VORTAC

Aviation Navigation Air Traffic Control Radio Navigation

VORTAC – Kombinierte VOR- und TACAN-Navigationssysteme

Überblick

VORTAC ist ein wichtiges, dual nutzbares, bodengestütztes Funknavigationssystem, das die Technologien VOR (VHF Omnidirectional Range) und TACAN (Tactical Air Navigation) integriert. Es wurde für den nahtlosen Betrieb durch zivile und militärische Luftfahrt entwickelt und liefert von einem einzelnen Standort aus präzise Azimut- (Kurs-) und Distanzinformationen (Schrägentfernung), reduziert den Infrastrukturbedarf und unterstützt eine interoperable, effiziente Luftraumverwaltung weltweit.

VORTAC-Stationen sind ein Grundpfeiler der globalen Luftnavigationsstruktur. Sie sind strategisch positioniert, um eine überlappende Abdeckung für Flugkorridore mit hohem Verkehrsaufkommen, abgelegene Strecken und militärische Operationen zu gewährleisten. Entsprechend den strengen ICAO-Standards stellt jede VORTAC Interoperabilität, Zuverlässigkeit und Genauigkeit sicher und wird kontinuierlich auf Leistung und Sicherheit überwacht.

VOR (VHF Omnidirectional Range)

VOR ist eine zentrale Funknavigationshilfe für die zivile Luftfahrt und arbeitet im VHF-Band (108,00–117,95 MHz). Jede VOR-Station sendet zwei Signalphasen: eine Referenzphase (omnidirektional) und eine variable (rotierende) Phase. Flugzeugempfänger vergleichen diese, um den Kurs (Radial) von der Station zu bestimmen.

  • Anzeigeinstrumente: Kursabweichungsanzeiger (CDI), Horizontalsituationsanzeiger (HSI) oder Funkkompass (RMI) liefern sofortige Positionsrückmeldung.
  • Klassen: Terminal (T), Low (L) und High (H) VORs unterscheiden sich in ihrem Dienstvolumen (Reichweite und Höhe).
  • Morsecode: Jede VOR sendet einen dreibuchstabigen Identifikator, den Piloten vor der Nutzung überprüfen müssen.
  • Einschränkungen: VOR-Signale sind Sichtverbindungssignale und können durch Gelände oder Bauwerke blockiert werden.

TACAN (Tactical Air Navigation)

TACAN ist ein Navigationssystem im UHF-Bereich (962–1215 MHz), das hauptsächlich von militärischen Flugzeugen genutzt wird. Es bietet sowohl Azimut- als auch Distanzinformationen mit höherer Genauigkeit und besserer Störfestigkeit als zivile Systeme.

  • Azimut & DME: Liefert magnetischen Kurs und Schrägentfernung, wobei der Azimut nur für militärische Empfänger zugänglich ist.
  • Kanäle: 252 (126 X und 126 Y) ermöglichen flexible Frequenzzuweisungen.
  • Einsatz: Feste, mobile und schiffsgestützte Installationen unterstützen schnelle, weltweite militärische Operationen.
  • Zivile Nutzung: Zivile Flugzeuge können DME von TACAN empfangen, aber keinen Kurs, es sei denn, TACAN ist mit VOR (wie bei VORTAC) gemeinsam installiert.

DME (Distance Measuring Equipment)

DME misst die Schrägentfernung, indem es die Zeitverzögerung zwischen vom Flugzeug ausgelösten Impulsen und den Antworten der Bodenstation berechnet.

  • Frequenz: Arbeitet im UHF-Bereich (962–1213 MHz).
  • Genauigkeit: ±0,2 NM oder 3 % der Entfernung, je nachdem, was größer ist.
  • Anzeige: Digitale Cockpitanzeigen, integriert in NAV-Empfänger.
  • Einschränkungen: Der Fehler der Schrägentfernung ist beim Überflug am größten; die tatsächliche Distanz kann die Bodendistanz übertreiben.

