Fluginformationsdienst (FIS)

Air Traffic Services Aviation Safety Flight Operations Digital FIS

Fluginformationsdienst (FIS) – Luftfahrt-Glossar

Überblick

Fluginformationsdienst (FIS) ist ein Grundpfeiler für sichere und effiziente Flugoperationen weltweit. Im Gegensatz zur Flugverkehrskontrolle (ATC), die Staffelungen und Freigaben in kontrolliertem Luftraum übernimmt, konzentriert sich FIS ausschließlich darauf, Piloten wichtige, aktuelle Informationen zur Unterstützung des Situationsbewusstseins und der Entscheidungsfindung bereitzustellen. Diese Informationen umfassen flugtechnische, meteorologische und betriebliche Aspekte und werden sowohl an Luftfahrzeuge im Flug als auch am Boden übermittelt.

FIS ist besonders in unkontrolliertem Luftraum – wie der Klasse G oder E – von entscheidender Bedeutung, wo ATC-Abdeckung eingeschränkt oder nicht vorhanden ist. In solchen Umgebungen verlassen sich Piloten stark auf FIS für Updates zu Wetter, Luftraumbeschränkungen, NOTAMs und Flugplatzstatus. FIS wird von bodengestützten Informationszentren, speziellen FIS-Einheiten oder Streckenkontrolleuren bereitgestellt und nutzt verschiedene Kommunikationswege: VHF, HF und zunehmend digitale Datenlinks.

Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) definiert FIS im Doc 4444 als „einen Dienst, der zum Zweck der Beratung und Bereitstellung von Informationen für die sichere und effiziente Durchführung von Flügen erbracht wird.“ Er bildet eine von drei Säulen der Flugverkehrsdienste (ATS), neben Flugverkehrskontrolle und Alarmierungsdienst (Anhang 11).

Arten des Fluginformationsdienstes

Basis-Fluginformationsdienst (Basic FIS)

Basic FIS bildet die Grundlage der Informationsbereitstellung in nicht-radargestützten Umgebungen. Hier stellen ausgebildete Mitarbeiter den Piloten wesentliche Informationen – wie Wetter (METARs, TAFs), NOTAMs, Status von Navigationshilfen und allgemeine Verkehrshinweise – unter Verwendung von Echtzeit- und veröffentlichten Quellen zur Verfügung.

  • Besonders wichtig für Sichtflugregeln (VFR)-Piloten in unkontrolliertem Luftraum.
  • Bereitstellung über VHF/HF-Funk oder automatisierte Durchsagen (wie ATIS).
  • Liefert nur allgemeine, keine spezifischen Verkehrshinweise aufgrund fehlender Überwachungsfähigkeit.
  • Weit verbreitet in Ländern mit großen unkontrollierten Lufträumen (z. B. Kanada, Australien, USA).

ICAO Doc 4444 legt fest, dass Basic FIS allen Luftfahrzeugen zur Verfügung gestellt werden soll, die wahrscheinlich von den Informationen betroffen sind, insbesondere solchen, die sie nicht auf anderem Wege erhalten.

Radar-Fluginformationsdienst

Radar FIS baut auf dem Basic FIS auf und nutzt Radar- oder ADS-B-Überwachung, um präzisere und aktuellere Daten, insbesondere zu anderem Verkehr, zu liefern.

  • Lotsen können spezifische Verkehrshinweise geben (Position, Höhe, Kurs).
  • Erhöht die Sicherheit in stark frequentierten Klassen E und G, wo keine vollständige ATC-Staffelung erfolgt.
  • Verkehrsinformationen sind rein beratend – Piloten bleiben für die Staffelung verantwortlich.
  • Eingesetzt in Systemen wie dem Lower Airspace Radar Service (LARS) im Vereinigten Königreich.

Der Einsatz von Radar oder ADS-B ermöglicht es FIS-Diensten, Informationen gezielt und in Echtzeit auf die Position der Luftfahrzeuge abzustimmen, was die Relevanz und Aktualität verbessert.

Digitale Fluginformationsdienste

Digitaler FIS steht für die Weiterentwicklung der traditionellen, sprachbasierten Dienste und verwendet automatisierte, datenbasierte Netzwerke, um Informationen direkt an Cockpitanzeigen zu liefern.

