Sichtweite auf der Landebahn (RVR)

Aviation Safety Meteorology Airports Instrument Landing

Sichtweite auf der Landebahn (RVR): Die Distanz, in der ein Pilot Markierungen sehen kann

1. Was ist die Sichtweite auf der Landebahn (RVR)?

Sichtweite auf der Landebahn (RVR) ist die maximale Entfernung entlang einer Landebahn, gemessen mit speziellen Instrumenten, in der ein Pilot auf der Mittellinie Markierungen oder Befeuerung der Landebahn unter den aktuellen Wetter- und Lichtverhältnissen erkennen kann. Angegeben in Metern oder Fuß ist die RVR das betrieblich wichtigste Maß für die Sicht in der Luftfahrt, insbesondere bei schlechter Sicht wie Nebel, starkem Schneefall oder Regen.

Die RVR ist keine allgemeine oder subjektive Schätzung – sie wird aus Echtzeitmessungen von Transmissometern oder Vorwärtsstreusensoren an bestimmten Punkten der Landebahn gewonnen. Diese Messungen bestimmen direkt, ob ein Start, eine Landung oder ein Anflug rechtlich und sicher durchgeführt werden kann.

2. Technischer Kontext und Begrifflichkeiten

Wichtige RVR-Messpunkte

  • Aufsetzzone (TDZ): Nahe der Landebahnschwelle (erste 300 Meter/1.000 Fuß), wo das Flugzeug zuerst aufsetzt. Die TDZ-RVR ist meist der maßgebliche Wert für die Anflugerlaubnis.
  • Mittelpunkt (MID): Zentrum der Landebahn, liefert Messwerte für den mittleren Abschnitt.
  • Ausrollende (RO): Nahe dem Abflugende (entferntes Ende), wichtig für das Ausrollen nach der Landung oder einen abgebrochenen Start.

Messprinzipien

  • Meteorologische Sichtweite (MOR): Die wissenschaftliche Grundlage der RVR; MOR ist die Strecke, über die ein Lichtstrahl durch atmosphärische Bedingungen auf 5 % seiner ursprünglichen Intensität abgeschwächt wird.
  • Transmissometer: Misst die Abschwächung eines Lichtstrahls zwischen einem Projektor und einem Empfänger in festem Abstand, berechnet daraus die MOR, die anschließend für die Landebahnbefeuerung angepasst wird.
  • Vorwärtsstreusensor: Misst das von Partikeln gestreute Licht zur Schätzung der Sichtweite, oft in modernen Anlagen eingesetzt.

Beleuchtungs- und Umweltbegriffe

  • Landebahnlichter hoher Intensität (HIRL): Rand- und Mittellinienbefeuerung, die Landebahnen bei schlechter Sicht sichtbar macht und in die RVR-Berechnung einfließt.
  • Umgebungshelligkeit: Natürliches Umgebungslicht, das beeinflusst, wie gut Landebahnlichter sichtbar sind, besonders nachts oder in der Dämmerung.

3. Warum RVR für den Flugbetrieb relevant ist

Die RVR ist der maßgebliche Sichtparameter für Flugbetrieb bei schlechtem Wetter. Im Gegensatz zur allgemeinen Sicht, die subjektiv und weit gefasst sein kann, bietet RVR:

  • Objektive, Echtzeitdaten für die genaue Position und Ausrichtung des Flugzeugs.
  • Rechtliche und betriebliche Schwellenwerte für Anflug, Landung und Start, wie von ICAO, FAA und anderen Behörden festgelegt.
  • Sicherheitsgewährleistung: Stellt sicher, dass Piloten genügend visuelle Anhaltspunkte für sichere Starts und Landungen haben und verhindert gefährliche Fehleinschätzungen in kritischen Flugphasen.

Unterschreitet die RVR das veröffentlichte Minimum für einen Anflug oder Start, müssen Operationen verschoben oder umgeleitet werden – zum Schutz von Passagieren, Crew und Flugzeug.

