VOR (VHF Omnidirektionales Funkfeuer) Navigationshilfe

Air Traffic Control Aviation Navigation Pilot Training

VOR (VHF Omnidirektionales Funkfeuer): Ausführlicher Leitfaden

Definition und Zweck

VOR (VHF Omnidirectional Range) ist eine bodengebundene, kurzreichweitige Funknavigationshilfe, die im Frequenzbereich von 108,0 bis 117,95 MHz im UKW-Band arbeitet. Sie ermöglicht es Piloten, ihre magnetische Peilung relativ zu einer festen Station zu bestimmen und bildet das Rückgrat der Luftnavigation sowohl für Strecken- als auch für An- und Abflugverfahren. Trotz des Wachstums satellitengestützter Navigation (GNSS) bleibt VOR eine wichtige Sicherung, die Redundanz, Integrität und regulatorische Konformität bietet.

VORs werden auf Luftfahrtkarten mit einer eindeutigen Kennung, Frequenz und Morsecode zur eindeutigen Identifikation dargestellt. Jede Station sendet Signale im Sichtbereich aus, sodass die effektive Reichweite von der Empfangshöhe und dem Gelände abhängt. VOR ist grundlegend für den Aufbau von Luftstraßen, Instrumentenanflügen, Warteschleifen und Notfallnavigation und wird mit Hilfen wie DME, NDB, ILS und TACAN integriert.

Funktionsweise von VOR: Prinzip der Operation

Die VOR-Bodenstation sendet zwei Signale aus:

  • Referenzphase: Ein omnidirektionales Signal, das in alle Richtungen gleichmäßig ausgestrahlt wird.
  • Variable Phase: Ein gerichtetes Signal, das sich 30 Mal pro Sekunde dreht.

Der Empfänger im Luftfahrzeug misst den Phasenunterschied zwischen diesen Signalen. Befindet sich das Flugzeug direkt nördlich der Station, sind die Signale phasengleich (0° Unterschied). Bewegt sich das Flugzeug um die Station herum, steigt der Phasenunterschied und entspricht dem vollen 360°-Kompass. Daraus entstehen Radiale – magnetische Peilungen VON der Station.

Die Cockpitanzeige (OBI/CDI) zeigt die Position des Flugzeugs relativ zum gewählten Radial. So kann der Pilot mithilfe genauer Echtzeit-Peilungsinformationen Radiale abfliegen, abfangen oder zu/von der VOR-Station fliegen.

Systemkomponenten

Bodenstation

VOR-Bodenstationen bestehen aus:

  • Sender und Frequenzgenerator
  • Antennenanordnung (mechanisch oder elektronisch rotierend simuliert)
  • Identifikationseinheit (überträgt alle 10 Sekunden den Morsecode)
  • Sprachübertragung (sofern nicht als VORW – „without voice“ gekennzeichnet)
  • Ständige Überwachung und automatische Abschaltsysteme

Die Standortwahl zielt darauf ab, Signalreflexionen und geländebedingte Fehler zu minimieren, wobei die Stationen nach strengen ICAO/FAA-Toleranzen kalibriert werden.

Bordequipment

Luftfahrzeuge verwenden:

  • VOR-Empfänger: Stimmt auf die Stationsfrequenz ab, verarbeitet die Signale.
  • Navigationsantenne: Meist V-förmig oder als Blattantenne, für UKW optimiert.
  • Cockpitanzeigen: OBI oder CDI mit Omni Bearing Selector (OBS), TO/FROM-Anzeige und Warnanzeige bei ungültigen Signalen.
  • Moderne Integration: Glascockpit/EFB-Anzeigen und Flugmanagementsysteme.

Blockdiagramm: Antenne → Empfänger → Verarbeitung → OBI/CDI/EFIS.

