Hilfstriebwerk (APU)

Aircraft systems Aviation technology APU Ground operations

Hilfstriebwerk (APU) – Luftfahrt-Glossar

Definition und Hauptzweck

Ein Hilfstriebwerk (APU) ist eine kompakte, eigenständige Gasturbine, die in den meisten modernen Flugzeugen installiert ist und elektrische Energie sowie pneumatische (Zapf-)Luft unabhängig von den Haupttriebwerken liefert. Der Hauptzweck besteht darin, den Betrieb von Flugzeugsystemen – wie Avionik, Beleuchtung, Klimaanlage und Triebwerksstarter – während des Bodenbetriebs, der Vorflugphase und in bestimmten Flugsituationen ohne externe Unterstützung zu ermöglichen.

APUs sind für die betriebliche Autonomie unerlässlich und unterstützen die Systemfunktionalität während der Flugvorbereitung, beim Einsteigen, bei Wartung und Triebwerksstart. Das Turbinendesign wird wegen seiner hohen Zuverlässigkeit, schnellen Energiebereitstellung und dem hervorragenden Leistungsgewicht geschätzt.

Wesentliche Merkmale:

  • Unabhängigkeit: Arbeitet eigenständig und reduziert die Abhängigkeit von Bodenstrom oder Zapfluftwagen am Flughafen.
  • Redundanz: Liefert Reserveenergie und Luft für kritische Systeme bei Ausfall von Haupttriebwerk oder Generator.
  • Sicherheit: Mit Feuererkennung, -löschung und automatischer Abschaltung bei Störungen ausgestattet.
  • Regulatorische Konformität: Entspricht ICAO-, FAA- und EASA-Standards für Umwelt, Sicherheit und Betrieb.

Hauptfunktionen und technische Prinzipien

Stromerzeugung

Der integrierte Generator der APU liefert Wechselstrom (AC) – typischerweise 115 V bei 400 Hz – zur Versorgung von:

  • Avionik und Flugzeuginstrumenten
  • Kabinen- und Außenbeleuchtung
  • Passagierkomfortsystemen (Bordküche, Unterhaltung)
  • Wartungs- und Bodengeräten des Flugzeugs

Einige APUs liefern zudem Gleichstrom (DC) (28 V) für spezielle Systeme, entweder direkt oder über Gleichrichter-Umformer (TRU).

Technische Hinweise:

  • Der Generator wird durch die Hauptwelle der APU angetrieben.
  • Die Ausgangsleistung wird automatisch hinsichtlich Spannung und Frequenz geregelt.
  • Die Energie kann je nach Bedarf auf alle oder ausgewählte Stromkreise verteilt werden.

Pneumatische (Zapf-)Luftversorgung

Der Verdichter der APU liefert Hochdruck-Zapfluft mit hohem Durchsatz für:

  • Klimaanlagesystem (ECS): Für Kabinenklimatisierung und Druckregelung.
  • Triebwerksstartsystem: Treibt den Luftturbinenstarter zum Andrehen der Haupttriebwerke an.
  • Gelegentlich Enteisungssysteme: Versorgt Flügel- oder Triebwerksenteisung in einigen Flugzeugen mit Zapfluft.

Parameter:

  • Typische Zapfluftleistung: 250–500 lbs/min bei 30–45 psi
  • System mit Druckregelung, Temperaturkontrolle und Rückschlagventilen zur Sicherheit

Hydraulikleistung (bei ausgewählten Flugzeugen)

Einige APUs, vor allem in großen Verkehrs- oder Militärflugzeugen, treiben Hydraulikpumpen für den Bodenbetrieb von:

  • Steuerflächen
  • Fahrwerk
  • Frachttüren

Einbau im Flugzeug und betrieblicher Einsatz

Physischer Einbauort

Die APU befindet sich meist im Heckkonus oder hinteren Rumpfbereich, um:

  • Lärm und Vibrationen im Passagierbereich zu mindern
  • Die Einheit von Kraftstofftanks und kritischen Systemen zu isolieren
  • Den Wartungszugang zu erleichtern

Kleinere Flugzeuge können die APU im Triebwerksgondel, Flügelwurzel oder Fahrwerksschacht haben.

Typische Einsatzszenarien

Bodenbetrieb:

  • Vorflug: Startet vor dem Boarding für System- und Kabinenvorbereitung.
  • Wartung: Versorgt elektrische und pneumatische Systeme für Prüfungen und Instandhaltung.
  • Triebwerksstart: Liefert Zapfluft zum Andrehen der Haupttriebwerke.

