Weißpunkt (Referenzweiß)

Color Science Color Management ICC Profiles Display Calibration

Weißpunkt (Referenzweiß) in Kolorimetrie und Farbmanagement

Der Weißpunkt (oder Referenzweiß) ist ein grundlegendes Konzept in der Farbenlehre, Kolorimetrie und im Farbmanagement. Er definiert die Chromatizitätskoordinaten – üblicherweise im CIE 1931 (x, y)-Raum –, die „Weiß“ für einen bestimmten Farbraum oder ein Gerät repräsentieren. Diese Standardisierung ist essenziell, um eine konsistente und genaue Farbwiedergabe auf Monitoren, Druckern, Kameras, Scannern und mehr zu gewährleisten.

Warum ist der Weißpunkt wichtig?

Der Weißpunkt fungiert als Anker für Farbraumdefinitionen. Er bestimmt, wie neutrale Farben (bei denen Rot-, Grün- und Blauwerte im RGB gleich sind) dargestellt und interpretiert werden. Durch die Festlegung eines gemeinsamen Referenzpunktes stellt der Weißpunkt sicher, dass Weiß- und Grautöne natürlich und konsistent erscheinen – unabhängig vom Gerät oder Medium.

Beispielsweise verwendet sRGB, der Standard für das Web und die meisten Monitore, einen D65-Weißpunkt (CIE xy = 0,3127, 0,3290, ≈6504K), der dem durchschnittlichen Tageslicht nahekommt und etwas bläulich wirkt. Druck-Workflows und der ICC Profile Connection Space (PCS) setzen D50 ein (CIE xy = 0,3457, 0,3585, ≈5003K), welches im Vergleich wärmer erscheint.

Chromatizitätskoordinaten und Farbwertfunktionen

Chromatizitätskoordinaten beschreiben Farbe unabhängig von der Helligkeit. In der Kolorimetrie werden diese (x, y)-Werte aus den CIE XYZ-Tristimuluswerten abgeleitet, die berechnet werden, indem die spektrale Leistungsverteilung (SPD) einer Lichtquelle mit den CIE-Farbwertfunktionen integriert wird:

[ X = k \int P(\lambda) \overline{x}(\lambda) d\lambda \ Y = k \int P(\lambda) \overline{y}(\lambda) d\lambda \ Z = k \int P(\lambda) \overline{z}(\lambda) d\lambda ]

wobei $P(\lambda)$ die SPD ist und $k$ eine Skalierungskonstante.

Die Chromatizitätskoordinaten ergeben sich dann zu:

[ x = X/(X+Y+Z), \quad y = Y/(X+Y+Z) ]

Der Weißpunkt ist die Chromatizität des gewählten Referenzbeleuchtungsstandards (wie D50 oder D65). Eine genaue Berechnung ist entscheidend, da bereits kleine Abweichungen der Chromatizität sichtbare Verschiebungen in neutralen Farben verursachen können.

Gängige CIE-Standardbeleuchtungen

Die CIE (Internationale Beleuchtungskommission) hat mehrere Standardbeleuchtungen definiert – Referenzlichtquellen mit präzisen SPDs und Chromatizitäten:

BeleuchtungCIE xCIE yCCT (K)Typische Verwendung
D500.34570.35855003Druck, ICC PCS, grafische Industrie
D550.33240.34745503Fotografie, einige Videoworkflows
D650.31270.32906504Monitore, sRGB, Adobe RGB, HDTV
D60*0.321680.33767~6000ACES (Kino-Encoding)

*D60 ist keine offizielle CIE-Standardbeleuchtung; das ACES-Weiß entspricht etwa einem 6000K-Tageslicht, liegt aber nicht auf dem CIE-Tageslicht-Lokus.

Der Weißpunkt in RGB-Farbräumen

Jeder RGB-Farbraum definiert einen Weißpunkt:

  • sRGB, Adobe RGB: D65 – leicht bläulich, passend für digitale Displays.
  • ProPhoto RGB, ICC PCS: D50 – wärmer, passend für Druck und Proofing.

