Lichtkegelwinkel

Lighting Photometry Optical Engineering Aviation Lighting

Lichtkegelwinkel – Winkelbreite des Strahls – Photometrie

Der Lichtkegelwinkel, auch als Winkelbreite bezeichnet, ist ein grundlegendes Konzept in der Photometrie und optischen Technik und beschreibt, wie stark ein Lichtstrahl von seiner Quelle divergiert, während er sich ausbreitet. Dieser Parameter bestimmt nicht nur die beleuchtete Fläche, sondern auch die Intensität pro Flächeneinheit und die Gleichmäßigkeit der Lichtverteilung – Schlüsselfaktoren für Lichtplaner, Ingenieure und Wissenschaftler.

Was ist der Lichtkegelwinkel?

Der Lichtkegelwinkel ist die Winkelbreite (in Grad oder Radiant), über die die Intensität eines Lichtstrahls auf einen definierten Bruchteil seines Maximalwertes abfällt – typischerweise 50 % (Kegelwinkel, oder FWHM) oder 10 % (Feldwinkel). Diese Messgröße beschreibt, wie stark sich der Strahl beim Ausbreiten aufweitet und beeinflusst sowohl die Größe als auch die Helligkeit der beleuchteten Fläche.

  • Schmaler Kegelwinkel: Erzeugt einen kleinen, intensiven Lichtfleck (z. B. Spots, Laserpointer).
  • Breiter Kegelwinkel: Führt zu einer weiten, weniger intensiven Ausleuchtung (z. B. Fluter, Allgemeinbeleuchtung).

Mathematisch wird der Kegelwinkel als der Winkel zwischen Richtungen von der Quelle dargestellt, bei denen die Intensität auf den festgelegten Schwellenwert abfällt. In der Optik, insbesondere bei Lasersystemen, spricht man auch von „Divergenz“, die typischerweise in Milliradiant gemessen wird.

Wichtige verwandte Begriffe

BegriffDefinitionTypische Anwendung
KegelwinkelWinkel, bei dem Intensität ≥ 50 % des Maximums (FWHM)Spotbeleuchtung, Akzentbeleuchtung
FeldwinkelWinkel, bei dem Intensität ≥ 10 % des MaximumsFlutlicht, Flächenausleuchtung
StrahldivergenzRate der Strahlausweitung in Radiant/mrad (bes. bei Lasern/Optik)Laserkommunikation, LIDAR
Strahlbreite/-größeLineare Breite des Strahls in bestimmter Entfernung von der QuelleLeuchtenplatzierung, Flächenberechnung
Gauß-StrahlStrahl mit gaußförmigem IntensitätsprofilMeiste Laser, präzise optische Systeme
Kollimierter StrahlStrahl mit nahezu parallelen Strahlen (minimale Divergenz)Suchscheinwerfer, Flugzeuglandesysteme

Warum ist der Lichtkegelwinkel wichtig?

  • Beleuchtete Fläche: Der Kegelwinkel bestimmt die Abdeckungsfläche in einer bestimmten Entfernung. Ein kleiner Winkel erzeugt einen konzentrierten Punkt, ein großer Winkel deckt eine größere Fläche ab.
  • Gleichmäßigkeit: Das richtige Überlappen von Kegelwinkeln sorgt für gleichmäßige Beleuchtung und reduziert Blendung oder Schatten – entscheidend für Sicherheit auf Straßen, Sportplätzen und Flugfeldern.
  • Leuchtenauswahl: Hersteller geben Kegelwinkel an, damit Planer passende Leuchten auswählen können.
  • Systemplanung: Der Kegelwinkel beeinflusst Montagehöhe, Ausrichtung und Abstand der Leuchten für ein optimales Layout.
  • Optische Leistung: In Lasern und Bildgebung beeinflusst der Kegelwinkel Auflösung und Fokussierung.