  • Zentrale Technologien: ADS-B, FIS-B, CPDLC.
  • Informationen umfassen grafische Wetterdaten, textuelle Wetterberichte (METAR, TAF), NOTAMs, Status von Sonderlufträumen (SUA) und Flugplatzbetriebsdaten.
  • Reduziert Funküberlastung und minimiert menschliche Fehler.
  • Informationen werden häufig aktualisiert und können grafisch (leichter interpretierbar) dargestellt werden.

Digitaler FIS wird im ICAO Annex 10 und Doc 4444 als zentrales Element im modernen, stark frequentierten Luftraum anerkannt. In den USA ist FIS-B Teil der NextGen-Initiative der FAA, während Europas Data Link Services (DLS) ähnliche Fähigkeiten bieten.

Zentrale digitale FIS-Technologien

Automatic Dependent Surveillance–Broadcast (ADS-B)

ADS-B ist eine Überwachungstechnologie, die es Luftfahrzeugen ermöglicht, Positions-, Geschwindigkeits- und Identifikationsdaten automatisch auf Basis der bordeigenen Navigationssysteme (GPS) zu senden.

  • „Automatic“ = kein Eingreifen von Pilot oder Lotse nötig.
  • „Dependent“ = basiert auf der Genauigkeit des Navigationssystems.
  • „Broadcast“ = Daten für alle kompatiblen Empfänger verfügbar.
  • Zwei Hauptfrequenzen:
    • 1090ES (1090 MHz Extended Squitter) – Standard für kommerzielle, hochfliegende und internationale Flüge.
    • 978 MHz UAT (Universal Access Transceiver) – Vor allem von US-General Aviation unterhalb 18.000 Fuß genutzt.

ADS-B Out sendet Luftfahrtdaten; ADS-B In empfängt Übertragungen anderer und unterstützt Dienste wie FIS-B und TIS-B.

ADS-B hat das Luftraummanagement revolutioniert, unterstützt Konzepte wie reduzierte Staffelungen und verbesserte Such- und Rettungsaktionen. ICAO Annex 10, Band IV, legt die globalen ADS-B-Standards fest.

Flight Information Service–Broadcast (FIS-B)

FIS-B ist ein digitales Rundfunksystem, das eine Vielzahl von flugtechnischen und Wetterdaten an Luftfahrzeuge liefert, hauptsächlich in den USA über 978 MHz UAT.

  • Liefert METARs, TAFs, NEXRAD-Wetterbilder, NOTAMs, PIREPs, AIRMETs, SIGMETs, Winde in der Höhe, SUA-Status und mehr.
  • Sendet kontinuierlich – jedes ausgestattete Luftfahrzeug kann Daten empfangen.
  • Informationen werden grafisch und textuell im Cockpit dargestellt.
  • Beratend; ersetzt keine offiziellen Wetterbriefings.

FIS-B ist ein zentrales Element von FAA NextGen und innerhalb der Abdeckung kostenlos für Nutzer verfügbar.

Traffic Information Service–Broadcast (TIS-B)

TIS-B sendet in Echtzeit Positionen nahegelegener Luftfahrzeuge ohne ADS-B Out aus und erhöht so das Verkehrsaufkommen für Piloten mit ADS-B In.

  • „Client-basiert“ (Übertragung nur für Luftfahrzeuge mit ADS-B Out und Empfang mit ADS-B In).
  • Abgedeckter Bereich ist ein 30nm großer „Eishockey-Puck“ um das jeweilige Luftfahrzeug.
  • Ergänzt gemischte Ausrüstungsumgebungen während der ADS-B-Übergangsphase.
  • Hebt die „See and Avoid“-Verantwortung der Piloten nicht auf.

TIS-B ist besonders wertvoll in stark frequentierten Terminalbereichen und für die Allgemeine Luftfahrt.

Automatic Dependent Surveillance–Rebroadcast (ADS-R)

ADS-R überbrückt die Lücke zwischen den beiden Haupt-ADS-B-Frequenzen (1090ES und 978 MHz UAT), sodass Luftfahrzeuge auf unterschiedlichen Links sich gegenseitig „sehen“ können.