Wenn RGB-Werte gleich sind (z. B. R=G=B=255), entspricht die Farbe dem Weißpunkt des Farbraums. Die Wahl beeinflusst die Farbdarstellung, insbesondere bei Neutraltönen, und ist bei Konvertierungen zwischen Farbräumen entscheidend.

Chromatische Adaption: Neutrale Weißtöne erhalten

Beim Konvertieren zwischen Farbräumen mit unterschiedlichen Weißpunkten (z. B. D65 zu D50) ist eine chromatische Adaptionstransformation (CAT) erforderlich. CATs wie Bradford, von Kries und CAT02 passen die Farbkoordinaten so an, dass Weiß- und Grautöne visuell neutral bleiben und nicht eingefärbt erscheinen.

Eine korrekte chromatische Adaption ist die Basis für verlässliche Farbkonvertierungen in ICC-Workflows, Bildbearbeitung und crossmedialem Publishing.

CIE-Spezifikationen und -Standards

Die CIE ist die globale Autorität für Farbenlehre. Wichtige Standards sind:

  • CIE 15: Grundlagen der Kolorimetrie, Tristimuluswerte, Chromatizität und Farbdifferenzen.
  • CIE 1931/1964: Die 2°- und 10°-Standardbeobachter, zur Definition von Farbwertfunktionen und Chromatizitäten.
  • CIE-Standardbeleuchtungen: D50, D55, D65 usw.

Das Einhalten der CIE-Standards garantiert Interoperabilität und Zuverlässigkeit über Branchen hinweg.

ICC-Profile und Profile Connection Space (PCS)

ICC-Profile beschreiben das Farbverhalten von Geräten für ein akkurates Farbmanagement. Alle Gerätefarben werden auf einen Profile Connection Space (PCS) – eine geräteunabhängige Referenz, meist CIE XYZ oder CIELAB, verankert auf D50 – abgebildet.

  • D50 als PCS-Weiß: Sorgt für Konsistenz, insbesondere für Druck und Proofing.
  • Medienweißpunkt-Tags: Nur zur Information; alle Umrechnungen basieren auf D50.

Chromatische Adaption ist immer dann erforderlich, wenn Geräte- und PCS-Weißpunkt voneinander abweichen.

ACES-Weißpunkt: Der Kompromiss der Kinobranche

Das ACES-System für digitales Kino verwendet einen Weißpunkt bei (0.32168, 0.33767) (≈6000K), der als wahrnehmungsneutraler Kompromiss zwischen D65 und D50 gewählt wurde. Dies unterstützt sowohl digitale als auch filmbasierte Workflows und entspricht kreativen Präferenzen in der Filmproduktion.

ACES-Codierungen beziehen sich immer auf dieses Weiß; das Farbmanagement sorgt mittels chromatischer Adaption für die Anpassung an Display- oder Druckziele.

Display-Kalibrierung und der Weißpunkt

Display-Kalibrierung passt die Farbausgabe eines Monitors an einen Zielweißpunkt an (typischerweise D65 für Digitales, D50 für Druckproofing). Die Kalibrierung erfolgt durch Messung mit einem Kolorimeter oder Spektralphotometer und Korrekturen per LUTs oder Hardware.

  • D65-Kalibrierung: Für die meisten digitalen Bildanwendungen.
  • D50-Kalibrierung: Für akkurates Softproofing im Druck erforderlich.

Manche Systeme wenden eine chromatische Adaption an, um D50 auf einem auf D65 kalibrierten Display zu simulieren, was durch Hardware und Umgebungslicht begrenzt sein kann.

Druck, Softproofing und Medienweiß

Beim Druck ist D50 der Standard-Referenzweißpunkt. Drucker-ICC-Profile können das tatsächliche (Medien-)Weiß des Papiers aufzeichnen, aber alle Berechnungen beziehen sich auf D50.

Softproofing simuliert das Druckergebnis am Bildschirm, wofür entweder

  • eine Display-Kalibrierung auf D50 oder
  • eine chromatische Adaption von D65 auf D50

erforderlich ist.

Eine sorgfältige Kontrolle des Umgebungslichts ist für akkurates Softproofing unerlässlich.

