Spektrale Bestrahlungsstärke

Radiometry Photometry Light Measurement

Spektrale Bestrahlungsstärke und verwandte radiometrische & photometrische Größen

Die spektrale Bestrahlungsstärke ist ein grundlegendes Konzept der optischen Wissenschaft und entscheidend, um zu verstehen und zu quantifizieren, wie viel Energie von Lichtquellen bei jeder Wellenlänge auf eine Oberfläche trifft. Sie bildet die Basis für die Entwicklung und Kalibrierung von Sensoren, die Bewertung von Solarsystemen, die Beurteilung von Beleuchtungstechnologien sowie eine Vielzahl wissenschaftlicher und industrieller Anwendungen.

Solar spectral irradiance graph, showing sunlight energy across UV, visible, and IR spectrum

Abbildung: Typische spektrale Bestrahlungsstärke des Sonnenlichts an der Erdoberfläche, die die Verteilung der Energie über ultraviolette, sichtbare und infrarote Wellenlängen zeigt.

Grundlagen der spektralen Bestrahlungsstärke

Spektrale Bestrahlungsstärke ($E_\lambda$) ist der Strahlungsfluss (Leistung), der pro Flächeneinheit und pro Wellenlängeneinheit auf eine Oberfläche trifft. Mathematisch:

$$ E_\lambda = \frac{d^2\Phi}{dA,d\lambda} $$

  • $d^2\Phi$: Differenzieller Strahlungsfluss (W)
  • $dA$: Differenzielle Fläche (m²)
  • $d\lambda$: Differenzielles Wellenlängenintervall (nm oder m)

SI-Einheit: W·m⁻²·nm⁻¹

Die spektrale Bestrahlungsstärke ist immer eine Funktion der Wellenlänge und wird daher meist als Spektrum – also als Graph von $E_\lambda$ über die Wellenlänge – dargestellt. Diese Detailtiefe ermöglicht es Forschern und Ingenieuren, die Energieverteilung über das elektromagnetische Spektrum jeder Lichtquelle oder Umgebung zu analysieren.

Radiometrische Größen: Die Bausteine

Strahlungsfluss ($\Phi$) und spektraler Fluss ($\Phi_\lambda$)

  • Strahlungsfluss ($\Phi$): Gesamte elektromagnetische Energie pro Zeit, die emittiert, übertragen oder empfangen wird – gemessen in Watt (W).
  • Spektraler Fluss ($\Phi_\lambda$): Strahlungsfluss pro Wellenlängeneinheit (W·nm⁻¹).

Praktische Anwendungen:

  • Charakterisierung von Lampen- und LED-Ausgangsleistung
  • Berechnung der auf Flächen oder Detektoren empfangenen Bestrahlung
  • Die Summe des spektralen Flusses über alle Wellenlängen ergibt den Gesamtstrahlungsfluss

Bestrahlungsstärke ($E$) und spektrale Bestrahlungsstärke ($E_\lambda$)

  • Bestrahlungsstärke ($E$): Gesamter Strahlungsfluss pro Flächeneinheit (W·m⁻²)
  • Spektrale Bestrahlungsstärke ($E_\lambda$): Bestrahlungsstärke pro Wellenlänge (W·m⁻²·nm⁻¹)

Beziehung: $$ E = \int_{0}^{\infty} E_\lambda,d\lambda $$

  • Bestrahlungsmesser erfassen die Gesamtleistung.
  • Spektroradiometer liefern eine spektrale Aufschlüsselung.

Strahldichte ($L$) und spektrale Strahldichte ($L_\lambda$)

  • Strahldichte ($L$): Strahlungsfluss pro Flächeneinheit und Raumwinkel (W·m⁻²·sr⁻¹)
  • Spektrale Strahldichte ($L_\lambda$): Zusätzlich pro Wellenlängeneinheit (W·m⁻²·sr⁻¹·nm⁻¹)

Bedeutung: Die Strahldichte misst sowohl die räumliche als auch die winkelabhängige Verteilung – unerlässlich in der Bildgebung, Fernerkundung und Umweltwissenschaft.

Strahlungsstärke ($I$)

  • Strahlungsstärke ($I$): Leistung pro Raumwinkel (W·sr⁻¹)
  • Wird zur Beschreibung von Punktquellen und gerichteten Emissionsmustern verwendet.

Photometrische Größen: Lichtmessung aus menschlicher Sicht

Photometrische Größen stellen Licht so dar, wie es das menschliche Auge wahrnimmt. Sie werden aus radiometrischen Werten abgeleitet, indem die spektrale Leistungsverteilung mit der CIE-Standard-Luminositätsfunktion ($V(\lambda)$) gewichtet wird.

