CAT II (Kategorie II) Präzisionsanflug

Aviation IFR Instrument Landing System Regulations

CAT II (Kategorie II) Präzisionsanflug – Luftfahrt Glossar

Definition und Kontext

Ein CAT II (Kategorie II) Präzisionsanflug ist ein fortschrittliches Instrumentenanflugverfahren, das für den Flugbetrieb von Flugzeugen bei schlechten Sichtverhältnissen entwickelt wurde. Definiert von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) bietet ein CAT II-Anflug dem Piloten sowohl laterale als auch vertikale Führung und unterstützt sichere Landungen, wenn natürliche visuelle Anhaltspunkte nicht ausreichen. Das Kennzeichen von CAT II ist eine Entscheidungshöhe (DH) von weniger als 200 Fuß, jedoch nicht weniger als 100 Fuß über dem Schwellenpunkt der Landebahn, kombiniert mit einer Runway Visual Range (RVR) von mindestens 300 Metern.

CAT II schließt die Lücke zwischen den grundlegenden CAT I-Anflügen, die höhere Minima und weniger anspruchsvolle Anforderungen haben, und den hochentwickelten CAT III-Verfahren, die Landungen bei nahezu Nullsicht ermöglichen. Durch die Möglichkeit, Landungen während Nebel, starkem Niederschlag oder niedriger Wolkendecke durchzuführen, sind CAT II-Anflüge für große Verkehrsflughäfen, Frachtzentren und Geschäftsflugbetreiber unerlässlich, um die Flugpläne einzuhalten und witterungsbedingte Störungen zu minimieren.

Erfolgreiche CAT II-Operationen basieren auf strikter Einhaltung technischer, betrieblicher und regulatorischer Standards. Sowohl das Flugzeug als auch die Crew müssen speziell zertifiziert sein, der Flughafen muss hochzuverlässige Navigationshilfen und Beleuchtung bereitstellen, und es müssen Echtzeit-RVR-Daten verfügbar sein. Dadurch wird sichergestellt, dass CAT II-Anflüge auch bei widrigen Wetterbedingungen sicher durchgeführt werden.

CAT II-Minima und Präzisionsanflug-Kategorien

Präzisionsanflug-Kategorien werden durch die zulässige minimale DH und RVR definiert. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

KategorieEntscheidungshöhe (DH)Runway Visual Range (RVR)
CAT I≥ 200 ft (60 m)≥ 550 m
CAT II< 200 ft (60 m), ≥ 100 ft (30 m)≥ 300 m
CAT IIIA< 100 ft (30 m) oder keine≥ 175 m
CAT IIIB< 50 ft (15 m) oder keine50–175 m
CAT IIICKeine DHKeine RVR-Beschränkung

CAT II-Anflüge erfordern fortschrittlichere Technologie und Pilotenschulung als CAT I, sind aber weniger anspruchsvoll als CAT III, die Landungen auch ohne Sichtreferenz ermöglichen.

Regulatorischer Rahmen

Internationale Standards

Die ICAO-Anhänge 6 (Betrieb von Luftfahrzeugen) und 14 (Flugplätze) legen die globalen Anforderungen für CAT II-Anflüge fest, darunter:

  • DH: Weniger als 200 ft, aber nicht weniger als 100 ft
  • RVR: Mindestens 300 Meter
  • Nutzung des Funkhöhenmessers zur DH-Bestimmung
  • Echtzeit-RVR-Meldung

Nationale Vorschriften

  • Vereinigte Staaten (FAA): Geregelt durch 14 CFR Parts 91, 97, 135 und Advisory Circular AC 91-16. Erfordert sowohl Flugzeug- als auch Crew-Zertifizierung, Betriebsanweisungen und Wartungsprogramme.
  • Europa (EASA): Die EASA Air Operations Regulation spiegelt die ICAO-Vorgaben mit ähnlichen Minima und Zulassungsprozessen wider; betreiberspezifische Zulassungen und ständige Überwachung sind erforderlich.

