Sequenzielle Blinklichter (SFL)

Aviation Safety Airport Lighting Approach Systems Runway Guidance

Sequenzielle Blinklichter (SFL) und Flughafenbefeuerung

Einführung

Sequenzielle Blinklichter (SFL) sind ein entscheidender Bestandteil moderner Flughafeninfrastruktur. Sie bieten Piloten dynamische, gut sichtbare visuelle Führung während der Anflug- und Landephase, insbesondere bei schlechten Sichtverhältnissen. Diese speziellen Lichter, oft als „laufender Hase“ bezeichnet, sind aufgrund ihres sequenziellen Blinkmusters ein Eckpfeiler internationaler Standards zur Flugsicherheit.

Dieser Glossarbeitrag beleuchtet die Technologie, den Zweck, die regulatorischen Anforderungen und die Entwicklung von SFL und verwandten Anflugbefeuerungssystemen. Ob Flughafenbetreiber, Luftfahrtprofi, Pilot oder Student – das Verständnis von SFL ist unerlässlich, um die Komplexität und Sicherheitsanforderungen moderner Landebahnen zu erfassen.

Was sind sequenzielle Blinklichter (SFL)?

Sequenzielle Blinklichter (SFL) sind Hochintensitätsleuchten, die entlang der verlängerten Mittellinie der Landebahn im Anflugbefeuerungssystem eines Flughafens installiert sind. Ihre Hauptfunktion besteht darin, eine sich schnell bewegende, richtungsweisende visuelle Referenz zu bieten – sie blitzen in einer getakteten Sequenz vom Anflugende in Richtung Landeschwelle. Dadurch entsteht ein bewegter „Jagdeffekt“, der den Blick der Piloten entlang des optimalen Sinkflugweges führt.

Diese Lichter sind besonders wertvoll bei eingeschränkter Sicht, etwa durch Nebel, starken Regen, Schnee oder Nachtbetrieb, da sie die Lücke zwischen Instrumentenflug und den visuellen Hinweisen für eine sichere Landung schließen. SFLs finden sich an Landebahnen mit Präzisionsanflügen (Kategorie I, II und III), wo präzise Ausrichtung und Tiefenwahrnehmung entscheidend sind.

Geschichte und Standardisierung

Sequenzielle Blinklichter wurden erstmals in den 1960er Jahren standardisiert, parallel zur verstärkten Nutzung von Instrumentenlandesystemen (ILS) und dem wachsenden Bedarf an allwettertauglichen Flughafenbetrieben. Ihre Einführung wurde schnell in internationale und nationale Vorschriften übernommen:

  • ICAO Annex 14, Band I: Legt den globalen Standard für SFL-Platzierung, -Intensität, -Sequenzierung und -Frangibilität fest.
  • FAA Advisory Circulars (z. B. AC 150/5340-30J): Definieren die US-amerikanischen Standards für die Integration von SFL in Systeme wie ALSF-2, ALSF-1, MALSR und deren Kurzvarianten.

Die Anforderungen umfassen exakte Abstände (oft 30 Meter), Intensität, Synchronisation und das Ende an einem Entscheidungsbalken (meist 300 Meter von der Schwelle entfernt).

Wie funktionieren SFLs?

SFLs erzeugen eine getaktete Sequenz intensiver Lichtblitze, beginnend beim entferntesten Anfluglicht und rasch fortschreitend in Richtung Landeschwelle – typischerweise mit zwei Zyklen pro Sekunde. Dieser „laufende Hase“ oder „verfolgtes Licht“ ist sehr auffällig und lenkt die Aufmerksamkeit des Piloten auf den korrekten Anflugweg.

Hauptmerkmale:

  • Abstände: Die Einheiten sind in festen Intervallen (30–60 Meter) entlang der Mittellinienverlängerung positioniert.
  • Blitzsequenz: Fortschrittliche Steuerkästen synchronisieren das Blitzmuster mittels digitaler Protokolle (CAN-Bus, RS485).
  • Lichtquelle: Moderne SFLs verwenden entweder Xenon-Blitzröhren oder Hochleistungs-LEDs.
  • Einstellbare Intensität: Die Lichtintensität kann per Fernsteuerung oder automatisch je nach Umgebungsbedingungen oder Piloteneingabe angepasst werden.
  • Integration: SFLs sind mit anderen Komponenten der Anflugbefeuerung (durchgehend leuchtende Lichter, Schwellenbalken, Entscheidungsbalken) abgestimmt und sorgen so für ein nahtloses visuelles Umfeld.

