Sichtweite auf der Landebahn (RVR)

Aviation Meteorology Runway Safety Airport Operations

Sichtweite auf der Landebahn (RVR) in der Meteorologie

Was ist die Sichtweite auf der Landebahn (RVR)?

Die Sichtweite auf der Landebahn (RVR) ist eine spezielle Messgröße in der Luftfahrtmeteorologie und definiert die Entfernung entlang einer Landebahn, über die ein Pilot, der sich auf der Mittellinie der Landebahn befindet, Oberflächenmarkierungen oder die Lichter der Mittellinie oder der Ränder sehen und identifizieren kann. Die RVR ist nicht einfach eine Messung der atmosphärischen Sichtweite; sie ist eine kalibrierte, operationelle Messgröße, die genau bestimmt, was ein Pilot unter den aktuellen Wetter- und Lichtbedingungen vom Cockpit aus tatsächlich sehen kann.

Die RVR wird in Metern (oder Fuß) angegeben und ist die wichtigste Referenz für den sicheren Flugbetrieb beim Starten und Landen, insbesondere bei eingeschränkten Sichtverhältnissen wie Nebel, starkem Niederschlag oder Dunkelheit. Ihr Wert stellt sicher, dass Piloten und Fluglotsen eine standardisierte, objektive Grundlage für kritische betriebliche Entscheidungen haben.

Regulatorischer Rahmen und Bedeutung

Die RVR wird durch internationale und nationale Luftfahrtnormen geregelt, darunter ICAO Annex 3, ICAO Doc 9328, FAA-Anordnungen und EASA-Vorschriften. Sie ist der maßgebliche Sichtbarkeitsparameter für Präzisionsanflüge und Landungen – insbesondere auf Landebahnen, die mit Instrumentenlandesystemen (ILS) oder anderen modernen Navigationshilfen ausgestattet sind.

Mindestwerte für die RVR sind für jede Anflugkategorie streng festgelegt:

KategorieEntscheidungshöhe (DH)Mindest-RVRAnwendungsfall
CAT I200 ft550 m (1.800 ft)Standard-ILS-Anflüge
CAT II100 ft300–350 m (1.200 ft)Erweiterte ILS, fortschrittliche Beleuchtung
CAT IIIa<100 ft oder keine≥200 m (700 ft)Sehr geringe Sicht, fortgeschrittene Flugzeuge
CAT IIIb<50 ft oder keine50–200 m (150–700 ft)Niedrigste Sicht, besondere Zulassung
CAT IIIcKeineKein RVR-LimitNullsicht (nicht im Betrieb verwendet)

Die RVR ist verpflichtend für die Meldung und den Betrieb, wenn die Sicht unter 1.500 Meter (5.000 Fuß) fällt, und ist unter 800 Meter (2.600 Fuß) oder bei jedem Präzisionsanflug von entscheidender Bedeutung.

RVR vs. allgemeine Sichtweite

Während die allgemeine (Boden-)Sichtweite beschreibt, wie weit ein stationärer Beobachter ein Objekt bekannter Größe und Kontrast sehen kann, konzentriert sich die RVR auf die Perspektive des Piloten von der Landebahn und berücksichtigt:

  • Die Helligkeit und Anordnung der Landebahnbefeuerung
  • Markierungen, die vom Cockpit aus sichtbar sind
  • Hintergrundleuchtdichte (Umgebungslicht)
  • Atmosphärische Klarheit (Nebel, Niederschlag, Staub usw.)

Daher kann die RVR insbesondere nachts oder bei schnell wechselnden Wetterbedingungen erheblich von der allgemeinen Sicht abweichen.

Messmethoden

Manuelle Einschätzung

Früher wurde die RVR von geschulten Beobachtern ermittelt, die die Anzahl sichtbarer Landebahnlichter von einem festen Standort aus zählten und dann Tabellen zur Abschätzung der Sichtweite heranzogen. Diese Methode wird noch als Reserve verwendet, ist aber subjektiv und besonders bei rasch wechselnden oder gefährlichen Bedingungen weniger genau.

