Verschobene Schwelle

Airport operations Runway Pilot

Verschobene Schwelle – Luftfahrtlexikon

Definition und Grundkonzept

Eine verschobene Schwelle ist eine Landebahnschwelle, die an eine andere Stelle als den physischen Beginn der befestigten Bahnfläche verlegt wurde. Im Gegensatz zur Standard-Schwelle, die markiert, ab wo Flugzeuge aus der Anflugrichtung landen dürfen, legt die verschobene Schwelle einen neuen, weiter vorne liegenden Aufsetzpunkt auf der Landebahn fest. Der Bereich vor dieser Schwelle darf aus dieser Richtung nicht zur Landung genutzt werden, steht aber für Starts, Ausrollen aus der Gegenrichtung und Rollvorgänge zur Verfügung.

Verschobene Schwellen werden gemäß ICAO Annex 14 und FAA-Richtlinien eingerichtet, um Anforderungen an Hindernisfreiheit, Fahrbahnbelastbarkeit, Umweltauflagen und Lärmschutz zu erfüllen. Sie werden durch markante weiße Pfeile, Pfeilspitzen und einen breiten Schwellenbalken gekennzeichnet, mit grünen Schwellenlichtern für Nacht- oder Sichtbehinderungsbetrieb. Die verschobene Schwelle ist auf Flughafenplänen, Anflugkarten und in den deklarierten Landebahndistanzen dargestellt.

Dieses betriebliche Konzept ermöglicht es Flughäfen, die verfügbare Landebahn für Start und Ausrollen maximal zu nutzen, ohne die Sicherheit bei Landungen zu beeinträchtigen. Verschobene Schwellen können dauerhaft sein – als Reaktion auf unveränderbare Faktoren wie Gelände oder Hindernisse – oder temporär, etwa während Bauarbeiten oder Reparaturen. Ihr Verständnis ist für Piloten, Fluglotsen, Flughafenbetreiber und alle am Flughafenbetrieb Beteiligten unerlässlich.

Displaced threshold markings diagram

Zweck und betrieblicher Kontext

Verschobene Schwellen sind konstruktive Elemente im Flughafendesign, die eingeführt werden, wenn das Landebahnende in Anflugrichtung für Landungen ungeeignet ist. Gründe für den Einsatz sind:

  • Hindernisfreiheit: Um sicherzustellen, dass ankommende Flugzeuge Hindernisse (Gebäude, Bäume, Straßen) im Endanflug überqueren, wird die Schwelle weiter in die Bahn hinein verlegt.
  • Fahrbahnschutz: Das erste Landebahnsegment ist möglicherweise nicht belastbar genug für wiederholte Landestöße, etwa wegen Bauart, Alter oder Reparaturbedarf.
  • Lärmschutz: Durch die Verlegung des Aufsetzpunktes weiter von bewohnten Gebieten entfernt, bleiben Flugzeuge höher über lärmempfindlichen Zonen, was die Lärmbelastung am Boden verringert.
  • Umweltschutz: Verschiebungen können dazu beitragen, Feuchtgebiete, Lebensräume oder historische Stätten neben der Landebahn zu schützen.
  • Temporäre Nutzung: Während Wartung oder Bauarbeiten kann eine temporäre verschobene Schwelle den sicheren Betrieb aufrechterhalten.

Verschobene Schwellen sind eine dynamische, regulativ gesteuerte Anpassung des Landebahnbetriebs zur Sicherstellung von Sicherheit, Einhaltung von Vorschriften und betrieblicher Effizienz.

Sichtbare Kennzeichnung und Markierung

Verschobene Schwellen weisen weltweit standardisierte Markierungen und Beleuchtung auf:

  • Landebahnmarkierungen: Die Fläche vor der Schwelle ist mit einer Reihe großer weißer Pfeile markiert, die zur neuen Schwelle zeigen. Unmittelbar vor dem Schwellenbalken verlaufen breite Pfeilspitzen über die gesamte Bahnbreite. Die Schwelle selbst ist durch eine dicke, durchgehende weiße Linie (Schwellenbalken) quer über die Bahn markiert, gefolgt von den Standard-Schwellenmarkierungen (parallele weiße Balken) für die Aufsetzzone.
  • Beleuchtung: Am neuen Schwellenpunkt sind grüne Schwellenlichter für Nacht- und Schlechtwetterbetrieb angebracht. Die ursprünglichen Schwellenlichter werden gegebenenfalls umgesetzt.
  • Beschilderung: Anzeigen zu verbleibenden Landebahndistanzen werden auf die neue Landestrecke angepasst.