  • Sendet empfangene ADS-B-Daten von einem Link auf den anderen.
  • Stellt ein umfassendes Verkehrsbild für alle ausgerüsteten Luftfahrzeuge sicher.
  • Vollautomatisch, kein Eingreifen des Piloten erforderlich.
  • Die Abdeckung ist „client-basiert“, zentriert auf das jeweilige Luftfahrzeug.

ADS-R unterstützt eine nahtlose Integration in gemischten Flotten und mit verschiedenen Technologien.

Zentrale Informationstypen im FIS

METAR und TAF

  • METAR: Stündlich standardisierte Berichte über das aktuelle Wetter an Flughäfen (Wind, Sichtweite, Niederschlag, Wolken, Temperatur, Druck).
  • TAF: Prognosen erwarteter Bedingungen im Umkreis von 5 NM um Flughäfen, in der Regel für 24–30 Stunden gültig.

Beide sind entscheidend für Flugplanung, Entscheidungsfindung und Einhaltung von Vorschriften. Bereitgestellt durch FIS, ATIS und digitale Plattformen.

NOTAM (Notice to Air Missions)

NOTAMs informieren Piloten über vorübergehende oder dauerhafte Änderungen, die die Flugsicherheit beeinflussen können, wie:

  • Startbahn-Sperrungen
  • Luftraumbeschränkungen
  • Ausfälle von Navigationshilfen
  • Gefahren (Hindernisse, militärische Aktivitäten)

Piloten müssen aktuelle NOTAMs vor und während des Flugs prüfen. ICAO Annex 15 und Doc 8126 liefern die Standards für NOTAMs.

AIRMET und SIGMET

  • AIRMET: Hinweise auf weniger schwerwiegende Wetterlagen (z. B. mäßige Turbulenz, Vereisung, IFR-Bedingungen).
  • SIGMET: Hinweise auf signifikante Wettergefahren (z. B. starke Turbulenz, Vulkanasche, Gewitter).

Beide werden über FIS verbreitet und sind wesentlich für die Flugsicherheit.

Ermöglichende Technologien

Universal Access Transceiver (UAT)

  • Betrieb auf 978 MHz.
  • Ausgelegt für die US-General Aviation; unterstützt ADS-B Out und In.
  • Ermöglicht Empfang von FIS-B, TIS-B und ADS-R.
  • Nicht für internationale Einsätze anerkannt (hier wird 1090ES verwendet).

UAT bietet erschwinglichen Zugang zu digitalen Informationen für niedrig fliegende Luftfahrzeuge.

1090ES (1090 MHz Extended Squitter)

  • Standard für kommerzielle, hochfliegende und internationale Lufträume.
  • Verwendet Mode-S-Transponder mit erweiterten Nachrichtenformaten.
  • Empfängt TIS-B und ADS-R, aber kein FIS-B.

1090ES bildet das Rückgrat der globalen Luftraum-Überwachungsinfrastruktur.

Die Rolle des FIS in der modernen Luftfahrt

FIS ist für alle Flugphasen – von der Flugvorbereitung bis zum Anflug und zur Landung – unverzichtbar. Die Entwicklung von sprachbasierter zu digitaler Bereitstellung hat:

  • Die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Informationsverbreitung verbessert
  • Funkbelastung und das Risiko von Missverständnissen reduziert
  • Piloten reichhaltigere, besser verwertbare Daten bereitgestellt (grafisches Wetter, Echtzeit-Verkehr)
  • Die Einhaltung von Vorschriften und die operative Effizienz unterstützt

Die Integration von FIS mit Automatisierung, Datenlink und fortschrittlicher Überwachung bildet das Rückgrat des nächsten Generation Flugverkehrssystems.

Digital FIS display in cockpit

Übersichtstabelle: FIS-Komponenten und Technologien

KomponenteFunktionBereitstellungSchlüsseltechnologienTypische Nutzer
Basic FISAllgemeine Info, kein RadarSprache (VHF/HF)ATIS, FICVFR/GA-Piloten, abgelegene Gebiete
Radar FISErweiterte VerkehrshinweiseSprache (VHF/HF)Radar, ADS-BStrecken-/Terminalpiloten
Digitaler FISGrafische & TextdatenDatenlinkADS-B, FIS-B, CPDLCAlle (v. a. ausgerüstete Luftfahrzeuge)
FIS-BWetter, NOTAMs, SUA etc.Digitaler RundfunkUAT (978 MHz)US-GA-Piloten
TIS-BInfo zu nicht-ADS-B-VerkehrDigitaler RundfunkUAT/1090ESAlle mit ADS-B In
ADS-RCross-Link-WeiterleitungDigitaler RundfunkUAT/1090ESGemischte Flotten
METAR/TAFWetterberichte/-prognosenSprache, digitalICAO/NOAAAlle Piloten
NOTAMVorübergehende/dauerhafte ÄnderungenSprache, digitalICAOAlle Piloten