VORTAC-Bodenstationsdesign

Eine VORTAC-Bodenstation kombiniert VOR- und TACAN-Ausrüstung an einem Standort:

  • VOR (VHF): Liefert Kursinformationen für zivile und militärische Nutzer.
  • TACAN (UHF): Ergänzt den Kurs (militärisch) und DME (alle Nutzer).
  • Automatische Überwachung: Systeme überprüfen kontinuierlich die Signalqualität und entfernen automatisch Morse-Identifikatoren, wenn sie außerhalb der Toleranz liegen.
  • Kartierung: Gekennzeichnet durch eindeutige Symbole und veröffentlichte Frequenzen/Kanäle.

So funktioniert VORTAC

  1. VOR-Komponente: Sendet Referenz- und variable Phasensignale; Flugzeugempfänger bestimmen Radiale.
  2. TACAN-Komponente: Bietet hochgenauen UHF-Azimut (militärisch) und geteiltes DME.
  3. Frequenzwahl: Zivile Piloten wählen die VOR-Frequenz; militärische Piloten wählen den TACAN-Kanal.
  4. Anzeige: Bordinstrumente zeigen Kurs und Distanz in Echtzeit für Navigation, Anflüge und Positionsmeldungen.

Systemvergleich: VOR, VOR/DME, TACAN, VORTAC

SystemAzimutDistanzFrequenzNutzertyp
VORJaNeinVHFZivil
VOR/DMEJaJaVHF/UHFZivil
TACANJaJaUHFMilitär
VORTACJaJaVHF/UHFZivil/Militär
  • VORTAC = am vielseitigsten: Zivile Piloten erhalten VOR/DME; Militärpiloten die volle TACAN-Funktion.

Zivile vs. militärische Nutzung

  • Zivile Flugzeuge: Verwenden VOR für Kurs, DME für Distanz.
  • Militärische Flugzeuge: Verwenden TACAN für Kurs und Distanz mit erhöhter Genauigkeit und Störfestigkeit.
  • Dual-Use: VORTAC stellt sicher, dass beide Nutzergruppen die erforderlichen Navigationsdienste ohne Interferenz erhalten.

Vorteile von VORTAC

  • Doppelter Nutzen: Eine Installation bedient zivile und militärische Anforderungen.
  • Redundanz: Fällt eine Komponente aus, kann die andere weiterhin funktionieren.
  • Internationale Standardisierung: Vereinfacht Kartierung, Schulung und Interoperabilität.
  • Kosteneffizienz: Reduziert Infrastruktur- und Wartungsaufwand.
  • Hohe Zuverlässigkeit: Redundante Stromversorgung und kontinuierliche Überwachung.

Einschränkungen und Hinweise

  • Sichtverbindung: Gelände und Flughöhe beeinflussen den Signalempfang.
  • Fehler bei Schrägentfernung: DME überschätzt die Bodendistanz beim Überflug.
  • Kegel der Verwirrung: Kursanzeige direkt über der Station unzuverlässig.
  • Keine Sprache auf TACAN: Sprach-ATIS/FSS nur auf VOR-ausgestatteten Stationen.
  • Interferenzrisiko: Flugzeuge in großer Höhe können mehrere Stationen auf gleicher Frequenz empfangen.
  • Identifikation: Morsecode-ID immer vor der Navigation überprüfen.

Praktische Anwendung und Beispiele

  • Streckennavigation: Luftstraßen werden durch VORTAC-Radiale und -Distanzen definiert.
  • Positionsbestimmung: Kreuzende Radiale oder DME/Radial-Schnittpunkte.
  • Instrumentenanflüge: Step-down-Fixes, Missed-Approach-Punkte und DME-Arcs.
  • Militär: Taktische Navigation, Luftbetankung und Formationsflug.
  • Beispiel: TOBE VORTAC (TBE), Colorado – sichert Luftstraßen und Anflugverfahren ab.

Karten, Symbole und Frequenzinformationen

  • VORTAC-Symbol: Hexagon mit Mittelpunkt, Kasten und Strichen.
  • Kartendaten: Stationsname, Morse-ID, VOR-Frequenz, TACAN-Kanal, Breiten-/Längengrad, Dienstklasse und Sprachverfügbarkeit.
  • Frequenzpaarung: NAV-Empfänger im Flugzeug wählen automatisch den zugehörigen DME-Kanal.