Remote-Betrieb:

Flugbetrieb:

  • Bei für den Flug zugelassenen APUs: Notversorgung für elektrische und pneumatische Systeme

Übergangsszenarien:

  • Überbrückt Stromversorgungsunterbrechungen beim Gate-Wechsel oder Pushback

Wartungsprotokolle und Zuverlässigkeit

Regelmäßige Wartung

  • Geplante Inspektionen: Regelmäßige Kontrolle von Öl-, Kraftstoff-, Luft- und elektrischen Systemen
  • Komponententausch: Lager, Starter, Sensoren und Filter nach Herstellervorgaben erneuern
  • Leistungstests: Überprüfung von Strom- und Luftleistung, Emissionskontrolle
  • Dokumentation: Sämtliche Maßnahmen für Behörden vorschriftsmäßig dokumentieren

Zuverlässigkeit

  • Moderne APUs erreichen mittlere Ausfallzeiten (MTBF) von 5.000–10.000+ Stunden
  • Mit redundanten Steuerungen, Feuerlöschung und ausfallsicherer Abschaltung ausgerüstet
  • Wartungsintervalle und Abläufe nach FAA-, EASA- und Hersteller-Vorgaben

Umwelt- und Effizienzaspekte

Emissionen und Lärm

  • APUs stoßen CO₂, NOₓ, Kohlenwasserstoffe und Partikel aus
  • Typische Lärmemission: 85–95 dB(A) in unmittelbarer Nähe
  • Unterliegen ICAO Annex 16 und lokalen Flughafenregelungen

Effizienz und Nachhaltigkeit

  • Moderne APUs nutzen emissionsarme Brennkammern und digitale Steuerungen
  • Bodenstromaggregate (GPU) und vorkonditionierte Luft (PCA) am Gate reduzieren APU-Laufzeiten
  • Airlines setzen Richtlinien zur Begrenzung der APU-Nutzung ein, um Kosten und Emissionen zu senken

Häufige Anwendungen in Luftfahrt und Industrie

Verkehrsflugzeuge:
Standard bei Jets wie Boeing 737/787, Airbus A320/A350 – ermöglicht weltweite operative Autonomie.

Business Jets:
Unterstützung bei privaten und abgelegenen Einsätzen mit eingeschränkten Bodenservices.

Militärflugzeuge:
Feldeinsatz, Redundanz und Energie für Bodensysteme; teils Antrieb von Hydraulikpumpen.

Hubschrauber:
Mittelgroße/große Modelle nutzen APUs für Bodenstrom und Klimaanlage.

Weitere Bereiche:
Militärfahrzeuge, Schiffe, Raumfahrt (z. B. Space Shuttle), Kühltransporter und Bodenunterstützungsausrüstung.

Typische Anwendungsfälle: APU im Einsatz

  • Turnaround-Betrieb: Hält Systeme und Komfort während Ein-/Ausstieg aufrecht, stellt Energie für Triebwerksstart bereit.
  • Abgelegene Flugplätze: Sichert Autonomie ohne Bodenstrom.
  • Reserve in der Luft: Stellt bei Ausfall des Generators kritische Systeme wieder her (bei zertifizierten APUs).
  • Militärischer Einsatz: Ermöglicht schnelle Einsatzbereitschaft und Wartung im Feld.
  • Bodenwartung: Versorgt Systemprüfungen ohne Haupttriebwerke.

Technische Parameter und Spezifikationen

ParameterTypischer Wert (Verkehrsjet)Beschreibung
Elektrische Leistung40–120 kVA, 115V AC, 400 HzEnergie für alle elektrischen Systeme
Zapfluftleistung250–500 lbs/min bei 30–45 psiFür ECS, Triebwerksstart, Enteisung
Kraftstoffverbrauch100–400 Liter/Stunde (26–106 US gal/h)Abhängig von Systemlast und Umgebung
Startzeit60–120 SekundenVon Start bis Betriebsbereitschaft
EinsatzhöheBis zu 30.000 ft (wenn zertifiziert)Einsatzfähigkeit während des Flugs
Gewicht150–350 kg (330–770 lbs)Je nach Modell und Flugzeugtyp
EinbauortHeckkonus/hinterer Rumpf (typisch)Für Lärm, Sicherheit und Wartungszugang

APU vs. Bodenunterstützungsausrüstung

FunktionAPUBodenunterstützungsausrüstung
UnabhängigkeitVollständig eigenständigBenötigt Flughafenausrüstung
EnergiequelleBord-KerosinExterner Strom oder Diesel
EinsatzgebietAbgelegene Orte, RedundanzGroße Flughäfen, Emissionsreduktion
BetriebskostenHöher (Kraftstoff, Wartung)Geringer (Netzstrom)
UmweltauswirkungHöher (Emissionen, Lärm)Geringer (bei Elektro-/Netzbetrieb)
FlexibilitätSofortige VerfügbarkeitAbhängig von Bodenressourcen

