Geringe Sichtweite

Weather Safety Flight Operations Airport Procedures

Geringe Sichtweite in der Luftfahrt

Geringe Sichtweite in der Luftfahrt bezeichnet meteorologische Bedingungen, bei denen die Fähigkeit eines Piloten oder Beobachters, markante Objekte zu sehen und zu identifizieren, unter die behördlichen oder betrieblichen Schwellenwerte sinkt. Solche Bedingungen entstehen durch Nebel, Dunst, Rauch, Niederschlag, aufgewirbelten Staub oder Sand oder vulkanische Asche. Geringe Sichtweite stellt während Anflug, Landung, Rollen und Start ein zentrales Risiko dar, da sie die Fähigkeit des Piloten beeinträchtigt, Start- und Landebahnen, Rollwege, Hindernisse und andere Flugzeuge visuell zu erkennen. Dieser Glossareintrag bietet einen tiefgehenden Einblick in die Konzepte, Ursachen, Messmethoden, Auswirkungen und das Management geringer Sichtweite in der Luftfahrt.

Was bedeutet Sichtweite in der Luftfahrt?

Sichtweite ist das Maß für die Entfernung, aus der ein Objekt oder Licht eindeutig erkannt werden kann. In der Luftfahrt gelten mehrere standardisierte Definitionen:

  • Meteorologische Sichtweite: Die größte Entfernung, aus der ein schwarzes Objekt geeigneter Größe, in Bodennähe platziert, vor hellem Hintergrund (tagsüber) gesehen und erkannt oder aus der ein Licht mittlerer Intensität (nachts) erkannt werden kann, wie in ICAO Anhang 3 festgelegt.
  • Vorherrschende Sichtweite: Die größte Sichtweite, die auf mindestens der Hälfte des Horizonts (nicht unbedingt zusammenhängend) erreicht oder überschritten wird.
  • Runway Visual Range (RVR): Die maximale Entfernung, aus der ein Pilot die Mittellinie der Start- und Landebahn sehen kann, instrumentell gemessen.

In den USA wird die Sichtweite in Statute Miles (SM) und in den meisten ICAO-Mitgliedsstaaten in Metern (m) gemessen. Eine genaue Sichtweitenmeldung ist wesentlich für einen sicheren Flugbetrieb und beeinflusst, ob Piloten nach Sicht- oder Instrumentenflugregeln operieren.

Wolkenuntergrenze (Ceiling)

Wolkenuntergrenze (Ceiling) ist definiert als die Höhe über Grund (AGL) der niedrigsten als gebrochen (BKN), bedeckt (OVC) oder als Sichtbehinderung (z. B. Nebel oder Rauch) gemeldeten Wolkenschicht. Die Untergrenze ist entscheidend für die Bestimmung der Flugregeln:

  • VFR: Untergrenze >3.000 ft AGL
  • MVFR: 1.000–3.000 ft AGL
  • IFR: 500–900 ft AGL
  • LIFR: <500 ft AGL

Wolkenuntergrenzen werden in METARs gemeldet und sind für die Einhaltung von ATC- und betrieblichen Mindestwerten unerlässlich.

Flugkategorien

Flugbetrieb wird anhand der Untergrenze und Sichtweite in vier Kategorien eingeteilt:

  • VFR (Sichtflugregeln): Untergrenze >3.000 ft AGL und Sichtweite >5 SM.
  • MVFR (eingeschränkte Sichtflugregeln): Untergrenze 1.000–3.000 ft AGL oder Sichtweite 3–5 SM.
  • IFR (Instrumentenflugregeln): Untergrenze 500–900 ft AGL oder Sichtweite 1–3 SM.
  • LIFR (stark eingeschränkte IFR): Untergrenze <500 ft AGL oder Sichtweite <1 SM.

Diese Kategorien bestimmen Verfahren, Befugnisse der Piloten und Anforderungen der Flugsicherung.

Ursachen geringer Sichtweite

Nebel

Nebel besteht aus feinen Wassertröpfchen in der Luft und reduziert die Sichtweite auf weniger als 1.000 Meter (5/8 SM). Es gibt verschiedene Arten:

  • Strahlungsnebel: Bildet sich nachts bei klarem Himmel und ruhigem Wind.
  • Advektionsnebel: Entsteht, wenn feuchte Luft über eine kühlere Oberfläche strömt.
  • Aufgleitnebel: Entsteht beim Aufsteigen feuchter Luft an Hängen.
  • Verdunstungsnebel: Kalte Luft über warmem Wasser.
  • Eisnebel: Bei Frost mit in der Luft schwebenden Eiskristallen.

