Prüfpunkt

Quality Assurance PCB Design Test Engineering Manufacturing

Prüfpunkt – Ort der Testdurchführung – Qualitätssicherung (Leiterplatte/Elektronik)

Definition und technische Eigenschaften

Ein Prüfpunkt in Leiterplatten und Elektronik ist eine gezielt gestaltete und markierte Stelle – wie ein kleines Metallpad, eine durchkontaktierte Bohrung, eine Schlaufe oder ein Stift – auf einer Leiterplatte (PCB), die einen direkten elektrischen Zugriff auf ein bestimmtes Signal oder Netz innerhalb der Schaltung ermöglicht. Diese Merkmale erleichtern das Anbringen von Testsensoren, sei es manuell (Oszilloskop, Multimeter) oder durch automatisierte Geräte, in verschiedenen Phasen von Entwicklung, Fertigung und Qualitätssicherung.

Prüfpunkte bestehen in der Regel aus hochleitfähigen Metallen wie Phosphorbronze oder versilbertem Kupfer, um ausgezeichneten elektrischen Kontakt und mechanische Beständigkeit zu gewährleisten. Ihre physische Form richtet sich nach der Testmethode: flache Pads für SMD, Schlaufen oder Stifte für Durchsteck- oder J-Haken-Sonden, sowie kontrollierte Impedanzstrukturen für Hochfrequenzmessungen.

In PCB-Designsoftware (wie Altium, Cadence Allegro) werden Prüfpunkte im Schaltplan und Layout gekennzeichnet, mit exportierten Koordinaten und Netzzuordnungen für die Programmierung von Testvorrichtungen und Testautomatisierung.

Einsatzgebiete:
Prüfpunkte sind unverzichtbar in Unterhaltungselektronik, Automotive, Luft- und Raumfahrt, industrieller Steuerung, Telekommunikation und Medizintechnik – überall dort, wo Leiterplatten gefertigt und gewartet werden.

Funktion und Anwendung

Die Hauptfunktion eines Prüfpunkts ist es, eine zuverlässige, zugängliche Schnittstelle zum Überwachen, Messen oder Einspeisen von Signalen in eine Schaltung bereitzustellen, ohne den Normalbetrieb zu stören. Prüfpunkte unterstützen:

  • Fertigungstests: Automatisierte Systeme (In-Circuit-Tester, Flying-Probe-Tester) nutzen Prüfpunkte zur Kontrolle von Lötstellen, Bauteilplatzierung und zur Erkennung von Montagefehlern. Dies ermöglicht eine schnelle Fehlererkennung und Analyse der Ausbeute.
  • Qualitätssicherung & Konformität: Systematische Tests nach Normen (EMV, funktionale Sicherheit wie ISO 26262, IEC 60601) werden durch zugängliche Prüfpunkte ermöglicht und unterstützen nachvollziehbare Messungen und Audits.
  • Fehlersuche & Wartung: Ingenieure und Techniker nutzen Prüfpunkte zur Fehlerdiagnose, Signalerfassung und Echtzeitüberwachung – speziell bei komplexen, mehrlagigen Leiterplatten.
  • Programmierung & Kalibrierung: Prüfpunkte können für die Werksprogrammierung (z. B. SWD/JTAG bei Mikrocontrollern) oder zur Kalibrierung von Analog-/HF-Schaltungen genutzt werden.
  • Prototyping & Designvalidierung: Während der Hardware-Iteration erlauben Prüfpunkte schnelle Validierung, Leistungsmessung und Signalintegritätsanalyse ohne destruktive Änderungen.

Gut platzierte Prüfpunkte sind ein Markenzeichen von Design-for-Test (DFT) und gewährleisten effiziente Validierung und schnelle Fehlerdiagnose im Feld.

Arten von Prüfpunkten

TypBeschreibungAnwendungsszenario
Manueller PrüfpunktGroße Pads, Schlaufen oder Stifte für den direkten Kontakt mit Handsonden.Fehlersuche, Wartung, Entwicklung
Automatisierter PrüfpunktKleine Pads/Vias für Kontakt durch automatisierte Systeme (ICT, Flying Probe).Produktion, automatisierte QS
Sockel-/Pin-PrüfpunktDurchsteck- oder SMD-Sockel/Pins für wiederholte Verbindungen, z. B. Programmierung oder Kalibrierung.Programmierung, Kalibrierung, Nacharbeit
Steckverbinder-PrüfpunktGrößere Steckverbinder für Massenmessungen von Signalen oder Strom.Strommessung, Mehrsignal-Erfassung
Spezialisierter/Impedanz-TPStrukturen für kontrollierte Impedanz oder HF-Messungen (TDR, S-Parameter-Coupons).HF, Hochgeschwindigkeits-Digital, SI
Integrierter/Verdeckter TPPads/Vias unter Bauteilen oder in dichten Bereichen, teils nur während bestimmter Montageschritte frei.Kompakte Designs, HDI, BGA-Ausleitung

Manuelle Prüfpunkte werden im Siebdruck (TP1, TP2) gekennzeichnet. Automatisierte werden für Vorrichtungskompatibilität und minimalen Platz optimiert. Bei dichten Designs kommen Mikrovias oder kleine SMD-Pads zum Einsatz, die feine Sonden erfordern.

