Cockpit Voice Recorder (CVR)

Aviation Safety Flight Recorders Black Box Accident Investigation

Cockpit Voice Recorder (CVR): Luftfahrt-Glossar

Definition und Rolle

Der Cockpit Voice Recorder (CVR), häufig als eine der „Black Boxes“ der Luftfahrt bezeichnet, ist ein crashgeschütztes Gerät, das in Verkehrsflugzeugen und vielen Privatflugzeugen installiert wird. Sein Hauptzweck ist die kontinuierliche und sichere Aufzeichnung von Cockpit-Audio, einschließlich:

  • Kommunikation der Besatzung (Pilot, Co-Pilot und weiteres Personal)
  • Funkübertragungen mit der Flugsicherung (ATC)
  • Intercom-Gespräche mit dem Kabinenpersonal
  • Umgebungsgeräusche im Cockpit (Alarme, Schalterklicken, Triebwerksgeräusche und Umweltwarnungen)

Durch die Speicherung dieser synchronisierten Audiodaten ist der CVR ein unverzichtbares Hilfsmittel für die Untersuchung von Unfällen und Zwischenfällen. Er ermöglicht es den Behörden, die Abläufe im Cockpit und das Betriebsumfeld während kritischer und routinemäßiger Flugphasen zu rekonstruieren.

Physisch ist der CVR so konstruiert, dass er katastrophale Aufpralle, Feuer und tiefe Wasserüberflutungen übersteht. Sein Design entspricht internationalen Standards wie ICAO Annex 6, EUROCAE ED-112A und FAA TSO-C123c, was Zuverlässigkeit und Datenintegrität unter extremen Bedingungen gewährleistet. Moderne CVRs verwenden Festkörperspeicher-Module für höhere Haltbarkeit und Leistung und ersetzen damit ältere Magnetbandsysteme.

Der CVR arbeitet im Zusammenspiel mit dem Flight Data Recorder (FDR), der technische Flugdaten (z.B. Geschwindigkeit, Höhe, Fluglage) aufzeichnet. Während der FDR dokumentiert, was passiert ist, liefert der CVR den Kontext durch die Reaktionen der Besatzung – so ist er entscheidend, um menschliche Faktoren und das Einhalten von Verfahren bei Sicherheitsuntersuchungen zu verstehen.

Technischer Betrieb

Ein typisches CVR-System integriert mehrere Mikrofone:

  • Headset-Mikrofone für jedes Mitglied der Flugbesatzung
  • Cockpitbereichs-Mikrofon, meist über Kopf montiert, um Umgebungsgeräusche aufzuzeichnen

Diese Mikrofone leiten Audiosignale an den CVR weiter, wo sie digitalisiert und auf crashgeschützten, nichtflüchtigen Speichermodulen abgelegt werden. Die meisten CVRs zeichnen vier synchronisierte Audiokanäle auf, die folgenden Quellen entsprechen:

KanalQuelle
1Headset des Kapitäns
2Headset des Ersten Offiziers
3Headset/Mikro des Beobachters/Jumpsitz
4Cockpitbereichs-Mikrofon

Die Audioaufzeichnung erfolgt fortlaufend in einer Schleife, wobei die ältesten Daten überschrieben werden, um den aktuellsten Zeitraum zu erhalten – üblicherweise zwei Stunden bei älteren und bis zu 25 Stunden bei neuen Modellen (wie ab 2021 von ICAO und EASA gefordert).

CVRs werden über den Hauptstromkreis des Flugzeugs mit Energie versorgt. Um eine Aufzeichnung in kritischen Momenten sicherzustellen, verfügen neuere Geräte über eine Recorder Independent Power Supply (RIPS), die mindestens 10 Minuten Audioaufzeichnung nach vollständigem Stromausfall ermöglicht.

Jeder CVR ist mit einem Underwater Locator Beacon (ULB) ausgestattet, der bei Wasserkontakt ein akustisches „Ping“ mit 37,5 kHz mindestens 30 Tage lang (bei neuen Modellen oft 90 Tage) aussendet und so Suchmannschaften bei der Lokalisierung des Geräts nach einem Unfall unterstützt.

