services Manual, Teil 1 – Rescue and Fire Fighting: Gibt technische Leitlinien und bewährte Verfahren zu Standortplanung, Ausrüstung und Betrieb.

Nationale Vorschriften

Staaten übertragen die ICAO-Anforderungen in nationales Recht. Beispiele:

  • Vereinigte Staaten: Die FAA setzt ARFF-Regeln über 14 CFR Part 139 durch.
  • Vereinigtes Königreich: Die CAA regelt Feuerstandards in CAP 168.
  • Kanada: Transport Canada legt ARFF-Vorschriften unter den CARs fest.

Nationale Behörden können strengere Regeln für örtliche Gegebenheiten erlassen. Die Einhaltung wird durch regelmäßige Audits, Inspektionen und Übungseinsätze überwacht.

Zweck, Ziele und Anwendungsfälle des RFF

Mission

Das Hauptziel des RFF: Maximierung der Überlebenschancen bei Flugnotfällen durch sofortige und wirksame Intervention.

Kernfunktionen

  • Schnelle Reaktion: Erreichen jedes Vorfalls im Bewegungsbereich innerhalb von drei Minuten (ICAO-Vorgabe).
  • Brandbekämpfung: Einsatz von Schaum, Löschpulver oder Wasser zur Brandbekämpfung.
  • Rettungseinsätze: Befreiung eingeschlossener Personen mit hydraulischen Geräten und medizinische Versorgung.
  • Gefahrenabwehr: Umgang mit Treibstoffaustritten, Gefahrgut und Umweltbedrohungen.
  • Evakuierungsunterstützung: Zusammenarbeit mit der Flugbesatzung für geordnete Evakuierung.
  • Medizinische Hilfe: Erste Hilfe und Triage.
  • Betriebskontinuität: Absicherung des Einsatzortes, Unterstützung von Ermittlungen und Wiederherstellung des Flughafenbetriebs.

Häufige Szenarien

  • Flugzeugabsturz oder Kollision
  • Triebwerks- oder APU-Brände
  • Treibstoffaustritte
  • Rauchmeldungen in der Kabine
  • Medizinische Notfälle an Bord
  • Gefahrstoffaustritte
  • Fehlalarme mit umfassender Reaktion

RFF-Kategorien und Flughafenklassifikation

Der Umfang des RFF wird an das Risikoprofil jedes Flughafens angepasst und durch die ICAO-RFF-Kategorie bestimmt – basierend auf der Länge und Rumpfbreite des größten regelmäßig eingesetzten Flugzeugs.

ICAO-RFF-Kategorien

KategorieFlugzeuglänge (m)Max. Rumpfbreite (m)
1< 92
29–122
312–183
418–244
524–284
628–395
739–495
849–617
961–767
10≥768

Jede Kategorie gibt Mindestmengen an Löschmitteln, Fahrzeugen und Personal vor. Flughäfen müssen den Flugzeugverkehr regelmäßig überprüfen und ihre Kategorie bei Bedarf anpassen.

Mindestanforderungen an Löschmittel und Fahrzeuge

Die ICAO legt für jede RFF-Kategorie Mindestanforderungen fest, um ausreichende Brandbekämpfungskapazität für den größten Flugzeugtyp sicherzustellen.

KategorieWasser für Schaum (l)Zusätzliche Löschmittel (kg)FahrzeugeAbgabemenge (l/min)
1230451230
2670901550
31.2001351900
42.40013511.800
55.40018013.000
67.90022524.000
712.10022525.300
818.20045037.200
924.30045039.000
1032.300450311.200
  • Wasser für Schaum: Hauptlöschmittel zur Bekämpfung brennbarer Flüssigkeiten.
  • Zusätzliche Löschmittel: Pulver, CO₂ oder Ähnliches für elektrische oder verdeckte Brände.
  • Fahrzeuge: Ermöglichen gleichzeitiges Eingreifen und Redundanz.
  • Abgabemenge: Ausgebrachte Löschmittelmenge pro Minute – entscheidend für schnelle Brandbekämpfung.

Dynamische Kategorisierung

Sinkt der Betrieb großer Flugzeuge (weniger als 700 Bewegungen in drei Monaten), erlaubt die ICAO eine vorübergehende Herabstufung der RFF-Kategorie (eine Stufe unter das aktuelle Niveau). Alle Änderungen müssen per NOTAM veröffentlicht und mit der Flugsicherung abgestimmt werden, damit Fluggesellschaften entsprechend reagieren können.