Praktische Anwendung: Verfahren und Einsatzgebiete

Abstimmen und Identifizieren

  1. Abstimmen des Empfängers auf die kartierte Frequenz.
  2. Identifizieren der Station per Morsecode/Sprachübertragung. Nicht verwenden, bevor die Identifikation eindeutig bestätigt ist.
  3. Einstellen des gewünschten Kurses/Radials am OBS.
  4. Interpretieren der CDI-Nadel für laterale Abweichung; TO/FROM-Anzeige zeigt die Richtung an.

Abfliegen, Abfangen und Anpeilen

  • Abfliegen: Kurs halten, um die CDI-Nadel zentriert zu halten, Winddrift ausgleichen.
  • Abfangen: Abfangwinkel wählen, zum gewünschten Radial fliegen, dann Kurs beibehalten.
  • Anpeilen (Homing): CDI mit TO-Anzeige zentrieren; Kurs steuern – bei Wind kann dies einen Bogen ergeben.

Stationsüberflug führt zu Schwankungen der CDI und Umkehr der TO/FROM-Anzeige durch die cone of confusion.

Anwendungsgebiete

  • Luftstraßen (Victor-/Jet-Routen)
  • Instrumentenanflüge
  • Warteschleifen und Fehlanflugverfahren
  • Positionsbestimmung (Kreuzung zweier VOR-Radiale)
  • Notfall- und Orientierungsverfahren

VOR-Typen

TypPeilungDMETACANBeschreibung
CVORJaNeinNeinKonventionelles VOR, am weitesten verbreitet
DVORJa*NeinNeinDoppler-VOR, verbesserte Genauigkeit
VOR/DMEJaJaNeinFügt UKW-Distanzmessung hinzu
VORTACJaJaJaKombiniert VOR (zivil) und TACAN (militärisch)

*DVOR nutzt den Doppler-Effekt zur Reduzierung von Standortfehlern und verbessert die Genauigkeit in schwierigem Gelände.

Genauigkeit und Fehlerquellen

Systemgenauigkeit

  • Bodenstationsfehler: ≤±2°
  • Standortbedingter Fehler: Bis zu ±3° (bei DVOR minimiert)
  • Bordgerätefehler: ≤±2°
  • Gesamtsystemfehler: Meist ≤±4–5°

Weitere Fehlerquellen

  • Propellermodulation: CDI-Schwankungen, besonders bei Kolbenflugzeugen
  • Funkstörungen: Überlagernde Signale oder starke Störquellen
  • OBS-Kalibrierung: Mechanische Fehljustierung der Cockpitanzeige
  • Umgekehrte Anzeige: Falsche OBS-Einstellung; Nadelabweichung entgegengesetzt

Systemgrenzen

Sichtverbindung und Einsatzbereiche

Das VOR-Signal ist strikt auf Sichtverbindung angewiesen; die Reichweite steigt mit der Höhe.

SSV-TypReichweite (NM)Höhe (AGL)Typische Nutzung
Terminal251.000–12.000 ftAn-/Abflugverfahren
Low401.000–18.000 ftStrecke, niedrige Höhe
High40/100/1301.000–60.000 ftGroße Höhe

Empfang außerhalb dieser Bereiche ist nicht gewährleistet.

Cone of Confusion

Direkt über der Station kann der Empfänger keine Peilung bestimmen; die TO/FROM-Anzeige schwankt und die CDI ist unzuverlässig.

Menschliche und technische Faktoren

  • Umgekehrte Anzeige: Falsche Kurseinstellung
  • Falsche Identifikation: Nutzung der falschen Station
  • Instrumentenausfall: Hängende Nadeln, Stromverlust

Vorschriften und Prüfanforderungen

  • FAA AIM (1-1-3) und ICAO Anhang 10 regeln Betrieb und Wartung.
  • 14 CFR §91.171: VOR-Genauigkeitsprüfungen innerhalb von 30 Tagen vor IFR-Flug erforderlich.
PrüftypZulässiger FehlerZusammenfassung
VOT±4°Abstimmen/Prüfen an VOT-Einrichtung
Boden-Kontrollpunkt±4°An festgelegtem Flughafenstandort
Luft-Kontrollpunkt±6°An spezifizierter Position/Höhe
Kreuzprüfung (Dual)4° UnterschiedVergleich zweier Empfänger, gleiche Station

Ergebnisse (Datum, Ort, Fehler, Unterschrift) im Flugzeuglogbuch dokumentieren.