Crashfestigkeit und Design-Standards

CVRs werden nach strengen Vorgaben für Stoß-, Feuer- und Flüssigkeitsresistenz gebaut:

SchutzparameterStandardanforderung
Stoßbelastung3400 G für 6,5 Millisekunden
Statischer Druck5000 lb (22.250 N) für 5 Minuten
Durchdringungsfestigkeit500 lb (2,25 kN) durch Stahlstange
Feuerbeständigkeit1100°C (2012°F) für 60 Minuten
Tiefsee-Immersion20.000 ft (6.000 m) für 30 Tage
FlüssigkeitsbeständigkeitResistent gegen Kerosin, Schmierstoffe, Wasser

Das zentrale Speichermodul ist durch mehrschichtige Edelstahl- oder Titanhüllen, Isolierung und stoßdämpfende Materialien geschützt. Der ULB ist am Gehäuse angebracht und aktiviert sich bei Wasserkontakt. Viele neue CVRs nutzen lithiumfreie Beacons für höhere Sicherheit und einfachere Handhabung.

Regulatorische Anforderungen: ICAO, FAA, EASA und mehr

ICAO (Internationale Zivilluftfahrtorganisation)

  • Pflichtinstallation: Turbinenbetriebene Flugzeuge mit sechs oder mehr Passagiersitzen und Zwei-Pilot-Betrieb
  • Aufzeichnungsdauer: 2 Stunden (alt); 25 Stunden (neue Flugzeuge ab 2021)
  • Stromversorgung: Mindestens 10 Minuten nach Stromverlust (RIPS)
  • Überlebensfähigkeit: Muss strenge Anforderungen an Crash-, Feuer- und Flüssigkeitsresistenz erfüllen

FAA (Vereinigte Staaten)

  • Geltungsbereich: Mehrmotorige, turbinenbetriebene Flugzeuge mit sechs+ Sitzen und zwei Piloten
  • Dauer: 2 Stunden (ab 2012); 25 Stunden (Verkehrsflugzeuge ab 2015)
  • RIPS: Erforderlich für Neugeräte ab 2012
  • Ort: Heckbereich für maximale Crashfestigkeit

EASA (Europäische Union)

  • Dauer: 2 Stunden (alt); 25 Stunden (neue typzugelassene Flugzeuge ab 2021)
  • RIPS: Ab 2021 für alle Neugeräte verpflichtend
  • Einhaltung: Muss EUROCAE ED-112A entsprechen

Andere Länder

Länder wie Kanada (Transport Canada), Australien (CASA) und Brasilien (ANAC) haben sich an die ICAO-Vorgaben angepasst, mit kleineren lokalen Abweichungen.

BehördeFlugzeugtypMin. DauerRIPSWirksam ab
ICAO6+ Sitze, 2 Piloten2h/25hJa2021
FAA6+ Sitze, 2 Piloten2h/25hJa2012/2015
EASAGroße Flugzeuge2h/25hJa2021
Transport Canada6+ Sitze, kommerziell2h/25hJa2023

Funktionelle Fähigkeiten und Datenkanäle

Moderne CVRs bieten:

  • Vier (oder mehr) Audiokanäle
  • Zeitlich synchronisierte digitale Aufzeichnung
  • Abtastraten von mindestens 8 kHz pro Kanal
  • Erweiterte Zustandsüberwachung und Diagnostik
  • Digitale Schnittstellen (z.B. ARINC 429), Selbsttest-Funktionen
  • Integrierten Underwater Locator Beacon (ULB)
  • Recorder Independent Power Supply (RIPS) für Aufzeichnung bei Stromausfall

Einige fortschrittliche Recorder unterstützen zusätzliche Crew-Positionen oder größere Cockpits.

Underwater Locator Beacon (ULB): Zweck und Technologie

Der ULB, der jedem CVR angehängt ist, aktiviert sich bei Wasserkontakt und sendet ein akustisches Signal mit 37,5 kHz für mindestens 30 Tage (bei lithiumfreien Modellen oft 90 Tage), um die Bergung unter Wasser zu erleichtern. Die Beacons sind für höchste Zuverlässigkeit ausgelegt und werden in der Regel am CVR-Ende mit Ausrichtung zum Heck montiert, um maximale Zugänglichkeit nach einem Crash zu gewährleisten.

