Sequenzielle Blinklichter (SFL)

Airport Lighting Aviation Safety Approach Lighting Systems CAT II/III

Sequenzielle Blinklichter (SFL) – Glossar & Technische Referenz

LED-basierte SFL-Leuchten entlang der Anflugmittellinie eines Flughafens

Definition und Kontext

Sequenzielle Blinklichter (SFL) sind spezielle, hochintensive Anflugbefeuerungen, die in einem gesteuerten, sequenziellen Muster entlang der verlängerten Mittellinie der Landebahn blinken. Diese Sequenz erzeugt einen charakteristischen „Lauflicht-“ oder „Lichtball“-Effekt und bietet Piloten dynamische, richtungsweisende visuelle Hinweise beim Endanflug – insbesondere bei schlechter Sicht wie Nebel, starkem Niederschlag oder Nacht. SFLs sind ein zentrales Merkmal von Anflugbefeuerungssystemen (ALS) für Landebahnen, die für CAT II/III-Präzisionslandungen zugelassen sind.

SFLs unterliegen internationalen Standards der International Civil Aviation Organization (ICAO Anhang 14, Band I) und der Federal Aviation Administration (FAA) in den USA. Ihr Einsatz ist für Landebahnen mit den niedrigsten Mindestsichtbedingungen vorgeschrieben und sie werden mit weiteren ALS-Elementen wie dauerhaft leuchtenden Lichtern und Seitenreihen kombiniert, um Sicherheit und Betriebseffizienz zu erhöhen.

Betrieb und Funktion

Zweck

Die Hauptfunktion der SFL ist es, einen unverwechselbaren, bewegten Anflugpfad für Piloten während des kritischen Wechsels vom Instrumentenflug zur Sichtlandung zu bieten. Die schnellen, sequenziellen Blitze helfen Piloten, die Landebahnausrichtung und die Schwelle auch bei schlechter Hintergrundbeleuchtung oder Sicht schnell zu erkennen.

  • Dynamischer visueller Hinweis: Der „Lauflichteffekt“ hilft Piloten, Abstand, Ausrichtung und Orientierung zur Mittellinie der Landebahn einzuschätzen.
  • Erhöhte Auffälligkeit: Hochintensive Blitze durchdringen Nebel und Niederschlag besser als ausschließlich dauerhaft leuchtende Lichter.
  • Betriebssicherheit: Reduziert das Risiko von Ausrichtungsfehlern, Landebahnabweichungen oder Fehlanflügen bei schwierigem Wetter.

Integration

SFLs sind vorgeschriebener Bestandteil in hochintensiven ALS-Konfigurationen wie ALSF-1 und ALSF-2 für CAT II/III-Landebahnen. Sie finden sich auch in mittleren Systemen (MALSR, SSEALS) und als Schwellenkennzeichnungslichter (RTILs), wo zusätzliche Sichtbarkeit erforderlich ist.

Typische Anwendungsfälle

  • Große internationale Flughäfen mit häufigen Anflügen bei schlechter Sicht.
  • Militär- und Feldflugplätze mit tragbaren SFL-Systemen für temporäre Landebahnen.
  • Flughäfen in nebelanfälligen oder niederschlagsreichen Regionen, um die betrieblichen Mindestbedingungen aufrechtzuerhalten.

Technische Eigenschaften

Systemarchitektur

Ein modernes SFL-System besteht aus:

  • Sequenziellen Blinkleuchten: Hochintensive LEDs (oder ältere Xenon-Blitzgeräte), entweder erhöht oder eingelassen, entsprechend den ICAO-Fotometrie- und Farbvorgaben.
  • Digitaler Sequenziercontroller: Steuert Blitzfolge (1–2 Hz), Intensitätsstufen und Systemdiagnose.
  • Stromversorgung: In der Regel Wechselstromnetz (mit Backup-Batterie/Solarmodulen für Redundanz).
  • Kommunikationsschnittstellen: CAN-Bus, RS-485 oder vergleichbar, zur Integration mit Airfield Lighting Control and Monitoring Systems (ALCMS).
  • Umweltschutz: IP68/IP69-Schutzarten, Sollbruchkupplungen und Betriebstemperaturbereich von -40°C bis +75°C.