Nebel wird in METARs als “FG” gemeldet und ist eine häufige Ursache für Verspätungen an Flughäfen.

Dunst

Dunst („BR“ in METARs) besteht aus mikroskopischen Wassertröpfchen, die die Sichtweite auf 1.000 bis 5.000 Meter (5/8–3 SM) reduzieren. Er entsteht oft bei feuchter, ruhiger Witterung, besonders morgens oder abends.

Dunstschleier

Dunst („HZ“ in METARs) wird durch feine, trockene Partikel wie Staub, Rauch oder Schadstoffe verursacht. Er verringert die Sichtweite und zeigt häufig einen bläulichen oder gelblichen Schimmer, besonders in städtischen oder industriellen Gebieten.

Rauch

Rauch („FU“ in METARs) durch Waldbrände, Verbrennungen oder Industrie kann die Sichtweite auf unter 1 SM senken – manchmal über große Flächen – und stellt erhebliche Betriebsrisiken dar.

Niederschlag

  • Regen: Streut und absorbiert Licht; starker Regen reduziert die Sicht, besonders nachts, erheblich.
  • Schnee: Kann Whiteout-Bedingungen (<1/4 SM Sichtweite) erzeugen und Start- und Landebahnen sowie Rollwege verdecken.
  • Nieselregen & gefrierender Nieselregen: Kleine Tropfen sorgen für anhaltend schlechte Sicht und können gefährliche Vereisung der Oberflächen verursachen.

Aufgewirbelter Staub und Sand

Starke Winde in trockenen Regionen wirbeln Partikel auf, in METARs als „DU“ (Staub) oder „SA“ (Sand) codiert, und können die Sicht bis nahe Null verringern.

Vulkanasche

Vulkanasche („VA“ in METARs) von Ausbrüchen kann Tausende Kilometer weit getragen werden und die Sicht erheblich verringern sowie Triebwerke und Systeme beschädigen.

Mess- und Meldesysteme

Menschliche Beobachter

Geschulte Beobachter schätzen Sichtweite und Wolkenuntergrenze visuell ab. Dies ist besonders nützlich für die Erkennung von lokalen Phänomenen wie fleckenhaften Nebelfeldern, Dunstschichten oder lokalisiertem Rauch, die automatischen Sensoren entgehen könnten.

Automatisierte Systeme

  • Runway Visual Range (RVR): Nutzt Transmissometer oder Streulichtmesser, um die Entfernung zu messen, aus der ein Pilot Markierungen oder Lichter der Startbahn sehen kann. In Fuß oder Metern für Aufsetzpunkt, Mitte und Ausrollbereich gemeldet.
  • ASOS/AWOS: Automatische Stationen, die kontinuierlich Sichtweite, Untergrenze und Wetterdaten liefern.
  • ATIS: Automatischer Terminal-Informationsdienst, der aktuelle Sichtwerte und Betriebsstatus an Piloten überträgt.

Betriebliche Auswirkungen

Flugbetrieb

Geringe Sichtweite kann:

  • Den Einsatz von Instrumentenanflügen und automatischen Landesystemen erforderlich machen.
  • Low Visibility Operations (LVO) oder Low Visibility Procedures (LVP) an Flughäfen auslösen, einschließlich Surface Movement Guidance and Control Systems (SMGCS).
  • Die Kapazität von Flug und Flughafen begrenzen, Verspätungen oder Schließungen verursachen.
  • Erhöhte Mindestabstände und spezielle Bodenbewegungsprotokolle erfordern.

Gesetzliche Mindestwerte

ICAO und FAA setzen bestimmte Mindestwerte für Sichtweite und Wolkenuntergrenze für Anflug, Landung und Start fest. Betrieb unterhalb dieser Werte ist verboten oder erfordert spezielle Qualifikationen der Besatzung und Ausrüstung.

