Kontinuierlicher Sinkflug (CDA) / Kontinuierliche Sinkflugverfahren (CDO)

Aviation Flight operations Sustainability Air Traffic Control

Kontinuierlicher Sinkflug (CDA) / Kontinuierliche Sinkflugverfahren (CDO) – Flugbetrieb

Definition & Überblick

Kontinuierlicher Sinkflug (CDA), auch international als Continuous Descent Operations (CDO) bekannt, ist eine fortschrittliche Flugtechnik zur Steigerung der Effizienz, Sicherheit und Umweltverträglichkeit von Flugzeuganflügen. Beim CDA/CDO sinkt das Flugzeug aus Reise- oder Zwischenhöhe auf einem sanften, unterbrechungsfreien Flugweg in Richtung Landebahn – meist mit Leerlauf- oder nahezu Leerlaufschub. Im Gegensatz dazu ist der ältere Step-down-Anflug durch mehrere Segmente mit Level-Offs gekennzeichnet.

CDA/CDO wird erreicht, indem Konfigurationsänderungen (Klappen/Fahrwerk) so lange wie möglich hinausgezögert und das Gleitpotenzial des Flugzeugs genutzt werden. Es erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Piloten und Flugsicherung (ATC). Unterstützt wird es durch moderne Navigation (FMS, VNAV) und gefördert von Organisationen wie ICAO, FAA, EASA und EUROCONTROL. Das Verfahren ist in Standards wie ICAO Doc 9931 und FAA AC 120-108 festgelegt, wobei „CDO“ den vollständigen kontinuierlichen Sinkflug und „CDFA“ speziell das Endanflugsegment bezeichnet.

Wichtige Punkte:

  • Sanftes, unterbrechungsfreies Sinkflugprofil.
  • Leerlauf- oder nahezu Leerlaufschub.
  • Spätes Ausfahren von Fahrwerk/Klappen.
  • Reduziert Kraftstoffverbrauch, Emissionen und Lärm.
  • Erfordert präzise Verfahrensgestaltung sowie Abstimmung zwischen Lotsen und Piloten.

Bild: Sanftes CDA/CDO-Sinkflugprofil (rechts) im Vergleich zum Step-down-Anflug (links).

Anwendung von CDA/CDO im Flugbetrieb

CDA/CDO vs. Step-down-Verfahren

Klassische Step-down-Anflüge erfordern eine gestufte Sinkenführung mit Level-Offs auf jeder freigegebenen Höhe. Jeder Level-Off erhöht Kraftstoffverbrauch und Lärm durch höheren Schub und häufige Geschwindigkeits-/Konfigurationsänderungen. Im Gegensatz dazu ermöglicht CDA/CDO einen kontinuierlichen Gleitpfad, typischerweise um 3°, mit minimaler Leistung und verzögerten Konfigurationsänderungen – dies reduziert Umwelt- und Betriebsbelastungen.

ParameterStep-down-AnflugCDA/CDO
SinkprofilMehrere Level-SegmenteSanfte, kontinuierliche Rampe
SchubeinstellungHäufige Änderungen, höherLeerlauf/nahe Leerlauf durchgehend
Lärm/EmissionenHöherNiedriger
PilotenarbeitsbelastungHöherGeringer
Sicherheit (Stabilisierung)Schwer zu erreichenLeichter beizubehalten

Beteiligte Akteure

  • Piloten: Planen und fliegen CDA/CDO mit FMS/VNAV, überwachen Energie und stimmen sich mit ATC ab.
  • Flugsicherung: Erteilt rechtzeitige Sinkflugfreigaben, sequenziert Anflüge, stellt genaue Distance-to-go-Informationen bereit.
  • Fluggesellschaften/Flughafenbetreiber: Integrieren CDA/CDO in SOPs, schulen Crews, analysieren Leistung und arbeiten mit Stakeholdern zusammen.
  • ANSPs: Gestalten Luftraum/Verfahren CDA/CDO-tauglich.
  • Hersteller: Rüsten Flugzeuge mit VNAV/FMS aus, liefern Daten zur Verfahrensoptimierung.
  • Behörden: Setzen Standards, veröffentlichen Leitlinien und überwachen die Harmonisierung.