4. Wie RVR gemessen wird

Instrumentierung

Transmissometer

Ein Transmissometersystem verwendet eine Lichtquelle (Projektor) und einen Empfänger, die 50–100 Meter voneinander entfernt sind, um die Abschwächung des Lichts durch Nebel, Regen oder andere Partikel zu messen. Das Ergebnis ist eine direkte Messung der MOR, die zusammen mit der aktuellen Landebahnbefeuerung zur Ermittlung der RVR herangezogen wird.

Vorwärtsstreusensoren

Vorwärtsstreusensoren messen die Menge an Licht, die von Partikeln unter einem festen Winkel gestreut wird. Sie sind einfacher zu installieren und zu warten und werden immer häufiger verwendet, obwohl sie in bestimmten Arten von Nebel oder Niederschlag weniger präzise sein können.

Sensorplatzierung

  • TDZ: ca. 300 Meter von der Schwelle, auf Augenhöhe des Piloten.
  • MID: Zentrum der Landebahn.
  • RO: Nahe dem Abflugende.
  • Sensoren sind typischerweise 2,5–4 Meter über der Oberfläche und innerhalb von 120 Metern zur Mittellinie platziert.

Einflussfaktoren

  • Wetter: Nebel, Schnee, Regen, Rauch vermindern die RVR.
  • Beleuchtung: Höhere Intensität der Landebahnbefeuerung erhöht nachts die RVR.
  • Umgebungslicht: Dämmerung oder Nacht machen Lichter wirksamer.
  • Kalibrierung: Sensoren müssen sauber und korrekt ausgerichtet sein.

5. RVR-Meldung und Codierung

In METAR-Berichten

RVR wird in METARs gemeldet, wenn die Sicht ≤1.600 Meter oder die RVR einer beliebigen Landebahn ≤1.800 Meter beträgt. Das Format ist:

R[runway][L/C/R]/[value][U/D/V][FT/M]

  • R09/1200FT: RVR von 1.200 Fuß für Landebahn 09
  • R18L/1800V2400FT: RVR variabel zwischen 1.800 und 2.400 Fuß
  • R36/M0600FT: Weniger als 600 Fuß

Meldeschritte

  • Bis 1.000 ft: 100-ft-Schritte
  • 1.000–3.000 ft: 200-ft-Schritte
  • 3.000–6.000 ft: 500-ft-Schritte

Modifikatoren:

  • M: Unterhalb des Minimums
  • P: Oberhalb des Maximums
  • V: Variabel
  • U/D: Steigende/Fallende Tendenz

6. Gesetzliche Standards und Mindestwerte

ICAO & FAA

  • ICAO Anhang 3: RVR ist maßgeblich für Instrumentenanflüge an ausgestatteten Landebahnen.
  • FAA FAR 91.175: RVR hat Vorrang vor der allgemeinen Sichtweite für die Zulässigkeit eines Anflugs.

Anflugkategorie-Mindestwerte

KategorieEntscheidungshöheTDZ RVRMID RVRRO RVR
CAT I200 ft550 m
CAT II100 ft350 m350 m
CAT IIIa<100 ft/keine200 m125 m75 m
CAT IIIb<50 ft/keine75 m75 m75 m
CAT IIIc0 ftkeinekeinekeine

Die tatsächlichen Mindestwerte hängen von Flugzeug, Flughafen und Crew-Zulassungen ab.

Betreiber- und Flugzeugspezifika

Niedrigere Mindestwerte können mit fortschrittlicher Avionik, zertifizierten Besatzungen und Betreiberverfahren erlaubt sein. Die Allgemeine Luftfahrt hat meist höhere Mindestwerte wegen weniger ausgereifter Ausrüstung.

7. Praktische Einsatzbereiche und Szenarien

Instrumentenanflüge

Piloten müssen bestätigen, dass die RVR mindestens dem auf den Anflugkarten angegebenen Minimum entspricht, bevor sie unter die Entscheidungshöhe sinken. Fällt die RVR unter das Minimum, dürfen Landung oder Start nicht erfolgen.