Diese Rahmenbedingungen stellen sicher, dass nur qualifizierte Betreiber, ausgebildete Crews und ordnungsgemäß ausgerüstete Flugzeuge und Flughäfen CAT II-Anflüge durchführen.

Anforderungen an bodengestützte Navigation und Beleuchtung

Zur Unterstützung von CAT II-Operationen müssen Flughäfen ausgestattet sein mit:

  • Zertifiziertem Instrumentenlandesystem (ILS): Bietet präzise laterale (Localizer) und vertikale (Gleitweg) Führung mit erhöhter Genauigkeit und Integritätsüberwachung.
  • Hochintensiven Beleuchtungssystemen: Einschließlich Bahnränder-, Touchdown-Zone-, Mittellinien- und Anflugbefeuerung (ALSF-1/2), die entscheidend sind, damit Piloten ab DH die erforderlichen visuellen Anhaltspunkte erhalten.
  • Runway Visual Range (RVR)-Messung: Realisiert durch Transmissometer oder Forward-Scatter-Messgeräte an mehreren Bahnpunkten (Touchdown, Mitte, Ausrollstrecke), die den Piloten aktuelle Sichtdaten liefern.

Alle Systeme müssen ständig überwacht und gewartet werden; bei Ausfall oder Beeinträchtigung eines kritischen Systems ist der CAT II-Betrieb sofort zu unterbrechen.

Anforderungen an Bordanlagen

Flugzeuge, die für CAT II-Anflüge zugelassen sind, müssen verfügen über:

  • Für CAT II zertifizierten ILS-Empfänger: Hochpräzise Nachführung und Signalintegrität.
  • Flugkontroll- und Führungssystem (Autopilot/Flugdirektor): Für CAT II zugelassen, meist mit doppelter Redundanz.
  • Funkhöhenmesser: Für genaue Höhenmessung über Grund bei DH, mit akustischer/optischer Warnung.
  • Redundante Fluginstrumente: Gewährleistet Zuverlässigkeit im Falle eines Systemausfalls.
  • Warn- und Ausfallanzeigen: Sofortige Hinweise bei Systemdegradierung oder Fehler.
  • Beheizte Pitotrohre und alternative Staudruckquellen: Sicherstellung der Luftdatenzuverlässigkeit bei schlechtem Wetter.

Alle Geräte unterliegen strenger Zertifizierung, regelmäßigen Funktionsprüfungen und umgehender Wartung, um die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten.

Pilotenausbildung und Qualifikation

Piloten erhalten die spezielle CAT II-Berechtigung durch:

  1. Theorie- und Simulatortraining: Umfasst CAT II-Theorie, Verfahren, Geräteeinsatz und Notfallmanagement.
  2. Praktische Prüfungsflüge: Nachweis der korrekten Durchführung, des Geräteeinsatzes und der Entscheidungsfindung an der DH.
  3. Aktuelle Erfahrung: Regelmäßige Durchführung von CAT II-Anflügen unter realen oder simulierten Bedingungen.
  4. Qualifikation des Ersten Offiziers: Beide Piloten müssen ausgebildet und aktuell sein, es sei denn, ein Einmannbetrieb für CAT II ist ausdrücklich genehmigt.

Für den Erhalt der CAT II-Berechtigung sind kontinuierliche Wiederholungsschulungen und Befähigungsüberprüfungen vorgeschrieben.

Betreiber- und Flugzeugzulassung

Betreiber müssen ihrer Aufsichtsbehörde vorlegen:

  • Betriebshandbuch: Enthält CAT II-spezifische Verfahren, Checklisten und Notfallprotokolle.
  • Wartungsprogramm: Vorgeschriebene Prüf- und Testintervalle für sämtliche CAT II-Ausrüstung.
  • Crew-Qualifikationsnachweise: Belege für Schulungen, Prüfungsflüge und aktuelle Erfahrung.
  • Gerätenachweis: Falls erforderlich, eine Serie beobachteter CAT II-Anflüge zur Validierung von Systemleistung und Verfahrenskonformität.