Datengewinnung und Analyse

Suche und Bergung

Nach einem Unfall verwenden Suchteams Hydrophone, um das „Ping“ des ULB zu orten. Nach der Bergung wird der CVR unter strikter Beweiskettenführung in akkreditierte Labore (z.B. NTSB, BEA, AAIB) gebracht.

Datenextraktion

Spezielle Werkzeuge laden die Audiodaten vom Speichermodul herunter. Moderne CVRs unterstützen direkte USB- oder proprietäre Schnittstellen, während bei älteren Geräten u.U. der physische Ausbau der Speicherchips erforderlich ist.

Transkription und Untersuchung

Ein multidisziplinäres Team hört die Aufnahmen an und transkribiert sie, wobei der Fokus auf kritischen Zeiträumen liegt. CVR-Daten werden mit FDR- und ATC-Aufzeichnungen synchronisiert, um die Zeitleiste zu rekonstruieren. Original-Audio wird selten veröffentlicht; nur relevante Transkripte erscheinen, unter Einhaltung rechtlicher und datenschutzrechtlicher Vorgaben.

Datenschutz, Sicherheit und rechtliche Aspekte

CVR-Aufzeichnungen sind hochsensibel, da sie persönliche Gespräche und emotionale Reaktionen der Crew enthalten. Der Zugang ist streng reguliert:

  • Vereinigte Staaten: 49 U.S.C. § 1114 verbietet die öffentliche Freigabe von Audioaufnahmen, außer per Gerichtsbeschluss oder mit Zustimmung der Familien.
  • Europäische Union: EASA und nationale Vorschriften gewährleisten strikte Vertraulichkeit.
  • International: ICAO-Standards verlangen eingeschränkten Zugriff, nur notwendige Transkripte dürfen in öffentlichen Berichten verwendet werden.

Jeder Zugriff wird protokolliert, und Aufzeichnungen werden gemäß gesetzlichen Aufbewahrungsfristen sicher gespeichert und gelöscht. Nicht relevante oder private Inhalte werden in offiziellen Transkripten geschwärzt.

Anwendungen und Anwendungsfälle

  • Unfall-/Zwischenfalluntersuchung: Hauptanwendung; hilft, Handlungen der Crew, Kommunikation und Cockpit-Umgebung zu rekonstruieren.
  • Routinemäßige Sicherheitsüberprüfungen: Einige Fluggesellschaften nutzen mit Einwilligung der Crew CVR-Daten für nicht-punitives Auditing und Training.
  • Systemvalidierung: Wird im Zulassungsverfahren zur Überprüfung von akustischen Warnungen, Ansagen und Cockpitakustik eingesetzt.
  • Juristische/regulatorische Verfahren: CVR-Transkripte können wegen ihrer Zuverlässigkeit als Beweismittel in Rechts- oder Versicherungsangelegenheiten dienen.

Einbau, Wartung und Nachrüstung

  • Einbau: Im Heckbereich montiert, unter Verwendung von vibrationsdämpfenden Halterungen und abgeschirmter Verkabelung.
  • ULB: Am CVR-Gehäuse angebracht; RIPS in der Nähe oder integriert installiert.
  • Wartung: Regelmäßige Überprüfung der Aufnahmefunktion, Austausch der ULB-Batterie/Kondensator (alle 6–7 Jahre) und physische Inspektionen.
  • Nachrüstung: Programme zur Umrüstung auf 25-Stunden-Aufzeichnung und RIPS verfügbar. Moderne Geräte sind oft form- und funktionskompatibel, um Ausfallzeiten zu minimieren.