Scannen und Weißpunkt

Scanner verwenden eigene Beleuchtungen, die selten mit D50 oder D65 übereinstimmen. Scannerprofile können einen Medienweißpunkt speichern, aber ICC-Workflows überführen alle Farbdaten zur Konsistenz auf D50. Das Medienweiß dient nur als Metadaten, nicht für Umrechnungen.

Farbraumkonvertierungen: Die Rolle des Weißpunkts

Beim Wechsel zwischen Farbräumen (z. B. ACES zu sRGB) machen Unterschiede im Weißpunkt eine chromatische Adaption erforderlich. Ohne sie erscheinen neutrale Farben verfärbt. ICC-Workflows und professionelle Bildbearbeitungssoftware erledigen dies automatisch mit anerkannten CATs.

Zusammenfassung

Der Weißpunkt ist die Chromatizität, die „Weiß“ in jedem Farbraum oder Gerät definiert. D65 und D50 sind die Industriestandards für Digitales bzw. Druck. Alle modernen Farbmanagement-Workflows – für Display, Druck und Kino – beruhen auf korrekter Weißpunktdefinition und chromatischer Adaption, um sicherzustellen, dass Farben – insbesondere Neutraltöne – exakt und visuell konsistent bleiben, unabhängig vom Medium.

Weiterführende Literatur

Das Verständnis und Management des Weißpunkts ist für alle, die in farbkritischen Branchen arbeiten – von Fotografie und Druck bis Film und digitale Medien – unerlässlich. Die korrekte Behandlung des Weißpunkts sichert, dass Ihre Farben überall echt, neutral und konsistent bleiben.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Weißpunkt im Farbmanagement?

Der Weißpunkt, oder das Referenzweiß, ist ein Satz von Chromatizitätskoordinaten in einem Farbraum, der „Weiß“ unter einem bestimmten Beleuchtungsstandard repräsentiert. Er dient als Standard, an dem alle neutralen Farben gemessen werden, und stellt die Farbkonsistenz über Geräte und Medien hinweg sicher.

Warum sind D65 und D50 die gebräuchlichsten Weißpunkte?

D65 (6504K) entspricht durchschnittlichem Tageslicht und wird bei digitalen Displays sowie in den Farbräumen sRGB/Adobe RGB eingesetzt. D50 (5003K) ist wärmer und für Druck-Workflows und Betrachtungslicht standardisiert. Ihr Einsatz sorgt dafür, dass das Farberscheinungsbild in den jeweiligen Branchen vorhersehbar und konsistent bleibt.

Wie beeinflusst der Weißpunkt Softproofing und Druck?

Der Weißpunkt bestimmt, wie neutrale Farben auf dem Bildschirm im Vergleich zum Druck erscheinen. Für akkurates Softproofing ist entweder eine Kalibrierung des Displays auf den Druckweißpunkt (D50) oder eine softwarebasierte chromatische Adaption erforderlich, um D50 auf einem auf D65 kalibrierten Monitor zu simulieren. So wird sichergestellt, dass Bildschirm und Druck übereinstimmen.

Was ist chromatische Adaption?

Chromatische Adaption ist eine mathematische Anpassung, die beim Umrechnen zwischen Farbräumen mit unterschiedlichen Weißpunkten verwendet wird. Sie sorgt dafür, dass Farben, insbesondere Neutraltöne, ihre Erscheinung beibehalten und bei der Umwandlung nicht im Farbton oder in der Tönung verschoben werden.

Wie wird der Weißpunkt spezifiziert?

Er wird typischerweise als CIE 1931 Chromatizitätskoordinaten (x, y) angegeben, die aus der spektralen Leistungsverteilung eines Standardbeleuchtungsmittels abgeleitet werden. Beispielsweise ist D65 (0,3127, 0,3290) und D50 (0,3457, 0,3585).

Verwenden Scanner- oder Papierprofile eigene Weißpunkte?

Obwohl Scanner- und Papierprofile einen ‚Medienweißpunkt‘ aufzeichnen können, erfolgen alle ICC-farbmetrischen Umrechnungen relativ zum D50-Profile-Connection-Space (PCS)-Weiß. Das Medienweiß dient nur zur Information und beeinflusst die Umrechnungen nicht.

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