Die Zulassung erfolgt erst nach vollständiger Dokumentation und praktischer Demonstration eines sicheren CAT II-Betriebs, mit laufender Überwachung und regelmäßiger Nachprüfung.

Betriebsverfahren und Sicherheit

Ein CAT II-Anflug umfasst:

  1. Vorflugbesprechung: Wetter, Gerätestatus und Ausweichverfahren werden überprüft.
  2. Stabilisierter Anflug: Strikte Einhaltung von Localizer und Gleitweg mittels Autopilot/Flugdirektor.
  3. Entscheidung an der DH: Sind die erforderlichen visuellen Anhaltspunkte sichtbar, wird gelandet; andernfalls wird ein Fehlanflug eingeleitet.
  4. Kontinuierliche Überwachung: Beide Piloten (oder Pilot und Überwachungssystem) kontrollieren während des Anflugs alle kritischen Systeme.
  5. Ausweichverfahren: Bei Systemausfall ist auf höhere Minima zurückzugehen oder ein Fehlanflug durchzuführen.

Diese Verfahren, kombiniert mit Systemredundanz und intensiver Crew-Ausbildung, minimieren Risiken wie kontrollierten Flug in den Boden (CFIT) und Bahnauslenkungen.

Vergleichende Analyse: CAT I vs. CAT II vs. CAT III

MerkmalCAT ICAT IICAT III (A/B/C)
Entscheidungshöhe (DH)≥ 200 ft100–200 ft< 100 ft (A); < 50 ft (B); keine (C)
Minimale RVR≥ 550 m≥ 300 m175 m (A); 50 m (B); keine (C)
FunkhöhenmesserNicht erforderlichErforderlichErforderlich
Autopilot/FlugdirektorNicht erforderlichErforderlichErforderlich (höhere Redundanz)
Crew-BerechtigungInstrumentenflugZusätzliche CAT IISpezifisch CAT III
Geräte-RedundanzStandard IFRErweitertMaximale Redundanz
Typische EinsatzgebieteDie meisten FlughäfenGroße Flughäfen, schlechte SichtGroße Flughäfen, sehr schlechte Sicht

Anwendungsfälle und Beispiele

  • Linienfluggesellschaften: Große Drehkreuze wie London Heathrow, Frankfurt und Chicago O’Hare setzen auf CAT II-Anflüge, um bei Nebel oder schlechtem Wetter den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten und Verspätungen sowie Ausweichlandungen zu reduzieren.
  • Geschäftsfliegerei: Betreiber, die Flughäfen mit plötzlichen Wetterumschwüngen anfliegen (z. B. Teterboro, Paris Le Bourget), nutzen CAT II, um Kundentermine und Sicherheit zu gewährleisten.
  • Frachtverkehr: Zeitkritische Operationen (z. B. Nachtzustellungen) nutzen CAT II-fähige Flughäfen und Flugzeuge, um witterungsbedingte Störungen zu minimieren.

Zusammenfassung

Ein CAT II (Kategorie II) Präzisionsanflug ist ein Grundpfeiler der modernen Luftfahrt und ermöglicht sichere, zuverlässige Landungen unter Bedingungen, die Sichtanflüge unmöglich machen würden. Er erfordert ein Zusammenspiel aus fortschrittlicher Flughafeninfrastruktur, zertifizierter Flugzeugausrüstung und speziell geschulten Crews, alles geregelt durch strenge internationale und nationale Vorschriften. Mit zunehmender Wetterunbeständigkeit und steigender Flughafenkapazität spielen CAT II-Anflüge eine immer wichtigere Rolle für die Effizienz und Sicherheit des globalen Luftverkehrs.