Wartungsempfehlungen

  • Einhaltung der Intervalle: Vorgaben des Herstellers und der Behörden strikt befolgen
  • Vollständige Dokumentation: Alle Wartungen und Austausche lückenlos erfassen
  • Vorausschauende Überwachung: Vibrationen, Ölanalyse zur Früherkennung von Ausfällen nutzen
  • Zertifiziertes Personal: Nur geschultes Luftfahrtpersonal darf APU-Arbeiten durchführen
  • Funktionsprüfung nach Wartung: Nach größeren Eingriffen vollständige Betriebschecks durchführen

Umwelt- und Regulierungsentwicklungen

  • Lärmminderung: Flughäfen können den APU-Betrieb am Gate einschränken und fordern den Anschluss an GPU und PCA innerhalb weniger Minuten nach Ankunft
  • Emissionskontrolle: Neue APU-Modelle werden streng zertifiziert; Airlines begrenzen die Laufzeit zugunsten der Nachhaltigkeit
  • Betriebsrichtlinien: Crew-Training und SOPs betonen zunehmend die Minimierung der APU-Nutzung zur Umweltentlastung

Übersichtstabelle: Einsatz und Fähigkeiten der APU

AnwendungsbereichErbrachte FunktionBeispielszenario
Elektrische Systeme115V AC/28V DC für Avionik usw.Nacht-Check auf abgelegenem Flugplatz
TriebwerksstartZapfluft für StarterturbinenHaupttriebwerksstart ohne Zapfluftwagen
KabinenklimaZapfluft für ECSBoarding bei extremen Wetterbedingungen
NotstromversorgungReserve für Strom und LuftGeneratorausfall im Flug
WartungSystemprüfungHangar-Checks ohne Haupttriebwerke
Militär/IndustrieEnergie für Systeme, MobilitätLautloser Wachdienst im gepanzerten Fahrzeug, Kühltransporter

Glossar: Wichtige Begriffe rund um die APU

BegriffDefinition
APUHilfstriebwerk – eine kleine Gasturbine, die unabhängig elektrische und pneumatische Energie liefert.
ZapfluftVerdichtete Luft aus dem Turbinenverdichter, genutzt für ECS, Triebwerksstart und Enteisung.
ECSKlimaanlagesystem – regelt Kabinentemperatur, Feuchte und Druck.
GPUBodenstromaggregat – externes Gerät zur Versorgung des Flugzeugs am Boden mit Strom.
PCAVorkonditionierte Luft – externe Anlage zur Kabinenheizung oder -kühlung am Gate.
ETOPS/EDTOLangstreckenbetrieb mit Zweistrahlern/Extended Diversion Time Operations – Regeln für Langstreckenflüge.

Weiterführende Ressourcen:

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptzweck einer APU im Flugzeug?

Der Hauptzweck einer APU besteht darin, elektrische Energie und pneumatische (Zapf-)Luft für Bordsysteme bereitzustellen, wenn die Haupttriebwerke nicht laufen. Dadurch können Flugzeugsysteme wie Avionik, Kabinenbeleuchtung, Klimaanlage und Triebwerksstarter während des Bodenbetriebs und in manchen Fällen auch in der Luft unabhängig funktionieren.

Wo befindet sich die APU typischerweise in einem Flugzeug?

Die APU ist meist im Heckkonus oder hinteren Rumpfbereich von Verkehrsflugzeugen installiert. Diese Position minimiert Lärm und Vibrationen im Passagierbereich, isoliert die Einheit zu Sicherheitszwecken und erleichtert den Wartungszugang.

Kann die APU während des Fluges betrieben werden?

Einige APUs sind für den Betrieb während des Fluges zertifiziert, insbesondere in zweistrahligen Flugzeugen, die für Langstreckenflüge (ETOPS/EDTO) Redundanz benötigen. Der Einsatz während des Fluges dient vor allem als Notversorgung für Strom und Pneumatik nach Ausfall des Hauptsystems.

Wie wird die APU gestartet und abgeschaltet?

Die APU wird mit Bordbatterien oder externer Stromquelle gestartet, wobei der Startermotor die Turbine dreht, bis die Verbrennung stabil ist. Das Abschalten erfolgt über einen Abkühlzyklus, bevor Kraftstoff und Zündung automatisch durch das Steuersystem abgeschaltet werden.

Welche Umweltauswirkungen hat der Betrieb einer APU?

APUs emittieren Kohlendioxid (CO₂), Stickoxide (NOₓ) und Lärm, was zu Emissionen auf dem Vorfeld und Flugplatzlärm beiträgt. An vielen Flughäfen ist der APU-Betrieb reglementiert; neuere APUs sind effizienter und sauberer konstruiert.

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