Technische Details und Parameter

Wichtige Parameter

  • Sinkwinkel: Typisch 2,75°–3,5° (meist 3°).
  • Sinkrate: RoD = Groundspeed (kts) × 5 (für 3°-Rampe).
  • Schub: Minimal praktikabel/Leerlauf.
  • Konfiguration: „Clean“ (Fahrwerk/Klappen eingefahren) bis spät im Sinkflug.
  • Top of Descent (ToD): Vom FMS berechnet anhand Position, Verfahren und Wind.
  • Distance-to-go: Wesentlich für das Energiemanagement im Sinkflug.

Verfahrensgestaltung

  • STARs: Für vertikale/laterale CDA/CDO-Profile ausgelegt.
  • Anflüge: Nichtpräzisionsanflüge können mit CDFA-Technik für stabilen Endanflug geflogen werden.
  • Distance-to-Go: Flugsicherung liefert rechtzeitig Landebahndistanz-Informationen.

Regulatorische Standards

  • ICAO Doc 9931: Weltweite CDO-Leitlinien.
  • FAA AC 120-108: US-amerikanische CDO/CDFA-Verfahren.
  • EASA/EUROCONTROL: Stimmen mit ICAO überein, treiben CDO-Umsetzung in Europa voran.

Beispielprofil für CDA/CDO

FlugphaseKonventioneller SinkflugCDA/CDO-Profil
ReiseflugReiseflugleistungReiseflugleistung
Erste SinkflugphaseStep-downs, SchubänderungenLeerlauf/minimaler Schub, kontinuierliches Gleiten
ZwischenanflugLevel-OffsKein Level-Off
EndanflugFrühe KonfigurationSpäte Konfiguration
AufsetzenNormale LandungNormale Landung
Groundspeed (kts)Erforderliche Sinkrate (ft/min)
100530
120640
140740
160850

Vorteile von CDA/CDO

Umweltvorteile

  • Lärmminderung: Hält Flugzeuge länger höher und minimiert Lärm für Anwohner (jede 1 dB Lärmreduzierung kann die betroffene Fläche um 20 % verringern).
  • Emissionen/Kraftstoffverbrauch: Leerlaufbetrieb senkt CO2/NOx und spart Treibstoff (bis zu 3 Tonnen CO2 und 1 Tonne Treibstoffeinsparung pro Anflug aus FL200 laut EUROCONTROL).

Bild: Verringerung von Lärm- und Emissionskonturen mit CDO (EUROCONTROL).

Sicherheitsvorteile

  • Stabiler Anflug: Ermöglicht leichter stabile, sichere Anflugprofile.
  • Reduzierte Arbeitsbelastung: Weniger Änderungen für Piloten und Lotsen, geringeres Fehlerrisiko.

Wirtschaftliche & betriebliche Vorteile

  • Kraftstoffeinsparungen: Reduziert direkt die Betriebskosten der Fluggesellschaften.
  • Vorhersagbarkeit: Verbessert die Genauigkeit der Ankunftszeiten und unterstützt das Flughafen-/Luftraummanagement.
  • Kapazität: Gleichmäßigerer, besser vorhersehbarer Verkehrsfluss ermöglicht höhere Durchsätze.

Vorteile für Gemeinden & Luftraum

  • Lärm-Footprint: Deutliche Reduktion für Wohn- und sensible Gebiete.
  • Nachhaltigkeit: Unterstützt globale Luftfahrt-Klima- und Lärmziele.

Betriebliche Umsetzung

Für Piloten

  • Sinkflug mit FMS und STAR/Anflugdaten planen.
  • Leerlaufschub und „clean“-Konfiguration so lange wie sicher möglich beibehalten.
  • Mit ATC über frühzeitigen Sinkflug und Distance-to-go abstimmen.
  • Stabilisierten Anflug spätestens in 1.000 ft über Platzhöhe sicherstellen.

Für die Flugsicherung

  • Frühzeitige Sinkflugfreigaben und genaue Sequenzierung.
  • Mindest-Clean-Speed-Steuerung und rechtzeitige Distanzinfos bereitstellen.
  • CDA/CDO-Förderung mit Luftraum- und Kapazitätsanforderungen abwägen.
  • Standardphraseologie nutzen (z. B. „erwarte weiteren Sinkflug in xx Meilen“).