Arten von Anflugbefeuerungssystemen mit SFL

ALSF-2 (Approach Lighting System with Sequenced Flashers, Type II)

  • Landebahn-Kategorie: CAT II/III (Präzisionsanflüge)
  • Merkmale: Bis zu 15 SFL-Einheiten, 144 durchgehend leuchtende Mittellinienlichter, Seitenbalken, grüne Schwellenlichter und ein Entscheidungsbalken bei 300 Metern.
  • Länge: 730–900 Meter vor der Schwelle.
  • Zweck: Maximale Führung für die anspruchsvollsten Anflüge.

MALSR (Medium Intensity Approach Lighting System with Runway Alignment Indicator Lights)

  • Landebahn-Kategorie: Vorwiegend CAT I, Regional- und Sekundärflughäfen.
  • Merkmale: 5 RAIL (Runway Alignment Indicator Lights), durchgehend leuchtende Barrettes, vereinfachter Aufbau.
  • Länge: Typischerweise kürzer als ALSF-2, weniger SFL-Einheiten.
  • Zweck: Effektive visuelle Anflughilfe mit reduziertem Infrastrukturaufwand.

SSALR, SSALF, SALSF (verkürzte Anflugbefeuerungssysteme)

  • Zweck: Essenzielle Anflughilfe, wo Platz- oder Betriebsbeschränkungen die Installation eines vollständigen ALSF-2 oder MALSR verhindern.
  • Merkmale: 3–7 sequenzielle Blitzer, insgesamt kürzere Systemlänge (430–600 Meter).

SFL-Technologie: Xenon vs. LED

Xenon-SFLs

Traditionelle SFLs verwenden Xenon-Blitzröhren. Diese erzeugen extrem helle, kurze Blitze, indem gespeicherte elektrische Energie in einer gasgefüllten Lampe freigesetzt wird. Sie sind effektiv, benötigen jedoch mehr Wartung und haben eine kürzere Lebensdauer.

LED-SFLs

Moderne Systeme setzen vermehrt auf leistungsstarke LEDs. Vorteile sind:

  • Energieeffizienz: Geringerer Stromverbrauch.
  • Langlebigkeit: Lebensdauer über 50.000 Stunden.
  • Sofortiges Ein-/Ausschalten: Keine Aufwärmzeit.
  • Robustheit: Unempfindlicher gegen Vibrationen und Witterung.
  • Präzise Steuerung: Einfaches Anpassen von Blitzsequenz und Intensität.

Flughäfen rüsten Xenon-SFLs zügig gemäß FAA- und ICAO-Vorgaben auf LEDs um.

Steuerung und Überwachung

Sequenzielle Blinklichter sind in das Airfield Lighting Control and Monitoring System (ALCMS) des Flughafens integriert. Dies ermöglicht:

  • Echtzeit-Fehlererkennung: Sofortige Benachrichtigung bei Lampenausfällen.
  • Fernsteuerbare Intensitätsanpassung: Einstellung der Lichtstärke je nach Wetter und Pilotenwunsch.
  • Fernaktivierung/-deaktivierung: Besonders wichtig für nicht kontrollierte Flughäfen mit pilotengesteuerter Befeuerung.
  • Compliance-Protokollierung: Automatische Ereignis- und Statusaufzeichnung für behördliche Berichte.

Frangibilität und Sicherheit

Alle SFL-Leuchten und deren Befestigungen müssen bis zu 1,2 Meter über dem Boden frangibel sein und damit den ICAO- und FAA-Standards entsprechen. Dadurch wird sichergestellt, dass die Lichtstruktur bei einem Zusammenstoß mit einem Flugzeug abbricht, um Schäden oder Verletzungen zu minimieren.

Die Frangibilität wird durch Leichtbaumaterialien, Sollbruchstellen und speziell entwickelte Halterungen erreicht.

SFL in der Praxis: „Den Hasen ausschalten“

Bei klarer Sicht können SFLs ablenken. Piloten fordern dann häufig das Abschalten der SFL – das wird als „den Hasen ausschalten“ bezeichnet. Dies erfolgt über die Flugsicherung oder pilotengesteuerte Befeuerungssysteme und reduziert unnötige visuelle Reize, während das restliche Anflugbefeuerungssystem aktiv bleibt.

Mobile und temporäre SFL-Lösungen

Mobile SFLs sind für den Einsatz auf Feldflugplätzen, temporären oder Notflugfeldern verfügbar. Diese Einheiten verfügen über:

  • Batterie- oder Solarbetrieb
  • Leichtbauweise, schnelle Montage
  • Volle Einhaltung der ICAO-/FAA-Intensitäts- und Sequenzierungsstandards

Solche Systeme sind bei Militäreinsätzen, Katastrophenhilfe oder Bauflugplätzen von unschätzbarem Wert.

Regulatorischer Rahmen

  • ICAO Annex 14, Band I: Globale Vorgaben zu Platzierung, Leistung und Frangibilität von SFL.
  • FAA AC 150/5340-30J & Engineering Brief 67: US-amerikanische Vorgaben zu Planung, Installation und Umstellung auf LED-Technik.
  • FAA Standardzeichnungen: Präzise Layouts und Verkabelungen für alle ALSF-/MALSR-Varianten.