  • Lichtstrom ($\Phi_v$): Sichtbare Energie pro Zeit, in Lumen (lm)
  • Beleuchtungsstärke ($E_v$): Lichtstrom pro Quadratmeter, in Lux (lx)
  • Leuchtdichte ($L_v$): Wahrgenommene Helligkeit aus einer Richtung, in cd·m⁻²

Umrechnungsbeispiel: $$ \Phi_v = 683 \int_0^\infty \Phi_\lambda V(\lambda) d\lambda $$

  • 683 lm/W ist die maximale Lichtausbeute bei 555 nm (grün).

Spektrale Beleuchtungsstärke und Umrechnung Radiometrie–Photometrie

Spektrale Beleuchtungsstärke ($E_{v,\lambda}$) ist das photometrische Pendant zur spektralen Bestrahlungsstärke und quantifiziert sichtbares Licht bei jeder Wellenlänge entsprechend der Empfindlichkeit des Menschen.

$$ E_{v,\lambda} = 683 \cdot E_\lambda \cdot V(\lambda) $$

  • So wird sichergestellt, dass Messungen die Helligkeitswahrnehmung des Menschen widerspiegeln und nicht nur die reine Energie.

Messtechniken und Instrumentierung

Instrumente

  • Spektroradiometer: Trennt und quantifiziert Licht nach Wellenlängen; unerlässlich für spektrale Bestrahlungsstärke.
  • Pyranometer: Misst die gesamte solare Bestrahlungsstärke.
  • Gefilterte Photodetektoren: Für bestimmte Spektralbereiche.

Kalibrierung

  • Die Kalibrierung mit Standardlampen (z. B. Wolfram-Halogen, Deuterium), rückführbar auf NIST oder gleichwertige Stellen, ist für die Genauigkeit unerlässlich.
  • Spektrale Empfindlichkeit und Kosinusantwort sind wichtige Kalibrierungsfaktoren.
  • Fehlerquellen sind Spektralmismatch, Streulicht und Winkelabweichung.

Best Practice: Regelmäßige Kalibrierung und Einhaltung von Normen (CIE, ISO/IEC) gewährleisten rückverfolgbare und zuverlässige Messungen.

Einheiten und Referenztabelle

GrößeSymbolSI-EinheitBeschreibung
Strahlungsfluss$\Phi$WGesamtleistung
Spektraler Fluss$\Phi_\lambda$W·nm⁻¹Leistung pro Wellenlängeneinheit
Bestrahlungsstärke$E$W·m⁻²Leistung pro Fläche
Spektrale Bestrahlungsstärke$E_\lambda$W·m⁻²·nm⁻¹Leistung pro Fläche und Wellenlänge
Strahldichte$L$W·m⁻²·sr⁻¹Leistung pro Fläche und Raumwinkel
Spektrale Strahldichte$L_\lambda$W·m⁻²·sr⁻¹·nm⁻¹Leistung pro Fläche, Raumwinkel und Wellenlänge
Lichtstrom$\Phi_v$lmSichtbare Leistung (gewichtet)
Beleuchtungsstärke$E_v$lx (lm·m⁻²)Sichtbare Leistung pro Fläche
Leuchtdichte$L_v$cd·m⁻²Sichtbare Leistung pro Fläche und Raumwinkel
Lichtstärke$I_v$cdSichtbare Leistung pro Raumwinkel

Anwendungen der spektralen Bestrahlungsstärke

  • Solarenergie: Bestimmt den Wirkungsgrad von Photovoltaik und unterstützt Vergleiche unter standardisierten Spektren (z. B. ASTM G173 AM1.5).
  • Materialwissenschaft: Steuerung von Bewitterungs- und Photodegradationsstudien.
  • Spektroskopie: Ermöglicht quantitative Analysen von Absorption, Fluoreszenz und Emission.
  • Lichttechnik: Bewertung von Lampen/LED-Ausgangsleistung, Unterstützung von Normenkonformität und Optimierung menschzentrierter Beleuchtung.
  • Photobiologie & Landwirtschaft: Messung der PAR (400–700 nm) für das Pflanzenwachstum.
  • Luft- & Raumfahrt: Kalibrierung von Sensoren und Bewertung der Umwelteinwirkung.

Eine genaue Messung der spektralen Bestrahlungsstärke ist für Qualitätssicherung, gesetzliche Vorgaben und technologische Innovationen in diesen Bereichen unerlässlich.

Radiometrische vs. photometrische Größen

  • Radiometrisch: Physikalische Energie, unabhängig von der Wahrnehmung (Watt, W·m⁻²·nm⁻¹).
  • Photometrisch: Gewichtet mit der Empfindlichkeit des menschlichen Auges ($V(\lambda)$) – für Beleuchtungs- und Sichtanwendungen.