Wichtige Leistungsmerkmale

  • Gleichmäßigkeit und Intensität: Einhaltung der ICAO-Abbildung 2.1 für Lichtstärke, Farbe und Verteilung.
  • Sequenzgenauigkeit: Zuverlässige, präzise getimte Blitzfolge in Richtung Landebahnschwelle.
  • Redundanz: Automatische Wiederherstellung und Fail-Safes bei Strom- oder Controllerfehlern.
  • Wartung: Modulares Design für schnellen Komponententausch; Fernauslesung von Lampenstatus und Systemzustand.

Systemdesign und Integration

Anordnung

  • Abstand: Typischerweise 30 Meter (100 Fuß) zwischen den Leuchten, bis zu 900 Meter (ICAO) oder 3.000 Fuß (FAA) von der Schwelle entfernt.
  • Sequenz: Die Blitze beginnen am entferntesten Punkt und laufen rasch in Richtung Landebahn.
  • Integration: SFLs sind mit dauerhaft leuchtenden Anflugbalken und Seitenreihen für gestufte visuelle Führung kombiniert.

Beispiele

  • ALSF-2 (FAA): 15 SFLs und über 240 dauerhaft leuchtende Lichter für CAT III-Anflüge.
  • MALSR: 5 SFLs kombiniert mit mittlerer Intensität für CAT I.
  • Mobile SFL: Batterie- oder solarbetrieben für schnelle Bereitstellung auf temporären Flugfeldern.

Installation

  • Verkabelung: Primär-/Sekundärleitungen mit zentralem Controller und verteilten Anschlussboxen.
  • Montage: Erhöht oder eingelassen, mit Sollbruchstellen für Sicherheit.
  • Zugänglichkeit: Wartung ohne Beeinträchtigung des Landebahnbetriebs möglich.

Normen und Standards

  • ICAO Anhang 14, Band I, Abschnitt 5.3.4: Legt SFL-Anforderungen für Anflugbefeuerungen einschließlich fotometrischer, umweltbezogener und Sollbruch-Standards fest.
  • FAA AC 150/5340-30: Beschreibt ALSF-2, MALSR und SFL/RAIL-Design und -Betrieb für US-Flugplätze.
  • Prüfung: Fotometrie, Farbe, Schutzart und Sollbruch-Tests sind für die Zertifizierung erforderlich.

Anwendungsfälle

  • Große Drehkreuze: Heathrow, O’Hare und andere CAT III-Landebahnen nutzen ALSF-2 mit SFL für Allwetter-Sicherheit.
  • Militär/Feldbetrieb: Tragbare SFLs für schnellen Aufbau sicherer Anflugwege im Feld.
  • Regionale Flughäfen: MALSR mit SFL für verbesserte CAT I-Führung.
  • Schwellenkennzeichnung: SFL als RTIL in komplexen visuellen Umgebungen.

SFL vs. RAIL

MerkmalSFL (Sequenzielle Blinklichter)RAIL (Runway Alignment Indicator Lights)
PlatzierungEntlang der ALS-Mittellinie bis zur SchwelleKann über das ALS hinausgehen, endet vor Dauerlicht
SequenzierungZeitlich abgestimmte Sequenz, „Lauflichteffekt“Nicht sequenziert, kann unabhängig blinken
BetriebseinsatzFür CAT II/III vorgeschrieben (ICAO/FAA)Ergänzend, nicht vorgeschrieben für Präzisions-ALS
IntegrationSynchronisiert mit ALS-ControllerKann unabhängig oder parallel zum ALS betrieben werden

Glossar verwandter Begriffe

  • Flugplatzbefeuerung (AGL): Alle Befeuerungssysteme auf einem Flugplatz, einschließlich Anflug-, Landebahn-, Rollweg- und Vorfeldbeleuchtung.
  • Anflugbefeuerungssystem (ALS): Strukturierte Anordnung von Dauer- und Blinklichtern, die sich vom Landebahnschwellenbereich erstreckt und anfliegende Flugzeuge führt.
  • Hochintensives Anflugbefeuerungssystem (HIALS): ALS mit leistungsstarken Leuchten, vorgeschrieben für CAT II/III, enthält oft SFL.
  • Dauerlicht: Bietet kontinuierliche Beleuchtung als statische visuelle Referenz.
  • Instrumentenlandesystem (ILS): Funknavigation zur präzisen seitlichen und vertikalen Anflughilfe.
  • Schwellenkennlicht (TIL/RTIL): Lichter, die den nutzbaren Beginn der Landebahn markieren und die Schwelle besser sichtbar machen.
  • Hindernisbefeuerung: Markiert Hindernisse nahe der Landebahn oder Flugwege zur Sicherheit.