Platzierung und Design von Prüfpunkten

Größe und Form:
Manuelle Prüfpunktpads: typischerweise 0,050" (1,27 mm) Durchmesser; Minimum 0,035" (0,89 mm) für kompakte Designs. Quadratische Pads können Prüfpunkte von runden Bauteilpads unterscheiden. Stifte oder Schlaufen werden für robustes, wiederholtes Testen genutzt.

Abstand:
Empfohlen: 0,100" (2,54 mm) Mitte zu Mitte; absolutes Minimum: 0,050" (1,27 mm) bei Hochdichte-Leiterplatten. Abstand zur Bauteilkante oder zum Leiterplattenrand: ≥0,125" (3,18 mm), um Abrutschen der Sonde oder Fehlanpassung der Vorrichtung zu vermeiden.

Proper test point spacing on PCB

Richtiger Abstand und Platzierung von Prüfpunkten verhindern mechanische Störungen und ermöglichen gleichzeitiges Testen.

Leiterplattenseite und Verteilung:
Alle Prüfpunkte auf einer Seite (meist Unterseite) vereinfachen die Vorrichtungsgestaltung und reduzieren das Handling. Gleichmäßige Verteilung verhindert Leiterplattenverbiegung und sorgt für gleichmäßigen Druck der Testvorrichtung.

Zugänglichkeit:
Prüfpunkte dürfen nicht von hohen Bauteilen verdeckt werden. In dichten Layouts sollten sie in freien Bereichen oder am Rand platziert werden.

Beschriftung und Dokumentation:
Prüfpunkte mit klaren Siebdruck-Labels versehen und eine konsistente Benennung in allen Unterlagen und Design-Dateien einhalten.

CAD-Integration:
Moderne PCB-Tools automatisieren die Prüfpunktzuweisung und Regelprüfung, um die Einhaltung von Design- und Fertigungsanforderungen sicherzustellen.

Umsetzung von Prüfpunkten in Fertigung und QS

Automatisierte Testverfahren

In-Circuit-Test (ICT):
Eine Nadelfeldvorrichtung mit federnden Kontaktstiften berührt alle Prüfpunkte gleichzeitig, um Kontinuität, Widerstand und Grundfunktion schnell und parallel zu messen. Hohe Einrichtungskosten, aber für die Massenfertigung wirtschaftlich.

Flying Probe Test (FPT):
Roboterarme kontaktieren Prüfpunkte nacheinander. Langsamer als ICT, aber flexibel und kostengünstig für Prototypen oder Kleinserien.

MerkmalIn-Circuit-Test (ICT)Flying Probe Test (FPT)
AnschlüsseParallelSequentiell
TestgeschwindigkeitSehr schnellLangsamer
EinrichtungskostenHoch (Sondervorrichtung)Gering (keine Vorrichtung)
ÄnderungsmanagementTeuer, langsamSchnell, flexibel
Bester EinsatzMassenfertigungPrototypen, Kleinserien

Beide Methoden erfordern validierte Prüfpunkt-Layouts für die Erreichbarkeit durch Vorrichtung/Sonde. Die automatisierte optische Inspektion (AOI) kann Prüfpunkte als Referenzmarken nutzen.

Automated flying probe system testing PCB

Automatisiertes Flying-Probe-System zur sequentiellen Prüfpunktüberprüfung.

Herausforderungen beim Prüfpunktdesign

  • Platzmangel: Miniaturisierte und HDI-Designs schränken den Raum für Prüfpunkte ein. Lösungen: Mikrovias oder Nutzung vorhandener Pads/Vias.
  • Bauteilinterferenzen: Hohe oder dichte Bauteile können den Zugang blockieren. Bauteil- und Prüfpunktplatzierung gemeinsam planen.
  • Signalintegritätsrisiken: Prüfpunkte fügen parasitäre Effekte hinzu, die Hochgeschwindigkeits- oder empfindliche analoge Signale beeinträchtigen können. Bei Bedarf kontrollierte Impedanz verwenden.
  • Mechanische/thermische Belastung: Zu hoher Vorrichtungsdruck kann Pads beschädigen oder Leiterplatten verbiegen. Prüfpunkte gleichmäßig verteilen.
  • Fertigungstoleranzen: Toleranzen bei der PCB-Herstellung können die Ausrichtung der Sonden beeinflussen. Pad- und Lochgrößenvariationen berücksichtigen.