Auch bei reduzierter Kategorie muss der Flughafen Notfälle mit den größten regelmäßig eingesetzten Flugzeugen bewältigen können.

RFF-Einsatz und Notfallverfahren

Reaktionszeit

Die ICAO verlangt, dass das erste RFF-Fahrzeug innerhalb von drei Minuten am Einsatzort Löschmittel aufbringt (unter optimalen Bedingungen). Diese Vorgabe bestimmt die Standortwahl der Wachen und die Einsatzbereitschaft.

Ablauf eines Einsatzes

  1. Alarmeingang: Meldung des Vorfalls über Flugsicherung, automatischen Alarm oder direkte Beobachtung.
  2. Alarmierung: Alle RFF-Kräfte legen PSA an und rücken über festgelegte Einsatzrouten aus.
  3. Lagebeurteilung: Einsatzleiter bewertet Gefahren – Brandart, Flugzeuglage, Wind, Kraftstoffe usw.
  4. Brandbekämpfung: Aufbringen von Schaum/Löschmitteln zur Schaffung eines sicheren Zugangs und Brandbekämpfung.
  5. Rettung: Befreiung von Personen und medizinische Erstversorgung.
  6. Gefahrenabwehr: Eindämmung von Leckagen, Gefahrgütern und weiteren Risiken.
  7. Nachbereitung: Absicherung des Einsatzortes für Ermittlungen und Wiederaufnahme des Flughafenbetriebs.

Eine enge Zusammenarbeit mit Flugsicherung, Flughafenbetrieb, medizinischen Diensten und Polizei ist unerlässlich.

RFF-Ausrüstung und Technologie

Feuerwehrfahrzeuge

Moderne RFF-Fahrzeuge (z. B. Oshkosh Striker, Rosenbauer Panther) bieten:

  • Hohe Beschleunigung und Geländegängigkeit
  • Große Schaum-, Wasser- und Löschmitteltanks
  • Hochleistungs-Löschmonitore (Dach, Stoßstange oder ausfahrbare Arme)
  • Stachelrohre für den Einstieg in den Rumpf
  • Integrierte PA-Aufbewahrung

Löschmittel

  • AFFF (Aqueous Film-Forming Foam): Schnelle Brandbekämpfung von Treibstoffbränden und Verhinderung von Wiederentzündung.
  • Pulverlöschmittel: Für die schnelle Brandunterdrückung, besonders bei dreidimensionalen Bränden.
  • CO₂/Halotron: Für elektrische oder empfindliche Gerätebrände.

Rettungs- und Schutzausrüstung

  • Hitzeschutzanzüge (reflektierend, hitzebeständig)
  • Pressluftatmer (PA)
  • Wärmebildkameras
  • Hydraulische Rettungsgeräte („Rettungsschere/-spreizer“)
  • Chemikalienschutzanzüge und Detektoren

RFF-Personal und Ausbildung

Das Personal muss umfassend geschult sein in:

  • Flugzeugsystemen, Flughafenlayout und Kraftstoffarten
  • Bedienung und Wartung der Ausrüstung
  • Brandbekämpfungstaktik und Schaumeinsatz
  • Rettung, Befreiung und Erste Hilfe/Triage
  • Umgang mit Gefahrstoffen
  • Einsatzleitung und Kommunikation
  • Anwendung von PSA und Atemschutz

Die Ausbildung ist fortlaufend und umfasst verpflichtende Grund-, Wiederholungs- und Szenariotrainings. Die Kompetenz wird durch praktische und schriftliche Prüfungen überprüft.

Typische Einsatzszenarien

  • Flugzeugabsturz mit Brand: Schneller Schaumeinsatz, Zugang zum Rumpf, Rettung und medizinische Versorgung.
  • Triebwerksbrand beim Rollen/Start: Zielgerichteter Schaumeinsatz und Evakuierungsunterstützung.
  • Treibstoffaustritt: Schaumteppiche zur Dampfunterdrückung und Umweltschutz.
  • Medizinischer Notfall: Erste Hilfe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes.
  • Gefahrstoffaustritt: Identifikation, Eindämmung und Dekontamination.