Standards und Referenzen

Schaltbilder & Schemata

Für detaillierte Verdrahtung und Installation siehe:

Tabelle der wichtigsten Eigenschaften

AttributBeschreibung
ZweckDynamische visuelle Führung für Anflüge bei schlechter Sicht
StandardkonformitätICAO Anhang 14, FAA ALSF-2, MALSR, AC 150/5340-30
PositionierungLandebahnmittellinie, bis zu 900 m (ICAO) oder 3000 ft (FAA) von Schwelle
LeuchtentypenErhöht oder eingelassen, LED oder Xenon, modular
SteuerungDigitale Sequenzierung, Intensitätsstufen, Fernüberwachung
Sequenzierung1–2 Blitze/Sek., präziser Lauflichteffekt
IntegrationMit dauerhaft leuchtenden Anflugbalken, Schwellen-/Seitenlichtern
EnergieversorgungWechselstrom, Batterie, Solar, Hybrid
UmweltbedingungenIP68/IP69, -40°C bis +75°C, Sollbruchstützen
AnwendungenCAT II/III, militärisch/Feldeinsatz, Schwellenkennzeichnung

Zusätzliche technische Hinweise

Fotometrische Anforderungen

Alle Leuchten müssen den Kriterien der ICAO-Abbildung 2.1 für Helligkeit, Lichtverteilung und Farbe entsprechen – für Sichtbarkeit aus allen erforderlichen Anflugwinkeln und Entfernungen.

Synchronisation und Wartung

Präzise Sequenzierung ist essenziell: Controller-Redundanz und Echtzeitüberwachung minimieren das Risiko verwirrender Signale. LED-Technik reduziert den Wartungsaufwand, dennoch bleiben regelmäßige Prüfungen auf Verschmutzung oder Fehler notwendig.

Zusammenfassung

Sequenzielle Blinklichter (SFL) sind ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Anflugbefeuerungen und bieten Piloten bei Anflügen unter schlechten Sichtbedingungen eine bewegte, kontrastreiche Führung. Ihr sequenzielles Blinkmuster sorgt für sichere, effiziente Landungen an den größten und anspruchsvollsten Flughäfen der Welt, während mobile SFL-Systeme die Sicherheitsvorteile auch auf temporäre und Feldflugplätze übertragen. SFL-Systeme entsprechen strengen internationalen Vorschriften und sind auf Zuverlässigkeit, Integration und Wartungsfreundlichkeit ausgelegt – und damit unverzichtbar für die Luftfahrtsicherheit und betriebliche Resilienz.

Dieser Glossareintrag ist eine technische Ressource für Luftfahrtfachleute, Ingenieure und Regulierungsbehörden, die umfassende Kenntnisse über sequenzielle Blinklichter (SFL) in der Flughafenbefeuerung suchen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der wichtigste betriebliche Vorteil von SFL im Vergleich zu dauerhaft leuchtenden Anflugbefeuerungen?

SFLs erzeugen einen bewegten, kontrastreichen visuellen Hinweis, der bei schlechten Sichtbedingungen leichter wahrgenommen wird. Das sequenzielle Blinken verbessert das Tiefenempfinden und die Orientierung, wodurch der Endanflug und die Landung sicherer werden – insbesondere bei Nebel, Regen oder in visuell komplexen Umgebungen.

Sind SFLs für alle Landebahnen vorgeschrieben?

Nein. SFLs sind gemäß ICAO- und FAA-Standards für CAT II/III-Präzisionsanflugbahnen vorgeschrieben. Einfachere Anflugbefeuerungssysteme für CAT I- oder Nicht-Präzisionsbahnen enthalten möglicherweise keine SFLs.

Können SFL-Systeme auch auf temporären oder Feldflugplätzen eingesetzt werden?

Ja. Moderne SFL-Systeme sind als tragbare, eigenständige Einheiten verfügbar, die mit Batterien oder Solarmodulen betrieben werden und sich daher für die schnelle Bereitstellung bei militärischen, humanitären oder Notfall-Einsätzen eignen.

Was ist der Unterschied zwischen SFL und RAIL?

SFLs sind sequenziell geschaltete Anflugbefeuerungen entlang der Mittellinie und in ALS-Arrays integriert, um einen bewegten Lichteffekt zu erzeugen. RAILs sind Ausrichtungsleuchten, die außerhalb des Haupt-ALS installiert werden können, in der Regel nicht sequenziert sind und als zusätzliche Ausrichtungshilfen dienen.

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