Klassifizierungssysteme

NEMA-Klassifizierung des Kegelwinkels

Die National Electrical Manufacturers Association (NEMA) teilt Feldwinkel (bei denen die Intensität auf 10 % abfällt) in Standardtypen ein:

NEMA-TypFeldwinkel (°)BeschreibungTypische Einsatzbereiche
1<10Sehr schmalLeuchtfeuer, Hochintensitäts-Spot
210–18SchmalAkzent-, Ausstellungsbeleuchtung
318–29MittelschmallAufgaben-, Gangleuchten
429–46MittelAllgemeinbeleuchtung
546–70MittelbreitParkplätze, Sportplätze
670–100BreitAußenbereich, große Flächen
7>100Sehr breitFlutlicht, Sicherheitsbeleuchtung

IES-Lichtverteilungstypen

Die Illuminating Engineering Society (IES) klassifiziert Außenleuchten nach deren Abstrahlmustern:

IES-TypVerteilungsmusterTypische Anwendung
ISchmal, linearGehwege, Wege
IIEtwas breiter, lateralNebenstraßen
IIIRechteckig, nach vorneParkplätze, Randbereiche
IVHalbkreisförmig, nach vorneFassaden, breite Wege
VKreisförmig, allseitigKreuzungen, offene Flächen

Messung des Kegelwinkels

Formelbasierte Berechnung

Um den Kegelwinkel in eine Strahlbreite in bestimmter Entfernung umzurechnen:

Kegelbreite = 2 × tan(Kegelwinkel ÷ 2) × Entfernung

Beispiel:
Ein 30°-Kegelwinkel bei 3 m Entfernung:

  • Kegelbreite ≈ 2 × tan(15°) × 3 ≈ 1,61 m

Für kleine Winkel (<60°):
Kegelbreite ≈ Kegelwinkel (°) × 0,018 × Entfernung (m)

Photometrische Messung

  • Luxmeter: Messen die Intensität an verschiedenen Punkten; Bestimmung der Winkel, bei denen die Intensität auf 50 % oder 10 % des Maximums abfällt.
  • Strahlprofiler: Für Laser, erfassen 2D-Intensitätsverteilung und Divergenz.
  • Polardiagramme: Zeigen die Lichtstärkeverteilung in Abhängigkeit vom Winkel; Kegel- und Feldwinkel werden dort abgelesen, wo die Intensität den relevanten Schwellenwert unterschreitet.

Daten werden häufig in IES- oder EULUMDAT-Dateien für Lichtsimulationen und Nachweisdokumentation gespeichert.

Strahldivergenz (Optik)

In Laser- und optischen Systemen wird die Divergenz in Radiant oder Milliradiant angegeben. Für einen Gauß-Strahl gilt:

θ = λ / (π × w₀)

Dabei ist λ die Wellenlänge und w₀ der Strahltaille-Radius.

Beispiel:
1064 nm Laser, 1 mm Taille: θ ≈ 0,34 mrad

Geringe Divergenz ermöglicht fokussierte, weitreichende Strahlen (LIDAR, Freistrahloptik).

Einfluss von Umgebung und Medium

  • Streuung: Durch Nebel, Staub oder Wasser erhöht den Kegelwinkel und verringert die Richtwirkung.
  • Absorption: Reduziert die Intensität und wirkt sich über die Entfernung aus.
  • BSF/PSF: Die Beam Spread Function und die Point Spread Function beschreiben die Strahlaufweitung in trüben Medien und beeinflussen Unterwasser-, atmosphärische oder biomedizinische Anwendungen.

Normen und Referenzen

  • CIE und IES: Photometrische Standards für Messung und Berichterstattung.
  • NEMA: Definiert Winkeltypen für Leuchten.
  • ICAO (Anhang 14): Legt Kegelwinkel für Flugplatz- und Luftfahrtbeleuchtung fest.
  • ANSI/IES: Methoden für photometrische Prüfungen und Datenberichte.