Fluggesellschaften/Flughafenbetreiber

  • CDA/CDO in SOPs und Ausbildung integrieren.
  • CDA/CDO-Leistung überwachen und Feedback geben.
  • Mit ATC/ANSPs zur Optimierung von Luftraum und Verfahren zusammenarbeiten.

Anwendungsbeispiele

Typische Einsatzfelder

  • Große Drehkreuze: London Heathrow, Frankfurt, Madrid Barajas – verkehrsreiche Flughäfen mit lärmsensiblen Anrainern.
  • Nachtbetrieb: Flughäfen mit Ausgangssperren/Lärmschutzauflagen (z. B. Madrid nachts).
  • Stadt-/Schutzgebiete: Flughäfen in Stadtnähe oder an Nationalparks (z. B. Amsterdam, Zürich).

Praxisbeispiel

  • UK-Beispiel: Londoner Flughäfen steigerten die CDA-Quote durch Verfahrensüberarbeitung, Schulung und Monitoring von 66 % (2000) auf 90 % (2013) – mit messbarer Lärmminderung und Kraftstoffeinsparung.

Zusammenfassung

Kontinuierlicher Sinkflug (CDA) und kontinuierliche Sinkflugverfahren (CDO) stehen für moderne Anflugstandards in der Verkehrs- und allgemeinen Luftfahrt und bieten messbare Vorteile bei Effizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Durch die Ablösung von Step-down-, Level-Off-Anflügen durch sanfte, leerlaufschubbasierte Sinkflüge kann die Luftfahrtbranche ihren ökologischen Fußabdruck verringern, Kosten senken und das Erlebnis für Reisende und Anwohner verbessern.

Weitere Informationen zur Umsetzung von CDA/CDO oder wie Ihr Betrieb davon profitieren kann: Kontaktieren Sie uns oder Demo vereinbaren .

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen CDA, CDO und CDFA?

CDA (Continuous Descent Approach) und CDO (Continuous Descent Operations) bezeichnen beide sanfte, unterbrechungsfreie Sinkflüge. CDO ist der von der ICAO bevorzugte Begriff für jeden kontinuierlichen Sinkflug vom Reiseflug oder einer Zwischenhöhe, während CDA manchmal für die Terminalphase verwendet wird. CDFA (Continuous Descent Final Approach) bezieht sich speziell auf das Fliegen des Endanflugs mit einem stabilen Sinkwinkel und ersetzt die ältere Step-down-'Dive-and-Drive'-Technik.

Wie reduziert CDA/CDO den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen?

Durch Minimierung von Schub und Luftwiderstand während des Sinkflugs – typischerweise im Leerlauf oder nahe Leerlaufleistung – verringert CDA/CDO den Kraftstoffverbrauch und die Motorenemissionen. Level-Offs und damit verbundene Schuberhöhungen werden vermieden, was zu weniger CO2- und NOx-Emissionen sowie niedrigeren Treibstoffkosten für Betreiber führt.

Warum ist CDA/CDO für Anwohner leiser?

CDA/CDO hält Flugzeuge länger in höheren Höhen und vermeidet Tiefflug-Phasen, die für Gemeinden unter der Anflugroute am lautesten sind. Durch den sanften Sinkflug werden Lärmbelastung am Boden sowohl in Dauer als auch Intensität verringert.

Ist CDA/CDO an allen Flughäfen und für alle Flugzeuge anwendbar?

Obwohl CDA/CDO weitgehend anwendbar ist, hängt die Umsetzung von der Luftraumstruktur, Verkehrsdichte und technischen Möglichkeiten (wie VNAV/FMS) ab. Einige stark eingeschränkte oder frequentierte Flughäfen können betriebliche Einschränkungen haben, aber die meisten modernen Verkehrsflugzeuge und viele Flughäfen unterstützen CDA/CDO.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Einführung von CDA/CDO?

Herausforderungen sind die Gestaltung von Luftraum und Verfahren, die Arbeitsbelastung der Flugsicherung, das Sequenzieren in dichtem Verkehr sowie der Schulungsbedarf für Piloten und Lotsen. Koordination und genaue Informationen (wie Distance-to-go) sind für den Erfolg entscheidend.

Betriebliche Effizienz und Nachhaltigkeit verbessern

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