Diese Markierungen sorgen dafür, dass die verschobene Schwelle eindeutig erkennbar ist und das Risiko von Lande-Fehlern minimiert wird.

Betriebliche Regeln und erlaubte Nutzungen

Jeder Landebahnabschnitt – vor und nach der verschobenen Schwelle – unterliegt bestimmten, strikt eingehaltenen Nutzungsregeln:

BetriebVor der verschobenen SchwelleHinter der verschobenen Schwelle
Landung in Richtung der VerschiebungNicht erlaubtErlaubt
Start in Richtung der VerschiebungErlaubtErlaubt
Ausrollen (Landung aus Gegenrichtung)ErlaubtErlaubt
RollenErlaubtErlaubt

Das Landen auf dem Bereich vor einer verschobenen Schwelle ist aus der Anflugrichtung streng verboten, außer im Notfall. Starts, Rollen und Ausrollen aus der Gegenrichtung sind gestattet.

Regulatorische und praktische Gründe

Verschobene Schwellen sind aus mehreren Hauptgründen vorgeschrieben oder empfohlen:

  • Hindernisfreiheit: ICAO- und FAA-Vorschriften verlangen ausreichende vertikale Hindernisfreiheit. Wird diese von einem Objekt durchdrungen, wird die Schwelle verschoben.
  • Fahrbahnbelastbarkeit: Das vordere Bahnsegment ist möglicherweise nicht für Landestöße ausgelegt, aber für Start- und Rollbelastungen geeignet.
  • Lärmschutz: Vorgaben von Gemeinden oder Behörden können eine verschobene Schwelle zur Lärmreduzierung über Wohngebieten verlangen.
  • Landebahnwartung: Temporäre Verschiebungen ermöglichen den sicheren Weiterbetrieb während Reparaturen oder Bauarbeiten.
  • Umweltschutz: Verschiebungen können zum Schutz von Feuchtgebieten oder sensiblen Lebensräumen erforderlich sein.

Position und Dauer der verschobenen Schwelle werden durch Flughafeningenieure, Behörden und Betreiber festgelegt.

Typen: Dauerhaft vs. temporär

  • Dauerhafte verschobene Schwellen: Beheben langfristige Probleme wie wiederkehrende Hindernisse, bauliche Beschränkungen oder Umweltauflagen. Sie sind in den dauerhaften Flughafenunterlagen und Karten verzeichnet.
  • Temporäre verschobene Schwellen: Werden bei kurzfristigen Problemen wie Reparaturen, Bauarbeiten oder temporären Hindernissen genutzt. Sie werden per NOTAM bekanntgegeben und nach Behebung der Ursache entfernt.

Temporäre Verschiebungen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit und aktuelle Informationen für Piloten.

Deklarierte Distanzen und Einfluss auf Anflugverfahren

Verschobene Schwellen verändern unmittelbar die deklarierten Landebahndistanzen:

  • Verfügbare Startstrecke (TORA): Umfasst meist die gesamte Landebahn, da der verschobene Bereich für den Startlauf genutzt werden kann.
  • Verfügbare Landestrecke (LDA): Beginnt an der verschobenen Schwelle und schließt den Bereich davor aus.
  • Verfügbare Beschleunigungs-/Strecke zum Stopp (ASDA): Entspricht in der Regel der TORA, sofern keine Einschränkungen bestehen.

Alle Anflugverfahren nehmen auf die verschobene Schwelle als Aufsetzpunkt Bezug, und Flugkarten spiegeln die geänderte LDA wider.

Praktische Beispiele

  • Hindernisfreiheit: Eine Schwelle ist um 700 Fuß verschoben, um hohe Bäume nahe der Anfluglinie zu überfliegen.
  • Fahrbahnschutz: 500 Fuß rissiger Fahrbahnbelag am Bahnanfang sind von Landungen ausgenommen, werden aber für Start und Rollen genutzt.
  • Temporäre Bauarbeiten: 1.200 Fuß werden für Sanierungsarbeiten gesperrt; eine temporäre Schwelle wird eingerichtet und per NOTAM veröffentlicht.
  • Instrumentenanflug: Karten zeigen die verschobene Schwelle sowie angepasste Landestrecken für die Flugplanung der Piloten.