Fortgeschrittene Anwendungen

  • Luftfahrt: Stellt sicher, dass Start- und Landebahnen aus vorgeschriebenen Anflugwinkeln sichtbar sind, gemäß ICAO-Vorschriften.
  • Architektur-/Bühnenbeleuchtung: Individuelle Kegelwinkel für Effekte und Präzision.
  • Laser/LIDAR: Präzise kontrollierte Divergenz für Messung und Kommunikation.
  • Fernerkundung/Unterwasserbildgebung: Berücksichtigt medienbedingte Strahlaufweitung und Intensitätsverlust.

Zusammenfassung

Der Lichtkegelwinkel ist ein Grundpfeiler der Photometrie und des Designs optischer Systeme. Er definiert, wie Licht verteilt wird, wie gut eine Fläche ausgeleuchtet ist und wie Systeme unter realen Bedingungen funktionieren. Ob bei der Auswahl von Leuchten, der Planung von Flugfeldbeleuchtung oder der Entwicklung optischer Kommunikationssysteme – das Verständnis und die Kontrolle des Kegelwinkels gewährleisten Sicherheit, Effizienz und Normkonformität.

Weiterführende Literatur

  • CIE 013.3-1995: Methode zur Messung und Spezifikation der Farbwiedergabe von Lichtquellen
  • ANSI/IES LM-63, LM-79: Photometrische Prüfung und Berichterstattung
  • ICAO Annex 14: Flugplatzplanung und Betrieb
  • IES Lighting Handbook

Häufig gestellte Fragen

Wie wird der Lichtkegelwinkel gemessen?

Der Lichtkegelwinkel wird bestimmt, indem der Winkel gemessen wird, über den die Intensität eines Lichtstrahls auf einen festgelegten Bruchteil (üblicherweise 50 % für den Kegelwinkel oder 10 % für den Feldwinkel) seines Maximums abfällt. Dies kann mit photometrischen Werkzeugen wie Luxmetern, Strahlprofilern und Polardiagrammen erfolgen oder durch trigonometrische Formeln basierend auf Geometrie und Position der Lichtquelle berechnet werden.

Was ist der Unterschied zwischen Kegelwinkel und Feldwinkel?

Der Kegelwinkel ist die Winkelbreite, bei der die Intensität mindestens 50 % des Maximums beträgt und definiert den konzentrierten Bereich des Strahls. Der Feldwinkel ist breiter und umfasst den Bereich, in dem die Intensität auf 10 % des Maximums abfällt – nützlich zur Bewertung von Streulicht und Gesamtdeckung.

Warum ist der Lichtkegelwinkel in der Lichtplanung wichtig?

Der Lichtkegelwinkel bestimmt die Größe und Gleichmäßigkeit des beleuchteten Bereichs und beeinflusst die Auswahl, Platzierung und Ausrichtung von Leuchten. Der richtige Kegelwinkel sorgt für ausreichende Abdeckung, reduziert Blendung und ermöglicht die Einhaltung von Sicherheits- und Leistungsstandards in Anwendungen wie Architektur-, Straßen- und Luftfahrtbeleuchtung.

Wie beeinflusst der Lichtkegelwinkel optische Systeme wie Laser?

In Lasern und anderen optischen Systemen bestimmt der Lichtkegelwinkel (oder die Divergenz), wie schnell sich der Strahl mit zunehmender Entfernung ausbreitet. Geringe Divergenz ermöglicht es, dass Strahlen über große Distanzen fokussiert und intensiv bleiben, was für Anwendungen wie LIDAR, optische Kommunikation und Präzisionsmessung entscheidend ist.

Welche Umweltfaktoren beeinflussen den Lichtkegelwinkel?

Streuung und Absorption durch Nebel, Staub, Wasser oder andere Medien können den Kegelwinkel vergrößern und die Intensität verringern, wodurch der effektiv beleuchtete Bereich und die Systemleistung verändert werden. Dies ist besonders wichtig bei Außen-, Unterwasser- oder biomedizinischer Beleuchtung und Bildgebung.

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