Anwendungsfälle und Praxisbeispiele

Streckennavigation

Luftfahrzeuge folgen veröffentlichten Luftstraßen mithilfe von VORs, gewährleisten sichere Staffelung und effiziente Routenführung, insbesondere wenn GNSS nicht verfügbar ist oder als Integritätskontrolle dient.

Instrumentenanflüge

Piloten fliegen VOR-Anflüge, indem sie Radiale zur Station abfliegen – entscheidend bei schlechter Sicht oder an Flughäfen ohne GPS-Anflug.

Positionsbestimmung

Durch Abstimmen auf zwei VORs und Erfassen der Radiale können Piloten ihre Position am Schnittpunkt bestimmen, was eine Sicherung für GPS darstellt und das Situationsbewusstsein erhöht.

Fehlanflugverfahren

VORs definieren Warteschleifen und Fehlanflugrouten und sorgen für sichere Staffelung und geordneten Verkehrsfluss in komplexem Luftraum.

Zusammenfassung

VOR bleibt eine wichtige Navigationshilfe aufgrund seiner Zuverlässigkeit, seiner regulatorischen Bedeutung und seiner Rolle als Sicherung für satellitengestützte Navigation. Sein einfaches, standardisiertes Verfahren und die breite Integration in Verfahren weltweit machen es zu essentiellem Wissen für Piloten und Fluglotsen. Auch im Wandel der Luftfahrt bleibt die Bedeutung des VOR für Flugsicherheit, Redundanz und Ausbildung unverzichtbar.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein VOR und wie funktioniert es?

Ein VOR (VHF Omnidirectional Range) ist ein bodengestütztes Funknavigationssystem, das zwei Signale aussendet: eine konstante Referenzphase und eine rotierende variable Phase. Die Empfänger im Luftfahrzeug vergleichen diese Signale, um die magnetische Peilung (Radial) von der Station zu bestimmen, wodurch Piloten entlang von Luftstraßen und Instrumentenverfahren präzise navigieren können.

Welche verschiedenen Typen von VOR-Stationen gibt es?

Es gibt mehrere Typen: Konventionelles VOR (CVOR), das eine rotierende Antenne oder eine elektronische Simulation verwendet; Doppler-VOR (DVOR), das stationäre Antennen für verbesserte Genauigkeit nutzt; VOR/DME, das eine Distanzmessung hinzufügt; und VORTAC, das militärisches TACAN für Azimut- und DME-Funktionen integriert.

Was sind häufige Fehlerquellen bei der VOR-Navigation?

Fehler können durch Standortfaktoren (Geländereflexionen), Abweichungen bei der Gerätejustierung, Signalblockierung, umgekehrte Anzeige und atmosphärische oder flugzeugbedingte Störungen entstehen. Die richtige Standortwahl, regelmäßige Genauigkeitsüberprüfungen und korrekte Cockpitverfahren helfen, diese Fehler zu minimieren.

Wie oft müssen VOR-Empfänger unter IFR auf Genauigkeit geprüft werden?

Nach FAA-Vorschriften (14 CFR §91.171) müssen VOR-Empfänger innerhalb der letzten 30 Tage vor einem IFR-Flug überprüft werden. Die Prüfungen können mit einem VOT, an festgelegten Boden- oder Luftkontrollpunkten oder durch Kreuzprüfung von zwei Empfängern mit bestimmten zulässigen Fehlergrenzen erfolgen.

Was ist der 'cone of confusion' über einer VOR-Station?

Der cone of confusion ist ein Bereich direkt über einer VOR-Station, in dem die Geometrie der Signale es dem Empfänger unmöglich macht, eine zuverlässige Peilung zu bestimmen. Dadurch schwankt die Kursanzeige und die TO/FROM-Anzeige wechselt unvorhersehbar.

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