Verwandte Begriffe

Anflugbefeuerungssystem (ALS)

Ein strukturiertes Feld von Lichtern, das sich von der Landeschwelle in den Anflugbereich erstreckt und Instrumenten- und Sichtflug verbindet. Umfasst SFL, durchgehend leuchtende Lichter, Schwellenbalken und mehr.

RAIL (Runway Alignment Indicator Lights)

Eine kurze Sequenz (3–5 Einheiten) von SFL, meist in MALSR- und SSALR-Systemen zur dynamischen Führung der Mittellinie eingesetzt.

Entscheidungsbalken

Ein quer zur Landebahn verlaufender Lichtbalken 300 Meter vor der Schwelle, an dem die SFL-Sequenz endet und Piloten zu durchgehend leuchtenden visuellen Hinweisen wechseln.

Hindernisbefeuerung

Unterscheidet sich von Anflugbefeuerung, dient der Kennzeichnung von Gefahrenstellen (Türme, Gebäude) durch rote oder weiße Lichter – niemals zu verwechseln mit SFL- oder ALS-Komponenten.

Pilotengesteuerte Befeuerung (PCL)

An vielen Flughäfen können Piloten SFL und andere Anflugbefeuerungssysteme per Funk (CTAF) fernbedient aktivieren und anpassen. Das spart Energie und ermöglicht individuell abgestimmte visuelle Hinweise für jeden Anflug.

Die Zukunft der SFL

Fortschritte bei LED-Technologie, smarter Steuerung und Fernüberwachung machen SFL-Systeme effizienter, zuverlässiger und anpassungsfähiger. Flughäfen weltweit modernisieren, um die sich weiterentwickelnden ICAO- und FAA-Standards zu erfüllen und sicherzustellen, dass dynamische visuelle Anflughilfen die Flugsicherheit auch in Zukunft steigern.

Zusammenfassung

Sequenzielle Blinklichter (SFL) sind eine unverzichtbare visuelle Hilfe für Piloten und bilden das Rückgrat von Anflugbefeuerungssystemen an Flughäfen weltweit. Ihre schnellen, aufeinanderfolgenden Lichtblitze sorgen bei schwierigen Bedingungen für unmissverständliche Führung zur Landebahn, verringern das Risiko von Fehlausrichtungen, Fehlanflügen und Pistenverletzungen. Dank laufender Innovationen in LED-Technik und digitaler Steuerung setzen SFLs weiterhin den Standard für einen sicheren, effizienten und zuverlässigen Flughafenbetrieb.

Weiterführende Literatur

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Häufig gestellte Fragen

Welchen Zweck erfüllen sequenzielle Blinklichter (SFL) an Flughäfen?

Sequenzielle Blinklichter (SFL) bieten dynamische, richtungsweisende visuelle Hinweise für Piloten beim Anflug und der Landung, insbesondere bei schlechter Sicht. Durch das getaktete Aufblitzen entlang des Anflugwegs erzeugen SFLs einen 'laufenden Hasen', der den Blick der Piloten direkt zur Landebahn führt und Ausrichtung sowie Sicherheit verbessert.

Wie werden SFLs in Flughafenbefeuerungssysteme integriert?

SFLs werden mit anderen Elementen der Anflugbefeuerung wie durchgehend leuchtenden Mittellinienlichtern, Schwellenbalken und Seitenbalken kombiniert. Systeme wie ALSF-2 und MALSR beinhalten SFLs als zentrale Komponenten, deren Betrieb durch internationale (ICAO) und nationale (FAA) Standards geregelt ist.

Was ist der Unterschied zwischen SFL und RAIL?

Sowohl SFL als auch RAIL sind sequenzielle Blinklichtsysteme, aber RAIL (Runway Alignment Indicator Lights) bezieht sich typischerweise auf eine kürzere Sequenz, wie sie in Systemen wie MALSR vorkommt, während SFL oft längere, umfassendere Reihen wie bei ALSF-2 beschreibt.

Gibt es SFLs mit LED-Technik?

Ja, moderne SFLs nutzen zunehmend Hochleistungs-LEDs, die längere Lebensdauern, geringeren Wartungsaufwand und verbesserte Energieeffizienz im Vergleich zu älteren Xenon-Blitzgeräten bieten.

Können Piloten SFLs aus der Ferne steuern?

An vielen Flughäfen, insbesondere an nicht kontrollierten Plätzen, können Piloten SFL und die Intensität der Anflugbefeuerung per Funkübertragung (Pilot Controlled Lighting) aktivieren und anpassen, was die Flexibilität erhöht und unnötigen Energieverbrauch reduziert.

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