Automatisierte RVR-Systeme

Moderne Flughäfen verwenden automatisierte Systeme, bestehend aus:

  • Transmissometern: Zwei-Masten-Systeme, die die direkte Abschwächung von Licht über eine feste Distanz messen (Goldstandard für RVR).
  • Vorwärtsstreusensoren: Ein-Mast-Systeme, die die Sichtweite durch Messung der Lichtstreuung an atmosphärischen Partikeln ableiten.
  • Umgebungslichtsensoren: Erfassen die Hintergrundleuchtdichte, wichtig für genaue Wahrnehmungsmodelle.
  • Intensitätsmesser für Landebahnlichter: Stellen sicher, dass die tatsächliche Beleuchtungsstärke bei der Berechnung berücksichtigt wird.

Diese Systeme sind an den wichtigsten Landebahnpositionen installiert – Aufsetzzone (TDZ), Mitte (MID) und Auslauf/Ende (END) – und liefern in Echtzeit bereichsspezifische Sichtwerte.

Messkonzepte

  • Meteorologische Optische Reichweite (MOR): Grundlegende Eingabe, die die Entfernung beschreibt, bei der ein Lichtstrahl auf 5% seiner ursprünglichen Intensität abgeschwächt wird.
  • Hintergrundleuchtdichte: Die Helligkeit der Umgebung, welche den Kontrast und die Sichtbarkeit der Landebahnlichter beeinflusst.
  • Lichtintensität der Landebahn: Die gemessene Leistung der Rand-, Mittellinien- oder Aufsetzzonenbeleuchtung.

Algorithmische Berechnung

Die RVR wird mit Allard’schem Gesetz und Koschmeider-Gesetz berechnet, die die gemessene MOR, die Lichtintensität und die Hintergrundleuchtdichte sowie die visuellen Schwellenwerte des Piloten kombinieren, um die maximale Entfernung zu bestimmen, bei der Landebahnlichter oder Markierungen noch erkennbar bleiben.

Operative Anwendung

Flugsicherung und Piloten

Die RVR gibt Piloten und Fluglotsen Orientierung, ob eine Landebahn für Start oder Landung, insbesondere unter Instrumentenflugbedingungen, genutzt werden darf. Jede Anflugkategorie hat eine festgelegte Mindest-RVR; Betrieb unterhalb dieses Werts ist nur mit spezieller Zulassung für Flugzeug und Besatzung zulässig.

Flughafenkapazität

Mit abnehmender RVR sinkt die Flughafenkapazität. Geringere Werte führen zu reduzierten An- und Abflugraten, strengeren Bodenverkehrsregeln und zur Aktivierung von Niedrigsichtverfahren (LVP), um die Sicherheit zu gewährleisten.

RVR-ZustandRVR-BereichMax. Landungen/Stunde
Zustand 1>1000 m22
Zustand 21000–550 m18
Zustand 3550–300 m13
Zustand 4<300 m10

Anwendungsbeispiele

  • Dichter Nebel: Sinkt die RVR auf 175 Meter an der Aufsetzzone und noch weniger am Auslauf, sind nur noch CAT IIIb-zertifizierte Operationen zulässig; alle anderen werden ausgesetzt.
  • Plötzlicher Sichtabfall: Die Flugsicherung informiert anfliegende Maschinen und kann Anflüge aussetzen oder Umleitungen einleiten, wenn die RVR unter die veröffentlichten Mindestwerte fällt.
  • Kapazitätsmanagement: Präzise RVR-Messung ermöglicht es einigen Flughäfen, bei Nebel mehr Landungen sicher abzuwickeln als bei konservativen Schätzungen, wodurch Verspätungen und Umleitungen reduziert werden.