Betriebshinweise für Piloten

  • ID überprüfen: Keine Station ohne passenden Morsecode verwenden.
  • NOTAMs beachten: Ausfälle oder Wartungsarbeiten können die Verfügbarkeit beeinflussen.
  • Schwankungen erwarten: CDI und TO/FROM-Anzeigen können direkt über der Station schwanken (Kegel der Verwirrung).
  • DME-Verzögerung: DME hält nach Signalverlust kurzzeitig den letzten gültigen Wert.
  • Reverse Sensing: OBS/Kurs richtig einstellen, um umgekehrte Anzeigen zu vermeiden.
  • Veröffentlichte Volumina nutzen: Navigation innerhalb der Dienstvolumen planen.
  • Gegenprüfen: Navigation nach Möglichkeit immer mit Backup-Systemen gegenprüfen.

VHF (Very High Frequency)

  • Bereich: 30–300 MHz; Luftfahrt nutzt 108,00–137,00 MHz.
  • VOR-Band: 108,00–117,95 MHz, 50-kHz-Kanalabstand.
  • Eigenschaften: Sichtverbindung, geringe atmosphärische Störungen, geeignet für Navigation und Kommunikation.

UHF (Ultra High Frequency)

  • Bereich: 300 MHz–3 GHz; TACAN und DME nutzen 962–1215 MHz.
  • Eigenschaften: Kürzere Reichweite, weniger atmosphärische Störungen, bessere Störfestigkeit (militärisch).

Fazit

VORTAC ist ein Grundpfeiler der modernen Luftfahrtnavigation und bietet zuverlässige, standardisierte und dual nutzbare Lösungen für zivile und militärische Luftraumnutzer weltweit. Die Integration vereinfacht die Infrastruktur, erhöht die Sicherheit und gewährleistet die Präzision, die sowohl für Routine- als auch für taktische Einsätze erforderlich ist.

Für weitere Informationen zur Integration fortschrittlicher Navigationslösungen für Ihren Betrieb kontaktieren Sie uns oder vereinbaren Sie eine Demo .

Weiterführende Literatur

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine VORTAC-Station?

Eine VORTAC-Station ist eine gemeinsam genutzte Anlage, die VOR- und TACAN-Geräte kombiniert und sowohl Kurs- als auch Entfernungsinformationen für zivile (über VOR/DME) und militärische (über TACAN) Luftfahrzeuge bereitstellt. Sie gewährleistet effiziente Navigationsdienste für alle Luftraumnutzer von einer einzigen bodengebundenen Installation aus.

Worin unterscheidet sich VORTAC von VOR oder TACAN allein?

VOR liefert nur Azimut (Kurs), während TACAN für militärische Luftfahrzeuge sowohl Azimut als auch Distanz (Schrägentfernung) bietet. VORTAC integriert beide Systeme, sodass zivile Piloten VOR/DME erhalten und militärische Piloten die vollständige TACAN-Funktionalität nutzen können – für maximale Effizienz und Interoperabilität.

Welche Informationen stellt eine VORTAC-Station Piloten zur Verfügung?

VORTAC liefert magnetischen Kurs (Radial) und Schrägentfernung (Distanz) vom Luftfahrzeug zur Station. Zivile Piloten verwenden Standard-NAV/DME-Geräte, während militärische Flugzeuge verbesserten Azimut und DME über TACAN-Empfänger nutzen.

Wie werden VORTAC-Stationen auf Luftfahrtkarten dargestellt?

Auf Karten werden VORTACs mit einem Hexagonsymbol mit Punkt in der Mitte, umgeben von einem Kasten und Strichen dargestellt. Die Karteneinträge enthalten den Stationsnamen, den Morse-Identifikator, die VOR-Frequenz, den TACAN-Kanal und zusätzliche Hinweise zu Klasse und Sprachfähigkeit.

Gibt es betriebliche Einschränkungen bei der Nutzung von VORTAC?

Ja. VOR- und TACAN-Signale sind Sichtverbindungssignale und werden von Gelände oder Höhe beeinflusst. DME zeigt die Schrägentfernung an, die beim Überflug die Distanz überschätzen kann. Piloten müssen die Morsecode-Identifikatoren überprüfen und NOTAMs auf Ausfälle oder Einschränkungen prüfen.

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