Umrechnungsformel: $$ \text{Photometrische Größe} = 683 \int \text{Radiometrische Größe}(\lambda) \cdot V(\lambda), d\lambda $$

Messrückführung und Kalibrierung

Für genaue Messungen der spektralen Bestrahlungsstärke und verwandter Größen sind folgende Schritte notwendig:

  1. Wellenlängenkalibrierung: Abgleich von gemessenen und tatsächlichen Wellenlängen, meist mit Emissionslampen (Hg, Ne).
  2. Kalibrierung der spektralen Empfindlichkeit: Charakterisierung der Detektorempfindlichkeit in Abhängigkeit von der Wellenlänge.
  3. Absolute Bestrahlungsstärkekalibrierung: Verwendung von Standardlampen mit zertifizierter Ausgangsleistung.
  4. Überprüfung der Kosinusantwort: Kontrolle der Winkelempfindlichkeit für diffuses/schräges Licht.

Regelmäßige Kalibrierung erhält die Genauigkeit, wenn Geräte altern oder sich Umgebungen ändern. Rückführbarkeit auf nationale/internationale Standards (NIST, BIPM, CIE) ist für Reproduzierbarkeit und Vergleichbarkeit unerlässlich.

Zusammenfassung

Die spektrale Bestrahlungsstärke liefert eine detaillierte, wellenlängenspezifische Ansicht der optischen Energie, die auf eine Oberfläche trifft. Die Beherrschung ihrer Messung und Interpretation ist grundlegend für Bereiche wie Solarenergie, Lichttechnik, Umweltüberwachung und Sensorkalibrierung. Durch das Verständnis der spektralen Bestrahlungsstärke und verwandter radiometrischer und photometrischer Größen können Fachleute genaue, rückverfolgbare und anwendungsrelevante optische Daten sicherstellen.

Abbildung: Solarspektrum, das die Variation der spektralen Bestrahlungsstärke über UV-, sichtbare und IR-Bereiche zeigt.

Bei Fragen zur Integration von Messungen der spektralen Bestrahlungsstärke in Ihren Arbeitsablauf oder für professionelle Kalibrierungs- und Beratungsdienste kontaktieren Sie unser Team oder vereinbaren Sie eine persönliche Demo .

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen spektraler Bestrahlungsstärke und Gesamtbestrahlungsstärke?

Die spektrale Bestrahlungsstärke (Eλ) quantifiziert die Strahlungsleistung pro Fläche und pro Wellenlängenintervall, typischerweise in W·m⁻²·nm⁻¹, und beschreibt, wie sich die Energie über die Wellenlängen verteilt. Die Gesamtbestrahlungsstärke (E) ist die Summe aller spektralen Bestrahlungsstärken über das gesamte Wellenlängenspektrum integriert und gibt die gesamte Strahlungsleistung pro Fläche (W·m⁻²) auf einer Oberfläche an.

Warum ist die spektrale Bestrahlungsstärke in Solaranwendungen wichtig?

Die spektrale Bestrahlungsstärke hilft zu beurteilen, wie viel Energie bei jeder Wellenlänge auf Solarmodule trifft. Da Solarzellenmaterialien unterschiedlich auf verschiedene Spektralbereiche reagieren, ist die genaue Kenntnis der spektralen Zusammensetzung des Sonnenlichts entscheidend, um den Wirkungsgrad von Modulen zu optimieren und Photovoltaik-Technologien zu vergleichen.

Wie wird die spektrale Bestrahlungsstärke gemessen?

Sie wird mit einem kalibrierten Spektroradiometer gemessen, das das Licht in seine einzelnen Wellenlängen zerlegt und die Leistung bei jeder misst. Für genaue Messungen sind Kalibrierungen mit Standardlampen, Korrekturen für das Instrumentenverhalten sowie die Berücksichtigung von Faktoren wie Winkelantwort und Streulicht notwendig.

Wie steht die spektrale Bestrahlungsstärke mit photometrischen Größen wie der Beleuchtungsstärke in Zusammenhang?

Photometrische Größen wie die Beleuchtungsstärke (Lux) werden aus der spektralen Bestrahlungsstärke abgeleitet, indem das Spektrum mit der Empfindlichkeitskurve des menschlichen Auges (V(λ)) gewichtet wird. Dadurch werden physikalische Energiemessungen in Werte umgewandelt, die die wahrgenommene Helligkeit widerspiegeln.

Was sind die SI-Einheiten der spektralen Bestrahlungsstärke?

Die SI-Einheit der spektralen Bestrahlungsstärke ist Watt pro Quadratmeter und Nanometer (W·m⁻²·nm⁻¹).

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