Technische Standards und Konformität

  • ICAO Doc 9328: Definiert Verfahren zur Beobachtung und Meldung der RVR.
  • ICAO Annex 3: Legt Standards für meteorologische Dienste fest.
  • FAA-E-2772B: US-Standards für die Leistung und Meldung von RVR-Systemen.
  • WMO Nr. 8: Leitfaden zur meteorologischen Messtechnik.
  • CAP 746 (UK): Britische CAA-Standards für RVR.

Die Ausrüstung muss entsprechend zertifiziert und gewartet werden, einschließlich regelmäßiger Kalibrierung und Sensorüberprüfung.

Zusammenfassung

Die RVR ist ein entscheidendes, reguliertes Element der Flugsicherheit und des effizienten Flugbetriebs. Sie gibt Piloten und Fluglotsen eine präzise, umsetzbare Messgröße für die Sicht auf der Landebahn aus Cockpitsicht und unter realen Bedingungen. Moderne automatisierte RVR-Systeme, die strengen internationalen Normen unterliegen, gewährleisten den sicheren und effizienten Flugzeugbetrieb bei jedem Wetter.

Weiterführende Literatur

  • ICAO Doc 9328: Manual of Runway Visual Range Observing and Reporting Practices
  • FAA Order 6560.10: Runway Visual Range (RVR)
  • WMO Guide No. 8: Instruments and Methods of Observation

Für Beratung zur Einführung oder Modernisierung von RVR-Systemen oder zur Konformitätsbewertung kontaktieren Sie uns oder vereinbaren Sie eine Demo .

Dieser Glossarbeitrag ist Teil unseres umfassenden Nachschlagewerks zur Luftfahrtmeteorologie und zum Flughafenbetrieb. Weitere Begriffe finden Sie in unserem Aviation Glossary .

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Sichtweite auf der Landebahn (RVR)?

RVR ist die Entfernung, über die ein Pilot auf der Landebahnmittellinie Markierungen oder Lichter auf der Landebahn sehen und identifizieren kann, gemessen in Metern oder Fuß. Es ist der wichtigste Sichtbarkeitswert für sicheres Starten und Landen unter eingeschränkten Sichtbedingungen und wird auf die Betriebsumgebung der Landebahn abgestimmt.

Wie wird die RVR gemessen und gemeldet?

Die RVR wird mit automatisierten Sensoren (Transmissometern oder Vorwärtsstreusensoren) gemessen, die die atmosphärische Klarheit (MOR), das Umgebungslicht und die Intensität der Landebahnbeleuchtung erfassen. Die Daten werden mit ICAO-Algorithmen verarbeitet, um RVR-Werte an wichtigen Landebahnpositionen (Aufsetzzone, Mitte, Auslauf) bereitzustellen, typischerweise jede Minute aktualisiert.

Wann ist die RVR-Meldung an Flughäfen erforderlich?

Die RVR-Meldung ist obligatorisch, wenn die vorherrschende Sicht unter 1.500 Meter (5.000 Fuß) sinkt, und ist unter 800 Meter (2.600 Fuß) oder bei Präzisionsanflügen unerlässlich. Genaue RVR-Werte sind zentral für die Start- und Landefreigabe sowie das Einleiten von Niedrigsichtverfahren.

Warum ist die RVR für den Flugbetrieb wichtig?

Die RVR bestimmt direkt, ob eine Landebahn für Start oder Landung unter Instrumentenflugbedingungen genutzt werden kann, insbesondere bei Anflügen der Kategorien I, II und III. Sie hilft Piloten, Fluglotsen und Flughafenbetreibern, die Sicherheit zu wahren und regulatorische Mindestwerte bei schlechtem Wetter einzuhalten.

Welche Technologien werden zur Messung der RVR eingesetzt?

Moderne RVR-Systeme verwenden Transmissometer oder Vorwärtsstreusensoren zur Messung der Meteorologischen Optischen Reichweite (MOR) sowie Umgebungslichtsensoren und Lichtintensitätsmesser für die Landebahnbeleuchtung. Diese Eingaben werden mit von der ICAO zugelassenen Algorithmen in Echtzeit zur Berechnung der RVR verarbeitet.

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