Häufige Fragen von Piloten

  • Warum dürfen Flugzeuge nicht vor einer verschobenen Schwelle landen?
    Die Fahrbahn ist möglicherweise nicht für Landestöße ausgelegt oder es ist keine Hindernisfreiheit gegeben. Nur Start, Rollen oder Ausrollen aus Gegenrichtung sind zulässig.

  • Was passiert, wenn ein Pilot vor der verschobenen Schwelle landet?
    Dies stellt (außer im Notfall) einen Regelverstoß dar und kann eine Untersuchung nach sich ziehen.

  • Wie erfahren Piloten von einer verschobenen Schwelle?
    Über Flughafenpläne, Anflugkarten und bei temporären Schwellen über NOTAMs.

  • Zählt der verschobene Bereich zur Landestrecke?
    Nein, nur die Bahn hinter dem Schwellenbalken wird als LDA gezählt.

Verwandte Begriffe

  • Landebahnschwelle: Beginn des für Landungen nutzbaren Landebahnabschnitts.
  • Aufsetzzone (TDZ): Die ersten 3.000 Fuß (oder das erste Drittel) hinter der Schwelle.
  • Blast Pad/Stopway: Besonders gekennzeichnete Bereiche, die nicht für Landungen geeignet sind, meist hinter dem Bahnende.
  • Deklarierte Distanzen: Offiziell veröffentlichte Landebahnlängen für Start, Landung und Sicherheitsplanung.
  • Instrumentenanflug: Ein Verfahren, das Flugzeuge auf eine Landebahn führt, wobei die verschobene Schwelle als Aufsetzpunkt dient.

Eine verschobene Schwelle ist ein wesentliches Sicherheits-, Regelungs- und Betriebselement im modernen Flughafenmanagement und sorgt weltweit für sichere, flexible und gemeinwohlorientierte Landebahnnutzung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Zweck einer verschobenen Schwelle?

Eine verschobene Schwelle wird eingerichtet, wenn ein Teil der Landebahn nicht sicher für Landungen genutzt werden kann – oft wegen Hindernissen, Einschränkungen der Fahrbahn, Lärmschutzmaßnahmen oder temporären Bauarbeiten. Sie stellt sicher, dass Flugzeuge hinter dem Hindernis oder der schwachen Fahrbahn landen, während die gesamte Landebahn für Start und Ausrollen verfügbar bleibt.

Dürfen Flugzeuge auf dem Bereich vor einer verschobenen Schwelle landen?

Nein. Flugzeuge dürfen aus der Anflugrichtung nicht auf dem Bereich vor einer verschobenen Schwelle landen. Dieser Abschnitt ist nur für Startläufe, Rollvorgänge oder Ausrollen nach Landungen aus der Gegenrichtung zugelassen.

Woran erkennen Piloten eine verschobene Schwelle?

Verschobene Schwellen sind durch eine Reihe großer weißer Pfeile gekennzeichnet, die zu einem breiten weißen Balken quer über die Landebahn führen. Grüne Schwellenlichter und aktualisierte Beschilderung markieren zusätzlich den neuen Landebeginn. Diese Markierungen sind international standardisiert.

Sind verschobene Schwellen dauerhaft oder temporär?

Beides ist möglich. Dauerhafte verschobene Schwellen adressieren langfristige Probleme wie Hindernisse oder Fahrbahnbeschränkungen, temporäre ermöglichen den fortgesetzten Betrieb während Bauarbeiten oder Wartung.

Wie wirkt sich eine verschobene Schwelle auf die deklarierten Landebahndistanzen aus?

Eine verschobene Schwelle verkürzt die verfügbare Landestrecke (LDA) aus der Anflugrichtung. Die verfügbare Startstrecke (TORA) bleibt in der Regel die volle Landebahnlänge, da der verschobene Bereich für den Startlauf genutzt werden kann.

Wo finde ich Informationen zu verschobenen Schwellen an einem bestimmten Flughafen?

Verschobene Schwellen sind in allen offiziellen Flughafenplänen, Anflugkarten und in NOTAMs bei temporären Situationen verzeichnet. Piloten sollten diese Quellen vor dem Flug konsultieren.

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