Best Practices für die Prüfpunktintegration

  • Kritische Netze priorisieren: Prüfpunkte zuerst für Versorgung, Masse und wichtige Funktionsnetze vorsehen.
  • Abstand und Freiraum einhalten: Empfohlene Abstände für Sonden- und Vorrichtungskompatibilität einhalten.
  • Konsistente Beschriftung: Standardisierte Benennung (TP1, TP2, usw.) im Layout und in den Unterlagen verwenden.
  • Zuweisung automatisieren: CAD-Tools nutzen, um Prüfpunktpositionen automatisch auszuwählen und zu verwalten.
  • Vorrichtungsanforderungen früh planen: Bereits beim Layout mit Test-/Vorrichtungstechnikern abstimmen.
  • Wartungsfreundlich gestalten: Zugänglichkeit auch nach Lackierung/Gehäuse sicherstellen; ggf. Header verwenden.
  • Signalintegrität überprüfen: Effekte auf Hochgeschwindigkeits-/empfindliche Netze simulieren.
  • Für Nachvollziehbarkeit dokumentieren: Koordinaten/Netzlisten für QS und Fertigung exportieren.

Branchenstandards und Richtlinien

IPC-2221 ist der wichtigste Standard für Prüfpunktdesign und behandelt physikalische Maße, Abstände und Kennzeichnung. Viele OEMs/EMS-Dienstleister haben eigene DFT-Checklisten, teils strenger als IPC-Vorgaben. Trends sind intelligente CAD-Algorithmen für automatisierte Platzierung und 3D-gedruckte Vorrichtungen für schnelles Prototyping.

Praxisbeispiel

Für eine Medizingeräte-Leiterplatte mit Mikrocontroller werden Prüfpunkte für VCC, GND, Peripherie und Programmierschnittstellen vorgesehen. Während der Montage prüft eine ICT-Vorrichtung Lötungen und Platzierung. Vor Ort ermöglichen beschriftete Prüfpunkte dem Servicetechniker eine sichere Diagnose und die Einhaltung von ISO 13485.

Übersichtstabelle: Empfehlungen für Prüfpunktdesign

ParameterEmpfohlener WertAbsolutes Minimum
Prüfpunk-Padgröße0,050" (1,27 mm)0,035" (0,89 mm)
Abstand (Mitte zu Mitte)0,100" (2,54 mm)0,050" (1,27 mm)
Abstand zu Bauteilkante0,100" (2,54 mm)0,050" (1,27 mm)
Abstand zum Leiterplattenrand0,125" (3,18 mm)0,100" (2,54 mm)

Fazit

Prüfpunkte sind entscheidend für eine effiziente Fertigung, QS und Wartung elektronischer Produkte. Durchdachte Prüfpunktplanung ermöglicht schnelle Validierung, einfachere Diagnose und robuste, wartungsfreundliche Designs. Integrieren Sie die Prüfpunktstrategie früh in das PCB-Layout und beachten Sie Standards wie IPC-2221 für zuverlässige, testbare Elektronik.

Quellen

Dieser Glossareintrag erklärt Prüfpunkte auf Leiterplatten und in der Elektronik, sodass Ingenieure und Qualitätsexperten sie für effiziente und zuverlässige Tests im gesamten Produktlebenszyklus entwerfen, implementieren und nutzen können.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich bestehende Bauteilpads oder Vias als Prüfpunkte verwenden?

Ja, wenn sie zugänglich sind und die erforderliche Größe sowie den Abstand für Testsonden erfüllen, können bestehende Pads oder Vias als Prüfpunkte ausgewiesen werden. Dies spart Platz auf der Leiterplatte und wird häufig in CAD-Tools zur effizienten Testplanung gekennzeichnet.

Welche Größe und welchen Abstand sollten Prüfpunkte haben?

Empfohlen wird ein Pad-Durchmesser von 0,050" (1,27 mm) mit einem Mindestabstand von Mitte zu Mitte von 0,100" (2,54 mm). Für hochdichte Leiterplatten sind absolute Minimalwerte 0,035" (0,89 mm) Durchmesser und 0,050" (1,27 mm) Abstand.

Beeinflussen Prüfpunkte die Signalintegrität?

Prüfpunkte fügen geringe Mengen an Kapazität und Induktivität hinzu, was sich auf Hochgeschwindigkeits- oder empfindliche analoge Signale auswirken kann. Für solche Netze sollten die Effekte simuliert und überprüft sowie bei Bedarf kontrollierte Impedanzstrukturen verwendet werden.

Werden Prüfpunkte für jedes Netz benötigt?

Idealerweise sollte jedes Netz für den In-Circuit-Test zugänglich sein, mindestens jedoch sollten Prüfpunkte für Versorgung, Masse und alle kritischen oder risikobehafteten Netze zur effektiven QS und Diagnose vorgesehen werden.

Wie dokumentiere ich Prüfpunkte?

Markieren Sie Prüfpunkte deutlich im Siebdruck (TP1, TP2, usw.) und stellen Sie eine konsistente Benennung im Schaltplan, Layout und in den Fertigungs-/Testunterlagen sicher. Exportieren Sie Koordinaten und Netzlisten für Fertigungs- und QS-Teams.

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