Führende Hersteller und bemerkenswerte Modelle

Universal Avionics:

  • KAPTURE CVR/FDR (25+ Stunden, RIPS, lithiumfreier ULB, schnelle Datenauslesung)

Honeywell Aerospace:

  • LW-CVR 2-Stunden (Festkörper, ARINC 429, ED-112 konform)
  • Solid-State CVR (mehrere Modelle, erweiterte Diagnostik)

L3Harris Technologies:

  • FA2100 CVR/FDR-Serie (modular, 2–25+ Stunden, Selbstdiagnose, ED-112A zertifiziert)
MerkmalZu beachten
Aufzeichnungsdauer2, 25 oder mehr Stunden
Anzahl Audiokanäle4 Standard, mehr für erweiterte Crew
Regulatorische VorgabenED-112(A), TSO-C123c, ARINC 429
ULB-Typ & DauerLithiumfrei bevorzugt, 90 Tage Betrieb
AbmessungenKompatibilität mit vorhandener Montage
StromversorgungRIPS, Batterie- oder Kondensator-Backup
Daten-DownloadUSB, Ethernet oder proprietär
WartungsbedarfBatterie-/Kondensator-Lebensdauer, Monitoring

Glossar: Verwandte Begriffe

  • Flight Data Recorder (FDR): Crashgeschütztes Gerät zur Aufzeichnung von Flugdaten wie Höhe, Geschwindigkeit und Fluglage.
  • Underwater Locator Beacon (ULB): Akustischer Sender, der an CVRs und FDRs angebracht ist und bei der Unterwasserbergung hilft.
  • Recorder Independent Power Supply (RIPS): Ersatzstromversorgung, ermöglicht CVR-Betrieb nach Ausfall der Hauptstromversorgung.
  • EUROCAE ED-112/ED-112A: Internationale Standards für Leistung und Überlebensfähigkeit von Flugschreibern.
  • ARINC 429: Standard für digitale Datenübertragung in der Avionik, wird für CVR-Integration verwendet.
  • FAA TSO-C123c: US-Standard, der die Leistungsanforderungen für CVRs festlegt.

Zusammenfassung

Der Cockpit Voice Recorder (CVR) ist ein Grundpfeiler der modernen Flugsicherheit – er dokumentiert die menschliche Seite der Flugführung und liefert entscheidende Beweise für Unfalluntersuchungen, Sicherheitsmanagement und regulatorische Einhaltung. Sein robustes Design, fortschrittliche Funktionen und ein strenges regulatorisches Umfeld machen ihn weltweit zum Standard für die Erhöhung der Flugsicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Was zeichnet ein Cockpit Voice Recorder (CVR) auf?

Ein CVR nimmt Audio von den Headsets der Cockpit-Besatzung, dem Cockpitbereichs-Mikrofon, allen Intercom- und Funkübertragungen sowie Umgebungsgeräusche wie Alarme, Schalterklicken und Systemsignale auf. Diese umfassende Audioaufzeichnung ermöglicht es Ermittlern, die Handlungen der Crew und das Cockpit-Umfeld vor und während von Zwischenfällen zu rekonstruieren.

Wie lange speichert ein CVR die aufgezeichneten Audiodaten?

Ältere CVRs speichern zwischen 30 Minuten und 2 Stunden Audio, während neuere Modelle – seit 2021 für die meisten Verkehrsflugzeuge vorgeschrieben – bis zu 25 Stunden fortlaufendes Cockpit-Audio aufzeichnen und dabei die ältesten Daten fortlaufend überschreiben.

Wer kann nach einem Unfall auf CVR-Aufzeichnungen zugreifen?

Der Zugriff ist streng auf autorisierte Unfalluntersuchungsteams beschränkt. In den meisten Ländern, einschließlich der USA und der EU, werden CVR-Audiodaten nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur relevante Transkripte können in offiziellen Berichten veröffentlicht werden, wobei persönliche oder nicht relevante Inhalte zum Schutz der Privatsphäre geschwärzt werden.

Was ist der Unterschied zwischen einem CVR und einem FDR?

Der CVR zeichnet Cockpit-Audio und Kommunikation auf und konzentriert sich auf menschliche Interaktionen und Umgebungsgeräusche. Der Flight Data Recorder (FDR), der oft zusammen mit dem CVR betrieben wird, speichert technische Flugdaten wie Höhe, Geschwindigkeit, Fluglage und Steuerbefehle.

Wie funktioniert der Underwater Locator Beacon (ULB)?

Der ULB ist am CVR angebracht. Wenn er ins Wasser eintaucht, aktiviert er sich und sendet ein akustisches Signal mit 37,5 kHz aus, das von Unterwasser-Suchgeräten erkannt werden kann und so die Bergung des Recorders nach einem Unfall erleichtert.

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