Gesundheit und Sicherheit

Neben Flugrisiken können Ereignisse wie Rauch, Dunst oder Staub auch Atemwegsrisiken für Flughafenpersonal und Passagiere darstellen und manchmal Schutzmaßnahmen erforderlich machen.

Minderung und Management

Das Management geringer Sichtweite umfasst:

  • Fortgeschrittene Wetterprognosen und Echtzeitbeobachtungen (menschlich und automatisiert).
  • Einsatz von RVR- und Beleuchtungssystemen.
  • Koordination zwischen Piloten, Fluglotsen, Meteorologen und Bodenpersonal.
  • Umsetzung von Notfallplänen für schnelle Zustandsänderungen.

Quellen

  • ICAO Annex 3: Meteorological Service for International Air Navigation
  • ICAO Doc 9365: Manual of All Weather Operations
  • FAA Order 6750.24D: Instrument Landing System (ILS) and Runway Visual Range (RVR)
  • FAA AIM (Aeronautical Information Manual)
  • WMO Guide to Meteorological Instruments and Methods of Observation

Wichtigste Erkenntnisse

  • Geringe Sichtweite ist eine zentrale Sicherheits- und Betriebsherausforderung in der Luftfahrt, betrifft alle Flugphasen und erfordert sorgfältiges Management.
  • Messung erfolgt sowohl automatisiert als auch durch menschliche Beobachtung, wobei RVR der Goldstandard für den Bahnbetrieb ist.
  • Ursachen sind Nebel, Dunst, Rauch, Niederschlag, Staub, Sand und vulkanische Asche, jeweils mit spezifischen betrieblichen Auswirkungen.
  • Verfahren und Technologie – SMGCS, LVO, Beleuchtung und Instrumentenanflüge – sind essenziell, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.
  • Abgestimmtes Vorgehen zwischen Piloten, Fluglotsen, Meteorologen und Bodenpersonal ist entscheidend für ein effektives Management.

Geringe Sichtweite ist ein komplexes, aber beherrschbares Risiko in der Luftfahrt, für das globale Standards und robuste technologische Lösungen einen sicheren und kontinuierlichen Betrieb gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet 'geringe Sichtweite' in der Luftfahrt?

Geringe Sichtweite bezieht sich auf Wetterbedingungen, bei denen die Distanz, die ein Pilot sehen kann, unter den behördlichen oder betrieblichen Schwellenwerten liegt und die Flugsicherheit beim Start, bei der Landung, beim Rollen und im Anflug beeinflusst. Dies löst den Einsatz von Instrumentenverfahren und speziellen Flughafenprotokollen aus.

Wie wird geringe Sichtweite an Flughäfen gemessen?

Geringe Sichtweite wird typischerweise mit Runway Visual Range (RVR)-Sensoren, automatischen Wetterstationen (ASOS) und menschlichen Beobachtern gemessen. RVR gibt die Entfernung an, die ein Pilot entlang der Start- und Landebahn sehen kann, was für sichere Landungen und Starts entscheidend ist.

Was sind die Hauptursachen für geringe Sichtweite in der Luftfahrt?

Häufige Ursachen sind Nebel, Dunst, Rauch, Niederschlag (Regen, Schnee, Nieselregen), aufgewirbelter Staub und Sand sowie vulkanische Asche. Jede Ursache hat eigene Entstehungsmechanismen und unterschiedliche Auswirkungen auf die Sicherheit von Flughafen und Flugbetrieb.

Welche Flugkategorien basieren auf Sichtweite und Wolkenuntergrenze?

Flugkategorien umfassen VFR (Sichtflugregeln), MVFR (eingeschränkte Sichtflugregeln), IFR (Instrumentenflugregeln) und LIFR (stark eingeschränkte Instrumentenflugregeln). Jede Kategorie ist durch Mindestwerte für Wolkenuntergrenze und Sichtweite definiert und bestimmt zulässige Abläufe.

Wie funktionieren Flughäfen bei geringer Sichtweite?

Flughäfen setzen bei geringer Sichtweite spezielle Betriebsverfahren (LVO) ein – etwa SMGCS, Beleuchtungssysteme und RVR-basierte Mindestwerte –, um sichere Bewegungen am Boden und in der Luft zu gewährleisten. Piloten wechseln auf Instrumentenflugregeln und verlassen sich auf die Leitung durch die Flugsicherung.

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