Weiterführende Informationen finden Sie in den Glossareinträgen zu Instrumentenlandesystem (ILS) , Runway Visual Range (RVR) und Entscheidungshöhe (DH) .

Wenn Sie weitere Fragen haben oder Unterstützung bei der Implementierung von CAT II benötigen, kontaktieren Sie unsere Aviation-Experten oder vereinbaren Sie eine Beratung .

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CAT I, CAT II und CAT III Anflügen?

Die Hauptunterschiede liegen in der erforderlichen Entscheidungshöhe (DH) und der Runway Visual Range (RVR) für jede Kategorie. CAT I erlaubt Anflüge bis zu einer DH von 200 Fuß und einer RVR von 550 Metern, wobei nur ein Basis-ILS und Standard-Pilotqualifikationen erforderlich sind. CAT II senkt die DH auf zwischen 100 und 200 Fuß und die RVR auf 300 Meter, was eine erweiterte Ausrüstung und Crew-Schulung erfordert. CAT III ermöglicht Landungen mit noch geringerer DH und RVR und erlaubt in manchen Fällen Landungen, wenn fast keine Sichtreferenz vorhanden ist, was die fortschrittlichsten Systeme und strengste betriebliche Kontrollen voraussetzt.

Welche Ausrüstung wird für einen CAT II-Anflug benötigt?

Sowohl das Flugzeug als auch der Flughafen müssen mit zertifizierten Systemen ausgestattet sein. Am Boden gehören dazu ein hochzuverlässiges Instrumentenlandesystem (ILS), fortschrittliche Bahnbefeuerung (z. B. Touchdown-Zone-, Mittellinien- und Anflugbefeuerung) und eine Echtzeitmessung der Runway Visual Range (RVR). Im Flugzeug sind ein für CAT II zertifizierter ILS-Empfänger, Funkhöhenmesser, Flugdirektor oder Autopilot mit Anflugkupplung, redundante Fluginstrumente sowie Warn- und Ausfallanzeigen erforderlich. Alle Geräte müssen regelmäßig geprüft und gewartet werden.

Welche besondere Pilotenschulung ist für CAT II-Operationen erforderlich?

Piloten müssen eine spezielle theoretische Ausbildung, Simulator- und Flugtraining absolvieren, das sich auf CAT II-Verfahren, menschliche Faktoren und Notfallszenarien konzentriert. Sie müssen die Befähigung nachweisen, CAT II-Anflüge korrekt durchzuführen, einschließlich des richtigen Einsatzes der Avionik und der Einhaltung der betrieblichen Minima. Um die Berechtigung zu erhalten, sind fortlaufendes Wiederholungstraining und aktuelle Erfahrung erforderlich.

Wie qualifizieren sich Flughäfen für CAT II-Anflüge?

Flughäfen müssen fortschrittliche ILS-Ausrüstung, hochintensive Beleuchtungssysteme und zertifizierte RVR-Messgeräte installieren und warten. Die Systeme müssen den ICAO- und nationalen Behördenstandards hinsichtlich Genauigkeit, Redundanz und Ausfallsicherheit entsprechen. Regelmäßige Inspektionen, Flugüberprüfungen und Wartungen sind erforderlich, um die fortlaufende Einhaltung sicherzustellen, und jeder kritische Systemausfall führt zur Aussetzung der CAT II-Operationen bis zur Behebung.

Was passiert, wenn während eines CAT II-Anflugs erforderliche Ausrüstung ausfällt?

Fällt während eines CAT II-Anflugs eine kritische Ausrüstung – entweder an Bord oder am Boden – aus, muss die Crew den Anflug sofort abbrechen und ein Fehlanflugverfahren einleiten. Tritt der Ausfall vor Erreichen der Entscheidungshöhe ein, kann der Anflug gegebenenfalls unter höheren (CAT I) Minima fortgesetzt werden, falls zulässig und die Bedingungen es erlauben, andernfalls kann eine Ausweichlandung erforderlich sein.

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