Häufig verwendete Begriffe

  • FIS-B: Flight Information Service–Broadcast
  • TIS-B: Traffic Information Service–Broadcast
  • ADS-B: Automatic Dependent Surveillance–Broadcast
  • ADS-R: Automatic Dependent Surveillance–Rebroadcast
  • UAT: Universal Access Transceiver (978 MHz)
  • 1090ES: 1090 MHz Extended Squitter
  • METAR: Meteorological Aerodrome Report
  • TAF: Terminal Aerodrome Forecast
  • NOTAM: Notice to Air Missions
  • AIRMET/SIGMET: Wetterhinweise

Fazit

Der Fluginformationsdienst (FIS) ist ein Grundpfeiler der Flugsicherheit und betrieblichen Effizienz. Von seinen Anfängen als reiner Sprachdienst im unkontrollierten Luftraum hat sich FIS zu einer hochentwickelten digitalen Dienstleistung entwickelt, die Piloten in Echtzeit verwertbare Daten direkt ins Cockpit liefert. Mit Fortschritten bei ADS-B, FIS-B und Datenlink-Kommunikation können Piloten heute grafisches Wetter, aktuelle NOTAMs und umfassende Verkehrsinformationen abrufen – und so in allen Flugphasen bessere Entscheidungen treffen.

Mit der fortschreitenden Modernisierung der Luftfahrt wird FIS eine noch größere Rolle bei der Unterstützung sicherer, effizienter und informierter Operationen spielen – insbesondere, da der Luftraum immer stärker frequentiert und komplexer wird.

FIS supports safer, more efficient flight operations

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Zweck des Fluginformationsdienstes (FIS)?

FIS ist darauf ausgelegt, Piloten mit wichtigen, aktuellen Informationen wie Wetterberichten, NOTAMs, Luftraumaktivitäten und Flugplatzbedingungen zu versorgen. Das Hauptziel ist, das Situationsbewusstsein und die Sicherheit zu erhöhen, insbesondere in Bereichen, in denen keine vollständigen Flugverkehrskontrolldienste verfügbar sind.

Worin unterscheidet sich FIS von der Flugverkehrskontrolle (ATC)?

Im Gegensatz zur ATC, die für Staffelungen zwischen Luftfahrzeugen und die Erteilung von Freigaben verantwortlich ist, stellt FIS lediglich Informationen und Hinweise bereit. FIS übt keine aktive Kontrolle aus und ist nicht für Staffelungen zwischen Luftfahrzeugen zuständig.

Wie greifen Piloten auf FIS zu?

Piloten können auf FIS über VHF- oder HF-Funk, digitale Datenlinks oder automatisierte Durchsagen wie ATIS zugreifen. In vielen Regionen ist digitaler FIS über Dienste wie FIS-B verfügbar, wodurch aktuelle Informationen direkt auf Cockpitanzeigen bereitgestellt werden.

Was sind die wichtigsten digitalen FIS-Technologien?

Zu den zentralen digitalen FIS-Technologien zählen ADS-B (Automatic Dependent Surveillance–Broadcast), FIS-B (Flight Information Service–Broadcast) und CPDLC (Controller–Pilot Data Link Communications). Diese Systeme stellen grafische und textbasierte Daten, wie Wetter und NOTAMs, direkt für Piloten bereit.

Welche Informationen sind im FIS enthalten?

FIS stellt eine breite Palette an Informationen bereit, darunter Wetterberichte (METAR, TAF), NOTAMs, Luftraumstatus, Navigationshilfen, Sondergebietsaktivitäten und Warnungen vor Gefahren wie vulkanischer Aktivität oder Such- und Rettungsmissionen.

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