Einhaltung, Audit und Best Practices

Flughäfen müssen:

  • Regelmäßige Selbst- und externe Audits durchführen
  • Ausführliche Ausbildungs- und Ausrüstungsdokumentation führen
  • Änderungen im Flugzeugmix oder Ausrüstungsstatus per NOTAM melden
  • In internationalen Arbeitsgruppen mitwirken und neue Technologien einführen (z. B. fluorfreie Schäume, digitale Einsatzsysteme)

Hersteller stellen aktuelle Rettungsdatenblätter für jeden Flugzeugtyp bereit und unterstützen so Planung und Einsatz.

ICAO-RFF-Kategoriematrix (Übersichtstabelle)

KategorieFlugzeuglänge (m)Rumpfbreite (m)Wasser für Schaum (l)Zusätzliche Löschmittel (kg)FahrzeugeAbgabemenge (l/min)
1< 92230451230
29–122670901550
312–1831.2001351900
418–2442.40013511.800
524–2845.40018013.000
628–3957.90022524.000
739–49512.10022525.300
849–61718.20045037.200
961–76724.30045039.000
10≥76832.300450311.200

Zusammenfassung

Der Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF) am Flughafen ist ein hoch regulierter, technologisch fortschrittlicher Dienst, der für die Luftfahrtsicherheit unverzichtbar ist. Er gewährleistet eine schnelle und effektive Reaktion auf Notfälle und die Einhaltung höchster internationaler Standards – zum Schutz von Menschenleben und für einen sicheren, effizienten Flughafenbetrieb.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF) an Flughäfen?

Der Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFF), auch bekannt als Aircraft Rescue and Fire Fighting (ARFF), ist ein spezialisierter Flughafendienst, der für die Notfallreaktion bei Flugzeugvorfällen verantwortlich ist. RFF umfasst Brandbekämpfung, Rettung von Passagieren und Besatzung, Umgang mit Gefahrstoffen und medizinische Erstversorgung. RFF ist durch internationale (ICAO Anhang 14) und nationale Luftfahrtbehörden vorgeschrieben, um die Sicherheit des Flughafenbetriebs zu gewährleisten.

Wie werden RFF-Anforderungen an einem Flughafen festgelegt?

Die Anforderungen an den RFF werden durch die ICAO-RFF-Kategorie bestimmt, die sich nach Größe und Typ des größten regelmäßig am Flughafen eingesetzten Flugzeugs richtet. Jede Kategorie legt Mindestanzahlen an Fahrzeugen, Löschmitteln (wie Schaum und Pulver) und ausgebildetem Personal fest. Flughäfen müssen diese Standards jederzeit einhalten und die Kategorien bei Verkehrsänderungen anpassen, um stets einsatzbereit zu bleiben.

Welche Ausrüstung verwenden RFF-Einheiten?

RFF-Einheiten nutzen spezielle Feuerwehrfahrzeuge mit großen Schaum- und Wassertanks, schneller Beschleunigung und moderner Löschtechnik. Zur Ausrüstung gehören AFFF (Aqueous Film-Forming Foam), Löschpulver, Wasserwerfer, Stachelrohre, hydraulische Rettungsgeräte (Rettungsschere/-spreizer) und persönliche Schutzausrüstung wie Hitzeschutzanzüge und Pressluftatmer (PA). Moderne Technik ermöglicht eine schnelle und effektive Reaktion auf komplexe Luftfahrt-Notfälle.

Wie schnell müssen RFF-Einheiten auf Notfälle reagieren?

Die ICAO-Standards verlangen, dass das erste RFF-Fahrzeug innerhalb von drei Minuten nach der Alarmierung am Unfallort Löschmittel einsetzt (unter optimalen Bedingungen). Diese schnelle Reaktion ist entscheidend, um die Überlebenschancen zu maximieren und Schäden zu minimieren. Sie wird durch strategische Platzierung der Feuerwachen, regelmäßige Übungen und effiziente Einsatzwege sichergestellt.

Kann die RFF-Kategorie vorübergehend reduziert werden?

Ja, die ICAO erlaubt eine vorübergehende Reduzierung der RFF-Kategorie, wenn der Betrieb großer Flugzeuge deutlich abnimmt (weniger als 700 Bewegungen in drei Monaten). Jede Reduzierung muss unverzüglich per NOTAM gemeldet und mit der Flugsicherung abgestimmt werden. Dennoch muss der Flughafen weiterhin in der Lage sein, Notfälle mit den größten regelmäßig bedienten Flugzeugen zu bewältigen.

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