Start und Landung

Starts sind unterhalb der vorgeschriebenen RVR-Mindestwerte nicht zulässig. Die RVR löst auch spezielle Low-Visibility-Prozeduren auf Flughäfen aus, die Landebahnnutzung, Rollwege und Bodenbetrieb beeinflussen.

8. Bedeutung und zukünftige Entwicklungen

RVR bleibt unerlässlich für sicheren und effizienten Luftverkehr – besonders, da Flughäfen und Fluggesellschaften maximale Kapazität bei jedem Wetter anstreben. Fortschritte bei Sensortechnologie, vernetzte Berichterstattung und Integration in automatisierte Luftverkehrsmanagementsysteme werden die Bedeutung der RVR weiter erhöhen.

9. Zusammenfassung

RVR ist der Goldstandard der Luftfahrtindustrie für die Sichtbarkeit auf der Landebahn und unterstützt direkt sichere Anflüge, Landungen und Starts unter anspruchsvollen Wetterbedingungen. Die Objektivität, Genauigkeit und Echtzeitfähigkeit machen sie im modernen Flugbetrieb unentbehrlich.

Verwandte Begriffe

  • ILS (Instrumentenlandesystem)
  • Low-Visibility-Prozeduren (LVP)
  • METAR
  • Transmissometer
  • Vorwärtsstreusensor
  • Landebahnlichter hoher Intensität (HIRL)

Weiterführende Literatur

Wenn Sie weitere Fragen zu RVR-Systemen, Wetterkonformität an Flughäfen oder Expertenrat zu Operationen bei eingeschränkter Sicht haben, kontaktieren Sie uns noch heute.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheidet sich RVR von der allgemeinen Sichtweite?

RVR ist eine präzise, instrumentengestützte Messung an bestimmten Landebahnpositionen und spiegelt die tatsächliche Entfernung wider, in der ein Pilot Markierungen oder Lichter der Landebahn erkennen kann. Die allgemeine Sichtweite, oft von Beobachtern gemeldet, beschreibt die Gesamtdurchsichtigkeit der Atmosphäre und gibt möglicherweise nicht genau wieder, was ein Pilot auf Landebahnhöhe während kritischer Flugphasen erlebt.

Wo wird RVR auf der Landebahn gemessen?

RVR wird typischerweise an drei Schlüsselstellen gemessen: der Aufsetzzone (TDZ), dem Mittelpunkt (MID) und dem Ausrollende (RO) der Landebahn. Diese Positionen liefern detaillierte Sichtdaten für die kritischsten Phasen von Landung und Start.

Wie wird RVR in METARs gemeldet?

RVR erscheint in METARs im Format R[runway]/[value][U/D/V][FT/M]. Zum Beispiel bedeutet R18L/1800V2400FT, dass die RVR für Landebahn 18L zwischen 1.800 und 2.400 Fuß variiert. Trendindikatoren (U für steigend, D für fallend, V für variabel) zeigen aktuelle Sichtänderungen an.

Welche Faktoren beeinflussen RVR-Messungen?

RVR wird durch meteorologische Bedingungen (Nebel, Regen, Schnee, Dunst), die Intensität der Landebahnbefeuerung, Umgebungshelligkeit sowie die Sauberkeit und Kalibrierung der Sensoren beeinflusst. Algorithmen in Echtzeit berücksichtigen diese Faktoren für eine genaue Berichterstattung.

Warum ist RVR für den Flugbetrieb kritisch?

RVR bestimmt, ob Piloten und Fluglotsen Starts oder Landungen bei schlechter Sicht rechtlich und sicher durchführen dürfen. Sie ist der wichtigste Sicherheitsparameter für Präzisionsanflüge und wird von ICAO und FAA für regulierte Flugoperationen vorgeschrieben.

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